{"id":398871,"date":"2025-09-05T13:27:23","date_gmt":"2025-09-05T13:27:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/398871\/"},"modified":"2025-09-05T13:27:23","modified_gmt":"2025-09-05T13:27:23","slug":"museum-folkwang-warum-wir-william-kentridges-megaphon-weiterhin-brauchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/398871\/","title":{"rendered":"Museum Folkwang:\u00a0Warum wir William Kentridges Megaphon weiterhin brauchen"},"content":{"rendered":"<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"0\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Die gro\u00dfformatigen, verwischten und vielfach \u00fcberlagerten Kohle- und Buntstiftzeichnungen in den ersten Ausstellungsr\u00e4umen sind Teil der Kurzfilmreihe \u201eDrawings for Projection\u201c, die sich mit der Verfasstheit S\u00fcdafrikas auseinandersetzt und daf\u00fcr eindringliche Bilder finden. Die Kohle- und Pastellzeichnung \u201eDrawing for Mine\u201c von 1991 etwa zeigt und markiert ein Zwischenstadium bei der Genese des 16-mm-Films \u201eMine\u201c, der ein paar Schritte weiter zu sehen ist. Und an dessen Ende, nach einer absurden und grausamen Reise tief hinein in die Erde und die ausbeuterischen Verh\u00e4ltnisse in den Minen S\u00fcdafrikas, ein kleines Nashorn auf der Bettdecke des reichen Immobilien- und Minenbesitzers Soho Eckstein zur\u00fcck bleibt.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"1\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Seit mehr als 40 Jahren erkundet er mit seinen Werken die Geschichte S\u00fcdafrikas an der Schnittstelle des Pers\u00f6nlichen und des Politischen. International bekannt geworden ist der s\u00fcdafrikanische K\u00fcnstler William Kentridge Ende der 1980er Jahre mit ebenjenen animierten Kohlezeichnungen, kurzen Filmen, die die politischen und kulturellen Kontexte der s\u00fcdafrikanischen Geschichte und Gegenwart kritisch betrachten &#8211; auf eine poetische ebenso wie abgr\u00fcndig beklemmende Weise, eindringlich und ber\u00fchrend. Die Kohlezeichnungen werden im Laufe der Arbeit immer wieder und immer weiter ausradiert und verwischt, sodass sich die Figuren wie in einer Wolke aus Asche, Staub und Ru\u00df bewegen. Die Spuren ihrer Entstehung bleiben sichtbar, sie werden transformiert, in Raum und Zeit verdichtet und gleichzeitig aufgel\u00f6st, schwebend irgendwo zwischen Erinnern und Vergessen.<\/p>\n<p>Seine Werke sind in Museen und auf B\u00fchnen weltweit zu sehen<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"3\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Kentridge ist wohl einer der facettenreichsten K\u00fcnstler seiner Generation, seine Werke atmosph\u00e4risch, bildgewaltig und dramatisch. Als Zeichner und Bildhauer ebenso wie in seinen Arbeiten f\u00fcr Film, Theater oder Oper (2018 etwa wurde die Ruhrtriennale mit Kentridges \u201eThe Head &amp; The Load\u201c er\u00f6ffnet.). Inzwischen sind seine Werke in Museen, Ausstellungen und auf B\u00fchnen \u00fcberall auf der Welt zu sehen, im MoMA in New York, im Louvre in Paris, der Albertina in Wien oder der Scala in Mailand. Er nahm dreimal an der Documenta teil und f\u00fcnfmal an der Biennale in Venedig.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"4\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Experimentell, performativ und zutiefst menschlich untersuchen die Arbeiten Themen wie Flucht und Vertreibung, Unterdr\u00fcckung und Zwang, Ausbeutung, Rassismus, die Umdichtung von Geschichte, die Rolle des K\u00fcnstlers in einer repressiven Gesellschaft und die Macht von Sprache. Das Erbe des Kolonialismus ist nicht nur in seiner Heimat S\u00fcdafrika, sondern ebenso in den L\u00e4ndern und Kulturen der Kolonisatoren bis heute wahrnehmbar, man muss nur genau hinh\u00f6ren: \u201eListen to the Echo\u201c.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"4000\" height=\"2844\" alt=\"Der K\u00fcnstler William Kentridge steht im Folkwang Museum.\" loading=\"lazy\" onerror=\"this.setAttribute('data-error', 1)\" class=\"current-image dm-figure__image dm-figure__image--undefined undefined\" data-nuxt-pic=\"\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/450e9902-9e0e-4fb5-a21b-133a88369f28.jpeg\"  \/><\/p>\n<p class=\"dm-figure__subline\" data-v-72e429ff=\"\">Der K\u00fcnstler William Kentridge steht im Folkwang Museum.<\/p>\n<p class=\"dm-figure__copyright\" data-v-72e429ff=\"\">Copyright: Oliver Berg\/dpa<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"6\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Unter diesem Titel w\u00fcrdigen das Essener Folkwang Museum und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden den K\u00fcnstler zu seinem 70. Geburtstag nun mit einem umfangreichen und intensiven Gemeinschaftsprojekt: <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.museum-folkwang.de\/de\" rel=\"nofollow noopener\">\u201eWilliam Kentridge. Listen to the Echo\u201c.<\/a> In Essen werden Hauptwerke seit den sp\u00e4ten 1970er Jahren pr\u00e4sentiert, Filme, Multimedia-Arbeiten, Zeichnungen und Grafiken, Skulpturen und Tapisserien, von denen so manche sich auf den Niedergang der Montanindustrie in Johannesburg beziehen (etwa die Kurzfilme \u201eMine\u201c oder \u201eCity Deep\u201c aus der Reihe \u201eDrawings for Projection\u201c), von wo aus sich m\u00fchelos eine Br\u00fccke ins Ruhrgebiet schlagen l\u00e4sst.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"7\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">An beiden Standorten, in Dresden wie in Essen, sind die Ausstellungen in enger Zusammenarbeit mit dem K\u00fcnstler und seinem Studio entwickelt worden. Bei Kentridge arbeitet das K\u00fcnstlerstudio, darauf legt der K\u00fcnstler nach wie vor gro\u00dfen Wert, als kommunikatives und kooperatives Labor. Bei einigen der Arbeiten sind verschiedene Gewerke beteiligt, B\u00fchnen- und Ausstellungsdisplays m\u00fcssen gebaut, mechanische oder elektronische Vorrichtungen integriert werden. So zum Beispiel bei der \u201eBlack Box \/ Chambre Noir\u201c (2005), einer mechanischen Miniaturb\u00fchne, die auf nur scheinbar verspielte Weise die Erinnerung an den Genozid deutscher Soldaten 1904 an den Herero und Nama in Deutsch-S\u00fcdwestafrika (dem heutigen Namibia) wachh\u00e4lt. Ein weiteres dunkles Kapitel unserer Geschichte, welches nicht vergessen werden sollte.<\/p>\n<p>Kentridges Eltern vertraten Nelson Mandela als Rechtsanw\u00e4lte<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"9\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Besonders sp\u00fcrbar ist die wertsch\u00e4tzende Gemeinschaftlichkeit auch bei den Tapisserien, die in einer Weberei nahe Johannesburg gefertigt werden. Die riesigen Wandteppiche der Serie \u201ePorter\u201c (Tr\u00e4ger, 2001 bis 2007) entstehen in feinster Handarbeit nach kleinen collagierten Vorlagen: Landkarten breiten sich auf der Bildfl\u00e4che aus, menschliche Silhouetten, geformt aus gerissenem schwarzen Papier, sind ihr Hauptmotiv, schattenhafte Lastentr\u00e4ger schleppen ihre Lasten, \u00fcberlagert von Stacheldraht-Ornamenten, auf einem der Wandteppiche wird mit riesenhaftem Zirkel die Welt vermessen (und dann wohl aufgeteilt).<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"10\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">William Kentridge stammt aus einer litauisch-j\u00fcdischen Familie, 1955 in Johannesburg, S\u00fcdafrika, geboren hat er die Apartheid ebenso wie deren Ende hautnah miterlebt. Seine Eltern, beide Rechtsanw\u00e4lte, vertraten unter anderem Nelson Mandela und Desmond Tutu gegen das rassistische Regime. In den 1980er Jahren arbeitete er in Paris als Schauspieler und Regisseur, dann als Grafiker und Zeichner und ist dar\u00fcber zu den Animationsfilmen gekommen, in denen Musik immer schon eine tragende Rolle spielt. Ebenso wie die Bezugnahmen und Verweise auf aktuelles Geschehen oder kulturelle Symbole und \u00dcberlieferungen: Politik und Historie, traditioneller indigener Kopfschmuck, antike Mythen oder Gestalten der europ\u00e4ischen Renaissancekunst und der russischen Literatur und vieles mehr.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ksta.de\/kultur-medien\/paula-rego-warum-ein-pruegelnder-affe-auch-heute-noch-politisch-ist-1034565\" class=\"dm-imagefeat__imagecontainer dm-imagefeat relative\" aria-label=\"\" tabindex=\"-1\" data-v-d81621e6=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"2362\" height=\"1593\" alt=\"Ein Comicaffe haut eine Frau.\" loading=\"lazy\" onerror=\"this.setAttribute('data-error', 1)\" class=\"dm-imagefeat__image w-full aspect-square sm:aspect-auto aspect-video\" style=\"aspect-ratio:1;\" data-nuxt-pic=\"\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/f4a0eaa2-c6ea-414b-9646-cdebb09117db.jpeg\"  \/><\/a><\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"12\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Das Megaphon ist ein immer wiederkehrendes Motiv in den Bildern und auch in den Ausstellungsr\u00e4umen selbst stehen etliche gro\u00dfe Schalltrichter umher. Als Requisiten des Protestes? Als Stimmenverst\u00e4rker? Oder als Mahnung, den gel\u00e4ufigen Erz\u00e4hlungen und der Propaganda nicht zu trauen? Als Hinweis auf die Macht von Sprache als Herrschaftsinstrument? Es gibt in dieser bewegenden Ausstellung viele Gr\u00fcnde, William Kentridges Kunst nach wie vor zwingend und relevant zu finden.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"14\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\"><strong>\u201eWilliam Kentridge. Listen to the Echo\u201c, <\/strong>Museum Folkwang, Essen, Di.\u2013So. 10-18, Do., Fr. 10-20, bis 18. Januar 2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die gro\u00dfformatigen, verwischten und vielfach \u00fcberlagerten Kohle- und Buntstiftzeichnungen in den ersten Ausstellungsr\u00e4umen sind Teil der Kurzfilmreihe \u201eDrawings&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":398872,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1834],"tags":[3364,29,3688,30,1209],"class_list":{"0":"post-398871","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-essen","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-essen","11":"tag-germany","12":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115151926240535041","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/398871","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=398871"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/398871\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/398872"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=398871"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=398871"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=398871"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}