{"id":399372,"date":"2025-09-05T17:53:10","date_gmt":"2025-09-05T17:53:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/399372\/"},"modified":"2025-09-05T17:53:10","modified_gmt":"2025-09-05T17:53:10","slug":"mona-lang-was-lesen-sie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/399372\/","title":{"rendered":"Mona Lang: Was lesen Sie?"},"content":{"rendered":"<p>Was lesen Sie?<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ich lese gerade \u201eNotes to John\u201c von \u00adJoan Didion und f\u00fchle mich dabei schlecht. Wie eine Verr\u00e4terin. Als w\u00fcrde ich eine Freundin hintergehen. Joan Didion hat f\u00fcr ihren Mann John Dunne die Erkenntnisse aus ihren Therapiesitzungen niedergeschrieben, in denen es vor allem um das Wohl ihrer alkoholkranken Adoptivtochter Quintana geht. Und eben darum, welche Dinge vielleicht nicht so gut gelaufen sind in der Familie Didion-Dunne. H\u00e4tte man dies postum ver\u00f6ffentlichen d\u00fcrfen? Eher nein. Aber die Texte sind geformt, gemacht. Sind sie damit Literatur und somit Kunst, und ist nicht alles Private auch politisch und so auch irgendwie \u2026 wichtig? H\u00e4tte Joan Didion dem zugestimmt, schlie\u00dflich hat sie doch auch sehr pers\u00f6nliche B\u00fccher geschrieben? Ich f\u00fcrchte, das sind Ausreden, um meine unb\u00e4ndige Neugier zu rechtfertigen, denn nichts reizt mich mehr, als in die Leben anderer Menschen spinksen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Welches Buch haben Sie im B\u00fccherschrank, das Sie bestimmt nie lesen werden?<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Mein Vater hat mir vor vielen Jahren f\u00fcnf B\u00fccher geschenkt \u2013 goldgepr\u00e4gte Leineneinb\u00e4nde mit schwarzem Farbschnitt \u2013, Heines Werke. Aus der goldenen Klassikerbibliothek, verlegt vom Deutschen Verlagshaus Bong &amp; Co., 15 Teile in 5 B\u00e4nden. Circa 1910. \u201eDie sind sicher mal viel wert, deswegen sollst du sie haben!\u201c Ich war damals ein Teenager und las gern. Mein Vater, gelernter Schriftsetzer und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer kleinen Druckerei, las ebenso gern. Aber: nie werde ich die B\u00fccher lesen, nie. Nicht nur, weil sie in altdeutsch vorliegen, auch weil mich Heine eigentlich nicht interessiert. Sie sind auch nichts wert. (Sorry, Papa!) Aber sie stehen so sch\u00f6n verloren zwischen Michel Houellebecq und Patricia Highsmith (ich bin nur beim Anfangsbuchstaben ordentlich), dass ich oft grinsen muss, wenn ich bei H vorbeikomme. Au\u00dferdem sind &#8211; warum auch immer &#8211; kleine Herzchen auf den B\u00fcchern. Und sie verbinden mich mit meinem Vater, der mir das B\u00fccherlesen vorgelebt hat und bis heute meine Lesesucht teilt. Lange las er ausschlie\u00dflich Krimis, Wallander und Donna Leon. Irgendwann gab ich ihm \u201eKafka am Strand\u201c von Haruki Murakami und \u201eDie Korrekturen\u201c von Jonathan Franzen und bat ihn, mir zu vertrauen. Seitdem lesen wir die gleichen B\u00fccher. Und: beide lieber Houellebecq als Heine. Ein gro\u00dfes Gl\u00fcck!<\/p>\n<p><strong>Mona Lang ist Programmleiterin f\u00fcr Internationale Literatur und das neu gegr\u00fcndete junge Imprint kiwi space (vorher kiwi sphere) beim Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch<\/strong> sowie Mitglied der Gesch\u00e4ftsleitung. Ihr Instagram-Kanal @monalalalong hat 25.100 Follower.<\/p>\n<p><strong>In der Sonntagszeitung vom 7. September<\/strong> finden sich zus\u00e4tzlich die Antworten von Mona Lang auf die Fragen, was sie sieht, was sie h\u00f6rt \u2013 und wann sie zuletzt ihre Meinung ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was lesen Sie? Ich lese gerade \u201eNotes to John\u201c von \u00adJoan Didion und f\u00fchle mich dabei schlecht. 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