{"id":399611,"date":"2025-09-05T20:02:14","date_gmt":"2025-09-05T20:02:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/399611\/"},"modified":"2025-09-05T20:02:14","modified_gmt":"2025-09-05T20:02:14","slug":"standortbestimmung-in-der-digitalen-transformation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/399611\/","title":{"rendered":"Standortbestimmung in der digitalen Transformation"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>Die Zukunft an sich, die Zukunft der Arbeit: Beides stand gro\u00df auf dem Programm beim Digital-Kongress \u201cHorizons by Heise\u201d in Hannover. Der machte sich auf zu einer Standortbestimmung der digitalen Transformation in unsicheren Zeiten.<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>KI wird uns nicht retten. Jedenfalls nicht einfach so, nur weil es sie gibt. Wenn uns etwas in die Zukunft bringt, dann ist es das: Haltung. Vielleicht l\u00e4sst sich in dieser K\u00fcrze ein wesentlicher Strang des Digitalkongresses \u201eHorizons by Heise\u201c zusammenfassen.\u00a0<\/p>\n<p>Es ging, klar, um Horizonte, Anfang September in Hannovers Altem Rathaus. Sagt ja schon der Name des Kongresses. Den eigenen Horizont erweitern, dar\u00fcber nachdenken, was hinter dem Horizont ist und was derlei Sprachbilder mehr sind: Wir lassen sie einfach. Aber wo steht Deutschland bei der digitalen Transformation, vor allem mit Blick auf KI: noch dabei oder schon abgeh\u00e4ngt? Und was ist mit der Zukunft der Arbeit? Mit Kreativit\u00e4t in Zeiten K\u00fcnstlicher Intelligenz? Solche Themen \u2013 und weitere Veranstaltungen am Rand \u2013 zogen 760 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, doppelt so viele wie im Vorjahr.\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/assets.coco-online.de\/89141757081252-7zCaNSYD\/horizons-macher_large_w.jpg\" data-lightbox=\"1757102531\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"aspect-ratio:750\/500;\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/horizons-macher_medium_w.jpg\" alt=\"B\u00fchne mit mehreren Sprechern auf der horizons by heise Konferenz vor Publikum\" title=\"Sprecher auf der horizons by heise Konferenz \u2013 Veranstaltung mit Publikum\" data-media-id=\"223434\" width=\"750\" height=\"500\"\/><\/a>Das Team hinter Horizons by Heise.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Wo anfangen? Mit dem Positiven: Was alles m\u00f6glich ist und wie man es erreicht? Nein, lieber mit der anderen Seite.<\/p>\n<p><strong>Entleerung der Kultur<\/strong><\/p>\n<p>KI wird uns nicht retten. Im Gegenteil. Sagt Richard David Precht, als einer von zwei Popul\u00e4rphilosophen beim Horizons-Kongress eindeutig Publikumsmagnet. Sie wird uns nicht retten, weil sie sowieso in mancher Hinsicht das Ende ist. Die Precht\u2019sche Sicht: \u201eWir entleeren gerade unsere Kultur.\u201c Und h\u00f6hlen, sagt er weiter, unsere Kreativit\u00e4t aus. Zweitens: \u201eWir werden kein f\u00fchrender KI-Standort in der Welt.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>\u201eOijoijoi\u201c, kommentierte das einigerma\u00dfen \u00fcberrascht Prechts Gespr\u00e4chspartner Carsten Bergmann, Chefredakteur der Neuen Presse in Hannover. Und machte damit unbewusst eine in Deutschland vorherrschende Grundhaltung deutlich: Werden wir nicht? Wie kann das sein? Wir waren doch immer eine f\u00fchrende Wirtschafts- und Wissenschaftsnation, erfreuten uns jahrzehntelang weltweiter Nachfrage.\u00a0<\/p>\n<p>Erfolg und Wohlstand, h\u00f6chstens mal mit einigen Dellen, als Teil unserer DNA, \u201equasi als nat\u00fcrlich empfundener Zustand.\u201c So wiederum Precht.<\/p>\n<p><strong>Deutschland muss sich neu erfinden<\/strong><\/p>\n<p>Was aber eben nicht bedeutet, dass es so weitergehen wird. \u201eZu viele alte Leute, die zu viel zu verlieren haben\u201c \u2013 Precht beschrieb das Problem von Gesellschaften, die in die Jahre gekommen sind.\u00a0 Er sprach vom \u201egro\u00dfen, lange, schweren, rostigen Tanker\u201c Deutschland, einer alten Firma, die sich neu erfinden muss. Nur: \u201eDie Notwendigkeit ist gro\u00df. Die Mentalit\u00e4t gering.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/assets.coco-online.de\/89141757078932-n2KefBZo\/horizons-anders-indset_large_w.webp\" data-lightbox=\"1757102531\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"aspect-ratio:768\/512;\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/horizons-anders-indset_medium_w.webp.webp\" alt=\"Anders Indset spricht auf der Horizons Konferenz\" width=\"768\" height=\"512\" title=\"Anders Indset als Speaker auf der Horizons Konferenz\" data-media-id=\"223424\"\/><\/a>Anders Indset.<\/p>\n<p>Womit wir bei der Haltung w\u00e4ren. Mentalit\u00e4t, das ist das Ding von Anders Indset, wie Precht philosophischer Bestseller-Autor. Indset, der vor rund 25 Jahren als Handballspieler nach Deutschland kam, beherrscht die deutsche Sprache wirklich gut \u2013 und kommt doch zu ziemlich interessanten Wortsch\u00f6pfungen. Untotigkeit ist so eines. Gemeint ist eine Art Zombie-Haltung, ziellos einfach nur reagieren. Tauscht man nur einen Buchstaben aus, wird daraus: Unt\u00e4tigkeit. Passt irgendwie beides.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Hauptsache was tun<\/strong><\/p>\n<p>Denn in einer solchen reaktiven Haltung sieht Indset Deutschland gerade gefangen. Und will, ganz Trainer, den Mentalit\u00e4tswandel. Mit haarfeinen Nuancen: \u201eWir m\u00fcssen was tun\u201c, hei\u00dft es \u00fcberall angesichts des Gebirges an Aufgaben. Indset setzt dagegen: \u201eWir d\u00fcrfen was tun!\u201c Lebendigkeit, das sei sein Lieblingswort. Lebendig und vor allem t\u00e4tig, dann geht\u2019s: \u201eWenn 80 Millionen ein bissle was tun \u2026\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Und er k\u00e4mpft auch sonst gegen die deutsche Bewahrer-Mentalit\u00e4t. \u201eFreu\u2018 Dich nicht zu fr\u00fch.\u201c Dieser so erhobene Zeigefinger werde hierzulande, gerne in Talkshows, mit allerlei Studien unterst\u00fctzt. Um zu erkl\u00e4ren, warum die Zukunft eben doch nicht so wird, sondern anders. Warum das, zum Beispiel, nichts wird mit den Elektroautos und der erneuerbaren Energie.\u00a0<\/p>\n<p><strong>\u201cFreu&#8216; Dich nicht zu sp\u00e4t\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Indset h\u00e4lt dagegen, spricht von den vielen m\u00f6glichen Zuk\u00fcnften, die doch aber alle unplanbar sind. Er verheddert sich diesmal ein wenig grammatikalisch und macht die Zuk\u00fcnfte zum Verb: Wir m\u00fcssen zuk\u00fcnften, sagt er. Um mit allem zurechtzukommen, was da unbekannterweise an Zuk\u00fcnften hinter dem Horizont wartet. Das kam an beim Horizons-Publikum. Fest steht nur eins: Welche Zukunft auch immer, sie kommt schneller, als man denkt. Also sagt Indset: \u201eFreu\u2018 Dich nicht zu sp\u00e4t.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Die allgegenw\u00e4rtige Unsicherheit nicht nur bezogen auf die Zukunft, sondern auch auf die Gegenwart hat \u2013 wie sich das heute geh\u00f6rt \u2013 auch eine Abk\u00fcrzung: VUKA. Volatilit\u00e4t, Unsicherheit, Komplexit\u00e4t. Und Ambiguit\u00e4t, was schlicht f\u00fcr Mehrdeutigkeit steht. Aber \u201eVukm\u201c l\u00e4sst sich so schlecht sprechen.\u00a0<\/p>\n<p>Lasse Rheingans brachte bei der Horizons VUKA ins Spiel. Der Bielefelder ist Chef einer Unternehmensberatung, die mit der Zukunft der Arbeit besch\u00e4ftigt. Und wurde bundesweit bekannt, als er den F\u00fcnf-Stunden-Tag f\u00fcr seine Mitarbeitenden einf\u00fchrte, bei vollem Gehalt. Funktioniert, sagt er.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Nichts mehr l\u00e4sst sich planen<\/strong><\/p>\n<p>Womit wir bei der Zukunft der Arbeit w\u00e4ren. VUKA: Nichts l\u00e4sst sich mehr planen, das Warum wird wichtiger als was und wie, es kommt auf Beziehungen an, sagt Rheingans. Und auf Emotion: \u201eRatio war gestern, Gef\u00fchl ist heute.\u201c Was eine andere Form der F\u00fchrung erfordert: Mehr Selbstwirksamkeit, weniger Druck: \u201eNicht mehr schreien und mishandeln.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Eigentlich jedenfalls. Denn Marion King, die vielf\u00e4ltig als Expertin f\u00fcr die Zukunft der Arbeit unterwegs ist, sieht angesichts der grassierenden Unsicherheit eine R\u00fcckkehr zum Hierarchischen Von-oben-nach-unten: \u201eMikromanagement verdr\u00e4ngt zurzeit New Work.\u201c Unsicherheit, gepaart mit Ressourenmangel: Keine Zeit f\u00fcr reflektierendes Denken \u2013 genau das w\u00e4re aber n\u00f6tig, machte Lasse Rheingans deutlich.<\/p>\n<p>Und KI? Davon war nun lange nicht mehr die Rede. Immerhin wissen wir schon, dass sie uns nicht retten wird. Und im Verlauf der Diskussion wurde es nicht besser. Das Freischalten von Copilot ist keine KI-Strategie: \u201eEine Strategie ist aber erforderlich f\u00fcr mehr Produktivit\u00e4t\u201c, sagte etwa die Arbeitspsychologin Dr. Nicole Deci. Und sie warnte vor einem \u201ealgorithmischen Management\u201c, bei dem Leistung und Ziele KI-gesteuert werden.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Erst selber denken<\/strong><\/p>\n<p>ChatGPT, so Deci, sei ein wesentliches Instrument, das aber nicht nur einen Zuwachs, sondern auch einen Verlust an Wissen bringen, in eine Abh\u00e4ngigkeit vom digitalen Informations- und Textlieferanten f\u00fchren kann. Konkret machte das Sprachfachfrau Anne-Kathrin Gerstlauer: Erst selber denken vor dem Prompt. Hand aufs Herz: Wie halten Sie\u2019s damit? Achtung: Wer es umgekehrt macht, bei dem ist die Gehirnaktivit\u00e4t deutlich niedriger, sp\u00e4ter die Erinnerung an die geprompteten Inhalte deutlich geringer. H\u00e4tte eine Studie herausgefunden, so Gerstlauer. Und sie zeigte auch, dass ein Prompt, der die Kreativit\u00e4t tats\u00e4chlich unterst\u00fctzt, eine ziemlich komplizierte Sache ist. Ansonsten, w\u00e4re die Schlussfolgerung, \u00fcberlassen wir der KI die Kreativit\u00e4t. War es nicht Richard David Precht, der eben noch von ihrer Aush\u00f6hlung gesprochen hatte?<\/p>\n<p>Es war dann Arbeitsexpertin Marion King, der die Diskussion bis dahin auf den Punkt brachte: \u201eZukunft der Arbeit? Keiner wei\u00df es.\u201c H\u00f6rt sich nach wenig an. Ist aber in einer Transformation, in der wir uns nicht nur bei der Arbeit befinden und die bei der \u201eHorizons by Heise abgebildet werden soll, unvermeidlich. Anders Indset jedenfalls h\u00e4tte bei diesem Ergebnis vermutlich seinen Spa\u00df: Nat\u00fcrlich ist alles ungewiss. Also macht was draus. Denn: \u201cEs geht immer weiter.\u201d Hinter dem Horizont.<\/p>\n<p class=\"kategorie-rot\">Weitere Veranstaltungen bei der Horizons by Heise besch\u00e4ftigten sich mit der <a href=\"https:\/\/nw-ihk.de\/archiv\/verwaltungsdigitalisierung-heise-horizons\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Verwaltungsdigitalisierung<\/a> und mit <a href=\"https:\/\/nw-ihk.de\/archiv\/streiflicht-mensch\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ethischen Fragen<\/a>.<\/p>\n<p>\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Zukunft an sich, die Zukunft der Arbeit: Beides stand gro\u00df auf dem Programm beim Digital-Kongress \u201cHorizons by&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":399612,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1836],"tags":[106606,3364,29,30,46,106605,106604,1411,106603],"class_list":{"0":"post-399611","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hannover","8":"tag-anders-indset","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-hannover","13":"tag-heise","14":"tag-horizons-by-heise","15":"tag-niedersachsen","16":"tag-richard-david-precht"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115153479179008265","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/399611","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=399611"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/399611\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/399612"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=399611"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=399611"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=399611"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}