{"id":400104,"date":"2025-09-06T00:36:18","date_gmt":"2025-09-06T00:36:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/400104\/"},"modified":"2025-09-06T00:36:18","modified_gmt":"2025-09-06T00:36:18","slug":"der-engel-von-rom-von-jess-walter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/400104\/","title":{"rendered":"\u201eDer Engel von Rom\u201c von Jess Walter"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"article_excerpt\">Jess Walter zeichnet in \u201eDer Engel von Rom\u201c das humorvolle Portr\u00e4t eines 21-J\u00e4hrigen US-Amerikaners, der in Italien Priester werden soll, doch am Ende als Drehbuchschreiber gefeiert wird.<\/p>\n<p>Jack Rigel wohnt in Omaha, Nebraska, kommt aus einer streng katholischen Familie und die Mutter m\u00f6chte, dass ihr Sohn Priester wird. Doch Jack ist atheistisch und will viel lieber Schriftsteller werden. Als er dann die Gelegenheit bekommt, ein Jahr im Vatikan Latein zu studieren, nimmt seine Fantasie sofort freien Lauf. Tats\u00e4chlich bekommt er das Stipendium \u2013 unn\u00f6tig zu erw\u00e4hnen, dass er trotz seiner Behauptungen weder Latein beherrscht noch Italienisch spricht.<\/p>\n<p>Jess Walter: Der Engel von Rom<\/p>\n<p>Kampa Verlag, 2025, 128 S., 20 Euro<\/p>\n<p>Aus d. Engl. v. Georg Deggerich<\/p>\n<p>Er beschreibt sich selbst als \u201eunfertiges Projekt\u201c und will diese Gelegenheit nutzen, um den alten, sch\u00fcchternen Jack vollst\u00e4ndig hinter sich zu lassen \u2013 und an einem Ort neu anfangen, wo niemand ihn kennt. Noch dazu in Rom, dem Kultur-Paradies schlechthin \u2026<\/p>\n<p>\u201eIch konnte diesen neuen Jack Riegel praktisch vor mir sehen, wie er den ganzen Tag \u00fcber in Caf\u00e9s an seinem Espresso nippte, mit dunkler Sonnenbrille und dem schwarzen Ledermantel (\u2026), Sartre und Nietzsche zitierte und Muratti-Zigaretten rauchte.\u201c<\/p>\n<p>Doch in Rom angekommen, wird Jack schlagartig zur\u00fcck in die Realit\u00e4t katapultiert und findet sich ohne Geld in einem komplett abgerockten, winzigen Apartment wieder. Er ist mit Abstand der schlechteste in seinem Lateinkurs, schrecklich sch\u00fcchtern und besitzt noch dazu das au\u00dfergew\u00f6hnliche Talent, sich selbst in die unangenehmsten Situationen zu bringen. Schon nach kurzer Zeit ist er bereit, aufzugeben und seine Mission als gescheitert zu erkl\u00e4ren \u2013 doch dann nimmt sein Leben eine unerwartete Wendung.<\/p>\n<p>Jack platzt direkt in ein Filmset \u2013 und st\u00f6\u00dft auf den Engel von Rom<\/p>\n<p>Mitten in den Gassen Roms hat Jack pl\u00f6tzlich nur noch Augen f\u00fcr sie: die ber\u00fchmte italienische Schauspielerin Angelina Amadio, wie sie dort im \u2013 merkw\u00fcrdigerweise stark erleuchteten \u2013 Caf\u00e9 sitzt. Seine heimliche Liebe, seit er sie auf der Leinwand eines Kinos in seiner Heimat gesehen hat. Angelina Amado ist sein pers\u00f6nlicher Engel von Rom.<\/p>\n<p>Wie in Trance bewegt er sich auf sie zu \u2013 und platzt mitten in einen Filmdreh. Doch Sam, ebenfalls Schauspieler und Jack als \u201eRonnie\u201c aus einer seiner Lieblingsserien bekannt, h\u00e4lt Jack f\u00fcr einen Freund Angelinas \u2013 und dieser kriegt, sch\u00fcchtern wie er ist, seinen Mund nicht auf, um das Missverst\u00e4ndnis aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Jack wird zum scheinbaren Freund, Ronnies Komplizen, \u00dcbersetzer, Drehbuchautoren \u2026<\/p>\n<p>Dieser Irrtum ist erst der Beginn, und schon bald h\u00e4ufen sich Missverst\u00e4ndnisse und L\u00fcgen. Doch jetzt hat Ronnie Jack als Komplizen ausgew\u00e4hlt: Jack wird zu Ronnies pers\u00f6nlichem \u00dcbersetzer \u2013 ohne Latein oder Italienischkenntnisse.<\/p>\n<p>\u201eIch habe keine Ahnung, wie ich diesen Teil von Ronnies Rede \u00fcbersetzte. Ich machte einfach nur Ger\u00e4usche, die irgendwie Italienisch klangen. (\u2026) dann nickte ich ihm zu, fortzufahren.\u201c<\/p>\n<p>Sie trinken gemeinsam Wodka, Jack trifft nahezu keine Entscheidung selbst, gibt vollst\u00e4ndig die Kontrolle ab \u2013 und l\u00e4sst damit seinem Leben voller unerwarteter, unglaublich lustiger Momente freien Lauf. Er stolpert von einer Rolle in die n\u00e4chste \u2013 und hat stets das Gl\u00fcck auf seiner Seite, dass alle Menschen seine Schusseligkeit mit liebevollem Humor aufnehmen.<\/p>\n<p>\u201eRonnie nickt mir zu, und wir nahmen das erste Glas. (\u2026) Ich kann nicht genug betonen, was f\u00fcr ein frommer katholischer Junge ich bis dahin gewesen war (\u2026) \u2013 Gott ergeben im Fleische, wenn auch nicht immer im Geiste.\u201c<\/p>\n<p>Auf diese Art findet Jack seinen ganz pers\u00f6nlichen Weg: Als Ronnie mit seiner Rolle im Drehbuch unzufrieden ist, preist er Jack auch noch als Drehbuch\u00fcberarbeiter an \u2013 und die zust\u00e4ndigen Personen vertrauen Jack in ihrer Verzweiflung tats\u00e4chlich das Skript an. Jack taucht vollst\u00e4ndig in die Welt des Films ein \u2013 und 20 Jahre sp\u00e4ter ist er dann wirklich ein erfolgreicher Drehbuchautor. Ein Happy End aus dem Buche also.<\/p>\n<p>Ein Coming-of-Age Roman \u2013 jedoch ganz anders als erwartet<\/p>\n<p>\u201eDer Engel von Rom\u201c wirkt mit dem Aufbruch des 21-j\u00e4hrigen Jacks in einen neuen Lebensabschnitt zun\u00e4chst wie ein typischer Adoloszenzroman. Autor <a href=\"https:\/\/kulturnews.de\/kuenstler\/jess-walter\/\" title=\"Jess Walter\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jess Walter<\/a> macht jedoch von Beginn an klar, dass seine Coming-of-Age-Geschichte einem ganz eigenen Muster folgt. Mit viel Humor berichtet er von all den eigenartigen Zuf\u00e4llen, und es ist diese Undurchschaubarkeit, die den Roman zu einem witzigsten und unterhaltsamsten B\u00fccher des Sommers 2025 macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Jess Walter zeichnet in \u201eDer Engel von Rom\u201c das humorvolle Portr\u00e4t eines 21-J\u00e4hrigen US-Amerikaners, der in Italien Priester&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":400105,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-400104","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115154556347886349","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/400104","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=400104"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/400104\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/400105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=400104"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=400104"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=400104"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}