{"id":400464,"date":"2025-09-06T03:56:10","date_gmt":"2025-09-06T03:56:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/400464\/"},"modified":"2025-09-06T03:56:10","modified_gmt":"2025-09-06T03:56:10","slug":"heimliche-oelimporte-aus-russland-hat-trump-recht-mit-seiner-europa-kritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/400464\/","title":{"rendered":"Heimliche \u00d6limporte aus Russland: Hat Trump recht mit seiner Europa-Kritik?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Donald Trump<\/strong> und seine Drohungen, das ist so eine Sache. Mehr als einmal hat der US-Pr\u00e4sident <strong>Wladimir Putin<\/strong> bereits ausgerichtet, er werde es heftig zu sp\u00fcren bekommen, wenn er nicht bald die Waffen in der Ukraine ruhen lasse und sich an den Verhandlungstisch setze. Nur passiert ist bisher: nichts.<\/p>\n<p>Stattdessen sucht Trump die Schuld woanders, etwa bei den Europ\u00e4ern. Ihnen warf der US-Pr\u00e4sident jetzt lautstark vor, Putins Kriegsmaschinerie trotz aller Sanktionen weiterhin heimlich zu \u00f6len. Die EU beziehe trotz ihres lautstark verk\u00fcndeten Importstopps weiter russisches \u00d6l, beschuldigte er die EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag in einem Telefonat. 1,1 Milliarden Dollar habe Europa so in nur einem Jahr an Moskau \u00fcberwiesen.<\/p>\n<p>Stimmt das?<\/p>\n<p>    Putins inoffizielle Wege<\/p>\n<p>Ja, Trump hat recht. Europa ist tats\u00e4chlich nicht zur G\u00e4nze aus dem \u00d6lgesch\u00e4ft mit <strong>Russland <\/strong>ausgestiegen. F\u00fcr die <strong>Slowakei <\/strong>und <strong>Ungarn<\/strong>, die beide sehr putinfreundliche Regierungen haben, gibt es ganz offiziell Ausnahmen vom EU-\u00d6lembargo. Doch auf diese beiden Staaten spielte Trump gar nicht an: Ihm ist das \u00d6l ein Dorn im Auge, das auf inoffiziellen Wege nach Europa kommt \u2013 etwa \u00fcber <strong>Indien <\/strong>und die <strong>T\u00fcrkei<\/strong>.<\/p>\n<p>Russland hat als Reaktion auf die EU-Sanktionen n\u00e4mlich begonnen, sein \u00d6l in gro\u00dfem Stil umzuleiten und auch \u00fcber dubiose Wege an den Mann zu bringen. Zum einen nutzt Moskau eine \u201eSchattenflotte\u201c, sprich Tanker, die zwar russisches \u00d6l transportieren, aber Russland nicht zuzuordnen sind. Etwa 500 solcher Schiffe d\u00fcrfte es derzeit geben, Tendenz steigend \u2013 Moskau kauft regelm\u00e4\u00dfig alte Tanker, um sie umzuetikettieren und um die Welt zu schicken.<\/p>\n<p>Diese Schiffe steuern zwar keine europ\u00e4ische H\u00e4fen an, das ist ihnen verboten, aber das \u00d6l kommt auf Umwegen retour: Die <strong>Schattenflotte <\/strong>beliefert indische und t\u00fcrkische Raffinerien, die das Roh\u00f6l verarbeiten und nach Europa verkaufen. Verschifft wird es derzeit haupts\u00e4chlich in die Niederlande, von dort aber d\u00fcrfte es durchaus auch an Tankstellen anderer EU-L\u00e4nder landen.<\/p>\n<p>    Indien als Nutznie\u00dfer des West-Ausstiegs<\/p>\n<p>Dieser Handel floriert seit Kriegsbeginn, zuletzt sogar mit massiven Steigerungsraten, da hat Trump recht. <strong>Indien <\/strong>ist der gr\u00f6\u00dfte <strong>Nutznie\u00dfer <\/strong>des angeblichen \u00d6lausstiegs des Westens, es kauft mittlerweile beinahe gleich viel Roh\u00f6l wie die f\u00fcnf Mal gr\u00f6\u00dfere Volkswirtschaft <strong>China<\/strong>, und indische \u00d6lfirmen verdienen gut am Weiterverkauf nach Europa.<\/p>\n<p>Washington war dieses etwas dubiose System aber selbst lange Zeit recht: Die USA hatten Angst, dass der \u00d6lpreis durch ein <strong>Komplettembargo <\/strong>Moskaus durch die Decke gehen k\u00f6nnte \u2013 das h\u00e4tte n\u00e4mlich die US-Bev\u00f6lkerung an der Tankstelle gesp\u00fcrt, und die reagiert auf hohe Preise nicht gerade freundlich. Durch die Umleitung \u00fcber Indien blieb der Markt weitgehend stabil, alle waren zufrieden.<\/p>\n<p>Dass Trump sich nun auf die \u201eheuchlerischen\u201c Europ\u00e4er einschie\u00dft, mag auch als Ablenkung davon dienen, dass seine Ukraine-Friedensbem\u00fchungen derzeit stocken. Doch seine Kritik ist auch nicht ganz lupenrein: Br\u00fcssel hat das Indien-<strong>Schlupfloch <\/strong>n\u00e4mlich schon l\u00e4ngst zu schlie\u00dfen versucht; im Fr\u00fchsommer wurde im j\u00fcngsten <strong>Sanktionspaket <\/strong>beschlossen, dass ab J\u00e4nner 2026 auch kein weiterverarbeitetes \u00d6l russischer Herkunft mehr in der EU landen darf.<\/p>\n<p>Nur: Das zu kontrollieren, ist nicht so einfach, wie es klingt. Laut EU m\u00fcssen Importeure zwar \u201eNachweise \u00fcber das Herkunftsland des verwendeten Roh\u00f6ls\u201c vorlegen, doch die k\u00f6nnen freilich manipuliert sein \u2013 es gibt keine zuverl\u00e4ssige technische Methode, um die Herkunft tats\u00e4chlich nachtr\u00e4glich zu eruieren. Und ist das \u00d6l in der Raffinerie mit anderem Roh\u00f6l gemischt worden, was nat\u00fcrlich oft passiert, wird die Sache mit dem Nachweis noch komplizierter.<\/p>\n<p>    Trumps eigener Plan<\/p>\n<p>Dazu kommt, dass Trump in seiner Kritik ja ausschlie\u00dflich eigenen Interessen folgt. W\u00e4hrend er Europa daf\u00fcr kritisiert, \u00fcber Umwege Handel mit Russland zu treiben, peilt er genau dasselbe an \u2013 nur ohne Umleitungen: Als er Wladimir Putin zum gro\u00dfen Gipfel nach <strong>Alaska <\/strong>eingeladen hatte, lagen auch <strong>Wirtschaftskooperationen <\/strong>im Energiesektor zwischen den USA und Russland auf dem Tisch. Und Putin unterzeichnete nicht zuf\u00e4llig genau an diesem Tag ein Dekret, das den Wiedereinstieg des US-\u00d6lriesen <strong>Exxon Mobile<\/strong> in das Sachalin-I-Projekt in Russland erm\u00f6glichen soll, ein mehr als lukratives \u00d6l- und Gasprojekt. Exxon f\u00fchrt laut Wall Street Journal hinter den Kulissen seit Monaten Gespr\u00e4che mit den Russen \u00fcber eine R\u00fcckkehr \u2013 mit R\u00fcckendeckung des Wei\u00dfen Hauses.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Donald Trump und seine Drohungen, das ist so eine Sache. 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