{"id":400508,"date":"2025-09-06T04:20:12","date_gmt":"2025-09-06T04:20:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/400508\/"},"modified":"2025-09-06T04:20:12","modified_gmt":"2025-09-06T04:20:12","slug":"falscher-straftaten-alarm-haltlose-warnmeldungen-vorgetaeuschte-straftaten-was-steckt-dahinter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/400508\/","title":{"rendered":"Falscher Straftaten-Alarm: Haltlose Warnmeldungen, vorget\u00e4uschte Straftaten \u2013 Was steckt dahinter?"},"content":{"rendered":"<p>Der kleine Felix ist entf\u00fchrt worden. In N\u00fcrtingen. Und in Waiblingen. Wie auch Mia \u2013 in Asperg. Oder Paula in Winnenden. In lokalen Chatgruppen von Facebook oder Instagram verbreiten sich wortgleiche Hilfs- und Fahndungsaufrufe von angeblich vermissten Kindern mit der Bitte, diese weiter zu teilen. Die Entf\u00fchrungen sind frei erfunden. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.vorgetaeuschte-straftaten-in-stuttgart-wo-in-stuttgart-verbrechen-erfunden-werden.ac6f3c9f-b71a-4e3b-bb77-52f7e88319aa.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Falsche Verbrechen<\/a>, haltlose Warnmeldungen, vorget\u00e4uschte Straftaten, gefakte Fahndungen: In der Region <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a> h\u00e4ufen sich derzeit unterschiedlichste F\u00e4lle von falschem Alarm. Was steckt dahinter?<\/p>\n<p>Alarm in N\u00fcrtingen im Kreis Esslingen. \u00dcber Facebook-Netzwerke wird nach dem kleinen Felix gesucht. Beim Spielen im Garten entf\u00fchrt, alles von einer \u00dcberwachungskamera aufgezeichnet, der T\u00e4ter aber nicht identifiziert. F\u00fcr Ramona D\u00f6ttling, Sprecherin des zust\u00e4ndigen Polizeipr\u00e4sidiums Reutlingen, bekannte Aufrufe, bei den es sich um Falschmeldungen handelt: \u201eTats\u00e4chlich gibt es einen solchen Vermissten- beziehungsweise gar Entf\u00fchrungsfall derzeit in N\u00fcrtingen nicht\u201c, so die Sprecherin. \u00c4hnliches muss die Ludwigsburger Polizeisprecherin Yvonne Sch\u00e4chtele <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.aerger-auf-facebook-fake-post-angebliche-entfuehrung-in-asperg-entpuppt-sich-als-perfide-masche.7e40d882-41ac-4e07-94cd-d0f9e49fe51e.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00fcber den Fall Mia in Asperg<\/a> feststellen.<\/p>\n<p>Falscher Verd\u00e4chtiger ger\u00e4t sogar ins Polizeisystem <\/p>\n<p>Ein schlechter Scherz? Doch wie soll man Fake von Fakten unterscheiden? Grunds\u00e4tzlich gilt: Nichts weiterverbreiten, ohne es selbst gepr\u00fcft zu haben. \u201eEin Blick auf den Urheber in den Beitr\u00e4gen l\u00e4sst oft R\u00fcckschl\u00fcsse zu, wer f\u00fcr die Nachricht verantwortlich zeichnet\u201c, sagt Polizeisprecherin D\u00f6ttling. Wer soll das sein \u2013 wangbaochen.com? Auch eine kurze Suche im Internet mit dem Namen des angeblich Gesuchten m\u00fcsse schon stutzig machen: Besagter Felix soll n\u00e4mlich auch in Alsdorf, Crailsheim, Waiblingen oder Laichingen entf\u00fchrt worden sein.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/media.media.1afef7e9-4ff1-4c7d-8c38-14dd06bac3f0.original1024.media.jpeg\"\/>     Selbst eine Amokfahrt in Mannheim im M\u00e4rz 2025 wurde f\u00fcr Fakenews missbraucht.    Foto: dpa    <\/p>\n<p>Doch die Welt der Fakenews und falsche F\u00e4hrten k\u00f6nnen selbst die Polizei irritieren. Als besonders krasser Fall von gef\u00e4lschten Nachrichten gilt die Verbreitung der angeblichen Identit\u00e4t jenes Autofahrers, der Anfang M\u00e4rz dieses Jahres mit seinem Fahrzeug in der Mannheimer Innenstadt in eine Gruppe von Passanten gerast war, dabei zwei Menschen t\u00f6tete und f\u00fcnf schwer verletzte. Eine \u201eunbekannte Quelle von au\u00dfen\u201c, so das Landeskriminalamt, hatte in sozialen Netzwerken das Foto eines deutschen Personalausweises und F\u00fchrerscheins eines Mannes mit eindeutig arabischem Namen verbreitet. Offenkundig sollte \u00fcber rechte Netzwerke <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.todesfahrer-von-mannheim-fakenews-sollten-verdacht-auf-einen-mann-mit-arabischer-herkunft-lenken.0b7e3ba7-9d30-406c-9b82-d37acef53067.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein islamistischer Hintergrund der Amokfahrt in die Welt gesetzt<\/a> werden. Tats\u00e4chlich gingen die Personalie des 33-J\u00e4hrigen aber auch in die polizeiinternen Systeme ein, um zu pr\u00fcfen, ob er etwas mit dem tats\u00e4chlichen 40-j\u00e4hrigen Amokfahrer zu tun hatte.<\/p>\n<p>Entf\u00fchrungs-Fakes sind oftmals eine Phishing-Falle <\/p>\n<p>Dass politische Motive auch hinter den angeblich entf\u00fchrten Kindern stecken, gilt als eher unwahrscheinlich. Vielmehr um betr\u00fcgerisches Phishing, das Abfischen von Profilen von Facebook- oder Instagram-Nutzern. Die Organisation Mimikama, die sich f\u00fcr Aufkl\u00e4rung \u00fcber Internetmissbrauch einsetzt, warnt seit L\u00e4ngerem vor der perfiden Masche, die mit der Sorge um Kinder spielt. Denn die Links, die angeblich zu Videoaufnahmen der Entf\u00fchrung f\u00fchren sollen, sollen in die Falle dubioser Seiten locken, die eigentlich nur eines wollen: den Facebook-Namen und das Passwort. Damit k\u00f6nnen die T\u00e4ter die Konten \u00fcbernehmen und f\u00fcr eigene <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Cyberkriminalit%C3%A4t\" title=\"Cybercrime\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cybercrime<\/a>-Zwecke nutzen, so Mimikama.<\/p>\n<p>Doch auch wer nur arglos die gefakten Fahndungsaufrufe verbreitet, macht sich zum Werkzeug der Cybercrime-T\u00e4ter. Freilich k\u00f6nnen die Falschmeldungen auch aus anderen Gr\u00fcnden in die Welt gesetzt werden. Besonders Warnungen vor verd\u00e4chtigen Personen<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.verdaechtigungen-im-kreis-ludwigsburg-kindesentfuehrungen-polizei-appelliert-an-bevoelkerung.c7a57496-4c7d-4cac-82ed-fd063164bb7a.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> im Umfeld von Schulen und Kinderg\u00e4rten<\/a>. In Pl\u00fcderhausen (Rems-Murr-Kreis) ging die Polizei der Anzeige einer Zeugin nach, die drei Personen bei der versuchten Entf\u00fchrung eines Kindes mit Roller beobachtet haben wollte. Die Verd\u00e4chtigen konnten ermittelt, die Zeugenangaben als zweifelhaft, der Vorgang selbst als harmlos eingestuft werden. Dennoch wurden Fotos von drei Personen viral in sozialen Medien verbreitet. <\/p>\n<p>Unn\u00f6tig in Atem gehalten wurde die Polizei im vergangenen Jahr auch in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg), Sindelfingen-Maichingen (Kreis B\u00f6blingen) und Berglen (Rems-Murr-Kreis). Vergebens appellierte die Polizei, vermeintliche Warnhinweise nicht gedankenlos in sozialen Netzwerken zu teilen, sondern direkt an die Polizei weiterzuleiten. Dabei k\u00f6nnten so \u201eungerechtfertigte Warnmeldungen, die die Bev\u00f6lkerung unn\u00f6tigerweise verunsichern k\u00f6nnen, vermieden werden\u201c, so ein Polizeisprecher. <\/p>\n<p> Falsche Verd\u00e4chtigungen: Zahl im Land steigt <\/p>\n<p>Dass Fakes oft auf fruchtbaren Boden fallen, wundert Bernhard P\u00f6rksen, Professor f\u00fcr Medienwissenschaft an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen, schon lange nicht mehr: \u201eDie Geschichten sind pr\u00e4zise, farbig, plastisch \u2013 und haben eine innere \u00dcberzeugungskraft f\u00fcr Menschen, die Belege f\u00fcr ihre eigene Weltanschauung suchen\u201c, sagt er. Statistisch lassen sich solche M\u00fcnchhausen-F\u00e4lle nicht fassen, nicht immer l\u00e4sst sich der Vorgang als strafrechtlich relevant einstufen. Zum gro\u00dfen Feld der erfundenen Verbrechen geh\u00f6ren besonders die Rubriken \u201eVort\u00e4uschen einer Straftat\u201c sowie \u201efalsche Verd\u00e4chtigung\u201c dazu. <\/p>\n<p>2590 solcher F\u00e4lle sind in der Kriminalstatistik des Landes Baden-W\u00fcrttemberg f\u00fcr das Jahr 2024 registriert \u2013 ein leichter Anstieg gegen\u00fcber dem Vorjahr. Dies teilte das Innenministerium auf Anfrage unserer Zeitung mit. Allerdings <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.kriminalitaet-und-falschmeldungen-die-zahl-erfundener-verbrechen-waechst.ce4fcce9-d893-4edf-ad22-e4eb213092ab.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mit unterschiedlichen Trends<\/a>, wie Sprecher Patrick Knapp feststellt: \u201eDie Zahl der falschen Verd\u00e4chtigungen ist um sechs Prozent auf 1740 F\u00e4lle gestiegen\u201c, so der Ministeriumssprecher. Das polizeilich registrierte Vort\u00e4uschen einer Straftat ist dagegen um 5,9 Prozent r\u00fcckl\u00e4ufig. Wird mit der Vielzahl der Plattformen im Internet alles noch schlimmer? Nicht unbedingt: 2018, also vor der Coronapandemie, lag die Gesamtzahl der vorget\u00e4uschten Delikte und falschen Beschuldigungen sogar noch bei 3000. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der kleine Felix ist entf\u00fchrt worden. In N\u00fcrtingen. Und in Waiblingen. Wie auch Mia \u2013 in Asperg. 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