{"id":400818,"date":"2025-09-06T07:13:16","date_gmt":"2025-09-06T07:13:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/400818\/"},"modified":"2025-09-06T07:13:16","modified_gmt":"2025-09-06T07:13:16","slug":"ausstellung-zu-ddr-wohnungsbau-in-potsdam-kunst-in-bloecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/400818\/","title":{"rendered":"Ausstellung zu DDR-Wohnungsbau in Potsdam: Kunst in Bl\u00f6cken"},"content":{"rendered":"<p>\tAusstellung | &#8222;Wohnkomplex&#8220; im Minsk in Potsdam<br \/>\n\t &#8211; <\/p>\n<p>\t\tKunst in Bl\u00f6cken<\/p>\n<p>\n        Sa 06.09.25 | 08:27 Uhr  | Von Julia Sie-Yong Fischer\n    <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1757142794_947_size=708x398.jpg\" alt=\"Markus Draper, Grauzone, Detail, 2015. Installationsansicht der Ausstellung Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau, DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam 2025. Privatsammlung K\u00f6ln. (Quelle: Jens Ziehe)\" title=\"Markus Draper, Grauzone, Detail, 2015. Installationsansicht der Ausstellung Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau, DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam 2025. Privatsammlung K\u00f6ln. (Quelle: Jens Ziehe)\" id=\"2088291278\"\/><\/p>\n<p>Jens Ziehe<\/p>\n<p>Video: rbb24 Brandenburg Aktuell | 04.09.2025 | Tim Jaeger | Bild: Jens Ziehe <\/p>\n<p>Zwischen Kindheitserinnerung, Abriss und Rechtsterrorismus: Die Ausstellung &#8222;Wohnkomplex&#8220; im Potsdamer Minsk entdeckt die k\u00fcnstlerische Faszination f\u00fcr den sozialistischen Wohnbau der DDR wieder. Von Julia Sie-Yong Fischer<b> <\/b><\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_0\"\/><\/p>\n<p>Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper, die Situation in Gro\u00dfst\u00e4dten wie Berlin verlangt nach politischen L\u00f6sungen. Nicht verwunderlich, dass in dieser Zeit auch auf einen historischen L\u00f6sungsvorschlag geschaut wird: Der serielle Wohnkomplex der DDR, der nach der Wende <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/panorama\/beitrag\/2025\/08\/denkmalschutz-ddr-bauwerke-erhalt-frankfurt-oder-schuele-tabbert.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">umgangssprachlich als &#8222;Plattenbau&#8220; bezeichnet<\/a> wurde.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/teaserbox\"\/><\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1300599970\"\/><\/p>\n<p>Dieser hatte das Ziel, gleiche Bedingungen f\u00fcr alle zu schaffen. Neben dem vom Band produzierten, funktionalen Wohnraum war f\u00fcr jede Einheit auch eine umfassende Infrastruktur mit Nahrungsversorgung und Bildungsst\u00e4tten f\u00fcr etwa 5.000 Bewohner:innen vorgesehen. Durchaus reizvoll f\u00fcr manche DDR-B\u00fcrger:innen, die diese Modernit\u00e4t sch\u00e4tzten und in Modelle wie den WBS 70 einzogen.<\/p>\n<p>Doch nach dem Mauerfall \u00e4nderte sich die Perspektive auf die in die Jahre gekommenen Neubausiedlungen: Das fr\u00fchere Privileg wurde zum sozialen Stigma, das einstige Prestigeprojekt des Sozialismus zu einem Symbol des Scheiterns.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1519469432\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tMein Block<\/p>\n<p>Der Wohnkomplex ist nicht nur ein <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/panorama\/beitrag\/2025\/03\/hermann-henselmann-berlin-geburtstag-architektur-ddr-karl-marx-a.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">historisches Architekturobjekt<\/a>, sondern auch eine Kindheitserinnerung und ein Symbol ostdeutscher Identit\u00e4t. Der in Leipzig geborene Kurator Kito Nedo w\u00e4hlte 50 Werke von 22 K\u00fcnstler:innen aus, die zwar einen deutlich erkennbaren Bezug zeigen, aber ganz unterschiedliche Fragen stellen.<\/p>\n<p>Gleich zu Beginn wird im Untergeschoss die &#8222;Grauzone&#8220; (2015) des K\u00fcnstlers Markus Draper (*1969) er\u00f6ffnet: Mehrere aus Zink gegossene Modelle sind dort auf Sockeln aufgestellt. Ihr Inneres ist so hohl, dass durch den Block hindurch geschaut werden kann. Die Oberfl\u00e4che ist an einigen Stellen erodiert, das Grausilber unterstreicht die monochrome Unscheinbarkeit.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/teaserbox_470958280\"\/><\/p>\n<p>\t\t\tInfos zur Ausstellung<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/dasminsk.de\/ausstellungen\/5899\/wohnkomplex\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau [dasminsk.de]<\/a>. Kuratiert von Kito Nedo. Vom 6.9.2025 bis 8.2.2026 in Das Minsk, Max-Planck-Stra\u00dfe 17, 14473 Potsdam. T\u00e4glich au\u00dfer Dienstag von 10 bis 19 Uhr ge\u00f6ffnet. Der Eintritt ist am letzten Sonntag eines jeden Monats kostenfrei, sonst regul\u00e4r 10 Euro, erm\u00e4\u00dfigt 8 Euro.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_555610980\"\/><\/p>\n<p>&#8222;Ostberliner Wohnhaus: Fast eine perfekte Tarnung&#8220; steht im Hintergrund auf einem vergr\u00f6\u00dferten Zeitungsartikel an der Wand. Ein Verweis auf die Verstecke von zehn ehemaligen Mitgliedern der &#8222;Rote Armee Fraktion&#8220; (RAF), die bis zu ihrer Inhaftierung 1990, zehn Jahre in verschiedenen St\u00e4dten der DDR unerkannt lebten. Draper spielt in seiner Arbeit auf westdeutsche sowie ostdeutsche Klischees an, die er miteinander verwebt.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text\"\/><\/p>\n<p>Etwas pers\u00f6nlicher untersucht Sabine Moritz (*1969) in ihrer Serie &#8222;Lobeda&#8220; (1991-94) die gleichnamige Siedlung in Jena (Th\u00fcringen), in der sie acht Jahre ihrer Kindheit verbrachte. In zahlreichen Bleistiftzeichnungen rekonstruiert sie den Ort nur aus ihrer Erinnerung heraus. Mit schnellem klaren Strich spielt sie mit den geometrischen Formen der Grundrisse. Ihre Perspektive \u00e4ndert sich dabei st\u00e4ndig: Mal zeigt sie eine Inneneinrichtung, dann den Wohnblock aus der Vogelperspektive.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1757142795_658_size=708x398.jpg\" alt=\"Sabine Moritz, Installationsansicht der Ausstellung Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau, DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam 2025. Privatsammlung; Atelier Sabine Moritz, K\u00f6ln. (Quelle: Jens Ziehe)\" title=\"Sabine Moritz, Installationsansicht der Ausstellung Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau, DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam 2025. Privatsammlung; Atelier Sabine Moritz, K\u00f6ln. (Quelle: Jens Ziehe)\" id=\"articlesContList_picture_1016817739\"\/><\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_883257350\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tAmputation am Plattenensemble<\/p>\n<p>Doch wie ging es mit dem Wohnkomplex nach dem Mauerfall weiter? Die &#8222;h\u00e4ssliche Luise&#8220; (2004) des westdeutschen UdK-Professors Manfred Pernice (*1963) erz\u00e4hlt in Wandtafeln und zwei Skulpturen die Abrissgeschichte (1990-2004) eines DDR-Plattenbaus in der Luisenstra\u00dfe in Berlin-Mitte.<\/p>\n<p>Protokollierte Gespr\u00e4che mit entr\u00fcsteten Mieter:innen, sowie Zeitungsartikel und Dokumente halten Pernices Beobachtungen und Recherchen fest. Zwei amputiert wirkende \u00dcberbleibsel in Form von Betonfundamenten eines demolierten Spielger\u00fcsts scheinen den unsensiblen Umgang mit der DDR-Architektur in der Nachwendezeit zu verk\u00f6rpern.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1757142796_290_size=708x398.jpg\" alt=\"Manfred Pernice, Ohne Titel (h\u00e4ssliche Luise), 2004. Installationsansicht der Ausstellung Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau, DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam 2025. Kunstpalast, D\u00fcsseldorf \u2013 Schenkung von Florian Peters-Messer, Courtesy der K\u00fcnstler und Galerie Neu, Berlin. (Quelle: Jens Ziehe)\" title=\"Manfred Pernice, Ohne Titel (h\u00e4ssliche Luise), 2004. Installationsansicht der Ausstellung Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau, DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam 2025. Kunstpalast, D\u00fcsseldorf \u2013 Schenkung von Florian Peters-Messer, Courtesy der K\u00fcnstler und Galerie Neu, Berlin. (Quelle: Jens Ziehe)\" id=\"articlesContList_picture_0_969296794\"\/><\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_698611343\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tEinheitlichkeit von Ostsee bis Th\u00fcringer Wald<\/p>\n<p>Diese Gleichzeitigkeit spiegelt auch die gesellschaftliche Zerrissenheit \u00fcber &#8222;die Platte&#8220; wieder. Eine m\u00f6gliche Bew\u00e4ltigungsstrategie ist schwarzer Humor in Form von Witzen: \u00dcber die komplett identischen Grundrisse von Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) bis nach Suhl (Th\u00fcringen), in denen Elektriker die Steckdosen selbst mit verbundenen Augen f\u00e4nden und G\u00e4ste nie den Weg zur Toilette erfragen m\u00fcssten.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/teaserbox_2125940618\"\/><\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1418912313\"\/><\/p>\n<p>Ein weiterer Hinweis darauf, dass die menschliche Beziehung zum Wohnkomplex ebenso komplex ist &#8211; und genau deshalb viele Ankn\u00fcpfungspunkte an die Diskurse der Gegenwart finden kann. Das sehr umfassende Begleitprogramm und der Katalog haben sich genau dieser Aufgabe in Form von Veranstaltungen und vertiefender Lekt\u00fcre angenommen.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend drau\u00dfen in Potsdam Kr\u00e4ne ganze Plattenw\u00e4nde wie riesige Mobile durch die Luft schwenken, kann beim Ausblick aus der Loggia der Ausstellung gefragt werden, wie die Geschichte der &#8222;Platte&#8220; wohl weitergehen wird.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1\"\/><\/p>\n<p>Sendung: rbb24 Brandenburg Aktuell, 04.09.2025, 19:30 Uhr<\/p>\n<p class=\"textblock\">Beitrag von Julia Sie-Yong Fischer<\/p>\n<p><a class=\"ico ico_arrow_wide_up\" title=\"An den Anfang\" href=\"#top\">  <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ausstellung | &#8222;Wohnkomplex&#8220; im Minsk in Potsdam &#8211; Kunst in Bl\u00f6cken Sa 06.09.25 | 08:27 Uhr | Von&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":400819,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1816],"tags":[1960,1958,1959,1957,1956,1890,29,30],"class_list":{"0":"post-400818","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-brandenburg","8":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin-und-brandenburg","9":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-brandenburg","10":"tag-aktuelle-news-aus-berlin-und-brandenburg","11":"tag-aktuelle-news-aus-brandenburg","12":"tag-berlin-und-brandenburg","13":"tag-brandenburg","14":"tag-deutschland","15":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115156117571222225","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/400818","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=400818"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/400818\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/400819"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=400818"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=400818"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=400818"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}