{"id":401424,"date":"2025-09-06T12:47:12","date_gmt":"2025-09-06T12:47:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/401424\/"},"modified":"2025-09-06T12:47:12","modified_gmt":"2025-09-06T12:47:12","slug":"private-music-von-deftones-die-zeit-bewegt-sich-auf-diese-band-zu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/401424\/","title":{"rendered":"&#8222;private music&#8220; von Deftones: Die Zeit bewegt sich auf diese Band zu"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2025-09\/private-music-deftones-album-metal-musik-rezension\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<ol class=\"article-toc__list\">\n<li class=\"article-toc__list-item\">\n<p>Seite 1Die Zeit bewegt sich auf diese Band zu<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"article-toc__list-item\"><a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2025-09\/private-music-deftones-album-metal-musik-rezension\/seite-2\" data-ct-label=\"2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                    Seite 2Ein Soundtrack f\u00fcr den von Abstiegs\u00e4ngsten geplagten Westen<br \/>\n                <\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"paragraph article__item\">Es war schon ein wenig verst\u00f6rend. Als in der Popmusik der<br \/>\nNeunzigerjahre Nu Metal und Crossover florierten, hatten wir als Teenager, die<br \/>\nmit virtuosem Heavy Metal und Death Metal sozialisiert worden waren, so unsere<br \/>\nM\u00fche mit den neuen, hybriden Formen harter Gitarrenmusik. Die Schutzw\u00e4lle<br \/>\nunseres s\u00e4uberlich abgezirkelten Identit\u00e4tsgartens, wo Horror und<br \/>\nHandwerkskunst in gl\u00fccklicher Ehe lebten, bekamen Risse. In unserem<br \/>\njugendlichen Altersstarrsinn bereitete uns eine Band besonderes Kopfzerbrechen:<br \/>\nDeftones aus Kalifornien. Nun hat sie mit private music ihr zehntes Album<br \/>\nver\u00f6ffentlicht. Und ihre Musik klingt noch genau wie in den Neunzigern.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Damals dachten wir: Das also l\u00e4uft jetzt unter Metal?<br \/>\nSeriously?! Die Typen, die 1995 mit dem Album <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/playlist?list=OLAK5uy_lCqYRwyMPXoKn_JNS8ZVaNdJDzZze2Y1k\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Adrenaline<\/a> deb\u00fctierten, sahen<br \/>\nnicht einmal aus wie Metalheads. Eher wie Typen, denen man auf Apr\u00e8s-Ski-Partys<br \/>\nbegegnen w\u00fcrde. Sie trugen Sportklamotten. Sie f\u00e4rbten sich die Haare \u2013<br \/>\nmanchmal gar mit Str\u00e4hnchen! Das Cover ihres Albums <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/playlist?list=PLNRsYvRgbfmpNF7e3MEPGDs4nYQdb11K_\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Around the Fur (1997)<\/a><br \/>\nzierte statt Drachen, D\u00e4monen oder Zombies eine aus der schr\u00e4gen<br \/>\nDeckenperspektive aufgenommene junge Frau im Bikini. Zu allem \u00dcberdruss fuhren<br \/>\ndie Musiker Skateboard. Okay, das taten Anthrax auch. Die z\u00e4hlen mit <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2023-04\/72-seasons-metallica-album\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Metallica<\/a>,<br \/>\nMegadeth und <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2015-09\/iron-maiden-slayer-heavy-metal\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Slayer<\/a> zu den &#8222;Big Four&#8220; des Thrash Metal. Aber die Musik der<br \/>\nDeftones hatte nichts mit dem Geschwindigkeitsrausch der Thrasher und wenig mit<br \/>\ndem ultrapr\u00e4zisen Groove Metal der Band Pantera gemein.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Da waren zwar verzerrte Gitarren und schwartige<br \/>\nKopfnicker-Riffs, wie man sie von Crossover-Bands <a href=\"https:\/\/pitchfork.com\/reviews\/albums\/9215-monochrome\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00e0 la Helmet<\/a> kannte. Doch oft<br \/>\nverloren sie sich zusammen mit Basslinien aus der Unterwelt in atmosph\u00e4rischer<br \/>\nVertr\u00e4umtheit. Wenn man Deftones h\u00f6rte, zogen vor dem inneren Auge<br \/>\nNebelschwaden auf. Der Stilbegriff <a href=\"https:\/\/pitchfork.com\/features\/lists-and-guides\/9966-the-50-best-shoegaze-albums-of-all-time\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Shoegaze&#8220;<\/a> machte die Runde: Bei Konzerten<br \/>\npflegten die Initiierten nicht zu w\u00fcten, sondern in sich versunken, mit<br \/>\ngesenkten K\u00f6pfen, auf ihre Schuhe zu starren. Die Walls of Sound der Deftones<br \/>\nhatten auch nichts vom warmen Hardrock-Overdrive. Sie schienen von digitaler<br \/>\nK\u00e4lte und h\u00e4rteren Zeiten zu k\u00fcnden. Der Songtext zu <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=O_IIAYZL1R4&amp;list=RDO_IIAYZL1R4&amp;start_radio=1\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Digital Bath (2000)<\/a> liest<br \/>\nsich zun\u00e4chst wie ein Liebeslied, erweist sich aber als Fantasie sexualisierter<br \/>\nGewalt.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0ZEIT ONLINE<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Nat\u00fcrlich intelligent<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">K\u00fcnstliche Intelligenz ist die wichtigste Technologie unserer Zeit. Aber auch ein riesiger Hype. Wie man echte Durchbr\u00fcche von hohlen Versprechungen unterscheidet, lesen Sie in unserem KI-Newsletter.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a><br \/>\n     zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das neue Album private music kn\u00fcpft jetzt an diese<br \/>\nAtmosph\u00e4ren an. Es ist eines, das der heutigen Neunziger-Nostalgie zupasskommt.<br \/>\nDie Deftones kombinieren wie eh und je harte Kl\u00e4nge mit zarten Emotionen,<br \/>\nsingen \u00fcber psychische Abgr\u00fcnde und h\u00fcllen ihre schon in den Neunzigern im<br \/>\nGrunde wenig originellen Riffs in ein verf\u00fchrerisches Gewand dunkelsamtenen<br \/>\nKlangdesigns mit Keyboard- und Samples-Besatz. Zum dritten Mal arbeitet die<br \/>\nBand mit dem Produzenten Nick Raskulinecz zusammen, der sich vor allem mit<br \/>\nNeunziger-Bands wie <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2023-05\/but-here-we-are-foo-fighters-album\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Foo Fighters<\/a>, Stone Sour, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2018-11\/heavy-metal-geschlechterrollen-weiblichkeit-growling-konzert-frauen\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Evanescence<\/a> und Apocalyptica einen<br \/>\nNamen machte.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Pr\u00e4gend f\u00fcr die Deftones bleibt die Stimme des S\u00e4ngers Chino<br \/>\nMoreno. Wie ein Geistersurfer gleitet die \u00fcber und durch die Wellen einer<br \/>\ndunklen Instrumentalsee \u2013 gequ\u00e4lt<br \/>\nsprechend, schreiend, kreischend, singend, murmelnd, fl\u00fcsternd, haspelnd,<br \/>\nrappend, keifend, kaum je im Metal-typischen Heldentenor tremolierend oder wie<br \/>\nbei Death-Metallern \u00fcblich grunzend.\u00a0\n<\/p>\n<p>                An dieser Stelle ist ein externer Inhalt eingebunden<\/p>\n<p>Zum Anschauen ben\u00f6tigen wir Ihre Zustimmung<\/p>\n<p>\n                Weiter\n            <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Morenos Texte sind Collagen<br \/>\naufmerksamkeitsdefizit\u00e4rer Sensibilit\u00e4tssplitter, manchmal banal und vulg\u00e4r,<br \/>\noft stra\u00dfenpoetisch verr\u00e4tselt. Im letzten Song des neuen Albums \u2013 <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zGQBsLWhfK0\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">departing<br \/>\nthe body<\/a> \u2013 spiegelt sich die besungene Fragmentierung des K\u00f6rpers in der<br \/>\nstrukturellen Fragmentiertheit des Textes. Von einem kalten, klaren Raum ist<br \/>\ndie Rede, von einem Rennen durchs Licht, vom Verlangen nach dem Jenseits, von<br \/>\nK\u00f6rpern in geringer Aufl\u00f6sung (&#8222;low-res bodies&#8220;). 1997 schrie Moreno in <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=OC8x9_App2I\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Engine<br \/>\nNo. 9<\/a>: &#8222;That&#8217;s why (why?) lyrical \/ That&#8217;s why (why?) lyrical \/ Bringin&#8216; in<br \/>\nbecause \/ My life&#8217;s unrise, wipe \/ Lyrical, did \/ Motherfucker, wipe \/ Lyrical,<br \/>\ndid \/ Make it to the \/ Wipe did, wipe did \/ Wipe did, wipe did \/ No more&#8220; \u2013<br \/>\neiner von vielen, nur schwer \u00fcbersetzbaren Parts, die typisch sind f\u00fcr die<br \/>\nLyrik der Deftones.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Besonderheit von private music liegt damit weniger in<br \/>\nmusikalischer oder soundtechnischer Innovation als darin, dass eine Band der<br \/>\nGeneration X aller Nostalgie zum Trotz zugleich den Nerv der j\u00fcngeren<br \/>\nGenerationen von Millenials \u00fcber Z bis Alpha zu treffen scheint \u2013 vor allem,<br \/>\nwas den hohen Stellenwert psychischer und emotionaler Belange angeht. Davon<br \/>\nzeugt nicht nur der Deftones-Traffic in sozialen Medien wie TikTok, es gibt<br \/>\nauch Berichte von Plattenh\u00e4ndlern, die sich \u00fcber die Nachfrage nach Deftones-Alben<br \/>\nseitens Teenager wundern. Die Band selbst tut es offenbar auch, in Interviews<br \/>\nbekundet sie <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2025\/08\/20\/arts\/music\/deftones-private-music.html\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Freude ob der generationalen Diversifizierung ihres Publikums<\/a> bei<br \/>\nLivekonzerten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1Die Zeit bewegt sich auf diese Band zu Seite 2Ein Soundtrack&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":401425,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1772],"tags":[106930,6363,29,214,30,18664,2847,80,12190,1779,810,215],"class_list":{"0":"post-401424","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-private-music-von-deftones","9":"tag-album","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-heavy-metal","14":"tag-kalifornien","15":"tag-kultur","16":"tag-metallica","17":"tag-music","18":"tag-musik","19":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115157430774140679","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/401424","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=401424"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/401424\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/401425"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=401424"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=401424"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=401424"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}