{"id":40148,"date":"2025-04-17T22:34:41","date_gmt":"2025-04-17T22:34:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/40148\/"},"modified":"2025-04-17T22:34:41","modified_gmt":"2025-04-17T22:34:41","slug":"seelower-hoehen-1945-schlacht-um-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/40148\/","title":{"rendered":"Seelower H\u00f6hen 1945: Schlacht um Berlin"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nEs ist der Auftakt zur letzten gro\u00dfen Schlacht des <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/zweiter-weltkrieg-ueberblick-militaerischer-verlauf-100.html\" title=\"1939 - 1945: Der Zweite Weltkrieg - Milit\u00e4rischer Verlauf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zweiten Weltkriegs<\/a>. Mit einem gewaltigen Trommelfeuer aus 41.600 Gesch\u00fctzen beginnt am fr\u00fchen Morgen des 16. April 1945 die &#8222;Berliner Operation&#8220; der Roten Armee. An der rund 300 Kilometer langen Front zwischen der Oderm\u00fcndung n\u00f6rdlich von Stettin und der Lausitzer Nei\u00dfe bei Rothenburg treten drei sowjetische Fronten (Heeresgruppen) mit 2,5 Millionen Soldaten und 6.250 Panzern und Sturmgesch\u00fctzen zum Angriff an. Der Schwerpunkt der Gro\u00dfoffensive liegt bei der 1. Wei\u00dfrussischen Front von Marschall <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/zeitgeschichte-gegenwart\/politik-gesellschaft\/marschall-georgi-schukow-vier-leben-udssr-100.html\" title=\"Die vier Leben des Marschall Schukow\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Georgi Schukow<\/a>. Sie soll mit ihren elf Armeen, 910.000 Soldaten und 3.150 Panzern die Oder-Front zwischen Schwedt und dem S\u00fcdraum von Frankfurt durchbrechen und anschlie\u00dfend Berlin erobern.\n<\/p>\n<p>Vorsto\u00df durch das Oderbruch<\/p>\n<p class=\"text\">\nSchukows Hauptangriff erfolgt im Oderbruch zwischen den D\u00f6rfern G\u00fcstebiese (poln. Gozdowice) und Podelzig. Dort besitzen die Sowjets seit dem Fall von K\u00fcstrin Ende M\u00e4rz am Westufer der Oder einen 300 Quadratkilometer gro\u00dfen Br\u00fcckenkopf. Aus ihm heraus soll der Hauptschlag gegen Berlin erfolgen. Auf dem nur 44 Kilometer breiten Frontabschnitt treten in der ersten Staffel vier sowjetische Armeen an. Ihre Aufgabe ist es, die deutsche Verteidigung zu durchbrechen und den nachfolgenden zwei Garde-Panzerarmeen den Sto\u00df in die Tiefe des Raumes auf Berlin zu erm\u00f6glichen. Drei Armeen sollen den Hauptangriff durch Vorst\u00f6\u00dfe an den Flanken abdecken. Zwei weitere Armeen bilden die 2. Staffel von Schukows Heeresgruppe.\n<\/p>\n<p>Deutsche hoffnungslos unterlegen<\/p>\n<p class=\"text\">\nZust\u00e4ndig f\u00fcr die Verteidigung der Oder-Front zwischen Ostsee und der Nei\u00dfem\u00fcndung ist die nur zwei Armeen starke Heeresgruppe Weichsel von Generaloberst Gotthard Heinrici. Der direkte Gegenspieler der 1. Wei\u00dfrussischen Front im &#8222;Abschnitt Frankfurt-Schwedt&#8220; ist die gerade einmal 130.000 Mann starke 9. Armee unter General der Infanterie Theodor Busse. Der deutsche Gro\u00dfverband ist Schukows Front gegen\u00fcber hoffnungslos unterlegen \u2013 beim Personal im Verh\u00e4ltnis 1:7, bei Panzern 1:6, bei Artillerie und Flak 1:11 und bei Flugzeugen sogar im Verh\u00e4ltnis 1:14. Heinrici und Busse wissen, dass es unm\u00f6glich ist, einer derartigen \u00dcbermacht zu widerstehen. Die Frage ist f\u00fcr sie allenfalls, wie lange man den Gegner aufhalten kann und welche Verluste man ihm dabei bereitet.\n<\/p>\n<p>Abwehrtaktik aus dem Ersten Weltkrieg<\/p>\n<p class=\"text\">\nHeinrici und Busse setzen auf eine tief gestaffelte Verteidigung mit drei Verteidigungsstreifen und das sogenannte Gro\u00dfkampfverfahren. Die im <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/erster-weltkrieg-102.html\" title=\"Der 1. Weltkrieg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ersten Weltkrieg<\/a> entwickelte Abwehrtaktik sieht vor, dass sich die Soldaten der vorderen Linie bei Schlachtbeginn auf eine weiter hinten liegende Gro\u00dfkampf-Hauptkampflinie zur\u00fcckziehen. Dadurch sollen Artillerieschlag und Vorsto\u00df des Gegners zun\u00e4chst ins Leere laufen. Erreicht der Angreifer schlie\u00dflich die Gro\u00dfkampf-Hauptkampflinie des Verteidigers, liegt seine Artillerie zu weit hinten, um in die K\u00e4mpfe einzugreifen, w\u00e4hrend er selbst ins Artilleriefeuer des Verteidigers ger\u00e4t. Voraussetzung f\u00fcr das Gelingen des Gro\u00dfkampfverfahrens ist es jedoch, den genauen Angriffszeitpunkt des Gegners abzusch\u00e4tzen, um die eigenen Truppen nicht zu fr\u00fch, aber auch nicht zu sp\u00e4t auf die Gro\u00dfkampfstellung zur\u00fcckzunehmen.\n<\/p>\n<p>Trommelfeuer aus 9.000 Gesch\u00fctzen<\/p>\n<p class=\"text\">\nDies gelingt Heinrici und Busse trotz sowjetischer Vorausangriffe relativ gut. In der Nacht vom 15. auf den 16. April ziehen sich die deutschen Truppen aus den vorderen Stellungen im Oderbruch auf die gut 40 Meter h\u00f6her gelegene Gro\u00dfkampfstellung am Ostrand der Seelower H\u00f6hen zur\u00fcck. Damit entgehen sie dem Trommelfeuer, das am 16. April ab 3 Uhr die vorderen deutschen Stellungen umpfl\u00fcgt. 9.000 Gesch\u00fctze hat Schukow im Hauptangriffsstreifen konzentriert, alle drei Meter eins. Der von dieser beispiellosen Artilleriekonzentration entfachte Feuerorkan ist so gewaltig, dass er noch in weiter Entfernung wie ein Erdbeben wahrgenommen wird. Der Luftdruck der gleichzeitigen Gesch\u00fctzabsch\u00fcsse l\u00e4sst die Trommelfelle der sowjetischen Artilleristen platzen. 1,2 Millionen Granaten verfeuern sie allein an diesem Tag.\n<\/p>\n<p>Sperrfeuer auf sowjetische Sto\u00df-Armeen<\/p>\n<p class=\"text\">\nDoch das st\u00e4rkste Trommelfeuer der Geschichte geht ins Leere. Als Schukows Sto\u00dfarmeen am 16. April durch das sumpfige Oderbruch vorr\u00fccken, geraten sie ins Sperrfeuer der auf den Seelower H\u00f6hen sitzenden Deutschen. Die feuern aus allen Rohren auf die vorr\u00fcckenden Sowjettruppen. Mit verheerenden Folgen. &#8222;Die brauchten nicht mal gro\u00df zu zielen&#8220;, erinnert sich sp\u00e4ter ein sowjetischer Major an das Gemetzel. Der Angriff bleibt vor der deutschen Hauptkampflinie liegen. Als Schukow die Verz\u00f6gerung am Mittag seinem obersten Befehlshaber Josef Stalin meldet, erf\u00e4hrt er, dass die 1. Ukrainische Front von Marschall Iwan Konew die Nei\u00dfe-Front weiter s\u00fcdlich durchbrochen hat und nun durch die Lausitz west-nordwestw\u00e4rts zur Elbe und in den S\u00fcdraum Berlins vorst\u00f6\u00dft.\n<\/p>\n<p>Schukows Durchbruch mit der Brechstange<\/p>\n<p class=\"text\">\nSchukow, der die Seelower H\u00f6hen am ersten Kampftag nehmen soll, f\u00fcrchtet, dass sein Erzrivale Konew vor ihm in Berlin sein k\u00f6nnte. Er will den Erfolg mit der Brechstange erzwingen und befiehlt den vorzeitigen Einsatz der beiden Garde-Panzerarmeen. Die sind eigentlich erst nach einem Durchbruch f\u00fcr den Sto\u00df in die Tiefe des Raums vorgesehen. Nun werden sie mit den vier Armeen der 1. Staffel in die Durchbruchsschlacht geworfen. Mit verheerenden Folgen. Dichtgedr\u00e4ngt stauen sich die sowjetischen Panzer vor den Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben des Oderbruchs wie auf einem Pr\u00e4sentierteller. Von den Seelower H\u00f6hen aus werden sie von den deutschen Acht-Acht-Flakgesch\u00fctzen abgeschossen. Am Ende des ersten Schlachttages liegen \u00fcber 350 sowjetische Panzerwracks im Oderbruch. Nirgendwo gelingt ein Einbruch in die deutsche Hauptkampflinie.\n<\/p>\n<p>Hohe Verluste auf beiden Seiten<\/p>\n<p class=\"text\">\nDoch nicht nur Schukows Angriffstruppen erleiden schwere Verluste. Auch die deutschen Verteidiger haben hohe Ausf\u00e4lle zu beklagen \u2013 durch massives Artilleriefeuer und zahlreiche Schlachtflieger-Angriffe. Bis zum Abend des 16. April muss Busses 9. Armee s\u00e4mtliche Reserven in die Schlacht werfen. Dazu geh\u00f6ren auch die bislang f\u00fcr einen Gegenschlag im R\u00fcckraum der Front zur\u00fcckgehaltenen schnellen Panzer- und Panzergrenadierverb\u00e4nde. Im Laufe des 17. April gelingt es der sowjetischen 5. Sto\u00df-Armee n\u00f6rdlich der Kleinstadt Seelow, die deutschen Stellungen &#8222;in breiter Front zu durchbrechen&#8220;. Um die Frontl\u00fccken zu stopfen, werden von Berlin aus Marschbataillone von zwei SS-Panzergrenadierdivisionen der Heeresgruppenreserve in Gro\u00dfstadtbussen eilig an die Front gekarrt.\n<\/p>\n<p>Durchbruch durch die Seelower H\u00f6hen<\/p>\n<p class=\"text\">\nDoch all das hilft nichts. Am 18. April bricht die deutsche Verteidigung auch an anderen Stellen zusammen. \u00dcberall fehlt es den deutschen Truppen an Munition und Treibstoff. Ein erheblicher Teil der urspr\u00fcnglich 512 Panzer der 9. Armee ist mittlerweile ausgefallen. Bis zum Abend des 19. April durchbrechen die sowjetischen Truppen auch den dritten deutschen Verteidigungsstreifen in den Seelower H\u00f6hen. In der Front klafft eine immer breiter werdende L\u00fccke. Durch sie sto\u00dfen Schukows Armeen nach Westen auf Berlin vor. Dabei spalten sie die deutsche 9. Armee in drei Teile. Das CI. Armeekorps weicht nach Norden zur benachbarten 3. Panzerarmee aus. Das in der Mitte k\u00e4mpfende LVI. Panzerkorps des aus Halberstadt stammenden Generals der Artillerie Helmuth Weidling wird nach Westen auf den \u00f6stlichen Stadtrand von Berlin gedr\u00fcckt.\n<\/p>\n<p>Die Kessel von Halbe und Berlin<\/p>\n<p class=\"text\">\nBusses Armeestab wird mit dem V. <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/waffen-ss-100.html\" title=\"Die Waffen-SS - Himmlers Armee\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SS<\/a>-Gebirgskorps und dem XI. SS-Panzerkorps der 9. Armee nach S\u00fcden abgedr\u00e4ngt und am 24. April mit weiteren Verb\u00e4nden im Kessel von Halbe eingeschlossen. 150.000 bis 200.000 Soldaten und Tausende Zivilisten sitzen in der Falle. Einen Tag sp\u00e4ter schlie\u00dfen die Panzerspitzen Schukows und Konews bei Ketzin nordwestlich von Potsdam auch den Ring um Berlin. Aus dem Berliner F\u00fchrerbunker befiehlt Adolf Hitler dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, Generalfeldmarschall Ferdinand Sch\u00f6rner, nach Norden vorzusto\u00dfen und in die Schlacht um Berlin einzugreifen. Doch Sch\u00f6rner hat genug damit zu tun, seine <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/zweiter-weltkrieg\/1945\/schlacht-um-bautzen-panzeroffensive-kriegsende-sachsen-100.html\" title=\"Bautzen: Die letzte deutsche Panzeroffensive \" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Positionen in Sachsen<\/a> und B\u00f6hmen zu halten. Auch ein befohlener Entsatzangriff einer imagin\u00e4ren &#8222;Armeegruppe&#8220; unter SS-Obergruppenf\u00fchrer Felix Steiner von Norden erfolgt nicht.\n<\/p>\n<p>Armee Wenck \u2013 Hitlers letzte Hoffnung<\/p>\n<p class=\"text\">\nHitlers letzte Hoffnung ist die an der Elbe stehende 12. Armee des aus Wittenberg stammenden Generals der Panzertruppe Walther Wenck. Der mit 44 Jahren j\u00fcngste Armeebefehlshaber der Wehrmacht soll mit seinem aus vielen unerfahrenen Jungsoldaten aufgestellten Gro\u00dfverband Berlin von S\u00fcdwesten her entsetzen. Zeitgleich soll Busses 9. Armee aus dem Kessel von Halbe nach Nordwesten auf die Reichshauptstadt vorsto\u00dfen. Doch <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/zweiter-weltkrieg\/1945\/zwoelfte-armee-wenck-wehrmacht-genscher-elbe-tangermuende-100.html\" title=\"Der letzte Kampf der Armee Wenck \" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wencks Offensive<\/a> bleibt am Abend des 29. April s\u00fcdwestlich Potsdam liegen. Am Abend zuvor brechen die letzten Panzerverb\u00e4nde der 9. Armee aus dem Kessel von Halbe nach Westen aus. Etwa 25.000 Soldaten und 5.000 Zivilisten erreichen am 1. Mai die 12. Armee, mit der sie sich westw\u00e4rts \u00fcber die Elbe zu den US-Amerikanern absetzen. 60.000 deutsche Soldaten fallen in der Kesselschlacht von Halbe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist der Auftakt zur letzten gro\u00dfen Schlacht des Zweiten Weltkriegs. Mit einem gewaltigen Trommelfeuer aus 41.600 Gesch\u00fctzen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":40149,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,20648,29,30,20652,20654,20649,20650,20651,20647,20653,20646,16968],"class_list":{"0":"post-40148","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-berliner-operation","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-halbe","13":"tag-hitler","14":"tag-oder","15":"tag-oderbruch","16":"tag-rote-armee","17":"tag-schlacht","18":"tag-schukow","19":"tag-seelower-hoehen","20":"tag-wehrmacht"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114355690874724668","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40148","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40148"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40148\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/40149"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40148"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40148"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}