{"id":401489,"date":"2025-09-06T13:22:14","date_gmt":"2025-09-06T13:22:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/401489\/"},"modified":"2025-09-06T13:22:14","modified_gmt":"2025-09-06T13:22:14","slug":"europa-verliert-sich-in-detailregeln-beim-wasserstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/401489\/","title":{"rendered":"Europa verliert sich in Detailregeln beim Wasserstoff"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1f731e2324e3ee4e.jpeg\"  width=\"1280\" height=\"720\"  alt=\"Wasserstoffleitung f\u00fchrt durch die Sterne der EU-Flagge\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Im Interview erkl\u00e4rt der Chef von Hydrogen Europe, warum komplexe Regeln und zu wenig Anreize Europas Wasserstoffpl\u00e4ne ausbremsen.<\/p>\n<p>Europa hat gro\u00dfe Pl\u00e4ne beim Thema Wasserstoff, doch <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Wasserstoff-Hoffnungstraeger-der-Energiewende-kommt-nur-langsam-in-Fahrt-10550309.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bei der Umsetzung gibt es massive Probleme<\/a>. Komplexe Regelungen, fehlende Investitionsanreize und die Gefahr neuer Abh\u00e4ngigkeiten bremsen derzeit den Aufbau einer schlagkr\u00e4ftigen Wasserstoffwirtschaft.<\/p>\n<p>Im Interview erl\u00e4utert Jorgo Chatzimarkakis, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Branchenverbands Hydrogen Europe, weshalb klare Rahmenbedingungen von entscheidender Bedeutung sind, wie Europa im globalen Wettbewerb aufholen kann und weshalb Wasserstoff weitaus mehr ist als ein Nischenprodukt f\u00fcr die Industrie.<\/p>\n<p>\u25b6 Europa hat zahlreiche F\u00f6rderprogramme f\u00fcr Wasserstoff gestartet, setzt sie aber zu langsam und zu fragmentiert um. Woran liegt das konkret \u2013 und welche politischen oder institutionellen Blockaden m\u00fcssen dringend \u00fcberwunden werden?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Jorgo Chatzimarkakis:<\/strong> Wir haben in Europa ehrgeizige Ziele, aber die Umsetzung stockt, weil wir uns in Detailregeln verlieren. Statt Investitionen auszul\u00f6sen, schaffen wir Komplexit\u00e4t \u2013 etwa durch sehr strenge Vorgaben bei der st\u00fcndlichen Korrelation von Strom und Wasserstoffproduktion. Solche Anforderungen verteuern Projekte um bis zu ein Drittel, ohne dass sie messbar mehr Klimanutzen bringen.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Was wir brauchen, ist ein klarer, konsistenter Rechtsrahmen, der Investoren Planungssicherheit gibt. Es muss einfacher und schneller gehen, sonst verliert Europa weiter den Anschluss.<\/p>\n<p>\u25b6 Sie betonen, dass Autarkie beim gr\u00fcnen Wasserstoff nicht das Ziel sei. Wie verhindern wir aber, dass Europa in neue Abh\u00e4ngigkeiten ger\u00e4t \u2013 \u00e4hnlich wie zuvor bei \u00d6l und Gas?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Jorgo Chatzimarkakis:<\/strong> Indem wir auf Vielfalt (Diversifikation) setzen. Wir werden Wasserstoff sowohl in Europa selbst produzieren als auch importieren. Aber wichtig ist, dass wir nicht in eine neue Einseitigkeit laufen. Europa muss Partnerschaften mit verschiedenen Regionen aufbauen \u2013 von Nordafrika bis S\u00fcdamerika, von der Nordsee bis zum Mittleren Osten.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Und wir brauchen eine starke eigene Wertsch\u00f6pfung: von der Elektrolyseurproduktion \u00fcber technologieoffene Verfahren bis zur Speicherung. Mit einer klugen Infrastrukturpolitik \u2013 Stichwort European Hydrogen Backbone \u2013 k\u00f6nnen wir Versorgungssicherheit schaffen, ohne uns wieder von wenigen Staaten abh\u00e4ngig zu machen.<\/p>\n<p>\u25b6 Wasserstoff soll teils f\u00fcr Busse, Heizungen und andere Anwendungen eingesetzt werden. Kritiker bem\u00e4ngeln: Das sei ineffizient. In welchen Sektoren sollte Wasserstoff aus Ihrer Sicht vorrangig und sinnvoll genutzt werden \u2013 und wo eher nicht?<\/p>\n<p>    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Portr\u00e4t Jorgo Chatzimarkakis\" height=\"323\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg' width='696px' height='391px' viewBox='0 0 696 391'%3E%3Crect x='0' y='0' width='696' height='391' fill='%23f2f2f2'%3E%3C\/rect%3E%3C\/svg%3E\" style=\"aspect-ratio: 222 \/ 323; object-fit: cover;\" width=\"222\"\/><\/p>\n<p>Jorgo Chatzimarkakis<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"> <strong>Jorgo Chatzimarkakis:<\/strong> Ich sehe Wasserstoff als einen Allrounder, der uns hilft, die L\u00fccken der Energiewende zu schlie\u00dfen. Er wird dort gebraucht, wo direkte Elektrifizierung an Grenzen st\u00f6\u00dft \u2013 etwa in der Stahl- und Chemieindustrie, im Schwerlastverkehr, in der Luft- und Schifffahrt. Aber ich m\u00f6chte nichts kategorisch ausschlie\u00dfen, denn schon heute werden gro\u00dfe Mengen Strom abgeregelt \u2013 welche man gut in Wasserstoff umwandeln k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Die Praxis wird zeigen, welche Anwendungen sich durchsetzen. In manchen Regionen kann Wasserstoff im W\u00e4rmemarkt Sinn machen, in anderen nicht. Entscheidend ist, dass wir technologieoffen bleiben. Was z\u00e4hlt, ist die Effizienz im Gesamtsystem: Wasserstoff erm\u00f6glicht es, erneuerbare Energien zu speichern, Engp\u00e4sse im Stromnetz abzufedern und sie \u00fcber Sektoren hinweg nutzbar zu machen.<\/p>\n<p>\u25b6 Hydrogen Europe versteht Wasserstoff als Klimaschutz- und Industriepolitik. Wie stellen Sie sicher, dass nicht Industrieinteressen vor Klimazielen Vorrang haben?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Jorgo Chatzimarkakis:<\/strong> Das eine geht nicht ohne das andere. Wir erreichen unsere Klimaziele nur, wenn die Industrie Technologien in gro\u00dfem Ma\u00dfstab produziert und anwendet. Deshalb m\u00fcssen F\u00f6rdergelder an klare Bedingungen gekn\u00fcpft sein: CO2-Reduktion, Nachhaltigkeit und Resilienz.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Wir wollen vermeiden, dass uns das passiert, was wir bei der Solarindustrie erlebt haben \u2013 damals haben billige Importe Europa deindustrialisiert. Heute haben wir die Chance, Klimaschutz und Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu verbinden. Das ist kein Widerspruch, sondern ein doppelter Gewinn.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>\u25b6 China und Indien setzen ambitionierte Wasserstoffprojekte um, w\u00e4hrend Europa hinterherhinkt. Wo sehen Sie das gr\u00f6\u00dfte Risiko f\u00fcr die europ\u00e4ische Wettbewerbsf\u00e4higkeit \u2013 und wie kann Europa aufholen?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Jorgo Chatzimarkakis:<\/strong> Das gr\u00f6\u00dfte Risiko ist, dass wir wieder eine Schl\u00fcsselindustrie verlieren. China produziert heute Elektrolyseure zum halben Preis, weil es massiv subventioniert und den Heimatmarkt sch\u00fctzt. Europa hat die Technologien, die Erfahrung und die Unternehmen \u2013 wir m\u00fcssen jetzt daf\u00fcr sorgen, dass sie auch hier skalieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Das hei\u00dft: Resilienz-Kriterien in F\u00f6rderprogrammen, damit europ\u00e4ische Fertigung belohnt wird. Und ein Marktumfeld, das Investitionen beg\u00fcnstigt, statt sie zu verz\u00f6gern. Wenn wir diese Weichen richtig stellen, k\u00f6nnen wir vorne mitspielen. Aber die n\u00e4chsten zwei bis drei Jahre sind entscheidend.<\/p>\n<p>\u25b6 Viele Studien zeigen, dass Wasserstoffproduktion und -logistik aktuell teuer und energieintensiv sind. Welche Hebel sehen Sie, um die Kosten entscheidend zu senken \u2013 und wie verhindern Sie, dass H2 ein &#8222;Nischenprodukt f\u00fcr Gro\u00dfkonzerne&#8220; wird?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Jorgo Chatzimarkakis:<\/strong> Die Hebel sind klar: Erstens, Skaleneffekte. Je mehr Projekte realisiert werden, desto schneller sinken die Kosten. Zweitens, Innovation: Wir senken den Einsatz teurer Materialien wie Iridium in Elektrolyseuren drastisch. Drittens, Infrastruktur: Wenn wir Pipelines und Speicher aufbauen, sinken Transportkosten massiv.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Und viertens, kluge F\u00f6rderung: Wir brauchen nicht nur Zusch\u00fcsse f\u00fcr die Anschaffung, sondern auch zeitlich befristete Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Betrieb, damit die ersten Nutzer nicht auf den vollen Mehrkosten sitzen bleiben. So entsteht ein Markt, der allen offensteht \u2013 auch mittelst\u00e4ndischen Unternehmen, nicht nur den gro\u00dfen Konzernen.<\/p>\n<p> Jorgo Chatzimarkakis, geb\u00fcrtig aus Duisburg und ehemaliger MdEP, ist CEO des europ\u00e4ischen Wasserstoffverbandes Hydrogen Europe. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Interview erkl\u00e4rt der Chef von Hydrogen Europe, warum komplexe Regeln und zu wenig Anreize Europas Wasserstoffpl\u00e4ne ausbremsen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":401490,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,1520,1521,548,663,158,3934,3935,13,30354,952,14,15,12,5702],"class_list":{"0":"post-401489","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-energiewende","11":"tag-erneuerbare-energie","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europaeische-union","15":"tag-europe","16":"tag-european-union","17":"tag-headlines","18":"tag-industriepolitik","19":"tag-klimawandel","20":"tag-nachrichten","21":"tag-news","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-wasserstoff"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115157568566036516","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/401489","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=401489"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/401489\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/401490"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=401489"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=401489"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=401489"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}