{"id":401774,"date":"2025-09-06T15:57:43","date_gmt":"2025-09-06T15:57:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/401774\/"},"modified":"2025-09-06T15:57:43","modified_gmt":"2025-09-06T15:57:43","slug":"hoehere-kassenbeitraege-noch-nicht-vom-tisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/401774\/","title":{"rendered":"H\u00f6here Kassenbeitr\u00e4ge noch nicht vom Tisch"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; F\u00fcr Millionen Versicherte sind drohende erneute Anhebungen der Krankenkassenbeitr\u00e4ge im n\u00e4chsten Jahr noch nicht vom Tisch. Aus dem Bundeshaushalt 2025 gibt es daf\u00fcr nun endg\u00fcltig kein zus\u00e4tzliches Geld, wie die schwarz-roten Koalitionsfraktionen nach den abschlie\u00dfenden Ausschussberatungen des Bundestags mitteilten. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) peilt aber noch kurzfristige Schritte an, um Beitragserh\u00f6hungen ab Januar zu vermeiden.<\/p>\n<p>Erst Anfang des Jahres hatte es eine Welle kr\u00e4ftiger Anhebungen gegeben. Wegen steigender Milliardenausgaben f\u00fcr die Versorgung nehmen die Probleme noch weiter zu.\u00a0<\/p>\n<p>Warken sagte in Berlin: \u00abDie gesetzliche Krankenversicherung steht finanziell massiv unter Druck. Die Ausgaben wachsen weiterhin deutlich st\u00e4rker als die Einnahmen.\u00bb F\u00fcr Krankenhausbehandlungen als gr\u00f6\u00dftem Kostenblock stiegen sie im ersten Halbjahr auf 54,5 Milliarden Euro &#8211; das waren 9,6 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahrs. Die Ausgaben f\u00fcr \u00e4rztliche Behandlungen in den Praxen stiegen um 7,8 Prozent auf knapp 27 Milliarden Euro und f\u00fcr Arzneimittel um 6 Prozent auf 28,9 Milliarden Euro.\u00a0<\/p>\n<p>Finanzdruck trotz \u00dcberschusses<\/p>\n<p>Nach den Beitragsanhebungen zu Jahresbeginn verbuchten die Kassen bis Ende Juni jetzt unter dem Strich einen \u00dcberschuss von 2,8 Milliarden Euro. Dies sei aber nur eine Momentaufnahme und mit Vorsicht zu genie\u00dfen, erl\u00e4uterte Warken. Denn die Kassen m\u00fcssen damit ihre nur noch sehr niedrigen Reserven auff\u00fcllen. Sie liegen aktuell bei 4,6 Milliarden Euro, was 0,16 Monatsausgaben entspricht &#8211; gesetzlich gefordert sind mindestens 0,2 Monatsausgaben.<\/p>\n<p>Auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) warnte davor, sich vom Halbjahres-Plus beruhigen zu lassen. \u00abDie Ausgabendynamik ist im ersten Halbjahr ungebrochen\u00bb, sagte Vorstandschef Oliver Blatt der Deutschen Presse-Agentur. Es sei ein \u00abgutes und wichtiges Signal\u00bb, dass die Regierung die Beitr\u00e4ge stabil halten wolle. Blatt forderte erneut, dass die Kassen nicht mehr ausgeben m\u00fcssen, als sie einnehmen. Der Anstieg der Kosten m\u00fcsse wieder auf \u00abein Normalma\u00df\u00bb zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Das k\u00f6nne Beitr\u00e4ge stabil halten.<\/p>\n<p>Finanzspritze des Bundes reicht nicht<\/p>\n<p>Um die Kassen zu entlasten, gibt der Bund schon Geld aus dem Haushalt \u00fcber den regul\u00e4ren Jahreszuschuss von 14,5 Milliarden Euro hinaus. So ist f\u00fcr 2025 und 2026 jeweils ein Darlehen von 2,3 Milliarden Euro geplant, au\u00dferdem soll ein fr\u00fcheres Darlehen von einer Milliarde Euro erst sp\u00e4ter zur\u00fcckgezahlt werden m\u00fcssen. Damit bleibt laut Gesundheitsministerium f\u00fcr 2026 aber eine L\u00fccke von vier Milliarden Euro. Rein rechnerisch w\u00e4ren es 0,2 Prozentpunkte beim Beitrag.<\/p>\n<p>Die Regierungsfraktionen und der Koalitionsausschuss bekr\u00e4ftigten gerade erst das Ziel, die Beitr\u00e4ge nach den zuletzt starken Steigerungen 2026 m\u00f6glichst stabil zu halten. \u00abDen hohen Erwartungen und dem Zeitdruck sind wir uns durchaus bewusst\u00bb, sagte Warken. Sollte das \u00abDelta\u00bb so bleiben, werde es aller Voraussicht nach zu Beitragserh\u00f6hungen f\u00fchren. \u00abAber wir wollen das Ganze noch abfedern.\u00bb Ziel sei, eine Beitragserh\u00f6hung ab Januar zu vermeiden, und zwar au\u00dfer f\u00fcr die Krankenversicherung auch f\u00fcr die Pflegeversicherung.<\/p>\n<p>L\u00f6sungen noch im Herbst angestrebt<\/p>\n<p>Konkret soll unter anderem in den direkt folgenden Beratungen \u00fcber den Haushalt 2026 nach L\u00f6sungen gesucht werden, wie Warken deutlich machte. Damit wolle man noch die anstehenden Berechnungen des sogenannten Sch\u00e4tzerkreises erreichen, der immer im Herbst einen Orientierungswert f\u00fcr den durchschnittlichen Zusatzbeitrag im Folgejahr ermittelt. Den konkreten Zusatzbeitrag legt dann jede Kasse nach ihrer Finanzsituation f\u00fcr ihre Versicherten fest.<\/p>\n<p>Anfang dieses Jahres waren die Zusatzbeitr\u00e4ge im Schnitt auf 2,9\u00a0Prozent gestiegen. Das war mehr als die erwartete Zunahme um 0,8 Punkte auf den amtlichen Orientierungswert von 2,5 Prozent. Zum Gesamtbeitrag, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen, geh\u00f6rt daneben der allgemeine Satz von einheitlich 14,6 Prozent des Bruttolohns.\u00a0<\/p>\n<p>Kommission soll fr\u00fcher Vorschl\u00e4ge machen\u00a0<\/p>\n<p>Warken unterstrich das schwarz-rote Ziel, neben den kurzfristigen Schritten eine langfristige Stabilisierung zu erreichen. \u00abOhne tiefgreifende Reformen kann sich das System nicht mehr selber finanzieren.\u00bb Eine dazu im Koalitionsvertrag vereinbarte Expertenkommission soll im September starten und auch nicht erst im Fr\u00fchjahr 2027 Ergebnisse vorlegen, sondern im Fr\u00fchjahr 2026. \u00abDie beinahe zur Routine gewordene Beitragssteigerung zum Jahreswechsel muss durchbrochen werden\u00bb, sagte Warken.<\/p>\n<p>Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) warnten vor einer \u00abPolitik nach dem Prinzip Hoffnung\u00bb. Statt entschlossen zu handeln, werde aber weiter darauf gewartet, dass irgendwo noch Geld im Bundeshaushalt auftauche, kritisierte die Chefin des AOK-Verbands, Carola Reimann. DAK-Chef Andreas Storm sagte: \u00abBei Gesundheit und Pflege droht uns ein Herbst der Hilflosigkeit, den Versicherte und Arbeitgeber im n\u00e4chsten Jahr teuer bezahlen m\u00fcssen.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Entlastungen<\/p>\n<p>Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas sagte, Vorschl\u00e4ge f\u00fcr schnell wirksame Ma\u00dfnahmen zum Stoppen der explodierenden Ausgaben gebe es genug. Er schlug mit Blick auf die geplante Mehrwertsteuersenkung f\u00fcr die Gastronomie vor: \u00abF\u00fcr das Schnitzel mit Pommes soll bald der reduzierte Satz gelten. Warum geht das nicht auch bei Arzneimitteln?\u00bb<\/p>\n<p>Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, hielt der Regierung Realit\u00e4tsverweigerung vor. \u00abOhne Steuermittel gehen in der Kranken- und Pflegeversicherung die Lichter aus.\u00bb Die Chefin des Sozialverbands Deutschland, Michaela Engelmeier, sagte: \u00abDarlehen sind keine L\u00f6sung, sie verschieben das Problem nur in die Zukunft.\u00bb Statt neue Beitragserh\u00f6hungen zu riskieren, seien versicherungsfremde Leistungen aus Steuermitteln zu bezahlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; F\u00fcr Millionen Versicherte sind drohende erneute Anhebungen der Krankenkassenbeitr\u00e4ge im n\u00e4chsten Jahr noch nicht vom&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":401775,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1840],"tags":[1180,3364,29,1721,30,141,1109,1188,1209,4418],"class_list":{"0":"post-401774","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wuppertal","8":"tag-bundestag","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-finanzen","12":"tag-germany","13":"tag-gesundheit","14":"tag-haushalt","15":"tag-krankenversicherung","16":"tag-nordrhein-westfalen","17":"tag-wuppertal"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115158177887647516","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/401774","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=401774"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/401774\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/401775"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=401774"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=401774"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=401774"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}