{"id":402310,"date":"2025-09-06T20:56:36","date_gmt":"2025-09-06T20:56:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/402310\/"},"modified":"2025-09-06T20:56:36","modified_gmt":"2025-09-06T20:56:36","slug":"wem-gehoert-dieses-bild-von-modersohn-becker-dw-04-09-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/402310\/","title":{"rendered":"Wem geh\u00f6rt dieses Bild von Modersohn-Becker? \u2013 DW \u2013 04.09.2025"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Junges M\u00e4dchen\u201d ist das Portr\u00e4t eines unbekannten M\u00e4dchens, gemalt um 1901 von <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/paula-bildstarker-kinofilm-\u00fcber-die-malerin-paula-modersohn-becker\/a-36773007\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Paula Modersohn-Becker<\/a>. Es ist das Werk einer K\u00fcnstlerin, die zu den\u00a0bedeutendsten Vertreterinnen des fr\u00fchen <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/expressionismus\/t-18045256\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Expressionismus<\/a>\u00a0gez\u00e4hlt wird.\u00a0W\u00e4hrend mehrerer Studienaufenthalte in Paris setzte sie sich intensiv mit der franz\u00f6sischen Avantgarde auseinander, darunter Paul C\u00e9zanne, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/paul-gauguin-why-are-you-so-angry-ausstellung-alte-nationalgalerie\/a-61174348\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Paul Gauguin<\/a> und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/vincent-van-gogh\/t-19338302\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vincent van Gogh<\/a>.<\/p>\n<p>Daraus entwickelte Modersohn-Becker eine eigenst\u00e4ndige Bildsprache, die sich deutlich von der romantischen Landschaftsmalerei ihrer Kollegen unterschied, mit denen sie in <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/worpswede-vom-bauerndorf-zur-inspirationsquelle\/a-44690360\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Worpswede<\/a> in einer K\u00fcnstlerkolonie lebte. Modersohn-Becker (1876 bis 1907) gilt als Pionierin der Moderne in Deutschland.\u00a0<\/p>\n<p>Restitutionsbegehren der Erben \u00a0<\/p>\n<p>Seit 67 Jahren\u00a0ist &#8222;Junges M\u00e4dchen&#8220;\u00a0im Besitz der Stadt Hamburg und Teil der Sammlung der Hamburger Kunsthalle. &#8222;Das Bild ist 1958 ins Haus gekommen. Als Geschenk. Und es ist ein zu beforschendes, schwarzes Loch&#8220;, sagte Kunsthallen-Direktor Alexander Klar dem Norddeutschen Rundfunk (NDR).<\/p>\n<p>Schenkende war damals, so ist es in der digitalen Sammlung der Kunsthalle nachzulesen, Elsa\u00a0Doebbeke. Sie war Witwe des <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/nationalsozialismus\/t-19049496\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">NSDAP<\/a>-Mitglieds und Kunstsammlers Conrad Doebbeke, der w\u00e4hrend der NS-Herrschaft viele Gem\u00e4lde, vor allem von j\u00fcdischen Besitzern, g\u00fcnstig erworben haben soll.<\/p>\n<p>Im Dezember 2020 dann<strong> <\/strong>meldeten die Erben des j\u00fcdischen Kaufmanns Robert Graetz ein offizielles Restitutionsbegehren an. Graetz war ein Berliner Kunstliebhaber und -sammler, den\u00a0die Nazis 1942 nach Warschau deportierten; er wurde im Dezember 1945 f\u00fcr tot erkl\u00e4rt.\u00a0Lange kam wenig Bewegung in die Sache, die Kunsthalle forschte nach eigenen Angaben weiter nach der Herkunft des Werkes und auch die Familie Graetz hatte ein Forschungsprojekt in Auftrag gegeben.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"49822507\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/49822507_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Eine Gruppe Menschen geht mit erhobenen H\u00e4nden auf einer Stra\u00dfe, flankiert von Soldaten mit Gewehren.\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Hier verlor sich Robert Graetz&#8216; Spur: im Warschauer Ghetto Bild: picture-alliance\/dpa<\/p>\n<p>Letzter Einsatz der\u00a0Beratenden Kommission<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich rief sie die &#8222;<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ns-raubkunst-schiedsgerichte-ersetzen-die-limbach-kommission\/a-71474407\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Beratende Kommission<\/a> im Zusammenhang mit der R\u00fcckgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus j\u00fcdischem Besitz&#8220; an. Sie ist in Deutschland seit 2003 daf\u00fcr zust\u00e4ndig, in solchen Streitf\u00e4llen eine L\u00f6sung zu empfehlen &#8211;\u00a0bis jetzt. Denn am 1. Dezember dieses Jahres wird die Kommission durch Schiedsgerichte ersetzt werden, darauf einigten sich Bund, L\u00e4nder und Kommunen im Januar.<\/p>\n<p>Der Grund: ihre Ineffizienz. Die Kommission ist in ihrem 22-j\u00e4hrigen Bestehen in nur 26 F\u00e4llen aktiv geworden, eine verschwindend geringe Zahl angesichts gesch\u00e4tzter 200.000 Objekten\u00a0von NS-<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/raubkunst\/t-17389649\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Raubgut<\/a>\u00a0allein in Deutschland. Das hat nach Ansicht vieler Experten\u00a0vor allem mit ihrer unzureichenden Ausstattung und Konstruktion sowie der fehlenden gesetzlichen Grundlage und Durchsetzungsf\u00e4higkeit zu tun. So kann die Kommission nur t\u00e4tig werden, sofern beide Parteien dies w\u00fcnschen. Und ihre Empfehlungen sind rechtlich nicht bindend.\u00a0<\/p>\n<p>Kein Restitutionsgesetz in Deutschland<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu vielen anderen L\u00e4ndern gibt es in Deutschland noch immer kein Restitutionsgesetz &#8211;\u00a0also keine verbindliche Rechtsgrundlage f\u00fcr die Nachkommen der Opfer, Restitutionsanspr\u00fcche einzuklagen. Experten halten das gerade f\u00fcr das T\u00e4terland Deutschland untragbar.<\/p>\n<p>Deutschland hat 1998 die Washingtoner Erkl\u00e4rung mit verabschiedet. In dem\u00a0Dokument haben\u00a0sich 44 Staaten und zahlreiche Organisationen und Opferverb\u00e4nde auf die Forderung nach einer &#8222;fairen und gerechten L\u00f6sung&#8220; der F\u00e4lle von NS-Raubkunst verst\u00e4ndigt. F\u00fcr die Umsetzung dieser\u00a0&#8222;Washingtoner Prinzipien&#8220; und die Regulierung strittiger F\u00e4lle war und ist noch die Beratende Kommission zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"64801481\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/64801481_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Eine Frau steht seitlich vor einem gerahmten Gem\u00e4lde, das eine sitzende Frau mit schwarzem Haar zeigt.\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Bayern will die Provenienz der &#8222;Madame Soler&#8220; von Pablo Picasso bislang nicht untersuchen lassenBild: Felix H\u00f6rhager\/dpa\/picture alliance<\/p>\n<p>Kritik an den\u00a0neuen Schiedsgerichten<\/p>\n<p>Jetzt wird sie also abgel\u00f6st von den neuen Schiedsgerichten. Die stehen schon vorab heftig in der Kritik: &#8222;Das geplante Schiedsverfahrensrecht verschlechtert die Situation der Opfer eklatant&#8220;, hei\u00dft\u00a0es in einem <a rel=\"noopener follow nofollow\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" href=\"https:\/\/beratende-kommission.de\/media\/pages\/aktuelles\/offener-brief\/9b1745469f-1736858522\/25-01-07-offener-brief-ossmann-korte.pdf\" title=\"Externer Link \u2014 offenen Brief\">offenen Brief<\/a>vom Januar 2025\u00a0an den damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz:\u00a0&#8222;Eine Diskussion der (&#8230;) neuen Regeln hat nie stattgefunden.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>Zu den Unterzeichnern geh\u00f6ren Restitutionsexperten,\u00a0Opfer-Anw\u00e4lte und Nachfahren der Opfer.\u00a0Sie glauben nicht, dass in Zukunft wie versprochen eine sogenannte einseitige Anrufbarkeit m\u00f6glich wird, da weiterhin die\u00a0rechtliche\u00a0Grundlage fehlt.\u00a0Das Land Bayern etwa\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/streit-um-einen-picasso-ist-madame-soler-raubkunst\/a-64812932\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">weigert sich seit Jahren<\/a>, die Geschichte eines <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/pablo-picasso\/t-36016887\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Picasso<\/a>-Gem\u00e4ldes aus den Staatsgem\u00e4ldesammlungen\u00a0untersuchen zu lassen.<\/p>\n<p>Die Schiedsgerichte sollen aus je zwei Historikern und drei Juristen bestehen.\u00a0Nach Informationen des Deutschlandfunks soll es f\u00fcr die\u00a0Besetzung der Positionen im September kein klassisches Berufungsverfahren geben, sondern die M\u00f6glichkeit, sich selbst zu bewerben.\u00a0<\/p>\n<p>Kultur-Staatsminister Wolfram Weimer informierte die Beratende Kommission\u00a0dar\u00fcber, dass ihre Arbeit zum 30. November endet. Noch in Arbeit befindliche F\u00e4lle sollen bis dahin abgeschlossen werden. Es sollte jetzt also nicht mehr lange dauern, bis Robert Graetz&#8216; Nachkommen Gewissheit haben. Sie d\u00fcrften optimistisch sein: 2011 gab das Land Berlin zwei Gem\u00e4lde des K\u00fcnstlers Karl Schmidt-Rottluff an seinen Enkel Roberto Graetz zur\u00fcck &#8211; auf Empfehlung der Beratenden Kommission.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Junges M\u00e4dchen\u201d ist das Portr\u00e4t eines unbekannten M\u00e4dchens, gemalt um 1901 von Paula Modersohn-Becker. 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