{"id":402715,"date":"2025-09-07T00:56:15","date_gmt":"2025-09-07T00:56:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/402715\/"},"modified":"2025-09-07T00:56:15","modified_gmt":"2025-09-07T00:56:15","slug":"werte-statt-nur-ps-christen-in-der-autoindustrie-bei-der-iaa-mobility-in-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/402715\/","title":{"rendered":"Werte statt nur PS: &#8222;Christen in der Autoindustrie&#8220; bei der IAA Mobility in M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p>Pastor Peer-Detlev Schladebusch war Industriepfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, als er 2013 das Netzwerk &#8222;Christen in der Automobilindustrie&#8220; (CAI) gr\u00fcndete. Ableger des Netzwerks gibt es bei den meisten gro\u00dfen Autobauern wie Mercedes, BMW, Audi, Volkswagen, Porsche und Opel sowie bei vielen Zulieferern.<\/p>\n<p>Auch bei der Internationalen Automobilausstellung (IAA), die vom 9. bis 14. September zum dritten Mal in M\u00fcnchen stattfindet, ist das Netzwerk mit einem Team von 40 Ehrenamtlichen pr\u00e4sent. Das Ziel: eine &#8222;wertegeleitete Mobilit\u00e4t&#8220; der Zukunft. Zum Messestart l\u00e4dt CAI zusammen mit dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (kda) am Montag (8. September) zum Auftaktgottesdienst in die M\u00fcnchner Dekanatskirche St. Markus.<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Viele Mitarbeitende in der Automobilbranche sind auch Kirchenmitglieder&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"interview-frage\">Herr Schladebusch, zum ersten Mal gibt es einen Auftaktgottesdienst zur Automesse IAA Mobility. Was haben denn Kirche und Auto miteinander zu tun?<\/p>\n<p><strong>Peer-Detlev Schladebusch: <\/strong>Viele Mitarbeitende in der Automobilbranche sind auch Kirchenmitglieder, sie engagieren sich ehrenamtlich in ihren Gemeinden und etwa 1.500 von ihnen sind Teil unseres Netzwerks &#8222;Christen in der Automobilindustrie&#8220; (CAI). Wir wollen ihnen Mut machen, sich mit Fragen nach Perspektiven und Werten zu besch\u00e4ftigen: Was treibt mich &#8211; auch am Arbeitsplatz &#8211; an? Angelehnt an das IAA-Motto &#8222;it&#8217;s all about mobility&#8220; hei\u00dft die \u00dcberschrift f\u00fcr den Gottesdienst: &#8222;it&#8217;s all about community, values, prayers and blessing&#8220; (&#8222;alles dreht sich um Gemeinschaft, Werte, Gebete und Segen&#8220;). Wir sind \u00fcberzeugt, dass Werte der eigentliche Treiber f\u00fcr nachhaltiges und erfolgreiches Wirtschaften sind.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Viele evangelische Landeskirchen haben ehrgeizige Ziele zur CO2-Neutralit\u00e4t &#8211; ist die Bewahrung der Sch\u00f6pfung auch f\u00fcr die Christen in der Automobilindustrie ein Schwerpunkt, oder geht es vor allem ums gemeinsame Gebet am Arbeitsplatz?<\/p>\n<p>Das kann man nicht trennen. Bewahrung der Sch\u00f6pfung ist allen wichtig, auch wenn die verschiedenen Gruppen unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Wir haben vor einiger Zeit in einem Workshop die 17 UN-Klimaziele aus christlicher Sicht durchgearbeitet, das war sehr spannend. Aber momentan haben viele Besch\u00e4ftigte Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Das sind pers\u00f6nliche, existenzielle Fragen. Wer damit konfrontiert ist, hat wenig Kapazit\u00e4ten f\u00fcr Umweltfragen. Aber wir greifen auch dieses Thema bei unserem Summit-Podium bei der IAA auf, wo es um wertegeleitete Mobilit\u00e4t gehen wird.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Sie haben f\u00fcr die diesj\u00e4hrige IAA eine internationale Werte-Umfrage in der Automobilbranche angek\u00fcndigt. Was erhoffen Sie sich davon?<\/p>\n<p>Unsere These ist: Ohne Werte gibt es keine Wertsch\u00e4tzung und keine Wertsch\u00f6pfung. Mittlerweile machen alle Unternehmen Mitarbeiterbefragungen, aber da sind die Fragen oft so gestellt, dass das Ergebnis schon vorher klar ist. Wir hingegen sind unabh\u00e4ngig und wollen auch die kritischen Fragen stellen: Wie menschenfreundlich erleben Sie Ihre Branche? Welche Werte sind Ihnen wichtig? Was darf man in Ihrem Arbeitsumfeld nicht aussprechen, auch wenn es dringend n\u00f6tig w\u00e4re? Was w\u00fcrden Sie \u00e4ndern, wenn es m\u00f6glich w\u00e4re? Wer den QR-Code zur Umfrage scannt, bekommt die Fragen automatisch in der auf seinem Smartphone voreingestellten Sprache pr\u00e4sentiert &#8211; auf Englisch, Deutsch, Franz\u00f6sisch, Italienisch, Spanisch und Chinesisch.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Warum auch Chinesisch?<\/p>\n<p>2023 hatten wir sehr viele chinesische Messebesucher an unserem Caf\u00e9-Bus, aber eine Verst\u00e4ndigung war kaum m\u00f6glich, das fanden wir sehr schade. Wir sind richtig gespannt, was chinesische Besch\u00e4ftigte in der Autoindustrie bewegt, was ihre Werte sind, was das f\u00fcr uns bedeutet &#8211; ich glaube, damit hat sich bislang noch nie jemand besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Nur, wenn ein Unternehmen Werte wie Fairness oder Transparenz wirklich lebt, kann es auch erfolgreich handeln&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"interview-frage\">Sto\u00dfen Sie denn mit Ihrer Wertethese auf Geh\u00f6r in den Konzernspitzen?<\/p>\n<p>Das Geh\u00f6r daf\u00fcr ist noch sehr gering ausgepr\u00e4gt, vergleichbar zum Umweltschutz in den 1970er-Jahren. Ich bin aber \u00fcberzeugt, dass die Werte von Mitarbeitenden, von Unternehmen, einen direkten Einfluss auf die Produkte haben. Nur, wenn ein Unternehmen Werte wie Fairness oder Transparenz wirklich lebt, kann es auch erfolgreich handeln.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Aber das stimmt doch nicht, man kann auch mit rein kapitalistischen Methoden viel Geld verdienen.<\/p>\n<p>So etwas funktioniert nur kurzfristig, das hat doch der Diesel-Skandal gezeigt. Durch Tricksereien f\u00fcr kurzfristige Gewinne hat VW mit milliardenschweren Verlusten bezahlt. Oder nehmen wir Tesla: Viele Tesla-Fahrer distanzieren sich mittlerweile mit einem Aufkleber von Firmenchef Musk, weil sie seine Werte nicht mehr teilen k\u00f6nnen. Solche Entwicklungen erleben wir \u00fcberall. Ehrlichkeit, Qualit\u00e4t, Nachhaltigkeit, guter Umgang mit Menschen &#8211; das h\u00e4ngt zusammen. Wir brauchen Werte nicht nur auf Hochglanz im Werbeprospekt, sondern im Alltag der Firmen. Das werden auch bald die Aktion\u00e4re erkennen.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Glauben Sie, dass Unternehmenschefs am Ende tats\u00e4chlich zugunsten von Werten auf ein paar Prozent mehr Gewinne verzichten?<\/p>\n<p>Welche Rolle Werte prozentual spielen k\u00f6nnen, ist noch unklar. Die Automobilbranche ist eine Technikkultur, kein Hort der Sozialp\u00e4dagogik. Aber wie gesagt: Abteilungen f\u00fcr Nachhaltigkeit gab es vor ein paar Jahren auch nicht. Unsere Umfrage soll zeigen, welches Bewusstsein bei der Wertefrage schon vorhanden ist, wie es sich in den n\u00e4chsten Jahren entwickelt und auswirkt. Erste Ergebnisse wollen wir schon bei unserer Podiumsdiskussion am Freitag pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Jedes gro\u00dfe Unternehmen hat heutzutage eine Abteilung f\u00fcr Sustainability, das Schlagwort f\u00fcr Nachhaltigkeit, Transparenz, soziale Gerechtigkeit. Dort sitzen die geborenen Partner f\u00fcr Ihr Anliegen &#8211; aber brauchen die noch christlichen Input?<\/p>\n<p>Christliche Werte sind immer Beziehungswerte. Der Satz von &#8222;Glaube, Hoffnung, Liebe&#8220; aus dem ersten Korintherbrief betrifft die Beziehung zwischen Gott und Mensch sowie zwischen Mensch und Mensch. Ich w\u00fcrde den Beziehungswert auf die Umwelt ausdehnen, denn Menschen leben in ihrer Umwelt, sie teilen sie mit anderen. Zu den christlichen Werten geh\u00f6rt auch die Frage: Wie gehen wir mit Fehlern um, was bedeutet uns Ehrlichkeit? Die Dieselaff\u00e4re w\u00e4re anders gelaufen, wenn solche Fragen eine gr\u00f6\u00dfere Rolle gespielt h\u00e4tten. Daneben kennen wir seit den Griechen und R\u00f6mern die Kardinaltugenden wie Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Treue, rechtes Ma\u00df, Vers\u00f6hnung, Klugheit. Wir wollen wissen: Gelten die auch in anderen Kulturen? Auch ein Manager f\u00fcr globale Nachhaltigkeit muss erstmal begreifen, welche Unterschiede es im Werte-Verst\u00e4ndnis weltweit gibt.<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;F\u00fcr begr\u00fcndete Kritik haben wir Verst\u00e4ndnis&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"interview-frage\">Die IAA zieht trotz ihres ver\u00e4nderten Konzepts noch immer viel Kritik auf sich: zu langsam bei der Transformation, zu viel Platz f\u00fcr dicke Autos. Haben Sie Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Kritiker?<\/p>\n<p>F\u00fcr begr\u00fcndete Kritik haben wir Verst\u00e4ndnis. Mitglieder unseres Teams waren 2023 auch beim Mobilit\u00e4tswendecamp im Luitpoldpark und haben dort gute Gespr\u00e4che mit Kritikern der Autoindustrie gef\u00fchrt &#8211; mit manchen ist jedoch kein Reden m\u00f6glich. Aber auch f\u00fcr diesen Diskurs brauchen wir Werte: gegenseitige Toleranz, das Interesse, gemeinsame Wege zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Pastor Peer-Detlev Schladebusch war Industriepfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, als er 2013 das Netzwerk &#8222;Christen in der Automobilindustrie&#8220;&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":402716,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[3274,772,29,9485,30,5508,1268,14,15,575,9486],"class_list":{"0":"post-402715","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-kirche","9":"tag-bayern","10":"tag-deutschland","11":"tag-evangelisch","12":"tag-germany","13":"tag-journalismus","14":"tag-muenchen","15":"tag-nachrichten","16":"tag-news","17":"tag-religion","18":"tag-sonntagsblatt"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115160297501892971","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/402715","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=402715"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/402715\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/402716"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=402715"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=402715"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=402715"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}