{"id":402879,"date":"2025-09-07T02:30:11","date_gmt":"2025-09-07T02:30:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/402879\/"},"modified":"2025-09-07T02:30:11","modified_gmt":"2025-09-07T02:30:11","slug":"aerztin-und-autorin-giulia-enders-mit-organisch-wird-die-mannheimerin-noch-persoenlicher-magazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/402879\/","title":{"rendered":"\u00c4rztin und Autorin Giulia Enders: Mit &#8222;Organisch&#8220; wird die Mannheimerin noch pers\u00f6nlicher &#8211; Magazin"},"content":{"rendered":"<p>Von Andr\u00e9 Wesche<\/p>\n<p>Heidelberg\/Mannheim. Mit ihrem popul\u00e4rwissenschaftlichen Sachbuch &#8222;Darm mit Charme&#8220; brach die \u00c4rztin Giulia Enders 2014 eine Lanze f\u00fcr ein oft untersch\u00e4tztes Organ und traf damit den Nerv einer riesigen Leserschaft. Acht Millionen Exemplare gingen weltweit \u00fcber die Ladentische. <\/p>\n<p>Nun legt die geb\u00fcrtige Mannheimerin nach. Mit &#8222;Organisch&#8220; (Ullstein Verlag, 24,99 Euro) richtet die 35-J\u00e4hrige den Fokus auf Lunge, Gehirn, Haut und Muskeln \u2013 und liefert dabei verbl\u00fcffende Einblicke in die Wirkungsweise des Immunsystems. Ein Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p class=\"interview\">Frau Enders, hat Sie der Erfolg Ihres Erstlings &#8222;Darm mit Charme&#8220; einigerma\u00dfen gepl\u00e4ttet?<\/p>\n<p>Ja, ich war auf jeden Fall \u00fcberrascht. Beim Schreiben habe ich nicht dar\u00fcber nachgedacht, ob das ein erfolgreiches Buch wird oder nicht. Und meine Schwester, die das Buch illustriert hat, auch nicht. Es ging uns eher darum, ob wir gut finden, was wir da machen. Dass es dann so einen Anklang fand, war super sch\u00f6n. Aus Witz habe ich damals bei der Vorschau gro\u00dfspurig gesagt: Das Buch ist eigentlich nur f\u00fcr die Leute gedacht, die einen Darm haben. (lacht) Insofern hat es vielleicht so halb gepasst.<\/p>\n<p>        Auch interessant<br \/>\n        <a href=\"https:\/\/www.rnz.de\/kultur\/wissen_artikel,-Wissenschaft-Regional-Darm-mit-Charme-Ein-neues-Image-fuer-unseren-Verdauungsschlauch-_arid,20615.html\" class=\"row\" title=\"zum Artikel\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>&#8222;Darm mit Charme&#8220;: Ein neues Image f\u00fcr unseren Verdauungsschlauch<\/p>\n<p><\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.rnz.de\/region\/sinsheim-kraichgau_artikel,-Heilbronn-Ausstellung-zum-Bestseller-Darm-mit-Charme-_arid,783577.html\" class=\"row\" title=\"zum Artikel\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>Heilbronn: Ausstellung zum Bestseller &#8222;Darm mit Charme&#8220;<\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p class=\"interview\">Warum ist jetzt die richtige Zeit zum Nachlegen?<\/p>\n<p>Bestimmte Dinge sollten einfach mehr Leute wissen, als es jetzt der Fall ist. Bei &#8222;Organisch&#8220; hat sich das ganz still angesammelt. Ich sa\u00df oft im Krankenhaus in der Sprechstunde, habe den Leuten zugeh\u00f6rt, wie es ihnen geht, wo der Schuh dr\u00fcckt und was f\u00fcr sie schwierig ist. Erst mal konnte ich gar nicht benennen, was mir in diesen Gespr\u00e4chen gefehlt hat. Es war eine Unzufriedenheit. Als \u00c4rztin kann Sachen lindern oder daf\u00fcr sorgen, dass die Verdauung flotter l\u00e4uft. Aber dann ist da die Situation drumherum, wo jemand von einer 60-Stunden-Woche gestresst oder einfach einsam ist und sich dann auch noch daf\u00fcr sch\u00e4mt. Oder sich geniert, mir irgendwas zu zeigen, was beim aber einfach dazu geh\u00f6rt und ich mir auch gerne anschaue. Diese vielen kleinen Momente, die sich zusammenverdichten, haben zu vielen Fragen gef\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"interview\">Zum Beispiel?<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine Beziehung haben wir eigentlich mit diesem K\u00f6rper? Und was hat die Au\u00dfenwelt mit ihrer ganzen Digitalisierung und diesem Wirtschaftssprech, wer was wert ist und wer nicht, f\u00fcr einen Einfluss darauf? Ich konnte zum Beispiel nicht so viel mit der Body-Positivity-Bewegung anfangen: &#8222;Du bist sch\u00f6n, so wie du bist!&#8220; Hm, okay. Aber ich habe gemerkt, dass es bei mir etwas ausl\u00f6st, wenn ich Sachen \u00fcber den K\u00f6rper lese oder kleine Videos anschaue, wo man eine Immunzelle sieht, die alle Zellen abtastet. Da kommt in mir eine Dankbarkeit und Liebe auf. In all diesen Momenten habe ich gemerkt, dass man \u00fcber Wissen vielleicht ein anderes Gef\u00fchl zu seinem K\u00f6rper aufbauen kann.<\/p>\n<p class=\"interview\">Der Titel &#8222;Organisch&#8220; ist vergleichsweise schlicht. Gab es Stimmen, die sich wieder einen schmissigen Reim gew\u00fcnscht h\u00e4tten?<\/p>\n<p>Ich muss sagen, dass der Verlag superfair war. Wenn ich mehr Zeit gebraucht habe, haben sie mir keinen Druck gemacht und auch nicht vorgeschrieben, wie das zu klingen hat. Ich habe eher von innen gemerkt, dass es nicht zu der Idee passt, wenn ich andauernd Witze rei\u00dfe. Bei &#8222;Darm mit Charme&#8220; wollte ich das Thema auflockern. Hier geht es mir eher um ein Ruhigwerden und Zu-sich-Kommen. Ich kam gerade aus der Covid-Zeit und einer der wichtigsten Menschen f\u00fcr mich war gestorben. Da f\u00fchlte ich mich selbst etwas schwer und musste mich erstmal freischreiben. Sp\u00e4testens in dem Kapitel mit den Muskeln, die ich gegeneinander antreten lasse, war ich wieder gel\u00f6ster und konnte witziger sein, weil es da f\u00fcr mich gepasst hat. <\/p>\n<p class=\"interview\">Sie beginnen jeden Abschnitt Ihres Buches mit einer Episode aus Ihrem echten Leben. Wie kam es dazu?<\/p>\n<p>Ich hatte am Anfang Schwierigkeiten, ins Schreiben reinzukommen. Dann bin ich zu einer befreundeten Paartherapeutin gefahren und habe gefragt: Wie baue ich eine Verbindung zu einem mir total fremden Organ auf? Sie meinte: Erinnern die dich an Personen, mit denen du dich bereits verbunden f\u00fchlst? <\/p>\n<p>Das war eine supergute Frage. Es hat keine f\u00fcnf Sekunden gedauert, da wusste ich, dass die Lunge meine Uroma ist. Dieses Weiche, was ich bei der Lunge ein bisschen passiv fand oder dieses Sich-an-alle-drumherum-Anpassen. Meine Uroma war neugierig, sie wollte viele verschiedene Dinge erleben.<\/p>\n<p> Aber nicht auf die harte Business-Weise, sondern auf ihre weiche Weise. Das fand ich total logisch. Beim Immunsystem war es dann ein Ort, an dem ich mich in meiner Kindheit absolut si-cher gef\u00fchlt habe: Das war das Haus des besten Freundes meiner Oma. Ich habe \u00fcberlegt: Warum haben wir uns da eigentlich alle so sicher gef\u00fchlt? Das war eine ganz andere Form von Sicherheit als zum Beispiel ein hoher Zaun. Und das ist das Spannende am Immunsystem: Es hat auch eine ganz andere Art, Sicherheit herzustellen, als nur dieses Abwehren von Keimen.<\/p>\n<p class=\"interview\">Auch Ihre Mutter spielt eine Rolle.<\/p>\n<p>Bei den Muskeln, ganz klar! Sie war eine alleinerziehende Mutter. Ihr machten Dinge Freude, wenn sie Sinn ergeben. Sie hat angepackt und ist abends m\u00fcde auf dem Sofa eingeschlafen. Die Marathonl\u00e4uferin des Mutterseins! (lacht) <\/p>\n<p class=\"interview\">Um Zusammenh\u00e4nge zu erkl\u00e4ren, vermenschlichen Sie Zellen und Organe. K\u00f6nnen Sie sich vorstellen, daf\u00fcr von Kollegen kritisiert zu werden?<\/p>\n<p>Ja, kann ich. (lacht) Ich habe aber immer die Hoffnung, dass das Bild, das ich zeichne, wissenschaftlich akkurat ist. Wenn ich zum Beispiel sage, dass die Belohnungszellen abstumpfen, wenn man zehnmal hintereinander sein Lieblingslied h\u00f6rt, klingt das zwar vermenschlicht. <\/p>\n<p>Aber auf physiologischer Ebene ist es exakt, was passiert: Die stumpfen ab, werden weniger erregbar, um sich vor einer \u00dcbererregung zu sch\u00fctzen. Da habe ich das Gef\u00fchl, dass die Vermenschlichung okay ist, weil das menschliche Verb perfekt zur physiologischen Realit\u00e4t passt. <\/p>\n<p class=\"interview\">Sie vertrauen also darauf, dass die menschliche Vorstellung akkurat ist? <\/p>\n<p>Genau. F\u00fcr mich ist es ein wichtiger Schritt, Wissenschaftlich-Abstraktes auch f\u00fchlbar zu machen. Wir bekommen so viele Infos und Wissen. Theoretisch kann jeder alles im Internet nachlesen. Bei B\u00fcchern geht es darum, eine coole neue Perspektive auf eine Sache zu entdecken, die man so noch nicht kannte.<\/p>\n<p class=\"interview\">Der Epilog Ihres Buches ist eine Ode an das Gehirn und das Leben. Aber auch eine kritische Betrachtung unserer Gesellschaft \u2013 ein Organismus, der im Moment leider zu kr\u00e4nkeln scheint\u2005&#8230;<\/p>\n<p>Dem geht es hier und da nicht so gut, das stimmt. Das macht vielen Leuten im Moment Angst. Und dadurch gibt es so viele R\u00fcckw\u00e4rtstrends \u2013 man will sich zumindest ein bisschen an Sicherheit klammern. Fr\u00fcher gab es die Firma mit den f\u00fcnf Abteilungen. Da musste man immer einen von oben fragen und der hat gesagt, wie es gemacht wird. Heute sind wir globale Akteure, vernetzt \u00fcber die ganze Welt. <\/p>\n<p>Und wenn jemand in seiner Freizeit aufs Coldplay-Konzert geht, ist morgen die H\u00f6lle los, weil er dabei gefilmt wurde, wie er irgendwas angestellt hat. Dadurch ver\u00e4ndert sich die ganze Unternehmensstruktur: Nichts da mit f\u00fcnf Ebenen! Alles ist vernetzt und kann sich in Sekunden ver\u00e4ndern. Das ist eine sehr unkontrollierbare und dadurch be\u00e4ngstigende Verformung des Miteinanders. Deshalb finde ich es sehr erholsam zu sagen, dass der K\u00f6rper auch ein komplexes System ist \u2013 und er funktioniert.<\/p>\n<p class=\"interview\">Aber dazu braucht es ein paar grundlegende Prinzipien, oder?<\/p>\n<p>Absolut. Wir k\u00f6nnen mal schauen, was diese Prinzipien beim K\u00f6rper sind und dann \u00fcberlegen, wo sie in dieser gro\u00dfen Weltgemeinschaft, in diesem gro\u00dfen Organismus fehlen, zu dem wir als Menschheit langsam werden. Denn alles, was wir machen, beeinflusst alle anderen. Wenn ich in die Richtung Klima denke, habe ich das Gef\u00fchl, dass wir ziemlich konkret werden k\u00f6nnten. <\/p>\n<p>Man stelle sich vor, wir leben in einem Dorf und jemand kackt in den Fluss. Dann sind alle w\u00fctend und sagen: &#8222;H\u00f6r mal, du kannst doch nicht da oben in den Fluss kacken. Wir trinken davon!&#8220; Das w\u00e4re ein ziemlich schnell gel\u00f6stes Problem. Aber weil alles so abstrakt und entkoppelt ist, wird pl\u00f6tzlich dar\u00fcber diskutiert, wer noch mit dem Auto fahren darf. Dabei geht es gar nicht darum.<\/p>\n<p> Die gr\u00f6\u00dften Verschmutzer sind 100 Unternehmen, die 70 Prozent des CO2 emittieren. Also vielleicht schauen wir einfach mal, wer den Riesenhaufen in den Fluss kackt? Wir brauchen eine Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit, ein sinnvolles Gesp\u00fcr f\u00fcr die Sache. Wir k\u00f6nnen uns nicht \u00fcber lauter Kleinzeug die K\u00f6pfe abrei\u00dfen. <\/p>\n<p class=\"interview\">Abschlie\u00dfend: Die sch\u00f6nen Illustrationen im Buch stammen einmal mehr von Ihrer Schwester Jill. Ist sie eigentlich auch beim Text Ihre Beraterin?<\/p>\n<p>Da gibt es immer zwei Momente. Wenn ich die verschiedensten wissenschaftlichen Artikel gelesen habe, telefoniere ich gerne mit meiner Schwester und erz\u00e4hle ihr etwas dar\u00fcber. Wenn ich dabei merke, dass sie besonders gut zuh\u00f6rt und auch mal lachen muss, wei\u00df ich, dass das gut ist und ich dar\u00fcber schreiben kann. Und wenn ich dann geschrieben habe, ist sie immer die erste Person, die das liest. Weil sie Syn\u00e4sthesistin ist, kann sie mir sagen, ob der Text noch eine Form ergibt oder nicht. Wenn er keine Form ergibt, muss ich ihn nochmal schreiben. (lacht)<\/p>\n<p>Info: Am Freitag, 7. November, tritt Giulia Enders um 20 Uhr im Rahmen von Geist Heidelberg auf. Tickets unter: <a href=\"http:\/\/www.geist-heidelberg.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">www.geist-heidelberg.de<\/a>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von Andr\u00e9 Wesche Heidelberg\/Mannheim. 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