{"id":402927,"date":"2025-09-07T02:58:11","date_gmt":"2025-09-07T02:58:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/402927\/"},"modified":"2025-09-07T02:58:11","modified_gmt":"2025-09-07T02:58:11","slug":"darum-haengen-in-ganz-wuppertal-heute-noch-wahlplakate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/402927\/","title":{"rendered":"Darum h\u00e4ngen in ganz Wuppertal heute noch Wahlplakate"},"content":{"rendered":"<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Sie h\u00e4ngen in der ganzen Stadt: an Laternen, Z\u00e4unen und auf Gr\u00fcnstreifen Zur Wahlzeit verwandeln bunte Plakate jede Stadt in eine riesige Werbefl\u00e4che. Wahrnehmungspsychologe Axel Buether von der Universit\u00e4t Wuppertal erforscht, wie Menschen visuelle Botschaften verarbeiten. Im Interview erkl\u00e4rt er, warum Wahlplakate auch bei der <a href=\"https:\/\/www.wr.de\/lokales\/wuppertal\/article409670030\/kommunalwahl-wuppertal-2025-alles-was-du-wissen-musst.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.wr.de\/lokales\/wuppertal\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1756191300\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kommunalwahl 2025<\/a> unverzichtbar sind \u2013 und warum eine Partei dieses Jahr \u00fcberhaupt nicht \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body mb-5 mt-10 font-bold\">Herr Professor Buether, bringen Wahlplakate im digitalen Zeitalter \u00fcberhaupt noch etwas?<\/p>\n<p data-storyline=\"answer\" class=\"expressive-copy-lg-body mb-10 mt-5 [&amp;:has(+[data-storyline=answer])]:mb-5\">Das ist eine berechtigte Frage. Es ist eine sehr alte Tradition, Wahlplakate vor Wahlk\u00e4mpfen zu drucken. Wir haben schon am Beginn der Demokratie, sogar schon bei der Revolution 1848\/49, die ersten Plakate gesehen \u2013 damals waren es eher Fahnen. Aus diesen Fahnen sind dann Plakate f\u00fcr Parteien geworden. <\/p>\n<p data-storyline=\"answer\" class=\"expressive-copy-lg-body mb-10 mt-5 [&amp;:has(+[data-storyline=answer])]:mb-5\">Heute haben sie nach wie vor eine wichtige Funktion als unterst\u00fctzendes Medium im Wahlkampf. Studien zeigen, dass etwa 90 Prozent der W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler Wahlplakate im \u00f6ffentlichen Raum wahrnehmen, meistens von ihrer eigenen Partei, aber auch von anderen.<\/p>\n<p>\n      Zahlreiche Wahlplakate auf Wuppertals Stra\u00dfen \u2013 das sagt ihr<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body mb-5 mt-10 font-bold\">Haben die Plakate denn irgendeine Auswirkung auf die Wahlentscheidung?<\/p>\n<p data-storyline=\"answer\" class=\"expressive-copy-lg-body mb-10 mt-5 [&amp;:has(+[data-storyline=answer])]:mb-5\">Nein, der Umentscheidungseffekt liegt wissenschaftlich bei nur einem Prozent oder darunter. Es passiert also \u00e4u\u00dferst selten, dass jemand<a href=\"https:\/\/www.wr.de\/lokales\/wuppertal\/article409888576\/cdu-kandidat-matthias-nocke-der-insider-greift-an.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.wr.de\/lokales\/wuppertal\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1756780200\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> ein CDU-Plakat <\/a>sieht, der vorher Linke w\u00e4hlen wollte, und dann umschwenkt. Das ist aufgrund vieler Erlebnisse im Leben meist schon vorentschieden. Die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler richten ihre Wahlentscheidung nicht nach dem aus, was sie auf einem Wahlplakat sehen.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\"><strong>Rund um die Kommunalwahl in Wuppertal:<\/strong><\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body mb-5 mt-10 font-bold\">Wozu sind Wahlplakate dann da?<\/p>\n<p data-storyline=\"answer\" class=\"expressive-copy-lg-body mb-10 mt-5 [&amp;:has(+[data-storyline=answer])]:mb-5\">Sie haben einen sehr starken Mobilisierungseffekt. Wahlplakate sind im Grunde Werbung f\u00fcr Parteien \u2013 und wie alle Werbung erstmal unerw\u00fcnscht. Menschen wollen keine Werbung wahrnehmen. Aber sie wirken trotzdem, selbst wenn wir sie nur im Augenwinkel sehen. Die Parteien sagen ihren Anh\u00e4ngern durch die Plakate: Geht w\u00e4hlen, wir sind hier, es sind Wahlen, rei\u00dft euch vom Sessel los. Das ist der Sinn dahinter.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body mb-5 mt-10 font-bold\">Wie funktioniert diese Werbewirkung?<\/p>\n<p data-storyline=\"answer\" class=\"expressive-copy-lg-body mb-10 mt-5 [&amp;:has(+[data-storyline=answer])]:mb-5\">\u00c4hnlich wie bei Bierwerbung. Wenn wir \u201eBeck\u2018s\u201c lesen und dann wegschauen, st\u00e4rkt das bereits die Marke. Der kurze Effekt, im Bruchteil einer Sekunde eine Marke wahrgenommen zu haben, ist schon der gr\u00f6\u00dfte Wert. Die Marke frischt sich auf, bleibt im Ged\u00e4chtnis. Wir wissen: Die Partei ist aktiv, sie steht zur Wahl. Deshalb ist auch Wiederholung so wichtig \u2013 ich spreche immer wieder die gleiche Botschaft mit leichten Variationen an, damit sich die W\u00e4hler das merken.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body mb-5 mt-10 font-bold\">Was macht ein gutes Wahlplakat aus?<\/p>\n<p data-storyline=\"answer\" class=\"expressive-copy-lg-body mb-10 mt-5 [&amp;:has(+[data-storyline=answer])]:mb-5\">Die Macht von Marken besteht darin, dass sie bekannt sind, sich unterscheiden und f\u00fcr bestimmte Kerneigenschaften wahrgenommen werden. Ein Wahlplakat sollte die Markenidentit\u00e4t st\u00e4rken. Bei etablierten Parteien sieht man professionell gestaltete Wahlkampagnen mit klarer Markenkommunikation. Im Regelfall nutzt die SPD das traditionelle Rot aus der Arbeiterbewegung, die CDU das Schwarz aus dem deutschen Katholizismus. Das wird bis heute durchgehalten und reichlich kopiert. Jede Abweichung f\u00e4llt auf.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body mb-5 mt-10 font-bold\">Manche Parteien arbeiten auff\u00e4llig h\u00e4ufig mit Humor. Welchen Effekt hat das?<\/p>\n<p data-storyline=\"answer\" class=\"expressive-copy-lg-body mb-10 mt-5 [&amp;:has(+[data-storyline=answer])]:mb-5\">Humor ist schon seit der Antike ein rhetorisches Mittel und bestens geeignet, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Frage ist immer, was eine Partei damit erreichen will: nur die Aufmerksamkeit oder tats\u00e4chlich als w\u00e4hlbare Alternative dastehen? Je nach Ziel m\u00fcssen die Parteien ihre Rhetorik dosieren. Protestparteien versuchen zum Beispiel, ihre potenziellen W\u00e4hler mit Zynismus abzuholen. Auch das kann ein Mittel der Mobilisierung sein.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body mb-5 mt-10 font-bold\">Mit der SPD Wuppertal gehen Sie in diesem Kommunalwahlkampf besonders hart ins Gericht. Warum empfinden Sie die Plakate als misslungen?<\/p>\n<p data-storyline=\"answer\" class=\"expressive-copy-lg-body mb-10 mt-5 [&amp;:has(+[data-storyline=answer])]:mb-5\"><a href=\"https:\/\/www.wr.de\/lokales\/wuppertal\/article409739328\/will-wieder-vertrauen-schenken-das-ist-ob-kandidatin-miriam-scherff.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.wr.de\/lokales\/wuppertal\/\" data-paid-status=\"default\" data-article-publish-date=\"1756348200\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die SPD-Kandidatin<\/a> (Miriam Scherff, Anm. d. Red.) macht alles, um nicht mehr als SPD-Kandidatin erkannt zu werden. Orange statt dem traditionellen SPD-Rot \u2013 aber Orange ist seit den 70er-Jahren CDU-Farbe. Es sieht aus, als sch\u00e4me sich die Kandidatin f\u00fcr ihre eigene Partei. Das ist fatal, weil die SPD eigentlich eine sehr starke Marke mit treuen W\u00e4hlern hat. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\"><strong>Die OB-Kandidaten im talzeit-Check:<\/strong><\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body mb-5 mt-10 font-bold\">Beispielsweise bei den Gr\u00fcnen beobachten Sie einen Imagewandel in der Plakatgestaltung. K\u00f6nnen Parteien ihre Marke \u00fcberhaupt \u00e4ndern?<\/p>\n<p data-storyline=\"answer\" class=\"expressive-copy-lg-body mb-10 mt-5 [&amp;:has(+[data-storyline=answer])]:mb-5\">Die eigene Marke komplett zu \u00e4ndern, wird nicht funktionieren. Je l\u00e4nger eine Partei existiert, desto st\u00e4rker wird diese Markenidentit\u00e4t \u2013 und desto unm\u00f6glicher wird es, sie zu \u00e4ndern, ohne unglaubw\u00fcrdig zu wirken. Die CDU kann sich nicht zur Partei der sozialen Gerechtigkeit machen, das w\u00fcrde man ihr nicht abnehmen. Deshalb ist es auch fatal, wenn Parteien die Farbe des Konkurrenten nehmen oder sich von ihrem Markenkern entfernen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wr.de\/lokales\/wuppertal\/article409835432\/die-uhrmacherin-von-wuppertal-das-ist-dagmar-liste-frinker.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.wr.de\/lokales\/wuppertal\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1756607400\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bei den Gr\u00fcnen ist es so<\/a>, dass sie sich in ihrer Kommunikation immer mehr dem b\u00fcrgerlichen Milieu ann\u00e4hern wollen. Das klappt aber nicht von heute auf morgen, sondern das ist ein langfristiger und schrittweise ablaufender Prozess.<\/p>\n<p>        \u00dcber die Person<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Axel Buether ist Professor f\u00fcr \u201eDidaktik der visuellen Kommunikation\u201c an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal. Als Wahrnehmungspsychologe erforscht er, wie Menschen visuelle Informationen verarbeiten und welche unbewussten Botschaften durch Farben, Formen und Layouts \u00fcbertragen werden. Buether hat mehrere B\u00fccher \u00fcber Farbwirkung und Wahrnehmung ver\u00f6ffentlicht und ber\u00e4t Unternehmen und Institutionen bei der visuellen Gestaltung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sie h\u00e4ngen in der ganzen Stadt: an Laternen, Z\u00e4unen und auf Gr\u00fcnstreifen Zur Wahlzeit verwandeln bunte Plakate jede&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":402928,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1840],"tags":[3364,29,30,1209,4418],"class_list":{"0":"post-402927","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wuppertal","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-nordrhein-westfalen","12":"tag-wuppertal"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115160776951908087","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/402927","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=402927"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/402927\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/402928"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=402927"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=402927"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=402927"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}