{"id":402978,"date":"2025-09-07T03:32:12","date_gmt":"2025-09-07T03:32:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/402978\/"},"modified":"2025-09-07T03:32:12","modified_gmt":"2025-09-07T03:32:12","slug":"boris-koch-holt-tatsaechlich-die-alten-lehrer-aus-der-gruft-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/402978\/","title":{"rendered":"Boris Koch holt tats\u00e4chlich die alten Lehrer aus der Gruft \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Man merkt schon: Dieser Autor lebt in Sachsen, genauer: in Leipzig. Es ist ein Bundesland, in dem man jede Menge Anregungen f\u00fcr gruselige Kinderb\u00fccher findet. Da muss man gar nicht weit gehen. Da reicht schon der Blick in die n\u00e4chste Schule und in die seit 15 Jahren wild drehende Debatte um fehlende Lehrer. Die regierende CDU kriegt es nicht gebacken, Kinder und Eltern m\u00fcssen es ausbaden. Und Boris Koch nimmt den Schrecken einfach w\u00f6rtlich. Willkommen in der Schule des Schreckens.<\/p>\n<p>Boris Koch denkt die ganze l\u00e4ngst entuferte Debatte einfach weiter. Wenn schon Politiker davon reden, \u00e4ltere Lehrer wieder zu reaktivieren, dann gibt es f\u00fcr die derart entgrenzte Debatte nat\u00fcrlich kein Limit. Woher denn auch? Dann kann man noch viel \u00e4ltere Lehrer reaktivieren. Unter der Voraussetzung, sie haben geschworen, zur\u00fcckzukommen. Und in jenem fernen, irgendwo in einem ganz anderen Bundesland gelegenen Eliteinternat namens Buchenschlag ist das sehr wohl m\u00f6glich. Was Kilian Poberski noch nicht wei\u00df, als ihm seine Eltern er\u00f6ffnen, dass die kleine Familie in den Ferien umziehen wird und Kilian in eine neue Schule kommt.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/55f8581abec3464685421a0a640d4de9.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/09\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/09\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Die alte Schule war zwar doof und voller Bullys aus den \u00e4lteren Klassen. Aber da hatte Kilian auch seine Freunde. Er f\u00fchlt sich schon ein bisschen \u00fcber den Tisch gezogen, als seine Eltern einfach bestimmen, dass die Familie mit Sack und Pack umzieht. Und da in ordentlichen Gruselromanen alles w\u00f6rtlich zu nehmen ist, erlebt Kilian an seiner neuen Schule genau das, was sich andere Kinder bestenfalls nur w\u00fcnschen oder vorstellen: Da steigen die alten Lehrer tats\u00e4chlich aus ihren Gr\u00fcften, bereit, ihre Arbeit in der Schule wieder aufzunehmen.<\/p>\n<p>Die Sache mit dem Stein der Weisen<\/p>\n<p>Das allein k\u00f6nnte schon richtig gruselig werden \u2013 ganz abgesehen von der gruseligen Schule, die mal irgendwann ein Schloss war, voller Winkel, versteckter G\u00e4nge und Bibliotheken, in denen Kilian mit seinen neuen Freunden Ole und Yunai herumstromert. Denn nat\u00fcrlich stellt sich sehr bald heraus, dass irgendjemand die neuen alten Lehrer gar nicht mag. Und die Kinder der Hausangestellten \u2013 zu denen Kilian geh\u00f6rt \u2013 auch nicht.<\/p>\n<p>Es ist wie bekannt: Irgendein Kerl aus den h\u00f6heren Klassen muss unbedingt den Bully spielen. Und weil seine Eltern stinkreich sind, kommt er mit seinen R\u00fcpeleien auch durch. Schulen sind ja immer wieder nur das sch\u00e4bige Abbild der Gesellschaft. Man merkt es eigentlich schon: Schlimm an dieser Schule sind gar nicht die aus ihren Gr\u00fcften zum Dienst zur\u00fcckgekehrten Lehrer, auch wenn sie ihre Macken haben, noch veraltete P\u00e4dagogik im Kopf haben und mit der modernen Technik nicht umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber sie bem\u00fchen sich und machen ihren Unterricht \u2013 wie der (Al)Chemie-Lehrer Stolzenberg auch schon mal zum Abenteuer. Ordentlich krachen kann es da auch schon mal. Aber als die Sache mit dem Stein der Weisen aufploppt, wird es erst recht spannend.<\/p>\n<p>Bei so einem Thema denken die einen nur mit gl\u00fchenden Augen an Gold, Gold, Gold. Und andere an die Macht, die der Stein der Weisen verleiht. Den zwar noch keiner je erschaffen hat. Auch der seiner Gruft entstiegene Herr Stolzenberg hat da so seine Zweifel. Aber wenn es den Stein nun doch gab? Ausgerechnet hier in Buchenschlag?<\/p>\n<p>Ein-Achtel-Wahrheiten<\/p>\n<p>Der Teppich ist ausgerollt. Der dramatische H\u00f6hepunkt der Geschichte bahnt sich an. Aber vorher f\u00e4llt noch eine Meute von Journalisten, neugierigen und w\u00fctenden Menschen in Buchenschlag ein, kommt das Internat ganz gro\u00df in die Schlagzeilen der Boulevardpresse und man kann gar nicht \u00fcberlesen, dass Boris Koch auch mit unseren wildernden Boulevardmedien eine Rechnung offen hat.<\/p>\n<p>Vielleicht auch mit der ganzen n\u00e4rrischen Gesellschaft, die jeden Aufguss in fetten Lettern glaubt und nur zu bereit ist, zum l\u00e4rmenden Mob zu werden, wenn sie nur ein Monster vorgesetzt bekommt, an das sie glauben kann . Oder einen Zombie oder Vampir oder was es der gespenstischen Gestalten noch gibt.<\/p>\n<p>In den K\u00f6pfen verdammt vieler Leute wabert auch heute noch der alte Aberglauben, das Verlangen danach, die Welt mit unheimlicher Machenschaft erf\u00fcllt zu sehen und dann mit Knoblauch und angespitztem Pfahl loszurennen, um vermeintliche Untote zu jagen.<\/p>\n<p>Nur dass die Lehrer aus den Gr\u00fcften des Buchenschlager Friedhofs eben all das nicht sind. Nur eben echte Gruftis mit erstaunlich menschlichen Eigenschaften. Aber wer f\u00fcttert eigentlich die Zeitung mit ihren Ein-Achtel-Wahrheiten, diesem Aufguss von Horrormeldungen, in denen nur ein Achtel stimmt, wie Kilian meint.<\/p>\n<p>Der es liebt, lieber in Umwegen zu denken. Und sich freut, wenn er Lehrer trifft, die ebenso ge\u00fcbt sind darin, in Umwegen zu denken. Manch kleiner Leser wird sich wiedererkennen in diesem Kilian und seiner unb\u00e4ndigen Neugier, unbedingt herauszufinden, wer eigentlich hinter all den Machenschaften steckt, die das abgelegene Internat derart in Verruf bringen.<\/p>\n<p>Wobei das Denken in Umwegen nat\u00fcrlich hilft. So umgeht man die scheinbar auf der Hand liegenden L\u00f6sungen und merkt, wie die einzelnen, scheinbar unerkl\u00e4rlichen Ereignisse in Buchenschlag am Ende miteinander zusammenh\u00e4ngen. Und w\u00e4hrend die Boulevardzeitung immer neue fast erfundene Geschichten \u00fcber Buchenschlag ver\u00f6ffentlicht, ohne das Mindeste zur Aufkl\u00e4rung beizutragen, treibt die Geschichte auf den richtig sch\u00f6nen H\u00f6hepunkt zu, wie er nun einmal in echten Gruselgeschichten sein muss \u2013 mit Mitternacht und Gewitter und einem Kampf in der Dunkelheit, bei dem am Ende dann doch die gewinnen, die ein bisschen weiter gedacht haben.<\/p>\n<p>Die Gespenster der Gegenwart<\/p>\n<p>Womit das Buch eben auch eine Geschichte \u00fcber echte Freundschaft ist, \u00fcber das Nicht-Kleinkriegenlassen und \u00fcber eine Welt, in der sich viele Erwachsene genauso verhalten wie die Bullys in der Schule, genau so eingebildet und r\u00fccksichtslos. Da wirken selbst die doch vom langen Liegen etwas mitgenommenen Lehrer weniger gruselig als der Reporter mit dem gelben Schlips, der gar nicht wissen will, was wirklich vor sich geht, sondern seinen diabolischen Spa\u00df daran hat, die Leute mit fast komplett erfundenen Gruselgeschichten f\u00fcr bl\u00f6d zu verkaufen.<\/p>\n<p>Womit man wieder in der hiesigen Wirklichkeit w\u00e4re, in der die eigentlichen Gespenster in Schlips und Kragen herumlaufen und das Bullying zu ihrer Lebensmaxime gemacht haben. Die jungen Leser dieses ersten Bandes aus der \u201eSchule des Schreckens\u201c werden so manches wiedererkennen, was einem im Leben in der Gegenwart begegnet und so ein dumpfes Gef\u00fchl von Grusel verursacht, weil man sp\u00fcrt, dass die Maske nicht stimmt. Nur wei\u00df man nicht, ob dahinter tats\u00e4chlich ein Grufti steckt oder nur ein eiskalter Bully, der an der Schikanierung der Schw\u00e4cheren seinen Spa\u00df hat.<\/p>\n<p>Illustriert ist das Ganze von Michael H\u00fclse, der schon dutzende von Kinderb\u00fcchern illustriert hat. Nur dass er es bei einigen Grafiken nicht belie\u00df, sondern auch fr\u00f6hlich in den Text eingriff und Gruseln, Schreien, Entsetzen und pl\u00f6tzliche Erkenntnis wild in galoppierende Zeilen verwandelte \u2013 samt Spinnen, Herzen und Totensch\u00e4deln, wie sich das f\u00fcr ein richtig sch\u00f6nes Gruselbuch geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Und wer eine zu lebhafte Fantasie hat, der sollte das Buch vielleicht nicht unter der Bettdecke lesen, sondern lieber bei Tageslicht, wenn auch die Eltern da sind, zu denen man fl\u00fcchten kann, wenn einem die Geschichte doch zu lebhaft wird. Oder zu gruselig. Wer schon im Gruseln ge\u00fcbt ist, der wird seinen Spa\u00df haben.<\/p>\n<p><strong>Boris Koch \u201eSchule des Schreckens. Die Gruftis sind los\u201c<\/strong>, WooW Books, Atrium Verlag, Z\u00fcrich 2025, 15 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Man merkt schon: Dieser Autor lebt in Sachsen, genauer: in Leipzig. 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