{"id":40310,"date":"2025-04-18T00:08:30","date_gmt":"2025-04-18T00:08:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/40310\/"},"modified":"2025-04-18T00:08:30","modified_gmt":"2025-04-18T00:08:30","slug":"frauen-sind-deutlicher-mehr-betroffen-als-maenner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/40310\/","title":{"rendered":"Frauen sind deutlicher mehr betroffen als M\u00e4nner"},"content":{"rendered":"<p>  Migr\u00e4ne trifft Frauen deutlich \u00f6fter als M\u00e4nner \u2013 das ist der Grund <\/p>\n<p class=\"headline__lead\">Oft werde Migr\u00e4ne als \u00abhysterisches Frauenleiden\u00bb abgetan, sagt die Initiative f\u00fcr Frauengesundheit \u00abHerHealth\u00bb. Gerade Frauen trauten sich deshalb oft nicht, zu ihrem Leiden zu stehen, und verschwiegen es am Arbeitsplatz.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Viele Frauen geben sich nicht als Migr\u00e4nikerinnen zu erkennen, um ihren Arbeitsplatz nicht zu gef\u00e4hrden.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"6000\" height=\"4000\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/f164fb2c-893b-4b65-8c9e-7c609d0076ac.jpeg\" loading=\"eager\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>   Viele Frauen geben sich nicht als Migr\u00e4nikerinnen zu erkennen, um ihren Arbeitsplatz nicht zu gef\u00e4hrden. <\/p>\n<p>Bild: Ekaterina Goncharova \/ Getty<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iosd3p5k0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text\">Die 49-j\u00e4hrige Frau mit Migr\u00e4ne will nun doch nicht vor Publikum im Club Herkules in Z\u00fcrich sprechen. An ihrer Stelle erscheint ein Avatar auf dem grossen Bildschirm. Das zeige, dass Migr\u00e4ne immer noch ein Tabu sei. Menschen, insbesondere Frauen, w\u00fcrden stigmatisiert, wenn sie Migr\u00e4ne h\u00e4tten, sagt Sonia Fr\u00f6hlich de Moura von der Organisation \u00abHerHealth\u00bb. Diese setzt sich f\u00fcr Frauengesundheit in der Schweiz ein und hat diesen Anlass mit drei Migr\u00e4ne-Experten und -Expertinnen organisiert.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iosd3p5m0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Der Avatar Lisa erz\u00e4hlt nun von einer \u00abschier unertr\u00e4glichen Last\u00bb. \u00dcber Jahre litt Lisa an starker zyklischer Migr\u00e4ne mit Aura und an Endometriose, einem krankhaften Vorkommen der Geb\u00e4rmutterschleimhaut ausserhalb der Geb\u00e4rmutterh\u00f6hle im Beckenbereich. Sie hatte durchschnittlich 23 Tage Migr\u00e4ne pro Monat. Eine Endometriose-Therapie linderte auch die Migr\u00e4ne ein wenig. Die Gyn\u00e4kologin empfahl ihr im Zusammenhang mit der Endometriose-Behandlung, die Eierst\u00f6cke entfernen zu lassen. Aber noch war Lisa nicht in der Menopause.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iosd3p5n0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Zur Operation konnte sie sich vorerst nicht durchringen. Doch mit der Zeit war sie durch die Migr\u00e4ne so geschw\u00e4cht, dass sie sich doch entschied, Geb\u00e4rmutter, Eierst\u00f6cke und Eileiter entfernen zu lassen. Die Migr\u00e4ne-Belastung hat sich seitdem vermindert. \u00abDas Leiden ist nun managebar, ich habe noch vier oder f\u00fcnf Tage Migr\u00e4ne pro Monat. Aber die besten Jahre habe ich verpasst\u00bb, sagt der Avatar Lisa zum Schluss.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iosd3p5n1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Nat\u00fcrlich sei eine solch schwere Operation nicht der g\u00e4ngige Weg, um Migr\u00e4ne loszuwerden, sagt der Neurologe Andreas Gantenbein von der Reha-Klinik ZurzachCare. Vielleicht h\u00e4tte ihr gegen die Migr\u00e4ne allein auch eine der neueren Migr\u00e4ne-Therapien geholfen. Das Beispiel zeige, dass man mit einer Abkl\u00e4rung und einer Therapie nicht abwarten sollte. Hier spiele aber die Stigmatisierung von Migr\u00e4nikerinnen und Migr\u00e4nikern eine starke Rolle. Viele h\u00e4tten Angst, ihre Stelle zu verlieren, wenn sie deswegen zu viel am Arbeitsplatz fehlten. Das wiederum erh\u00f6ht den Stress zus\u00e4tzlich, was ein Hauptausl\u00f6ser f\u00fcr Migr\u00e4ne ist.<\/p>\n<p>Eine Million Betroffene in der Schweiz<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iosd3p5o0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Sch\u00e4tzungsweise leiden eine Million Menschen an Migr\u00e4ne, rund 800&#8217;000 davon sind Frauen. Die Migr\u00e4ne trifft nicht jeden oder jede gleich hart, und nicht jede Betroffene ist ein Fall f\u00fcr den Neurologen. Aber rund 250&#8217;000 Menschen in der Schweiz k\u00e4mpfen mit einer chronischen Form der Migr\u00e4ne mit mindestens f\u00fcnfzehn Migr\u00e4netagen pro Monat. Ein Anfall kann zwischen 4 und 72 Stunden dauern, bei einem F\u00fcnftel der Betroffenen wird er von einer Aura begleitet: Das sind zum Beispiel Sehst\u00f6rungen, extreme Licht- und L\u00e4rmempfindlichkeit, Sprachst\u00f6rungen, Taubheit sowie \u00dcbelkeit und Erbrechen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iosd3p5o1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Eine Familienh\u00e4ufung bei der Migr\u00e4ne-Veranlagung wurde immer wieder festgestellt. Im Jahr 2020 haben Neurowissenschafter der Universit\u00e4t Z\u00fcrich den Mechanismus in einer <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/sciadv.aaz1584\" rel=\"noopener\">Studie<\/a> entschl\u00fcsselt, der f\u00fcr famili\u00e4r bedingte Migr\u00e4ne verantwortlich ist. Sie fanden heraus, dass wegen einer genetischen Fehlfunktion bestimmte Hirnzellen, die f\u00fcr Schmerzverarbeitung zust\u00e4ndig sind, \u00fcbersch\u00fcssige Reize nicht abbauen k\u00f6nnen. Stattdessen entstehen migr\u00e4netypische starke Kopfschmerzen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iosd3p5p0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Eine eher untersch\u00e4tzte und zu wenig diagnostizierte Erkrankung sei die Migr\u00e4ne auch, weil es daf\u00fcr keinen biologischen Marker gebe, wie Reto Agosti vom Kopfwehzentrum Hirslanden erkl\u00e4rt. Dazu m\u00fcsste eine Patientin genau dann unter dem MRI liegen, wenn die Migr\u00e4neattacke beginnt. Dann liesse sich die Aktivit\u00e4t im Hirn sehen, im Alltag ist so eine Diagnose aber nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iosn6fhp1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Was genau die Migr\u00e4ne verursacht, ist immer noch nicht abschliessend gekl\u00e4rt. Sicher ist der Ausl\u00f6ser neurologisch. Dabei spielen die \u00dcbertragungsstoffe, Hormone wie Dopamin und am allermeisten Serotonin, eine grosse Rolle.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iosd3p5p2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Die Schwierigkeit ist zudem, dass meist mehrere Faktoren zu einem Migr\u00e4neanfall f\u00fchren. So ist der exakte Trigger schwer ausfindig zu machen. Neben der Veranlagung, sich selbst unter Stress zu setzen, gibt es noch weitere Ausl\u00f6ser wie schlechten Schlaf, Alkohol und Leistungssport. \u00abIch habe einer Kollegin ein Opernticket bestellt. Die Freude dar\u00fcber war ein emotionaler Trigger, der Migr\u00e4ne ausl\u00f6ste\u00bb, erz\u00e4hlt Agosti. Mit dem Opernbesuch wurde es dann nichts. Agosti erz\u00e4hlt von einem Hockeyspieler der h\u00f6chsten Liga, der bei ihm in Behandlung ist. Dieser hat nach jedem Spiel starke Migr\u00e4ne, aber nie nach einem Training. Das nennt sich leistungsinduzierte Migr\u00e4ne.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iosoafsq0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Dass viel h\u00e4ufiger Frauen von Migr\u00e4ne betroffen sind, hat zum grossen Teil mit den Hormonen zu tun. Ein grosser Teil der Patientinnen leidet wegen menstrualer Migr\u00e4ne, die vor oder w\u00e4hrend der Menstruation auftritt.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iosd3p5q0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Gem\u00e4ss Agosti sind zum Beispiel Flugbegleiterinnen, die an Jetlag leiden, oft Migr\u00e4nikerinnen, ebenso Pflegepersonal wegen der Nachtschichten. Homeoffice sei f\u00fcr viele Migr\u00e4nikerinnen ein Segen. Patientinnen, die er auf Homeoffice setzt, h\u00e4tten dann oft fast keine Migr\u00e4ne mehr. Dies, weil der Stress wegen des Arbeitswegs entfalle.<\/p>\n<p>Das Fehlen am Arbeitsplatz erzeugt hohe Kosten<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ioso40r90\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Obwohl viele betroffen sind, suchen gem\u00e4ss HerHealth 42 Prozent der Betroffenen nie \u00e4rztliche Hilfe auf, wegen der genannten Stigmatisierung, der Bagatellisierung sowie der Unwissenheit oder der Resignation. Das erzeugt nicht nur Leiden, sondern auch Kosten. Drei Millionen Arbeitstage gehen in der Schweiz jedes Jahr durch Migr\u00e4ne verloren, das entspricht 600&#8217;000 Millionen Franken f\u00fcr die Arbeitgeber.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iosd3p5r1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Die Forschung hat inzwischen wirksame Therapien entwickelt. Agosti spricht von einem Drei-S\u00e4ulen-Prinzip: Zum ersten die schnelle Behandlung einer Attacke: Das Hormon Serotonin ist eine Migr\u00e4ne-Bremse, das in den Medikamenten mittels des Wirkstoffs Triptane zum Einsatz kommt. Dann gibt es neue CGRP-Antik\u00f6rper mit dem Markennamen Vydura. CGRP steht f\u00fcr die Substanz \u00abCalcitonin Gene-Related Peptid\u00bb (CGRP), von der Menschen, die an Migr\u00e4ne leiden, erh\u00f6hte Konzentrationen aufweisen. Das Medikament blockiert dieses CGRP.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iosd3p5r2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Die zweite S\u00e4ule ist die medikament\u00f6se Vorbeugung. \u00abVor dreissig Jahren ist man auf Botox gestossen. Beim Faltenspritzen in Beverly Hills war pl\u00f6tzlich die Migr\u00e4ne weg\u00bb, sagt Agosti. Botox setzt er schon lange ein. \u00ab2002 war ich noch ein Botox-Pionier. Jetzt ist es durch Studien belegt worden, dass es eine sehr gute Prophylaxe ist.\u00bb Agosti spritzt seinen Patientinnen alle drei Monate f\u00fcr die Migr\u00e4ne-Prophylaxe das Botulinumtoxin.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iosd3p5r3\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction zephr-article\">Drittens gibt es auch die nicht medikament\u00f6se Prophylaxe. Agosti empfiehlt Entspannungs\u00fcbungen. Andere setzen auf Akupunktur, \u00abderen Wirksamkeit tief ist. Aber sie ist beliebt, da spielt die Psychologie eine Rolle.\u00bb Ern\u00e4hrungsberatung kann helfen. Als wirksam gilt die Einnahme von Riboflavin, einem Vitamin-B2-Konzentrat, das auch von den Krankenkassen \u00fcbernommen wird. Ubiquinol, ein Coenzym, das im K\u00f6rper Energiegewinnung und Zellschutz unterst\u00fctzt. Auch empfiehlt Agosti Magnesium.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Migr\u00e4ne trifft Frauen deutlich \u00f6fter als M\u00e4nner \u2013 das ist der Grund Oft werde Migr\u00e4ne als \u00abhysterisches Frauenleiden\u00bb&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":40311,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[29,20698,30,141,232,638,20699,293,20573],"class_list":{"0":"post-40310","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-deutschland","9":"tag-endometriose","10":"tag-germany","11":"tag-gesundheit","12":"tag-health","13":"tag-krankheiten","14":"tag-reto-agosti","15":"tag-schweiz","16":"tag-universitaet-zuerich"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114356060726692706","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40310","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40310"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40310\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/40311"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40310"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40310"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40310"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}