{"id":405078,"date":"2025-09-07T23:02:16","date_gmt":"2025-09-07T23:02:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/405078\/"},"modified":"2025-09-07T23:02:16","modified_gmt":"2025-09-07T23:02:16","slug":"das-schwarze-manuskript-ist-ein-toedliches-buch-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/405078\/","title":{"rendered":"\u201eDas schwarze Manuskript\u201c ist ein t\u00f6dliches Buch \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Heinrich Steinfest hat einen Roman vorgelegt, in dem er Reales und Surreales kunstvoll miteinander verschr\u00e4nkt. <\/p>\n<p>                                               <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Das-schwarze-Manuskript.jpg\" alt=\"Heinrich Steinfest: \u201eDas schwarze Manuskript\u201c, Piper-Verlag, 240 Seiten, 24,50 Euro\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/>                                     <\/p>\n<p>Heinrich Steinfest: \u201eDas schwarze Manuskript\u201c, Piper-Verlag, 240 Seiten, 24,50 Euro\u2003<\/p>\n<p>Vor etwa zwei Jahren wurde im Burgtheater das St\u00fcck \u201eNebenwirkungen\u201c von Jonathan Spector gezeigt. Es gibt eine Mumps-Epidemie und fortan d\u00fcrfen nur noch Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen zum Unterricht kommen, die geimpft sind. Das f\u00fchrt in einer Privatschule zu einer gro\u00dfen Debatte, mit den sattsam bekannten Argumenten pro und kontra Impfen. Spector hat das St\u00fcck im Jahr 2018 geschrieben, ein Jahr, bevor sich Sars-CoV-2 in China ausgebreitet und zu einer Pandemie gef\u00fchrt hat. Hier hat ein Schriftsteller etwas erstaunlich genau antizipiert, was sich erst ein bis zwei Jahre sp\u00e4ter ereignet hat. <\/p>\n<p>In Heinrich Steinfests Roman \u201eDas schwarze Manuskript\u201c beschreibt ein Autor erschreckende Gr\u00e4ueltaten, die dann tats\u00e4chlich begangen werden \u2013 und zwar von genau jenen Personen, die der Autor in dem Text sogar namentlich nennt. Dabei konnte dieser Autor, Peter Bischof, davon gar keine Kenntnis haben. <\/p>\n<p>Das Buch ist zwar unver\u00f6ffentlicht, dennoch bringt es seinen Verfasser in die Bredouille. Er will das Manuskript loswerden und \u00fcbergibt es einem fl\u00fcchtigen Bekannten: Ashok Oswald. Der bewahrt das Typoskript viele Jahre bei sich zu Hause auf. Es ist das einzige Exemplar, denn es sind die fr\u00fchen 1980er-Jahre, der Text wurde auf Schreibmaschine getippt und Bischof hat keine Kopie gemacht. Ashok Oswald legt es in eine Kiste in seinem Keller und vergisst es. Bis pl\u00f6tzlich Unbekannte auftauchen und das gebundene und mit Schwarzschnitt versehene Manuskript vehement einfordern. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend \u201eDas schwarze Manuskript\u201c eher gem\u00e4chlich beginnt, wird es jetzt turbulent. Oswald will dem Mysterium rund um das Manuskript auf den Grund gehen. Dabei ist dieser Mann kein Abenteurer, im Gegenteil. Steinfest schildert seinen Protagonisten als einen \u00fcbervorsichtigen, leicht paranoiden Mann, vern\u00fcnftig, strebsam, erfolgreich \u2013 er ist inzwischen der CEO eines multinationalen Konzerns \u2013 und ein Langweiler. Auch emotional ist er eher unterentwickelt. Als sich seine zweite, weitaus j\u00fcngere, sch\u00f6ne Frau von ihm trennt, sagt sie, Ashok wisse gar nicht, was Liebe eigentlich sei. Er nimmt es gelassen. <\/p>\n<p>Alte Liebe, neu entfacht: Er 60, sie 80<\/p>\n<p>Diese etwas klischeehaft anmutende Situation \u00e4ndert sich, als Oswald auf einer Reise eine ehemalige Geliebte wiedersieht. Sie war einst eine gefeierte Schauspielerin, hat sich aber auf ein franz\u00f6sisches Weingut zur\u00fcckgezogen. Inzwischen ist sie achtzig, fast zwanzig Jahre \u00e4lter als Oswald. Obwohl sie ihr Alter keineswegs verleugnet, \u00fcbt sie neuerlich eine gro\u00dfe Anziehung auf ihn aus. Die alte Liebe erwacht, wie es sich Jacques Brel in dem ber\u00fchmten Chanson \u201eNe me quitte pas\u201c w\u00fcnscht, in dem es hei\u00dft, dass man oft schon Vulkane gesehen habe, deren Feuer wieder entflammt sei, obwohl man gedacht habe, sie seien erkaltet. Diese Passagen geh\u00f6ren zu den sch\u00f6nsten in dem Buch. <\/p>\n<p>Hier aber ist die Reise nicht zu Ende, es wird immer bunter und skurriler. Steinfests Fabulierlust und -k\u00f6nnen sind also nicht erloschen wie alte Vulkane. An einer Stelle fragt Oswald die Schauspielerin, warum der Autor, Peter Bischof, das Manuskript nicht einfach vernichtet und geschworen habe, nie wieder eines zu verfassen. \u201eSchreiben ist eine Krankheit, an der man ein Leben lang laboriert\u201c, antwortet die Schauspielerin. Diese Krankheit hat auch Heinrich Steinfest im Griff. Obwohl \u201eDas schwarze Manuskript\u201c vollkommen anders ist, erinnert der Roman immer wieder an ein lang zur\u00fcckliegendes Buch dieses Autors: \u201eDas gr\u00fcne Rollo\u201c.\u00a0Beide \u2013 Manuskript und Rollo \u2013 sind Portale zu einer parallelen Welt. <\/p>\n<p>Nicht ganz so eingefleischte Steinfest-Leser und -Leserinnen werden sich eventuell daran sto\u00dfen, dass der Autor zu Beginn ein paar Fu\u00dfnoten in den Roman einbaut, die den Fluss st\u00f6ren. Es sind gl\u00fccklicherweise nur vier, denn die Verfremdung wirkt ein wenig gewollt und manieriert. <\/p>\n<p>Steinfest-Fans aber werden sich wieder an den unz\u00e4hligen Details aus Kunst- und Kulturgeschichte erfreuen. An den mannigfaltigen, manchmal auch selbstreferenziellen Anspielungen und an dem kunstvoll ineinander verschachtelten und mehr und mehr surreal anmutenden Plot \u2013 diesem ausgekl\u00fcgelten Vexierspiel um ein Manuskript, das einen in eine andere Welt lockt, wie das ja alle Romane tun.<\/p>\n<blockquote class=\"fm-quote flexmodule flexmodule--quote\"><\/blockquote>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Heinrich Steinfest hat einen Roman vorgelegt, in dem er Reales und Surreales kunstvoll miteinander verschr\u00e4nkt. 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