{"id":405164,"date":"2025-09-07T23:54:20","date_gmt":"2025-09-07T23:54:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/405164\/"},"modified":"2025-09-07T23:54:20","modified_gmt":"2025-09-07T23:54:20","slug":"die-landesseniorenvertretung-fuer-sachsen-meldet-sich-zu-wort-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/405164\/","title":{"rendered":"Die Landesseniorenvertretung f\u00fcr Sachsen meldet sich zu Wort \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Mit seinem Vorschlag, die Rentner zu einem sozialen Jahr zu verpflichten, hat der \u00d6konom und DIW-Pr\u00e4sident Marcel Fratzscher eine deutschlandweite, rege Debatte ausgel\u00f6st. Auch weil gerade jene Generation, die er damit ansprach, nat\u00fcrlich zahlenm\u00e4\u00dfig die jungen Jahrg\u00e4nge \u00fcbertrifft und sich entsprechend stimmgewaltig zu Wort melden kann. Und nat\u00fcrlich auch gute Gr\u00fcnde hat, das Ansinnen zu verweigern. So wie es jetzt auch die s\u00e4chsische Landesseniorenvertretung getan hat. Aber Fratzscher stellt eine nicht ganz unwesentliche Frage.<\/p>\n<p>Denn wie sieht es eigentlich mit der Generationengerechtigkeit aus? In seiner Kolumne, die am 29. August in der \u201eZeit\u201c erschien, wird er sehr deutlich: \u201eDer Vorschlag eines Pflichtjahres ist Ausdruck einer tieferen Krise: der zunehmenden sozialen Polarisierung.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/dba4fd976587413f9a7231a4fa9fc54f.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/leben\/gesellschaft\/2025\/09\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/leben\/gesellschaft\/2025\/09\/1\"\/><\/p>\n<p>Auf dem Papier beruht der Generationenvertrag auf Gegenseitigkeit: Die Jungen finanzieren die Rente, Pflege und Gesundheit der \u00c4lteren, w\u00e4hrend diese die Grundlagen f\u00fcr eine bessere Zukunft der n\u00e4chsten Generation schaffen. Doch in der Realit\u00e4t ist dieser Vertrag l\u00e4ngst einseitig. Wir leben in einer Illusion von Solidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Babyboomer hinterlassen ihren Kindern und Enkelkindern eine Welt, die in vielerlei Hinsicht schlechter dasteht als zuvor. Politisch hat man nach 1990 die Friedensdividende verspielt, die milit\u00e4rische Abh\u00e4ngigkeit von den USA verst\u00e4rkt und autokratische Regime wie Russland und China durch kurzsichtigen Merkantilismus gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p>\u00d6kologisch verschlief man die notwendige Transformation, weil kurzfristige Profite wichtiger erschienen als Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Und gesellschaftlich beharrte man auf ein Familienmodell, ohne in eine moderne Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur zu investieren.\u201c<\/p>\n<p>Sein Vorschlag f\u00fcr ein Pflichtjahr f\u00fcr \u00c4ltere hatte schon vorher f\u00fcr Diskussionsstoff gesorgt. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2025-08\/soziales-pflichtjahr-rentner-marcel-fratzscher-boomer-kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eVorschlag f\u00fcr Rentner-Pflichtjahr st\u00f6\u00dft auf scharfe Kritik\u201c<\/a>, hatte die \u201eZeit\u201c am 22. August getitelt, sodass Fratzscher am 29. August etwas ausf\u00fchrlicher werden musste.<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich ist ein Pflichtjahr f\u00fcr \u00c4ltere kein Allheilmittel. Es ersetzt nicht die dringend notwendigen Reformen bei Steuern, den Sozialsystemen oder Bildung. Aber es w\u00e4re ein wichtiges Zeichen der Solidarit\u00e4t\u201c, betonte er etwas, was in unserem aktuellen politischen System v\u00f6llig verloren zu gehen droht.<\/p>\n<p>\u201eDie Emp\u00f6rung \u00fcber den Vorschlag zeigt, wie schwer es uns f\u00e4llt, Solidarit\u00e4t neu zu denken. Viele Babyboomer verstehen ein Pflichtjahr als Zumutung. In Wahrheit w\u00e4re es eine Chance f\u00fcr die \u00c4lteren, etwas weiterzugeben und f\u00fcr die J\u00fcngeren, mehr Unterst\u00fctzung zu erfahren. Es w\u00e4re au\u00dferdem die Chance f\u00fcr die Gesellschaft, den Generationenvertrag zu erneuern.\u201c<\/p>\n<p>Wer den kompletten Meinungsbeitrag von Marcel Fratzscher lesen m\u00f6chte, <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/de\/diw_01.c.972464.de\/nachrichten\/das_pflichtjahr_fuer_babyboomer_ist_eine_chance_fuer_alle.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">findet ihn hier.<\/a><\/p>\n<p>Bei der Diskussion um das Pflichtjahr wir freilich oft auch vergessen, dass es der Vorschlag eines \u00d6konomen ist, der die Diskussion um den (demolierten) Generationenvertrag neu anfachen m\u00f6chte, und kein Vorschlag aus der Politik. Aber er wird ebenso ernst genommen, wie auch die Wortmeldung der <a href=\"http:\/\/www.lsvfsachsen.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">s\u00e4chsischen Landesseniorenvertretung<\/a> zeigt.<\/p>\n<p>Die Wortmeldung der Landesseniorenvertretung Sachsen<\/p>\n<p>Landesseniorenvertretung Sachsen nimmt Stellung zum Vorschlag eines Pflichtdienstes f\u00fcr Seniorinnen und Senioren<\/p>\n<p>Dresden, September 2025<\/p>\n<p>Die Landesseniorenvertretung Sachsen bezieht Stellung zur aktuellen Diskussion um die Einf\u00fchrung eines verpflichtenden sozialen Jahres f\u00fcr Rentnerinnen und Rentner, wie es vom Pr\u00e4sidenten des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, vorgeschlagen wurde.<\/p>\n<p>Wir begr\u00fc\u00dfen ausdr\u00fccklich eine offene Debatte \u00fcber gesellschaftlichen Zusammenhalt und generationengerechte L\u00f6sungen. Ein verpflichtendes soziales Jahr f\u00fcr Seniorinnen und Senioren lehnen wir jedoch entschieden ab. Engagement muss freiwillig bleiben und darf nicht durch Zwang ersetzt werden.<\/p>\n<p><strong>Seniorinnen und Senioren tragen bereits heute wesentlich zur Gesellschaft bei<\/strong><\/p>\n<p>\u201eSeniorinnen und Senioren haben in ihrem Leben bereits einen erheblichen Beitrag zur Entwicklung und Stabilit\u00e4t unserer Gesellschaft geleistet \u2013 durch jahrzehntelange Arbeit, Familienverantwortung und vielf\u00e4ltiges ehrenamtliches Engagement. Statt neue Verpflichtungen zu fordern, sollte der Fokus darauf liegen, diese Leistungen anzuerkennen und die bestehenden Strukturen freiwilligen Engagements gezielt zu f\u00f6rdern\u201c, betont die Landesseniorenvertretung f\u00fcr Sachsen.<\/p>\n<p><strong>Ehrenamtliches Engagement anerkennen und st\u00e4rken<\/strong><\/p>\n<p>Rund 30 Prozent der Seniorinnen und Senioren in Sachsen engagieren sich regelm\u00e4\u00dfig ehrenamtlich \u2013 sei es in sozialen Projekten, Kommunalparlamenten, Vereinen, Kirchengemeinden oder der Nachbarschaftshilfe. Dabei tragen viele die entstehenden Kosten f\u00fcr ihr Engagement selbst. Dieses freiwillige Engagement ist eine tragende S\u00e4ule unserer Gesellschaft und verdient h\u00f6chste Anerkennung und Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p><strong>Gesellschaftlicher Zusammenhalt statt weitere Spaltung<\/strong><\/p>\n<p>Die Landesseniorenvertretung Sachsen warnt davor, die Diskussion um ein Pflichtjahr f\u00fcr Rentnerinnen und Rentner als Mittel zur Entlastung j\u00fcngerer Generationen zu instrumentalisieren. Wir erkennen an, dass die Herausforderungen der Zukunft generationen\u00fcbergreifend gel\u00f6st werden m\u00fcssen. Doch ein verpflichtendes soziales Jahr f\u00fcr Seniorinnen und Senioren ist nicht der richtige Weg.<\/p>\n<p>Wir fordern daher:<\/p>\n<p><strong>Respekt vor Lebensleistungen:<\/strong> Seniorinnen und Senioren d\u00fcrfen nicht als Ressource gesehen werden, die \u201everplant\u201c werden kann. Ihre bisherigen Beitr\u00e4ge \u2013 durch Berufst\u00e4tigkeit, famili\u00e4re Unterst\u00fctzung und ehrenamtliches Engagement \u2013 m\u00fcssen st\u00e4rker gew\u00fcrdigt werden.<\/p>\n<p><strong>St\u00e4rkung des Ehrenamts:<\/strong> Freiwilliges Engagement braucht Anerkennung, Unterst\u00fctzung und bessere Rahmenbedingungen. Dazu geh\u00f6ren zum Beispiel die F\u00f6rderung von Ehrenamtsprogrammen, eine bessere finanzielle Ausstattung gemeinn\u00fctziger Initiativen, die Abgeltung finanzieller Aufwendungen wie beispielsweise Fahrtkosten und die Entlastung von b\u00fcrokratischen H\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>Klare Analyse vor neuen Forderungen:<\/strong> Bevor \u00fcber Pflichtdienste diskutiert wird, muss eine sachliche Bestandsaufnahme erfolgen, wie stark Seniorinnen und Senioren bereits heute die Gesellschaft tragen. Die Realit\u00e4t zeigt, dass ihre Leistungen h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt und wenig geachtet werden.<\/p>\n<p><strong>Kein Keil zwischen den Generationen:<\/strong> Die Diskussion um ein Pflichtjahr darf nicht zu einer weiteren Spaltung f\u00fchren. Jung und Alt m\u00fcssen gemeinsam L\u00f6sungen finden, um die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft solidarisch zu bew\u00e4ltigen<\/p>\n<p>Die Landesseniorenvertretung Sachsen appelliert an die politischen Entscheidungstr\u00e4gerinnen und -tr\u00e4ger, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen f\u00fcr Seniorinnen und Senioren zu verbessern und das freiwillige Engagement gezielt zu f\u00f6rdern und zu st\u00e4rken, anstatt verpflichtende Dienste einzuf\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit seinem Vorschlag, die Rentner zu einem sozialen Jahr zu verpflichten, hat der \u00d6konom und DIW-Pr\u00e4sident Marcel Fratzscher&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":405165,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1835],"tags":[3364,29,107471,2386,30,859,6583,10517],"class_list":{"0":"post-405164","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-dresden","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-diw-berlin","11":"tag-dresden","12":"tag-germany","13":"tag-sachsen","14":"tag-senioren","15":"tag-solidaritaet"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115165716105435471","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/405164","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=405164"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/405164\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/405165"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=405164"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=405164"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=405164"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}