{"id":405394,"date":"2025-09-08T02:07:10","date_gmt":"2025-09-08T02:07:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/405394\/"},"modified":"2025-09-08T02:07:10","modified_gmt":"2025-09-08T02:07:10","slug":"mainz-woher-leseschwaeche-kommt-und-was-dagegen-hilft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/405394\/","title":{"rendered":"Mainz | Woher Leseschw\u00e4che kommt und was dagegen hilft"},"content":{"rendered":"<p>Mainz (dpa) &#8211; Scham, Hilflosigkeit und st\u00e4ndige \u00dcberforderung sind f\u00fcr mehrere Millionen Menschen in Deutschland Alltag: Sie k\u00f6nnen nicht ausreichend lesen und schreiben.<\/p>\n<p>Obwohl es mehr \u00e4ltere und zugewanderte Menschen in Deutschland gebe, stagnierten diese Zahlen, sagt Nicole P\u00f6ppel vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung. Sie spricht von \u00abeinem guten Zeichen\u00bb.<\/p>\n<p>\u00abDas Problem wird aber nachwachsen\u00bb, mahnt P\u00f6ppel am Weltalphabetisierungstag. Gerade Deutschland sei auf gut ausgebildete Fachkr\u00e4fte angewiesen, sagt Sabine Uehlein, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Programme der Stiftung Lesen in Mainz.<\/p>\n<p>Wie viele Menschen k\u00f6nnen nicht gut lesen und schreiben?<\/p>\n<p>Etwa jeder F\u00fcnfte im Alter zwischen 16 und 65 Jahren in Deutschland kann nur schlecht lesen und schreiben. Das sind rund 10,6 Millionen Menschen. Die Zahlen gehen auf die LEO PIAAC 2023-Sonderanalyse der Universit\u00e4t Hamburg zur\u00fcck.\u00a0<\/p>\n<p>Wer ist vor allem betroffen?\u00a0<\/p>\n<p>Besonders h\u00e4ufig sind M\u00e4nner betroffen, vor allem \u00e4ltere und zugewanderte Menschen in erster Generation, sagen Fachleute. \u00abMigration selbst ist nicht der ausschlaggebende Faktor f\u00fcr geringe Literalit\u00e4t, sondern der \u00f6konomische Status ist entscheidend\u00bb, stellt die Stiftung Lesen dazu fest.<\/p>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr die Menschen?<\/p>\n<p>\u00abFehlende Lesekompetenz wirkt sich negativ auf Berufschancen, das\u00a0Selbstbild der Menschen und ihre Beteiligung am gesellschaftlichen Leben aus\u00bb, sagt Uehlein. Nicht richtig lesen und schreiben zu k\u00f6nnen, habe nicht nur negative Auswirkungen auf Beruf und Karrierechancen, sondern auch auf den ganz normalen Alltag. Dazu k\u00e4men Probleme, sich im komplexen Gesundheitssystem zu orientieren. Sie seien auch st\u00e4rker von Fake News betroffen &#8211; und f\u00fchlen sich h\u00e4ufiger politisch abgeh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Wie viele Kinder haben Probleme mit dem Lesen?<\/p>\n<p>Ein Viertel der Kinder kann der Stiftung Lesen zufolge am Ende der Grundschule nicht ausreichend gut lesen. \u00abWir sehen schon im Grundschulalter, wie sehr Bildungserfolg der Kinder vom Elternhaus abh\u00e4ngig ist\u00bb, berichtet Uehlein.<\/p>\n<p>Ein ganzes Lernjahr betrage der Vorsprung bei der Lesekompetenz, den Kinder aus formal besser gestellten Familien gegen\u00fcber Kindern aus sozial schwierigeren Verh\u00e4ltnissen am Ende der Grundschule h\u00e4tten. Die Zahlen stammten von 2021. Schlechter habe in dem Bericht der Wubben Stiftung Bildung international nur Bulgarien abgeschnitten. \u00abWer nicht lesen kann, kann sich auch kein Wissen aneignen\u00bb, sagt Uehlein.\u00a0<\/p>\n<p>Hilft die AlphaDekade Erwachsenen?<\/p>\n<p>Die 2016 initiierte Nationale Dekade f\u00fcr Alphabetisierung und Grundbildung (AlphaDekade) unter Federf\u00fchrung des Bundesbildungs- und Forschungsministeriums hat nach Einsch\u00e4tzung von P\u00f6ppel viel bewirkt. Ziel ist es, den funktionalen Analphabetismus Erwachsener zu verringern und das Grundbildungsniveau zu erh\u00f6hen. Mit rund 180 Millionen Euro ist die \u00a0AlphaDekade bis 2026 ausgestattet.<\/p>\n<p>Allerdings seien viele der Projekte schon ausgelaufen oder kurz davor. Das Alfa-Mobil nennt P\u00f6ppel als Beispiel. Es hat an zahlreichen Orten in Deutschland Halt gemacht, um aufzukl\u00e4ren, was es bedeutet, nicht richtig lesen und schreiben zu k\u00f6nnen, und Angebote zu machen. Bei der einen AlphaDekade d\u00fcrfe es nicht bleiben, sagt P\u00f6ppel und hofft, dass Bildungsministerin Karin Prien (CDU) das Programm fortsetzt.<\/p>\n<p>Warum k\u00f6nnen nicht alle Sch\u00fcler gut lesen?<\/p>\n<p>\u00abLesekompetenz ist kein festes Merkmal, sondern das Ergebnis unterschiedlicher Voraussetzungen\u00bb, hei\u00dft es bei der Stiftung Lesen. Denn die Grundlagen f\u00fcrs Lesenlernen w\u00fcrden schon weit vor der Grundschule gelegt. Die Stiftung hat drei Lebensl\u00e4ufe entwickelt, um zu zeigen, woher die gr\u00f6\u00dften Probleme kommen.<\/p>\n<p>Wie kommt es dazu?\u00a0<\/p>\n<p>Die fiktiven Kinder hei\u00dfen Emil, Kim und Farid. \u00abIn den Lebensl\u00e4ufen geht es nicht um Vorw\u00fcrfe\u00bb, betont Sprecherin Laura Trost. \u00abWir wollen zeigen, wie Leben passiert, selbst wenn alle Beteiligten nur das Beste f\u00fcr die Kinder wollen.\u00bb<\/p>\n<ul class=\"list-normal\">\n<li>Emil steht f\u00fcr jedes dritte Kind in Deutschland, dem zu Hause aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden nicht oder nur selten vorgelesen wird. In seiner Kita fehlt die Zeit f\u00fcr eine strukturierte, alltagsintegrierte Sprachf\u00f6rderung. Emil f\u00e4llt das Lesenlernen in der Schule schwer, es macht ihm keinen Spa\u00df, es wird nicht ge\u00fcbt und bleibt damit schwer f\u00fcr ihn.<\/li>\n<li>Kim w\u00e4chst bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf, die selbst kaum Unterst\u00fctzung und nur wenig Zeit hat, ihrer Tochter zu helfen. F\u00fcr B\u00fccher fehlt das Geld, f\u00fcr Besuche in der B\u00fccherei die Zeit. Das Grundschulkind br\u00e4uchte Unterst\u00fctzung au\u00dferhalb des Unterrichts, daf\u00fcr mangelt es aber den Lehrkr\u00e4ften an Zeit und Ressourcen.<\/li>\n<li>Farid ist im Schulalter nach Deutschland gekommen, die Sprache spricht er noch nicht. Gezielte Unterst\u00fctzung gibt es an seiner Grundschule nicht. Das sei an der H\u00e4lfte der Grundschulen in Deutschland so, berichtet die Stiftung Lesen und verweist auf einen Bericht der TU Dortmund. Dazu kommen kulturelle Unterschiede: Die Mitarbeit der Eltern werde in Deutschland erwartet, in Farids Heimat nicht. Es entstehen Missverst\u00e4ndnisse.\u00a0<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie k\u00f6nnen Kinder beim Lesen besser unterst\u00fctzt werden?<\/p>\n<p>Fr\u00fchkindliche Bildung m\u00fcsse gest\u00e4rkt und Investitionen in Kitas und Schulen deutlich\u00a0erh\u00f6ht werden, lautet die politische Forderung der Stiftung. Bei der Lesef\u00f6rderung k\u00f6nne jeder nach seinen M\u00f6glichkeiten helfen &#8211; etwa als ehrenamtlicher Lesepate. Die Stiftung bietet daf\u00fcr kostenfreie Materialien und Projekte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mainz (dpa) &#8211; Scham, Hilflosigkeit und st\u00e4ndige \u00dcberforderung sind f\u00fcr mehrere Millionen Menschen in Deutschland Alltag: Sie k\u00f6nnen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":405395,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1847],"tags":[752,3364,29,5348,548,663,3934,30,1724,13,2052,2337,14,15,1756,12,4544],"class_list":{"0":"post-405394","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wiesbaden","8":"tag-bildung","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-educateme","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-germany","16":"tag-gesellschaft","17":"tag-headlines","18":"tag-hessen","19":"tag-lesen","20":"tag-nachrichten","21":"tag-news","22":"tag-rheinland-pfalz","23":"tag-schlagzeilen","24":"tag-wiesbaden"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115166238690195703","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/405394","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=405394"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/405394\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/405395"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=405394"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=405394"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=405394"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}