{"id":405418,"date":"2025-09-08T02:22:13","date_gmt":"2025-09-08T02:22:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/405418\/"},"modified":"2025-09-08T02:22:13","modified_gmt":"2025-09-08T02:22:13","slug":"im-besetzten-donbass-wird-das-wasser-knapp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/405418\/","title":{"rendered":"Im besetzten Donbass wird das Wasser knapp"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 07.09.2025 15:14 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Wasser wird im russisch besetzten Donbass immer mehr zum Luxusgut.\u00a0Viele Menschen begegnen dem Wassermangel mit Humor, machen in sozialen Medien Witze dar\u00fcber. Doch die Lage ist dramatisch &#8211; und k\u00f6nnte sich weiter versch\u00e4rfen. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Mariia Kalus und Ellina Samovilova, ARD Kiew\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wasser ist das sch\u00f6nste Geschenk!&#8220; &#8211; so kommentieren junge Menschen aus dem von Russland besetzten Donezk zahlreiche Videos in sozialen Netzwerken, in denen sie in Selfies lachend Wasserflaschen und Kanister umarmen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch lokale Gesch\u00e4fte reagieren auf die enorme Wasserknappheit im Donbass im Osten der Ukraine: Sie k\u00fcndigen &#8222;Wassertage&#8220; an, spenden Flaschen oder werben mit Sonderaktionen, etwa einem kostenlosen F\u00fcnf-Liter-Kanister beim Kauf eines teuren Blumenstrau\u00dfes: &#8222;Damit die Blumen trotz der schwierigen Wasserversorgung nicht verwelken.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd selbst auf einer Hochzeit in Donezk tr\u00e4umt ein Brautpaar \u00f6ffentlich von &#8222;Frieden &#8211; und von Wasser&#8220;. Einerseits sind diese Videos bewusst lustig inszeniert. Aber dass im laufenden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine &#8222;Wasser&#8220; und &#8222;Frieden&#8220; in einem Atemzug genannt werden, offenbart ein ernstes Problem: Wasser wird in Donezk und weiteren Teilen der okkupierten Ostukraine immer knapper.\u202f<\/p>\n<p>    Russische Wasserleitung reicht nicht aus<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeit 2014 ist die Stadt Donezk in russischer Hand. Seitdem gab es Scheinreferenden, Pseudowahlen, Verteilung von russischen P\u00e4ssen, fehlende Grundrechte &#8211; und immer weniger Wasser.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n2023 lie\u00df die russische Besatzungsmacht in Rekordzeit, innerhalb von nur vier Monaten, eine Wasserleitung bauen, um Wasser aus dem Fluss Don nach Donezk zu leiten. Der Don entspringt in Russland und m\u00fcndet ins Asowsche Meer. Denis Puschilin, ein ukrainischer Kollaborateur und Vertreter der Besatzungsverwaltung, lobte im Juli 2025 bei einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin den Bau der neuen Leitung.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch die schnell errichtete Wasserleitung ist ineffizient. Lokale Beh\u00f6rden sprechen von Wasserverlusten von bis zu 60 Prozent. Der Grund ist das veraltete Rohrnetz im Donbass. T\u00e4glich versickern riesige Mengen Wasser, und die Leitung kann den Bedarf nicht decken.\u00a0<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Rund 800.000 Menschen sollen im von Russland besetzten Osten der Ukraine unter mangelnder Wasserversorgung leiden.\n                    <\/p>\n<p>    800.000 Menschen mit Wasserproblemen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr die russisch besetzten Gebiete sind formell weiterhin Vertreter der ukrainischen Regierung zust\u00e4ndig. F\u00fcr das Gebiet Donezk ist dies Wadym Filaschkin, Leiter der Milit\u00e4rverwaltung der Region Donezk. Er kritisiert den Wassermangel im ukrainischen Fernsehsender ICTV: &#8222;In Donezk hat die Besatzungsmacht in elf Jahren fast nichts getan. In kleinen St\u00e4dten wie Tschystjakowo, Schdaniwka und Amwrosijiwka bekommen die Bewohner \u00fcberhaupt kein Leitungswasser.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVor der russischen Invasion 2014 lebten fast eine Million Menschen in Donezk. Heute sollen es nach ukrainischen Sch\u00e4tzungen noch rund 400.000 sein. Insgesamt sind etwa 800.000 Menschen in den besetzten Gebieten von akuten Wasserproblemen betroffen.<\/p>\n<p>    Zisternen und Vorratstanks statt Versorgung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWie es sich anf\u00fchlt, wenn Wasser nur alle drei Tage f\u00fcr ein paar Stunden flie\u00dft, beschreibt f\u00fcr die ARD die 80-j\u00e4hrige Natalja aus Donezk. Ihren Nachnamen will sie aus Sicherheitsgr\u00fcnden nicht nennen. &#8222;Im Zentrum von Donezk steht eine Wasserzisterne, aber nicht mit Trinkwasser, sondern mit Brauchwasser, also f\u00fcr die Toilette, zum Baden, zum Putzen. Das ist einfach bedr\u00fcckend, qu\u00e4lend&#8220;, sagt sie.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie russische Regierung schickt zwar\u00a0Wassertanks\u00a0aus Moskau, Krasnodar und anderen St\u00e4dten in das besetzte Gebiet. Im Netz kursieren Videos, in denen Menschen die Ankunft der Tankwagen mit Applaus und Freude begr\u00fc\u00dfen. Doch der Vorrat in den Zisternen ist schnell ersch\u00f6pft, und die Wassernot bleibt gro\u00df.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr die alleinstehende Rentnerin Natalja wird die K\u00f6rperpflege zum Kraftakt.\u202f&#8220;Der Warmwasserboiler springt nicht jedes Mal an, weil der Druck nicht ausreicht, und ich wohne im zweiten Stock. Man muss das Wasser auf dem Herd erhitzen und kann sich dann erst waschen. Das ist\u00a0m\u00fchsam&#8220;, erz\u00e4hlt sie.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWer h\u00f6her wohnt, hat es noch schwerer: Dort reicht der Druck oft gar nicht aus, und die Menschen m\u00fcssen Kanister in ihre Wohnungen schleppen. Viele legen sich deshalb Vorr\u00e4te an.\u00a0Auch Natalja hat\u00a0in ihrer Wohnung immer einen Vorrat von 200 Litern Wasser. &#8222;Das ist nat\u00fcrlich alles andere als zivilisiert&#8220;, findet sie.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nViktor aus Donezk &#8211; seinen echten Namen will er lieber nicht nennen &#8211; hilft sich mit Erfindergeist.\u00a0In seinem Treppenhaus hat er einen gro\u00dfen blauen Wassertank eingebaut, den er mit einer Pumpe und mehreren Ventilen an die Leitungen seines Badezimmers angeschlossen hat. &#8222;So \u00fcberleben wir in Donezk&#8220;, kommentiert Viktor.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>    Gef\u00e4hrliche Pl\u00e4ne<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVor dem gro\u00dfangelegten russischen Angriffskrieg 2022 wurde die Region Donezk vor allem \u00fcber den Kanal Siwerskyj Donez-Donbas und mehrere Stauseen mit Wasser versorgt. Der Kanal, gebaut in den 1950er-Jahren, beginnt in der Stadt Slowjansk, die bis heute unter ukrainischer Kontrolle steht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n2022 wurde der Kanal im Krieg mehrfach besch\u00e4digt, Reparaturarbeiten sind wegen der laufenden Kampfhandlungen kaum m\u00f6glich. Stauseen in den besetzten Gebieten trockneten teilweise aus.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nPawlo Lysjanskyj vom Ukrainischen Institut f\u00fcr Strategische Forschungen und Sicherheit erkl\u00e4rt im Gespr\u00e4ch mit der ARD: &#8222;Die Besatzer f\u00f6rdern Bodensch\u00e4tze wie Kohle oder Erz, ohne sich um Abbauregeln zu k\u00fcmmern. Dadurch entstehen im Boden Risse, was dazu f\u00fchrt, dass das Wasser einfach abl\u00e4uft.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUm die Wasserknappheit zu lindern, pr\u00e4sentierte der von Russland eingesetzte Donezk-Verwalter Denis Puschilin 2025 im lokalen Fernsehen die Idee, Wasser aus stillgelegten Kohlegruben zu gewinnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch Experten wie Lysjanskyj schlagen Alarm und warnen vor schweren Folgen f\u00fcr Umwelt und Gesundheit. &#8222;Das ist Selbstmord. Das Wasser enth\u00e4lt Metalle und radioaktive Partikel&#8220;, sagt er und f\u00fcgt hinzu: &#8222;In den 1970er-Jahren gab es hier einen unterirdischen Nukleartest. Au\u00dferdem lagern dort Abf\u00e4lle, die eigentlich trocken bleiben m\u00fcssen. Seit 2017 wird kein Wasser mehr abgepumpt &#8211; und es hat sich l\u00e4ngst mit den radioaktiven Abf\u00e4llen vermischt. Bald wird es an die Oberfl\u00e4che gelangen.&#8220;<\/p>\n<p>    Keine L\u00f6sung in Sicht<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDiese verseuchten Wassermassen k\u00f6nnten ganze Landstriche \u00fcberfluten &#8211; fruchtbare Schwarzerde und Steppen im Donbass w\u00e4ren verloren, erg\u00e4nzt Petro Andrjuschtschenko, Direktor des Zentrums f\u00fcr Besatzungsstudien.\u00a0Er war\u00a0fr\u00fcher in der Stadtverwaltung von Mariupol t\u00e4tig.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nObwohl Russland Gro\u00dfprojekte wie die Kertsch-Br\u00fccke oder Eisenbahnlinien in kurzer Zeit umsetzt, werde die Wasserversorgung im besetzten Donbass vernachl\u00e4ssigt, kritisiert Andrjuschtschenko.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeiner Ansicht nach fehlt es weder an Technik noch an Geld.\u00a0&#8222;Die Ukrainer sind f\u00fcr Moskau keine Menschen. Und wenn es keine Ukrainer mehr gibt, dann ist das f\u00fcr sie gut so. Der Besitz eines russischen Passes macht einen Ukrainer in den Augen der russischen Beh\u00f6rden noch lange nicht zu einem Russen&#8220;, fasst Andrjuschtschenko zusammen. \u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKlar ist: Die Wasserversorgung bleibt f\u00fcr Hunderttausende Menschen unter russischer Besatzung unsicher. Und eine\u00a0Wasserkrise wie in Donezk droht laut Experten auch anderen von Russland besetzten St\u00e4dten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 07.09.2025 15:14 Uhr Wasser wird im russisch besetzten Donbass immer mehr zum Luxusgut.\u00a0Viele Menschen begegnen dem Wassermangel&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":405419,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,36235,13,14,15,12,317,11557],"class_list":{"0":"post-405418","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-donbass","11":"tag-headlines","12":"tag-nachrichten","13":"tag-news","14":"tag-schlagzeilen","15":"tag-ukraine","16":"tag-wasserknappheit"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115166297771190973","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/405418","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=405418"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/405418\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/405419"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=405418"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=405418"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=405418"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}