{"id":405420,"date":"2025-09-08T02:23:10","date_gmt":"2025-09-08T02:23:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/405420\/"},"modified":"2025-09-08T02:23:10","modified_gmt":"2025-09-08T02:23:10","slug":"bundeswehr-in-den-usa-viele-unserer-soldaten-laufen-in-uniform-durch-new-york-die-bevoelkerung-reagiert-total-positiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/405420\/","title":{"rendered":"Bundeswehr in den USA: \u201eViele unserer Soldaten laufen in Uniform durch New York. Die Bev\u00f6lkerung reagiert total positiv\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Marine landet in New York an. Die Besatzung betont das \u201ehervorragende Verh\u00e4ltnis\u201c zu den USA und gibt sich diplomatisch. Dabei ist der Hintergrund der Fahrt ernst. Die geopolitischen Spannungen, Trump und die Wehrpflicht-Debatte lassen die Soldaten auch fernab der Heimat nicht los.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Sonne knallt, Sven Becker zieht sich die M\u00fctze etwas tiefer ins Gesicht. In wei\u00dfer Marine-Uniform steht der Marine-Kapit\u00e4n auf dem Deck der \u201eBerlin\u201c \u2013 dem gr\u00f6\u00dften Versorgungsschiff der Bundeswehr. Links hinter ihm weht eine deutsche Flagge mit Bundesadler am Heck des 174 Meter langen Schiffes, zu seiner Rechten ragt die New Yorker Skyline in den Himmel. <\/p>\n<p>F\u00fcr viele der 230 M\u00e4nner und Frauen an Bord sei die Hafeneinfahrt ein \u201eOnce-in-a-lifetime-experience\u201c gewesen, sagt Becker und kommt ins Schw\u00e4rmen. \u201eDas war ein unglaubliches Erlebnis, an der Freiheitsstatue vorbeizufahren.\u201c W\u00e4hrend Becker spricht, fliegen alle paar Minuten Helikopter \u00fcber das Schiff, unten auf dem Wasser rasen Jetskis entlang, teilweise ist der Kapit\u00e4n kaum zu verstehen.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EjAgTFYYYcg\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EjAgTFYYYcg&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vier Wochen Fahrt durch den Nordatlantik<\/a> hat die \u201eBerlin\u201c hinter sich. Es ist eine \u00dcbungsmission, wie sie die Marine st\u00e4ndig durchf\u00fchrt \u2013 die aber auch Werbezwecken dienen soll. Den Abschnitt von Deutschland \u00fcber Schottland nach Gr\u00f6nland haben Fernsehkamerateams begleitet. <\/p>\n<p>Nun steht eine Gruppe Reporter mit gez\u00fcckten Handys und Aufnahmeger\u00e4ten auf dem Deck der \u201eBerlin\u201c, die im New Yorker Hafen direkt neben einem Kreuzfahrt-Riesen ankert. Auch das deutsche Generalkonsulat ist vertreten. Denn zwischen geopolitischen Spannungen, Zeitenwende und Wehrpflicht-Debatte sucht die Bundeswehr derzeit verst\u00e4rkt die \u00d6ffentlichkeit. <\/p>\n<p>Das ist kein Zufall. Der Ruf der Truppe war \u00fcber Jahre ramponiert, die Suche nach neuen Soldaten l\u00e4uft schon l\u00e4nger schwierig. Eine kaputt gesparte Armee, wenig beachtet von der Politik und gel\u00e4hmt durch ihre dysfunktionale Beschaffung-B\u00fcrokratie? Dieses Image soll der Vergangenheit angeh\u00f6ren. <\/p>\n<p>Das Milit\u00e4r pr\u00e4sentiert sich nun als moderner und sicherer Arbeitgeber. Weil die Zielvorgaben entsprechend hoch sind \u2013 Kanzler Friedrich Merz schwebt die gr\u00f6\u00dfte Armee Europas vor \u2013 f\u00e4hrt die Truppe eine beachtliche Personalkampagne. Die Aufr\u00fcstungspl\u00e4ne der Koalition aus Union und SPD, verbunden mit frischen Milliardenbetr\u00e4gen, geben den n\u00f6tigen Spielraum. <\/p>\n<p>Ob die \u201eZeitenwende\u201c gelingt, h\u00e4ngt auch davon ab, wie stark das Milit\u00e4r ist. \u00dcber Jahre schrumpfte die Bundeswehr, w\u00e4hrend anderswo aufgestockt wurde. 181.174 aktive Soldaten gibt es derzeit in Deutschland sowie etwa 80.860 zivile Mitarbeiter. <\/p>\n<p>Das ist weit von den Vorgaben entfernt. Urspr\u00fcnglich war eine Zielgr\u00f6\u00dfe von 203.000 Soldaten bis 2031 vorgesehen, Verteidigungsminister Boris Pistorius aber plant, die Zahl auf 230.000 zu erh\u00f6hen. <\/p>\n<p>Um neue Soldaten anzuwerben, geht die Truppe teils unkonventionelle Wege. Neben ihren bundesweit 16 Karrierecentern und 110 Karriereberatungsb\u00fcros ist die Bundeswehr vermehrt auf Veranstaltungen, Messen und sogar Festivals wie beispielsweise in Wacken vertreten.<\/p>\n<p>Das zeigt Wirkung: Die Zahl der Bewerber stieg 2024 um fast 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch auf Europas gr\u00f6\u00dfter Fitnessmesse, der \u201eFibo\u201c in K\u00f6ln, geh\u00f6ren die Soldaten mittlerweile zu den Stammg\u00e4sten. \u00dcber Influencer und eine ausgekl\u00fcgelte Social-Media-Strategie wird dort neues Personal angeworben, wie WELT im Fr\u00fchjahr berichtete. <\/p>\n<p>Neben den Personalproblemen daheim muss die Truppe zudem ihre neue Rolle angesichts der ver\u00e4nderten geopolitischen Lage finden. Das soll auch die \u00dcbungsfahrt der \u201eBerlin\u201c verdeutlichen. Das Transportschiff, dessen Hauptaufgabe die logistische Versorgung von Kriegsschiffen und die Behandlung Verletzter ist, nahm im Nordatlantik an einer von Kanada gef\u00fchrten \u00dcbung teil, nun steht in den USA der 250. Geburtstag der Navy an. <\/p>\n<p>Fragen der versammelten Journalisten zu m\u00f6glichen Kampfeins\u00e4tzen abseits von \u00dcbungen und zu US-Pr\u00e4sident Donald Trump beantworten die Truppen-Vertreter in New York kurz und gekonnt diplomatisch \u2013 um blo\u00df nichts Falsches zu sagen. \u201eEs gibt keine Ver\u00e4nderung auf meiner Ebene, was die Administration in den USA angeht\u201c, sagt Kapit\u00e4n Becker beispielsweise. Die Partnerschaft mit der U.S. Navy sei nach wie vor stark. Becker spricht von einem \u201eungebrochen hervorragenden Verh\u00e4ltnis\u201c. <\/p>\n<p>Auch Karsten Uwe Schl\u00fcter, der Kommandant der \u201eBerlin\u201c, h\u00e4lt sich knapp. \u201eWir waren bei <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.bundeswehr.de\/de\/meldungen\/kriegsschiff-groenland-nato-5984154\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.bundeswehr.de\/de\/meldungen\/kriegsschiff-groenland-nato-5984154&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in Gr\u00f6nland bei Freunden zu Gast<\/a>\u201c, sagt er. Wenige Monate bevor die Bundeswehr dort anlandete, ging US-Vizepr\u00e4sident J.D. Vance auf der Insel auf Erkundungstour. Die amerikanische Regierung m\u00f6chte sich das riesige Land einverleiben \u2013 offiziell aus geostrategischen \u00dcberlegungen. <\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich haben Experten wiederholt die Frage aufgeworfen, inwiefern die USA milit\u00e4risch noch ein enger Verb\u00fcndeter f\u00fcr Deutschland ist. Pr\u00e4sident Trumps teilweise Abkehr von den Nato-Partnern und der wankelm\u00fctige Kurs gegen\u00fcber Russlands Machthaber Wladimir Putin hat in diplomatischen, aber auch in milit\u00e4rischen Kreisen f\u00fcr ein mittelschweres Beben gesorgt.<\/p>\n<p>Und dann ist da noch die Debatte um die Wehrpflicht. \u201eNat\u00fcrlich lesen wir Zeitung und bekommen mit, wie in Deutschland \u00fcber das Thema gesprochen wird\u201c, sagt Becker. Die Marine sei beliebt, beteuert er \u2013 zumindest bei denjenigen, die sich bereits verpflichtet haben. \u201eDie, die da sind, sind total begeistert.\u201c<\/p>\n<p>Aber wie sieht es mit dem Nachwuchs aus? Das Durchschnittsalter der \u201eBerlin\u201c-Besatzung liegt zwischen 30 und 40, leicht \u00fcber dem allgemeinen Schnitt der Bundeswehr. Die Marine, die in Wilhelmshaven sitzt, k\u00f6nne bei der Personalsuche zwar punkten mit \u201eneuen und modernen Waffensystemen\u201c. Das allein reicht aber nicht, um neue Rekruten im gro\u00dfen Stil zu gewinnen. <\/p>\n<p>Auf Nachfrage von WELT deutet Becker zwar an, dass er die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht bef\u00fcrwortet, bleibt aber auch hier diplomatisch unkonkret. Es gehe nun um \u201esukzessives Aufwachsen\u201c, sagt er. \u201eSchritt f\u00fcr Schritt im Rahmen der politischen Vorgaben.\u201c Eine \u201eglaubhafte Abschreckung\u201c, sei jedenfalls nur mit entsprechender Mannst\u00e4rke m\u00f6glich, so viel sei klar. <\/p>\n<p>Wichtig seien aber nicht nur die Neuverpflichtung, sondern auch, die Menschen langfristig an das Milit\u00e4r als Arbeitgeber zu binden. \u201e25 Jahre lief es bei der Bundeswehr in die falsche Richtung\u201c, so der Kapit\u00e4n. \u201eDie richtigen Schritte sind nun angegangen worden.\u201c <\/p>\n<p>Becker sagt, nach dem russischen \u00dcberfall auf die Ukraine im Jahr 2022 habe auch in der Gesellschaft eine Art Zeitenwende stattgefunden. \u201eDie Wahrnehmung von deutschen Soldaten in Deutschland wird positiver.\u201c Er erlebe das pers\u00f6nlich ganz konkret, beispielsweise, wenn er in Uniform Bahn fahre. <\/p>\n<p>In Sachen Milit\u00e4r seien die USA eine Art Vorbild, findet er. \u201eViele unserer Soldaten laufen in Uniform durch New York. Die Bev\u00f6lkerung reagiert darauf total positiv\u201c, erz\u00e4hlt Becker. Das Mantra \u201eThank you for your service\u201c, sei in den USA fest verankert. \u201eDieser Spruch \u2013 Vielen Dank f\u00fcr Ihren Dienst \u2013 etabliert sich ein St\u00fcck weit auch in Deutschland.\u201c Vor ein paar Jahren noch, sagt Becker, sei das kaum denkbar gewesen.<\/p>\n<p><b>Dieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und \u201eBusiness Insider Deutschland\u201c erstellt.<\/b><\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/jan-klauth\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/jan-klauth\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Jan Klauth <\/b><\/a><b>ist US-Korrespondent mit Sitz in New York.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Marine landet in New York an. 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