{"id":405853,"date":"2025-09-08T06:46:15","date_gmt":"2025-09-08T06:46:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/405853\/"},"modified":"2025-09-08T06:46:15","modified_gmt":"2025-09-08T06:46:15","slug":"keine-rueckreise-welle-nur-wenige-syrer-verlassen-deutschland-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/405853\/","title":{"rendered":"Keine R\u00fcckreise-Welle: Nur wenige Syrer verlassen Deutschland | Politik"},"content":{"rendered":"<p>Berlin \u2013 <b>Warum gehen so wenige Syrer zur\u00fcck in ihr Heimatland, obwohl Diktator Baschar al-Assad im Dezember 2024 gest\u00fcrzt wurde und ins Exil nach Russland floh?<\/b><\/p>\n<p>De facto lebten laut Ausl\u00e4nderzentralregister Ende Juli 955.000 syrische Staatsb\u00fcrger in Deutschland. Laut dem Bundesinnenministerium waren bis zum 31. August 2025 genau 1867 Personen nach Syrien ausgereist. Die Zahl der eingeb\u00fcrgerten Syrer im gleichen Zeitraum d\u00fcrfte deutlich h\u00f6her sein. Zur Einordnung: 2024 erhielten 83.150 Syrer die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft. F\u00fcr dieses Jahr liegen die Zahlen noch nicht vor.<\/p>\n<p><b>Die Gr\u00fcnde, warum die meisten hierbleiben: Viele Regionen in <\/b><a href=\"https:\/\/www.bild.de\/news\/ausland\/syrien\/thema-syrien-alle-infos-80032912.bild.html\" class=\"text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Syrien<\/b><\/a><b> sind bei Infrastruktur und Sicherheit r\u00fcckst\u00e4ndig. Ganz anders als in Deutschland, einem der wohlhabendsten L\u00e4nder der Welt.<\/b><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"558\" alt=\"Syrien-Pr\u00e4sident Ahmed al-Scharaa (42)\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/55fae034e35bf9584cb0c1387244c2ff,d8c9845d\"   class=\"landscape\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"fig__caption__text\">Er war fr\u00fcher ein islamistischer Terrorist, gibt sich jetzt gel\u00e4utert: Syrien-Pr\u00e4sident Ahmed al-Scharaa (42) <\/p>\n<p>Foto: Uncredited\/SANA\/dpa<\/p>\n<p>\u201eDeutschland z\u00e4hlt zu den st\u00e4rksten wirtschaftlichen L\u00e4ndern der Welt\u201c, sagt Faisal Shehadeh (41), Vorsitzender der Syrischen Gesellschaft f\u00fcr \u00c4rzte und Apotheker in Deutschland. \u201eWenn man hier Kinder in der Schule hat und einen Job, sind acht Monate nicht viel, um eine R\u00fcckkehr nach Syrien zu planen.\u201c <\/p>\n<p>Nahost-Experte Naseef Naeem (51) zu BILD: \u201eDie Wirtschaft in Syrien ist auf null. Das Bankensystem ist nicht funktional. Syrer k\u00f6nnen derzeit nur 60 Dollar pro Woche abheben. Elektronische Bezahlsysteme gibt es nicht.\u201c Das schrecke Investoren aus dem Ausland ab. Zus\u00e4tzliches Problem: \u201eIn Syrien muss ein funktionierendes Rechtssystem noch aufgebaut werden.\u201c Grunds\u00e4tzlich sei die konkrete Sicherheitslage gut. \u201eAber das abstrakte Sicherheitsgef\u00fchl ist schlecht.\u201c Es gebe \u00dcbergriffe auf Minderheiten wie Drusen, Alawiten, Christen oder Kurden. Menschen, die seit vielen Jahren in Deutschland leben, f\u00fchlten sich unsicher beim Gedanken an eine R\u00fcckkehr.<\/p>\n<p>Darum kehren die Syrer nicht zur\u00fcck<\/p>\n<p>Seine d\u00fcstere Prognose: \u201eWenn Syrien es in den n\u00e4chsten Monaten nicht schafft, \u00fcber den Berg zu kommen, wird es schwierig, die Menschen zur\u00fcckzubringen.\u201c Die deutsche Politik m\u00fcsse F\u00f6rderprogramme f\u00fcr das Land aufsetzen, \u201eund dabei auf die syrische Expertise in Deutschland zur\u00fcckgreifen.\u201c<\/p>\n<p><b>Nahost-Experte Naseef Naeem sagt aber auch: \u201eNat\u00fcrlich kehren <\/b><a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/aktuelles\/fluechtlinge\/fluechtlinge-alle-infos-78158144.bild.html\" class=\"text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Fl\u00fcchtlinge<\/b><\/a><b> schneller aus einem Lager im Libanon in die Heimat zur\u00fcck als aus Deutschland, wo ihre Lage besser ist.\u201c<\/b><\/p>\n<p>Shehadeh erwartet, dass vor allem diejenigen eine R\u00fcckkehr \u00fcberlegen, die keine Arbeit in Deutschland haben, \u201eoder die in Gegenden leben, in denen Ausl\u00e4nder nicht so beliebt sind\u201c. Aber auch f\u00fcr sie g\u00e4be es gro\u00dfe Probleme in Syrien. \u201eH\u00e4user sind zerst\u00f6rt, ganze Wohnbl\u00f6cke fehlen. Gerade in Aleppo oder Homs.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"558\" alt=\"Auch solche Szenen gibt es in Syrien: Menschen in einer Strandbar n\u00f6rdlich der K\u00fcstenstadt Latakia\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/b7f3247be636065df744a75e5942cda2,e14d69ea\"   class=\"landscape\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"fig__caption__text\">Auch solche Szenen gibt es in Syrien: Menschen in einer Strandbar n\u00f6rdlich der K\u00fcstenstadt Latakia<\/p>\n<p>Foto: Ghaith Alsayed\/AP\/dpa<\/p>\n<p>Das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (BamF) sch\u00e4tzt das \u00e4hnlich ein. In einem \u201eEntscheiderbrief\u201c vom August hei\u00dft es: \u201eInsbesondere die politisch instabile Lage sowie die fehlende Infrastruktur in Syrien und die daraus resultierenden Erschwernisse f\u00fchren zu einer erschwerten Umsetzung der Reintegrationsunterst\u00fctzung im Zielland.\u201c <\/p>\n<p>CDU: Mehr Syrer sollen Deutschland verlassen<\/p>\n<p>Zwei f\u00fchrende CDU-Experten m\u00f6chten, dass mehr syrische Staatsb\u00fcrger in ihre Heimat zur\u00fcckkehren, um sie wiederaufzubauen \u2013 und warnen davor, wegen Sozialleistungen hierzubleiben. Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion, sagt zu BILD: \u201eDer urspr\u00fcngliche Fluchtgrund, die Schreckensherrschaft des Assad-Regimes, ist weggefallen.\u201c <\/p>\n<p>Throm weiter: \u201eEs ist deshalb zu erwarten, dass syrische Staatsb\u00fcrger wieder in ihr Heimatland zur\u00fcckkehren und sich am Wiederaufbau beteiligen. Dies gilt vor allem f\u00fcr diejenigen, die erst kurz hier sind oder die nach vielen Jahren noch nicht integriert sind, insbesondere arbeiten.\u201c <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"558\" alt=\"Syrer sollen in ihre Heimat zur\u00fcckkehren, sagt Alexander Throm (56), innenpolitischer Sprecher der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/3ec73d85abf3964a52c36b263da7c8ce,1e23080e\"   class=\"landscape\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"fig__caption__text\">Syrer sollen in ihre Heimat zur\u00fcck, sagt Alexander Throm (56), innenpolitischer Sprecher der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion<\/p>\n<p>Foto: Fabian Sommer\/dpa<\/p>\n<p>Innenpolitiker Marc Henrichmann (49, CDU), Chef des Parlamentarischen Kontrollgremiums, fordert: \u201eDer wirtschaftliche Anreiz hierzubleiben darf nicht h\u00f6her sein als das Interesse, am Wiederaufbau des Landes mitzuwirken. Das bedeutet aber auch: Wir m\u00fcssen helfen, vor Ort zu stabilisieren und beim Wiederaufbau zu helfen und in Sicherheitsfragen zusammenzuarbeiten.\u201c<\/p>\n<p>Henrichmann sieht noch weiteren Handlungsbedarf. \u201eDer Verteil-Mechanismus entscheidet\u201c, sagt er. \u201eNiemand, der nach Europa kommt, darf perspektivisch noch wissen, in welchem Land er landet. Damit die Frage von Sozialleistungen nicht die Motivation ist.\u201c Die Reform des <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/themen\/specials\/zahlungsmittel\/geld-sparen-nachrichten-news-fotos-videos-16903918.bild.html\" class=\"text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">B\u00fcrgergeldes<\/a> \u2013 gerade mit Blick auf gesetzlich anerkannte, aber nicht integrations- und arbeitswillige Gefl\u00fcchtete \u2013 m\u00fcsse jetzt schnell kommen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"558\" alt=\"CDU-Innenexperte Marc Henrichmann (49)\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/25fd3e4c4a52503c98221b7fe0571a70,96bf874d\"   class=\"landscape\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"fig__caption__text\">CDU-Innenexperte Marc Henrichmann (49) m\u00f6chte nicht, dass Syrer wegen Sozialleistungen in Deutschland bleiben<\/p>\n<p>Foto: picture alliance\/dpa<\/p>\n<p>Mehr zum Thema<\/p>\n<p><b>Naseef Naeem<\/b> (51) ist Jurist und Nahost-Experte mit Schwerpunkt auf Staats- und Verfassungsfragen. Er wurde 1974 in Syrien geboren und lebt seit 22 Jahren in Deutschland. Seit 2014 leitet er gemeinsam mit dem Orientalisten und Nahost-Experten Daniel Gerlach das Beratungsnetzwerk \u201ezenithCouncil\u201c zu Fragen von Recht und Staat in der arabischen Welt.<\/p>\n<p><b>Faisal Shehadeh<\/b> (41) ist Vorsitzender der Syrischen Gesellschaft f\u00fcr \u00c4rzte und Apotheker in Deutschland. Die Gesellschaft vertritt Mediziner und Studierende mit syrischer Herkunft und hilft ihnen bei der Integration in Deutschland. Shehadeh stammt aus Aleppo, wo er auch studierte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin \u2013 Warum gehen so wenige Syrer zur\u00fcck in ihr Heimatland, obwohl Diktator Baschar al-Assad im Dezember 2024&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":405854,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[331,3924,332,3922,58195,3364,29,3919,7883,30,13,14,3923,15,3921,12,58,15295],"class_list":{"0":"post-405853","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-deutschland","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-aktuelle-news-aus-deutschland","12":"tag-al-assad-baschar","13":"tag-de","14":"tag-deutschland","15":"tag-fluechtling","16":"tag-fluechtlingskrise","17":"tag-germany","18":"tag-headlines","19":"tag-nachrichten","20":"tag-nachrichten-aus-deutschland","21":"tag-news","22":"tag-news-aus-deutschland","23":"tag-schlagzeilen","24":"tag-syrien","25":"tag-syrien-krise"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115167336000351724","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/405853","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=405853"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/405853\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/405854"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=405853"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=405853"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=405853"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}