{"id":406070,"date":"2025-09-08T08:45:18","date_gmt":"2025-09-08T08:45:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/406070\/"},"modified":"2025-09-08T08:45:18","modified_gmt":"2025-09-08T08:45:18","slug":"gegen-wut-hilft-nur-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/406070\/","title":{"rendered":"Gegen Wut hilft nur Liebe"},"content":{"rendered":"<p>Auch mit seinem Roman \u201eWut und Liebe\u201c trifft Bestsellerautor Martin Suter die Erwartungen seiner Leserinnen und Leser wieder zu hundert Prozent<br \/>\nVon <a href=\"https:\/\/literaturkritik.de\/public\/mitarbeiterinfo.php?rez_id=2364\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dietmar Jacobsen<\/a><a href=\"https:\/\/literaturkritik.de\/rss\/ma\/2364\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" height=\"16\" border=\"0\" alt=\"RSS-Newsfeed neuer Artikel von Dietmar Jacobsen\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/rss.gif\" style=\"vertical-align:bottom;margin-left:5px;\"\/><\/a><br \/>\n <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"vgw-img\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/e9beb4faca464740aa491c0c99f52a8b.gif\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><br \/>\n<a class=\"icon\" href=\"#biblio\">Besprochene B\u00fccher \/ Literaturhinweise<\/a><\/p>\n<p class=\"rez\">Wo Martin Suter draufsteht, ist in der Regel ein Bestseller drin. Der Schweizer Erfolgsautor versteht es wie kaum ein anderer deutschsprachiger Schriftsteller unserer Tage, seinen Leserinnen und Lesern ein ums andere Mal das zu liefern, was die seit Jahren von ihm erwarten: gl\u00e4nzende Unterhaltung, verfasst in einem s\u00fcffigen Stil, spannend, aber nicht nervenzerfetzend dargeboten. Ob es sein Kunstdetektiv Johann Friedrich von Allmen ist oder andere Figuren aus dem inzwischen umfangreichen Suter-Romankosmos: man fiebert als Leserin oder Leser mit ihnen mit, freut sich, wenn sie obsiegen\u00a0\u2013 was sie meistens tun \u2013\u00a0und \u00e4rgert sich gemeinsam mit ihnen \u00fcber jede kleine Niederlage.&#13;<\/p>\n<p class=\"rez\">Nun also Wut und Liebe, Martin Suters alles in allem neunzehnter Roman. Der k\u00fcndigt die gro\u00dfen Gef\u00fchle bereits in seinem Titel an. Und wer glaubt, die beiden Emotionen lie\u00dfen sich nie und nimmer unter einen Hut bringen, wird im Laufe der Lekt\u00fcre eines Besseren belehrt. Denn aus Liebe kann genauso schnell Wut entstehen wie Wut \u00fcber Nacht zu Liebe werden kann.&#13;<\/p>\n<p class=\"rez\">Dass jede und jeder auf dieser Welt geliebt werden will \u2013 ob er oder sie es verdient hat oder nicht \u2013, ist eine Binsenweisheit. Die nat\u00fcrlich auch auf Camilla da Silva zutrifft, die Freundin des erfolglosen K\u00fcnstlers Noah Bach. Doch eines Tages reicht der jungen Frau das nicht mehr. Zumal sie, die als Buchhalterin ihre Br\u00f6tchen verdient und sich gerade mit einer Freundin auf eine abenteuerliche Gesch\u00e4ftsidee eingelassen hat, das Paar finanziell fast allein \u00fcber Wasser halten muss. Deshalb soll schnell ein anderer Mann her, einer, der ihr etwas mehr als Noah zu bieten hat und neben dem sie gl\u00e4nzen kann. In Carl ist dieser neue Partner dann auch relativ schnell gefunden. Der um einiges \u00c4ltere stellt etwas dar im Leben und kann Camilla sogar eine eigene Wohnung in einem der besseren Wohnviertel der Stadt finanzieren. Nur ist er halt verheiratet und denkt offenbar auch nicht daran, zuhause reinen Tisch zu machen.&#13;<\/p>\n<p class=\"rez\">Und Noah? Der will nat\u00fcrlich nicht als Verlierer dastehen und sucht verzweifelt nach einer M\u00f6glichkeit, endlich der zu werden, den Camilla sich w\u00fcnscht. Und eines Tages scheint die Chance da zu sein. Denn in einem Lokal \u2013 Lokale und die erstklassige Ware, mit der in ihnen den G\u00e4sten aufgewartet wird, stellen wie in jedem Suter-Roman auch in Wut und Liebe ein wichtiges Ingredienz dar \u2013\u00a0mit dem bezeichnenden Namen \u201eBlaue Tulpe\u201c lernt er die doppelt so alte Betty Hasler kennen. Sie ist eine verwitwete Dame mit Geld und Geschmack. Allerdings w\u00e4hnt die sich an der Schwelle des Todes angekommen. Vom Leben lassen will sie aber erst, wenn ihr vorher noch ein Herzenswunsch erf\u00fcllt wird. Und deshalb stellt sie ihrem neuen jungen Freund eine Million Franken aus ihrem Verm\u00f6gen in Aussicht, wenn er ihr bei der Erf\u00fcllung dieses letzten Wunsches behilflich ist. Dass es dabei um die Ermordung eines Menschen geht, stellt den eher zartbesaiteten K\u00fcnstler allerdings vor einige Probleme. Und die sind nicht nur moralischer Art sind.&#13;<\/p>\n<p class=\"rez\">Peter Zaugg hei\u00dft der Mann, der Betty ein Dorn im Auge ist. Zusammen mit ihrem verstorbenen Mann Pat hat er eine Unternehmensberatung gef\u00fchrt und laut Betty trifft ihn die Schuld an Pats fr\u00fchem Tod, weil Peter ihn \u201eausbeutete, betrog, schikanierte, l\u00e4cherlich machte und seine Bescheidenheit schamlos ausn\u00fctzte\u201c. Nun soll der skrupellose Compagnon\u00a0\u2013 ein \u201eMe-tooler alter Schule\u201c, wie eine f\u00fcr ihn arbeitende B\u00fcrokraft betont\u00a0\u2013 also sterben. Und das noch ehe die ihn hassende Betty das Zeitliche segnen muss. Und weil Zaugg in der Folgezeit alles tut, um sich auch bei Noah mehr als unbeliebt zu machen, liegt der junge K\u00fcnstler alsbald mit geladenem Gewehr mehrmals an Zauggs Joggingstrecke auf der Lauer, um sich au\u00dfer der versprochenen Million auch noch die Genugtuung zu verschaffen, sich von einem Gro\u00dfkopferten nicht alles bieten zu lassen.&#13;<\/p>\n<p class=\"rez\">Allein es kommt am Ende auch in diesem Roman wieder einmal alles anders als gedacht. Und bei einem seiner morgendlichen Ausfl\u00fcge\u00a0an die Zauggsche Laufstrecke \u2013 die Morgend\u00e4mmerung und der mit ihr einhergehende, langsam aufsteigende Nebel tauchen die Gegend rund um den Holzstapel, hinter dem der potentielle Todessch\u00fctze Deckung und eine Auflage f\u00fcr sein Gewehr gefunden hat, in ein diffuses Licht \u2013, hat der bisher erfolglose K\u00fcnstler eine Idee, die ihn mit einem Schlag f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssische Kunstszene interessant macht: \u201eSollte er alles, was er malte, zeichnete, aquarellierte, mit einem feinen Herbstnebel \u00fcberhauchen?\u201c. Gefragt, getan \u2013 und pl\u00f6tzlich erweisen sich Noahs Bilder als \u00e4u\u00dferst individuell. Denn die alles ins Ungef\u00e4hre r\u00fcckende leichte Vernebelung seiner Sujets erweist sich genau als jenes Alleinstellungsmerkmal, mit dem ein K\u00fcnstler sich endlich einen Ruf und seinen Werken die erhoffte Aufmerksamkeit und ein zahlungskr\u00e4ftiges Publikum verschaffen kann.&#13;<\/p>\n<p class=\"rez\">Wut und Liebe streift eine Reihe von Problemen unserer Zeit, ohne sich allzu ausf\u00fchrlich auf sie einzulassen. Ob es die Panama-Papers sind oder das Gerangel um die Pl\u00e4tze an der Sonne in der Kunstszene, soziale Hierarchien in der Arbeitswelt oder die sexuelle Bel\u00e4stigung von Frauen im Job \u2013 kaum angerissen, macht das jeweilige Problem schon wieder Platz f\u00fcr die Beschreibung edler Restaurants, stilvoller Interieurs und verlockender Versprechen, die freilich allesamt, wenn es ernst wird, wieder einkassiert werden. In dieser Hinsicht \u00e4hnelt Suters Roman einem in reizvoller Landschaft gelegenem See. Aber Vorsicht: Kopfspr\u00fcnge empfehlen sich nicht, dazu ist er zu flach, auch wenn seine Oberfl\u00e4che noch so verf\u00fchrerisch glitzert.<\/p>\n<p><a name=\"biblio\"\/><\/p>\n<tr>\n<td height=\"1\" bgcolor=\"#FF9900\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/spacer.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\"\/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td height=\"1\" bgcolor=\"#FF9900\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/spacer.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\"\/><\/td>\n<\/tr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auch mit seinem Roman \u201eWut und Liebe\u201c trifft Bestsellerautor Martin Suter die Erwartungen seiner Leserinnen und Leser wieder&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":406071,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-406070","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115167804394819351","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/406070","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=406070"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/406070\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/406071"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=406070"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=406070"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=406070"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}