{"id":406319,"date":"2025-09-08T11:04:10","date_gmt":"2025-09-08T11:04:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/406319\/"},"modified":"2025-09-08T11:04:10","modified_gmt":"2025-09-08T11:04:10","slug":"afd-allesamt-weg-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/406319\/","title":{"rendered":"\u00bbAfD allesamt weg\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>\u00bbWahre Freude ist eine ernste Sache\u00ab: Das Leitbild des Gewandhauses, sonst im Sinne einer b\u00fcrgerlichen Musik\u00e4sthetik zu verstehen, ist zum Demokratiewochenende ganz anders pr\u00e4sent. So sind die zarten Glockenschl\u00e4ge, die den Auftakt zur 245. Spielzeit einl\u00e4uten, eine \u00bbwahre Freude\u00ab. Dazu hauchen die Streicher eine nebelgleiche, k\u00fchle, verwunschene Melodie. Mit Arvo P\u00e4rts \u00bbCantus in memoriam Benjamin Britten\u00ab (1977) hallt der charakteristische \u00bbTintinnabuli\u00ab-Kompositionsstil nach, f\u00fcr den er sich vom Gl\u00f6ckchen-Klang inspirieren l\u00e4sst. Die reduzierte, in sich ruhenden und beinahe geistliche Musik des Estl\u00e4nders und nun Gewandhauskomponisten schwebt \u00fcber der gesamten Spielzeit. Doch nicht nur den Kl\u00e4ngen zu lauschen, sondern auch miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen, w\u00fcnscht sich der Gewandhausdirektor Andreas Schulz f\u00fcr die kommenden Tage.<\/p>\n<p>Metaphern und Musik<\/p>\n<p>\u00bbSie [Demokratie] lebt davon, dass wir uns einbringen \u2013 jede und jeder Einzelne\u00ab, sagt weitaus nachdr\u00fccklicher Maja G\u00f6pel in ihrer anschlie\u00dfenden Rede. Die Expertin f\u00fcr politische \u00d6konomie, Nachhaltigkeitstransformation und Wissenschaftskommunikation appelliert, den Grundton der Demokratie, das Vertrauen, zum Klingen zu bringen. Dass das nicht nur auf die Akteurinnen und Akteure im fast bis auf den letzten Platz gef\u00fcllten Konzertsaal zutrifft, sondern gleichwohl auf B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger und Politikerinnern und Politiker, liegt auf der Hand. Klangvoll f\u00fchrt sie so das diesj\u00e4hrige Motto des Demokratiewochenendes \u00bbDen richtigen Ton treffen\u00ab aus: Es geht darum, einander zuzuh\u00f6ren, Stimmen nicht zum Verschwinden zu bringen und ein gelingendes Zusammenspiel zu erm\u00f6glichen, in dem wir uns f\u00fcr eine Melodie des Miteinanders einsetzen, f\u00fcreinander einstehen und aufstehen.<\/p>\n<p>Dem ausschweifenden Applaus schlie\u00dft sich das Zucken von Andris Nelsons an, der mit seinem Dirigat Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1ks Konzert f\u00fcr Violine und Orchester a-Moll op. 53 (1879) anstimmt. Das feierlich t\u00e4nzerische St\u00fcck bewegt, auch Isabelle Faust am Soloinstrument, die sich den ziselierten Melodien wunderbar hingibt. F\u00fcr das Finale von Jean Sibelius 2. Sinfonie D-Dur op. 43 (1903) pulsieren die Kontrab\u00e4sse, beleben so die Streicherschw\u00e4rme. Dazu gl\u00e4nzen die Bl\u00e4ser und lassen den Abend festlich ausklingen. Nach stehenden Ovationen und Bravo-Rufen, ist das Publikum auf Sekt und Laugengeb\u00e4ck im Foyer eingeladen \u2013 nicht die einzige, aber eine sch\u00e4tzenswert unbeschwerte Gelegenheit, um dem Wunsch nach Austausch nachzukommen.<\/p>\n<p>\u00bbEine ernste Sache\u00ab<\/p>\n<p>Den Herausforderungen der Demokratie nimmt sich das Gewandhaus gemeinsam mit der S\u00e4chsischen Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung am Folgetag an. W\u00e4hrend der Podiumsdiskussion geben allen voran zwei Impulse zum Nachdenken: der in Leipzig lebende Kabarettist Mathias Tretter, der seine Kunst mehr \u00fcber die Form als \u00fcber Inhalte definiert und Kristian Wegscheider, der nicht nur die kleine, transportable Saalorgel des Gewandhauses baute, sondern auch w\u00e4hrend der DDR mit seinem avantgardistischen Happening neue und freie R\u00e4ume eroberte. Hoffnungsvoll stimmt Wegscheiders Eindruck, der sich gleichwohl mit seinen Orgelkl\u00e4ngen w\u00fcnscht, dass wir der Vielfalt richtiger T\u00f6ne lauschen und uns so f\u00fcr Pluralismus und f\u00fcr ein demokratisches Miteinander einsetzen.<\/p>\n<p>\u00bbAfD allesamt weg\u00ab, rappt der K\u00f6lner Conny mit starker Pr\u00e4senz und Nachdruck in seinem Song \u00bbWarum es nicht so bleiben kann wie es war\u00ab. Er ist einer von den Musikerinnen und Musikern, die gemeinsam mit drei Instrumentalisten des Gewandhausorchesters im kooperativen Rap-Battle antreten. Dass es zum Sonntagnachmittag im mehr als halbgef\u00fcllten Mendelssohnsaal nicht darum geht, die Streetcredibility unter Beweis zu stellen, st\u00f6rt kaum. Trotz des eher h\u00f6lzernen Rahmens der Veranstaltung, die sich um junges Publikum bem\u00fchen soll, nutzen die Rapperinnen und Rapper unbeirrt die Chance, um geh\u00f6rt zu werden und sprechen sich unter anderem f\u00fcr Feminismus, Aktivismus und gegen Fremdenfeindlichkeit und die gleichg\u00fcltige Klimapolitik aus. Alles \u00bbeine ernste Sache\u00ab, die nun unter dem Gewandhaus-Leitbild wie kaum zuvor Werte schafft und Teilhabe erm\u00f6glicht. M\u00f6gen sie wie auch die Diversit\u00e4t, nicht nur im Wochenendprogramm, sondern auch in der Vielzahl an Metaphern, die Br\u00fccken zwischen Musik und Demokratie bauen, in der anstehenden Spielzeit auf der Agenda des Gewandhauses bleiben.<\/p>\n<p>&gt; <a href=\"http:\/\/www.gewandhausorchester.de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gewandhausorchester.de<\/a>\u200b<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00bbWahre Freude ist eine ernste Sache\u00ab: Das Leitbild des Gewandhauses, sonst im Sinne einer b\u00fcrgerlichen Musik\u00e4sthetik zu verstehen,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":406320,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[3364,146,15560,29,30,3700,71,859],"class_list":{"0":"post-406319","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-de","9":"tag-demokratie","10":"tag-demokratiebildung","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-gewandhaus","14":"tag-leipzig","15":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115168350431302604","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/406319","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=406319"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/406319\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/406320"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=406319"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=406319"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=406319"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}