{"id":408117,"date":"2025-09-09T03:58:12","date_gmt":"2025-09-09T03:58:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/408117\/"},"modified":"2025-09-09T03:58:12","modified_gmt":"2025-09-09T03:58:12","slug":"benedikt-weibel-ist-eine-leseratte-und-erzaehlt-von-leseabenteuern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/408117\/","title":{"rendered":"Benedikt Weibel ist eine Leseratte und erz\u00e4hlt von Leseabenteuern"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">Der ehemalige Chef der SBB ist ein leidenschaftlicher Leser. Im Gespr\u00e4ch erz\u00e4hlt Benedikt Weibel, was ihn an B\u00fcchern fasziniert und was er aus ihnen gelernt hat. Ausserdem verr\u00e4t er, warum er ein gl\u00fccklicher Mensch ist.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Der ehemalige SBB-Chef Benedikt Weibel geniesst seinen Ruhestand als Buchautor, Leser, Vortragsreisender und Velofahrer.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"3712\" height=\"5413\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1199955d-8ff7-4488-8493-60446c471ec7.jpeg\" loading=\"eager\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Der ehemalige SBB-Chef Benedikt Weibel geniesst seinen Ruhestand als Buchautor, Leser, Vortragsreisender und Velofahrer. <\/p>\n<p>Karin Hofer \/ NZZ<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4g0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">Seit bald zwanzig Jahren ist Benedikt Weibel nicht mehr Unternehmenschef der SBB. Aber vermutlich geh\u00f6rt er noch immer zu den besten Kennern des Bahnnetzes der Schweiz wie auch der angrenzenden L\u00e4nder. Der 78-J\u00e4hrige ist weiterhin \u2013 oder heute erst recht \u2013 viel unterwegs. Nur die Bahnhofsgastronomie scheint nicht sein Spezialgebiet zu sein. Wir waren f\u00fcr unser Gespr\u00e4ch in der Brasserie im Z\u00fcrcher Hauptbahnhof verabredet und meinten ganz selbstverst\u00e4ndlich die Brasserie Federal \u2013 beide ahnungslos, dass es auch noch eine Brasserie S\u00fcd gibt. Das Ergebnis: Er wartet im S\u00fcden, ich im Federal. Das Missverst\u00e4ndnis ist schnell ausger\u00e4umt, und als treue F\u00f6deralisten einigen wir uns auf das \u00abFederal\u00bb.<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. 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B\u00fccher sind die erste Konstante in meinem Leben, sie begleiten mich seit meiner fr\u00fchen Jugend.<\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4g3\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">Was liegt derzeit auf Ihrem Nachttisch?<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\">Ein Buch von 1920, das ich 1984 gekauft und nie gelesen habe: Robert Grimms \u00abGeschichte der Schweiz in ihren Klassenk\u00e4mpfen\u00bb. Er war einer der <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/landesstreik-von-1918-wieso-kam-es-gerade-in-der-schweiz-dazu-ld.1681804\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anf\u00fchrer im Landesstreik von 1918<\/a> und wurde in der Folge zu sechs Monaten Gef\u00e4ngnis verurteilt. W\u00e4hrend seiner Haft in der Festung Blankenburg hat er das Buch geschrieben. Seine Lebensgeschichte finde ich grossartig: Er wurde sp\u00e4ter Regierungsrat und war zuletzt Direktor der Bern-L\u00f6tschberg-Simplon-Bahn. Er war Sozialdemokrat wie ich, und dann verbindet uns auch noch die Bahn.<\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">Wieso haben Sie das Buch ausgerechnet jetzt zur Hand genommen, vierzig Jahre nachdem Sie es gekauft haben?<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\">Ich bin zuf\u00e4llig darauf gestossen, und ich dachte, jetzt ist der Augenblick, es zu lesen. Auf dem Nachttisch liegen aber auch <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/wie-historisch-darf-geschichte-sein-ld.1336793\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herfried M\u00fcnklers Studie zum Dreissigj\u00e4hrigen Krieg<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/wenn-europa-weiterhin-eine-weltgeschichtliche-mission-haben-will-muss-es-seine-kraefte-entfesseln-ld.1882557\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oswald Spenglers \u00abUntergang des Abendlandes\u00bb.<\/a><\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h3\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">Das 1918 erschienen ist und wie die B\u00fccher von Grimm und M\u00fcnkler eine welthistorische Z\u00e4sur beleuchtet. Das sieht aus, als w\u00fcrden Sie sich f\u00fcr eine Krise r\u00fcsten.<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h4\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\">Da ich sehr viele B\u00fccher kaufe, kann ich nicht alle sogleich lesen. Manche warten lange, bis ein Zufall sie mir wieder zuspielt.<\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h5\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">Sind solche B\u00fccher so etwas wie ein Notvorrat oder eine Hausapotheke f\u00fcr schwierige Zeiten?<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h6\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\">Es ist das Sch\u00f6ne an einer grossen Bibliothek, dass sie auch eine Bibliothek der ungelesenen B\u00fccher ist. Manche B\u00fccher sehe ich immer wieder. Und pl\u00f6tzlich weiss ich, jetzt ist der Zeitpunkt, sie zu lesen.<\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h7\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">Suchen Sie in diesen B\u00fcchern nach Antworten auf die Fragen der Gegenwart?<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h8\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\"><a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/kulturkampf_und_selbstwahrnehmung-ld.537815\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Huntingtons \u00abKampf der Kulturen\u00bb<\/a> war Ende der 1990er Jahre ein h\u00f6chst umstrittenes Buch, und es ist mit seiner Gegenwartsanalyse noch immer eine der bedeutendsten prognostischen Studien f\u00fcr das 21.\u00a0Jahrhundert. Wenn ich es heute lese, nach dem \u00dcberfall Russlands auf die Ukraine, sehe ich, welche prophetische Gabe Huntington hatte. Auch darum habe ich Spenglers \u00abUntergang des Abendlandes\u00bb wieder zur Hand genommen. Auch er hatte nach dem Ersten Weltkrieg \u00c4hnliches wie Huntington geschrieben. Dass n\u00e4mlich unsere eurozentrische Welt allm\u00e4hlich zu einem Auslaufmodell wird.<\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h9\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">In Ihrem Buch \u00fcber Ihre Leseabenteuer geben Sie von jedem der hundert B\u00fccher eine knappe Inhaltsangabe, Sie schildern Ihre Leseeindr\u00fccke, bisweilen auch Ihren biografischen Hintergrund, der damit verbunden ist. Mitunter m\u00fcnden Ihre Betrachtungen auch in eine kurze zeitdiagnostische Reflexion. Da entsteht manchmal der Eindruck, dass Sie zu Pessimismus und Skepsis neigen, gerade im Hinblick auf die technologischen Entwicklungen der Zeit.<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h10\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\">Ich bin ein emotionaler Optimist und intellektuell eher ein Pessimist. Und ja, es stimmt, ich bin, was die unmittelbare Zukunft betrifft, nicht besonders zuversichtlich. <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/buecher\/dave-eggers-und-joshua-cohen-ld.731500\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dave Eggers hat in seinem dystopischen Thriller \u00abDer Circle\u00bb<\/a> manches vorweggenommen, was wir gerade an technologischen Innovationen erleben. Was er darin als friedliche Utopie der totalen Transparenz darstellt, ist in Wahrheit eine boshafte Persiflage auf die totalit\u00e4ren Tendenzen der Digitalisierung. Hinsichtlich der Gegenwart bin ich ein skeptischer Empiriker. Ich will die Dinge mit eigenen Augen sehen.<\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h11\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">Zu diesem Verlangen, alles mit eigenen Augen zu sehen und dann zu deuten, geh\u00f6rt auch Ihre Leidenschaft f\u00fcrs Lesen. Verh\u00e4lt man sich zur Welt anders, wenn man liest und mit den Augen eines anderen in die Gegenwart schaut?<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h12\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\">Ich bin \u00fcberzeugt, dass B\u00fccher eine Art Lebensschule sind. B\u00fccher l\u00f6sen enorme Projektionen aus. Wir trainieren mit ihnen unser Vorstellungsverm\u00f6gen. Stefan Zweigs \u00abSchachnovelle\u00bb ist daf\u00fcr exemplarisch. Das hat mich damals komplett aus den Socken gehauen, pl\u00f6tzlich merkte ich, dass man im Kopf Schach spielen kann, ich sah die Schachfiguren vor mir.<\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h13\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">In einem der sch\u00f6nsten Texte Ihres Buches schreiben Sie \u00fcber Simone de Beauvoirs Lebenserinnerungen \u00abIn den besten Jahren\u00bb. War das auch so ein Schl\u00fcsselmoment, wo Sie mit einem Buch mehr \u00fcber das Leben und sich selbst gelernt haben?<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h14\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\">Das Buch stand vierzig Jahre in meinem B\u00fcchergestell. Ein Buch \u00fcber die Existenzialisten gab mir dann den Anstoss, es endlich zu lesen. Ich nahm es in die Hand und war komplett hingerissen. Ihre langen Wanderungen in den Bergen, die Aufzeichnungen aus dem Krieg, wo sie pl\u00f6tzlich merkt, dass sie bis dahin in einer ganz anderen, abgehobenen Welt gelebt hat, dann die Partnerschaft mit Sartre und dieser unglaubliche gegenseitige Respekt, das alles hat mich enorm ber\u00fchrt. Das er\u00f6ffnete mir <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/simone-de-beauvoir-gilt-als-galionsfigur-des-feminismus-und-waere-bei-metoo-vielleicht-selbst-angeprangert-worden-ld.1868797\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">einen neuen Blick auf Simone de Beauvoir.<\/a> In solchen B\u00fcchern begegne ich mir selber noch einmal neu. Das sind magische Momente. Da passiert etwas mit mir.<\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h15\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">K\u00f6nnen Sie beschreiben, was in solchen Momenten mit Ihnen geschieht?<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h16\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\">B\u00fccher k\u00f6nnen einen ver\u00e4ndern. Man gewinnt Erkenntnisse aus ihnen, aber sie k\u00f6nnen einen auch von Irrt\u00fcmern heilen. <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/hans-magnus-enzensberger-der-poet-und-aufklaerer-ist-gestorben-ld.1550515\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hans Magnus Enzensbergers<\/a> \u00abDer kurze Sommer der Anarchie\u00bb hat mich von allen meinen Illusionen befreit. Ich stand damals noch links der Sozialdemokratie, war nah bei der Poch, doch Enzensbergers Geschichte, er nennt es \u00abRoman\u00bb, aus dem Spanischen B\u00fcrgerkrieg war ein Augen\u00f6ffner. Das Buch hat mich politisch gepr\u00e4gt wie kaum ein anderes.<\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h17\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">Neben dem Lesen haben Sie eine zweite Leidenschaft: Berge. Sie kletterten Ihr Leben lang. Was fasziniert Sie an den Bergen und am Klettern? Das Risiko?<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h18\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\">Es ist ein Virus mit Suchtpotenzial. Mein Vater war schon Bergsteiger und hat uns Kinder fr\u00fch mitgenommen. 1961 habe ich die erste schwere Tour gemacht, vor f\u00fcnf Jahren haben meine Frau und ich die Seile entsorgt. Sechzig Jahre kletterte ich, ich tr\u00e4umte davon, auch nach gefahrvollen Momenten konnte ich nicht davon lassen. Ich kann das nicht erkl\u00e4ren. Es hat auch etwas \u00c4sthetisches und T\u00e4nzerisches. Und nat\u00fcrlich stand ich immer wieder an dem Punkt, wo ich entscheiden musste: Umkehren und die Niederlage eingestehen? Oder weitergehen? Auch wenn mit jedem Schritt die Fallh\u00f6he zunimmt und die Gefahr gr\u00f6sser wird?<\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4h19\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">War auch das eine Art Lebensschule? Haben Sie hier den Umgang mit Niederlagen ge\u00fcbt?<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4i0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\">Nat\u00fcrlich ist Umkehren eine Niederlage, es kann aber auch ein Zeichen der St\u00e4rke sein, da man seine Grenzen anerkennt. Das formt die mentale St\u00e4rke. Dabei muss man zwei Dinge wissen: Ohne Stress gibt es kein Wachstum. Und ohne Erholung auch nicht.<\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4i1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">Sie waren von 1993 bis 2006 Chef der SBB. Hat Sie das Bergsteigen oder das Lesen auf diese Aufgabe vorbereitet?<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4i2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\">In den Felsen habe ich gelernt, mich zu fokussieren. Und B\u00fccher lehrten mich eine allgemeine Lebenskunst. Bei Niccol\u00f2 Machiavelli heisst es, der F\u00fcrst k\u00f6nne erst beweisen, wozu er f\u00e4hig sei, wenn er in Schwierigkeiten gerate.<\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4i3\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">Als Bahn-Chef sind Sie mehrmals in Schwierigkeiten geraten. Erinnern Sie sich an den 22.\u00a0Juni 2005, als ein Stromausfall das ganze Bahnnetz in der Schweiz stilllegte?<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4j0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\">Als w\u00e4r\u2019s gestern gewesen. Aber ich erinnere mich noch viel mehr an den 8.\u00a0M\u00e4rz 1994. Das war der Tag, der mein Leben v\u00f6llig ver\u00e4ndert hat. Die Zugsexplosion in Z\u00fcrich Affoltern. Man hatte mich mit Blaulicht an den Schadensplatz gefahren, dann sah ich, was dort los war. Der brennende Zug, \u00fcberall Rauch, besch\u00e4digte H\u00e4user. Ich habe gedacht, so ist Krieg. Am 22.\u00a0Juni 2005 war ich ziemlich entspannt, weil ich wusste, da geht es nicht um Leben und Tod. Aber das Jahr 1994 war schrecklich. Dreizehn Tage nach dem Ungl\u00fcck in Z\u00fcrich Affoltern wurde in D\u00e4niken ein Zug von einem Baukran aufgeschlitzt. Neun Menschen starben. Wieder wurde ich an den Schadensplatz gefahren, es wurden S\u00e4rge herausgetragen, und dann musste ich vor die Medien treten und Auskunft geben. Und nur drei Monate sp\u00e4ter ereignete sich bereits das n\u00e4chste Ungl\u00fcck. Am 29.\u00a0Juni entgleiste im Bahnhof Lausanne ein Zug mit hochgiftigem Epichlorhydrin. Die Chemikalie ist in Verbindung mit Wasser t\u00f6dlich. Die ganze Innenstadt von Lausanne musste evakuiert werden. Diese Serie war absolut f\u00fcrchterlich.<\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4k0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">Das muss Sie emotional schwer getroffen haben. Haben Sie damals auch Hilfe in Anspruch genommen?<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4k1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\">Ja, meine Frau. Aber ich hatte auch Gl\u00fcck. Ich habe eine starke Konstitution, sie hat mich in Augenblicken \u00e4usserster Belastung nicht im Stich gelassen.<\/p>\n<p data-team-question=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4k2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"question\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent question nzzinteraction\">Wenn Sie auf Ihr Leben zur\u00fcckblicken, w\u00fcrden Sie sagen, es sei ein erf\u00fclltes und gelungenes Leben?<\/p>\n<p data-team-answer=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4k3\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"answer\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent answer answer--after-question nzzinteraction\">Ich schaue mit Dankbarkeit zur\u00fcck. Denn es waren in den entscheidenden Augenblicken das Gl\u00fcck und der Zufall, die mir unglaublich geholfen haben. Zuf\u00e4llig kam ich zu den SBB, zuf\u00e4llig kam ich zum Schreiben, es war Gl\u00fcck, dass ich auch nach meiner Zeit bei den SBB erf\u00fcllende T\u00e4tigkeiten fand: als Delegierter des Bundesrates bei der Fussball-Europameisterschaft 2008, als Aufsichtsrat bei der SNCF. Ich kann darum sagen, in dieser Hinsicht bin ich ein sehr gl\u00fccklicher Mensch.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1j4k48r4k4\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Benedikt Weibel: Abenteuer Lesen. Hundert Quellen der Lust und der Erkenntnis. Edition Exodus, Luzern 2025. 527\u00a0S., Fr. 46.90.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der ehemalige Chef der SBB ist ein leidenschaftlicher Leser. 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