{"id":408309,"date":"2025-09-09T05:55:20","date_gmt":"2025-09-09T05:55:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/408309\/"},"modified":"2025-09-09T05:55:20","modified_gmt":"2025-09-09T05:55:20","slug":"parteitag-von-uk-reform-farages-sommer-des-erfolgs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/408309\/","title":{"rendered":"Parteitag von UK Reform: Farages Sommer des Erfolgs"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 05.09.2025 07:40 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Nigel Farage beherrscht in diesem Sommer die Schlagzeilen mit populistischen Forderungen zur Migration. Seine Methode zieht: Vor dem heutigen Parteitag liegt seine Partei Reform UK in den Umfragen deutlich vorne.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/franziska-hoppen-106.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Franziska Hoppen\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/franziska-hoppen-103.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMan k\u00f6nnte meinen, Nigel Farage sei schon Premierminister. W\u00e4hrend das Labour-Kabinett und das Parlament in der Sommerpause ruhten, berief der Chef der Partei Reform UK w\u00f6chentliche Pressekonferenzen ein, um seine Migrationspolitik vorzustellen. Denn eine &#8222;Invasion junger M\u00e4nner&#8220; breche illegal in das Land ein, eine &#8222;Gei\u00dfel f\u00fcr das moderne Gro\u00dfbritannien&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMit diesen populistischen Behauptungen trifft Farage offenbar einen Nerv. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigt: Obwohl die Mieten im Land unbezahlbar, der Gesundheitsdienst am Boden und die Infrastruktur vom Wasserversorger bis zu den Schienen kaputt sind, glauben viele Briten, dass kein anderes Thema so wichtig f\u00fcr das Land sei wie Migrations- und Asylpolitik.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00a0<\/p>\n<p>    Falsch eingesch\u00e4tzte Verh\u00e4ltnisse<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Umfragen zeigen auch: W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler \u00fcbersch\u00e4tzen die Zahlen. So glauben laut YouGov 47 Prozent der Befragten, in Gro\u00dfbritannien lebten mehr illegale Migranten &#8211; also Menschen, die ihr Visum \u00fcberzogen oder nach einem abgelehnten Asylantrag das Land nicht verlassen haben &#8211; als legale Migranten. Tats\u00e4chlich liegt der Anteil nach offiziellen Sch\u00e4tzungen irgendwo zwischen 120.000 und 1,3 Millionen. Dem gegen\u00fcber stehen rund elf Millionen legale Migranten, die mit offizieller Erlaubnis in Gro\u00dfbritannien leben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch die Zahl der Asylantr\u00e4ge ist in Gro\u00dfbritannien niedriger als in den europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern. Doch UK Reform l\u00e4sst solche Fakten unter den Tisch fallen. Farages Parteikollege Zia Youssef verglich bei einer Rede lieber erneut Einwanderung mit einer milit\u00e4rischen Operation: &#8222;Mehr Menschen sind in den vergangenen acht Jahren illegal an britischen Str\u00e4nden angekommen, als sie im Zweiten Weltkrieg die Str\u00e4nde der Normandie gest\u00fcrmt haben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00a0<\/p>\n<p>    Die Medien schaffen eine Stimmung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nTim Bale, Politikwissenschaftler an der Londoner Queen Mary Universit\u00e4t, macht f\u00fcr die Informationsschieflage auch die britischen Medien verantwortlich: &#8222;Rundfunkanstalten orientieren sich an den Printmedien. Doch die Zeitungen in diesem Land sind in einem Ma\u00dfe, wie man es sich in anderen L\u00e4ndern vielleicht kaum vorstellen kann, \u00fcberwiegend rechtsgerichtet und gegen Einwanderung.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas hei\u00dft: Es wird auf allen Kan\u00e4len \u00fcber die Schattenseiten von Flucht und Migration berichtet &#8211; das Leib- und Magenthema von Reform UK. Kein anderer Politiker dominierte in diesem Sommer die Schlagzeilen wie Nigel Farage, etwa mit Aufrufen zu Protesten vor Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften oder dem Vorschlag eines R\u00fcckf\u00fchrungsabkommens mit den Taliban. Der Einsatz spiegelt sich in den Umfragen wider. Seit Beginn des Jahres f\u00fchren die Rechtspopulisten. Derzeit liegen sie bei knapp 30 Prozent, rund zehn Prozentpunkte vor Labour. Besser h\u00e4tte der Sommer f\u00fcr Reform UK nicht laufen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>    Labour und Tories schw\u00e4cheln<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch ihren H\u00f6henflug hat die Partei auch dem Sinkflug der beiden gro\u00dfen Traditionsparteien, Labour und den Tories, zu verdanken. &#8222;Die historisch beispiellose Kombination aus einer neuen, \u00e4u\u00dferst unbeliebten Regierung und einer k\u00fcrzlich abgew\u00e4hlten, \u00e4u\u00dferst unbeliebten Opposition, hat Reform UK die gro\u00dfe Chance gegeben, sich zum wichtigsten Sprachrohr f\u00fcr die Unzufriedenheit zu entwickeln&#8220;, sagt Politikwissenschafter Robert Ford von der Universit\u00e4t Manchester.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSchon bei der letzten Parlamentswahl vor etwas mehr als einem Jahr verhinderte nur das komplexe britische Wahlsystem, dass Reform UK Parlament drittst\u00e4rkste Kraft wurde. Die Stimmen daf\u00fcr h\u00e4tten sie gehabt, so gro\u00df war der Unmut \u00fcber 14 Jahre konservative Sparpolitik und Skandale. 42 Prozent der neuen Anh\u00e4nger von Reform sind ehemalige konservative W\u00e4hler, 33 Prozent waren zuletzt Nichtw\u00e4hler. L\u00e4ngst hat Reform UK Gro\u00dfbritanniens \u00e4lteste und lange Zeit erfolgreichste Partei als offizielle Opposition abgel\u00f6st.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00a0<\/p>\n<p>    Wenig Wandel unter Starmer<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd nun kommt auch noch Frust \u00fcber Labour hinzu, die mit dem Versprechen von &#8222;Change&#8220;, also von Wandel, angetreten waren. Denn Ver\u00e4nderung ist im Alltag bislang wenig zu sp\u00fcren. Bei den Kommunalwahlen im Mai sahnte Reform UK entsprechend ab und gewann 677 Sitze in regionalen Volksvertretungen und \u00c4mtern &#8211; auch in traditionellen Labour-Hochburgen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWollte Labour nun zu Reform aufschlie\u00dfen, m\u00fcsste sie versuchen, vor allem die Mitte-Links-W\u00e4hler anzusprechen. Denn an die Gr\u00fcnen und Liberaldemokraten hat Labour laut der British Election Study die meisten Stimmen verloren &#8211; und an die Unentschlossenen. Doch stattdessen m\u00e4andern die Sozialdemokraten oder biedern sich mit Law-and Order-Schnellsch\u00fcssen, wie dem Aussetzen des Familiennachzugs etwa, bei rechten W\u00e4hlern an &#8211; obwohl diese statistisch vor allem zu Reform wechseln.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKarl Pike, Experte f\u00fcr die Labour-Partei sagt: &#8222;Wenn Keir Starmer f\u00fcr etwas bekannt ist, dann f\u00fcr seine Vorsicht und den Versuch, die W\u00e4hlerunterst\u00fctzung so breit wie m\u00f6glich zu halten. In der Opposition hei\u00dft das: keine Risiken einzugehen, manchmal nicht viel zu sagen und ein wenig zweideutig zu bleiben. In der Regierung kann man sich das aber nicht erlauben. Man muss Entscheidungen treffen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd w\u00e4hrend der als &#8222;Mr. Boring&#8220; bekannte Starmer mit Richtungsvorgaben zaudert, dr\u00e4ngt sich Reform-Chef Farage ins Rampenlicht, sei es auf Tiktok &#8211; wo er mehr Follower als alle Parlamentsabgeordneten zusammen hat &#8211; oder bei selbst einberufenen, w\u00f6chentlichen Pressekonferenzen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00a0<\/p>\n<p>    Simple Rezepte<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDazu klingen die L\u00f6sungen der Rechtspopulisten f\u00fcr irregul\u00e4re Migration auch noch verlockend simpel: Massendeportationen, f\u00fcnf Abschiebefl\u00fcge am Tag, riesige Abschiebezentren, s\u00e4mtliche Datenregister sollen zusammengef\u00fcgt werden, um illegal in Gro\u00dfbritannien lebenden Menschen aufzusp\u00fcren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas ist zwar mit derzeitigen rechtsstaatlichen Prinzipien nicht vereinbar. Doch auch darauf hat Reform UK eine Antwort: Das Vereinigte K\u00f6nigreich solle einfach aus der Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention und der UN-Fl\u00fcchtlingskonvention aussteigen. Experten sind sich einig: Dies sei zwar m\u00f6glich, aber hochkomplex und langwierig.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUm sich also tats\u00e4chlich von einer blo\u00dfen Protest- zu einer erfolgreichen Regierungspartei zu entwickeln, m\u00fcsste Reform UK eine glaubw\u00fcrdige Agenda erarbeiten, meint Robert Ford: &#8222;Das Parteiprogramm aus dem letzten Jahr war absolut unglaubw\u00fcrdig. Die Zahlen gingen nicht auf, die Vorstellungen waren gr\u00f6\u00dftenteils nicht realisierbar. Selbst Farage distanzierte sich von dem Programm und sagte, es handele sich eher um eine Reihe von Wunschvorstellungen.&#8220; Auch wenn Ford hinzuf\u00fcgt: Den Kernw\u00e4hlern &#8211; sozial konservativen \u00e4lteren M\u00e4nnern &#8211; sei das wohl egal.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00a0<\/p>\n<p>    Volatile Lage<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch die anderen d\u00fcrften, wenn es um die Unterhauswahlen geht, so ihre Zweifel haben, glaubt Politikwissenschaftler Bale: &#8222;Wenn es ums Ganze geht, hinterfragen viele Briten, ob Reform UK tats\u00e4chlich \u00fcber die St\u00e4rke, die Tiefe oder den richtigen Parteichef verf\u00fcgt, um dieses Land zu f\u00fchren.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn den kommenden vier Jahren kann noch viel passieren, so volatil ist die britische Politik gerade. M\u00f6glich, dass die Konservativen mit einem neuen Parteichef wieder aus der Bedeutungslosigkeit auferstehen k\u00f6nnten, m\u00f6glich, dass Reform ihre Gro\u00dfspender aus dem Ausland, denen einige Medien Verbindungen zu Steueroasen nachsagen, noch um die Ohren fliegen oder die politische Linke doch strategisch Labour w\u00e4hlt. Alles sei noch denkbar, meint Robert Ford, zehn Sitze im Unterhaus oder 350.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch der selbstbewusste Farage gibt sich weiter staatsm\u00e4nnisch. Beim Parteitag in Birmingham d\u00fcrfte Reform UK vor allem sich selbst und ihren Erfolgssommer feiern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 05.09.2025 07:40 Uhr Nigel Farage beherrscht in diesem Sommer die Schlagzeilen mit populistischen Forderungen zur Migration. 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