{"id":408389,"date":"2025-09-09T06:39:25","date_gmt":"2025-09-09T06:39:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/408389\/"},"modified":"2025-09-09T06:39:25","modified_gmt":"2025-09-09T06:39:25","slug":"giovanni-segantinis-frauenbild-war-konservativ-und-modern-zugleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/408389\/","title":{"rendered":"Giovanni Segantinis Frauenbild war konservativ und modern zugleich"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">Giovanni Segantini war der Maler der M\u00fctterlichkeit. Seine Enkelin, selbst Mutter von sechs T\u00f6chtern, hat \u00fcber ihren Grossvater geforscht. Sein Frauenbild war konservativ und modern zugleich.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Die Kunsthaus-Version von Giovanni Segantinis \u00abDie b\u00f6sen M\u00fctter\u00bb, 1896\/1897, \u00d6l auf Karton, 40 \u00d7 74 cm.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1890\" height=\"1018\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/f63e475f-6ac8-4d53-91d3-a18578bb9185.jpg\" loading=\"eager\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Die Kunsthaus-Version von Giovanni Segantinis \u00abDie b\u00f6sen M\u00fctter\u00bb, 1896\/1897, \u00d6l auf Karton, 40 \u00d7 74 cm. <\/p>\n<p>Kunsthaus Z\u00fcrich, 1967<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkced0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">Zwei der bedeutendsten Gem\u00e4lde von Giovanni Segantini h\u00e4ngen in der Sammlung des Kunsthauses Z\u00fcrich: \u00abDie b\u00f6sen M\u00fctter\u00bb und \u00abDie Strafe der Woll\u00fcstigen\u00bb. Es sind r\u00e4tselhafte Bilder, wie allein schon die Titel anklingen lassen. Beide zeigen eine lichtlose, zeitlose Traumlandschaft in monochromen Blaut\u00f6nen jenseits der Realit\u00e4t. Die Frauenfiguren sind genauso surreal wie die Berglandschaft, in der sie schweben.<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.\n      <\/p>\n<p>Bitte passen Sie die Einstellungen an.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcee0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00abDiese beiden Gem\u00e4lde sind f\u00fcr mich die einzigen wirklich surrealistischen Bilder, die mein Grossvater gemalt hat\u00bb, sagt Gioconda Leykauf-Segantini. H\u00e4tte Giovanni Segantini (1858\u20131899) ein Surrealist avant la lettre werden k\u00f6nnen, wenn er nicht so fr\u00fch gestorben w\u00e4re?<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcee1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Es sind zwei Schl\u00fcsselwerke in Segantinis Schaffen. Und Gioconda Segantini hat ihnen in ihrer Biografie \u00fcber den ber\u00fchmten Grossvater eine ausf\u00fchrliche Betrachtung gewidmet.<\/p>\n<p>Er verg\u00f6tterte die Frauen<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4cq0ubv1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">In Giovanni Segantinis Werk nehmen die Frauen einen besonderen Stellenwert ein. Er verg\u00f6tterte die Frauen: \u00abDas Weib \/ la Donna ist unsere G\u00f6ttin, die Kunst unsere Gottheit\u00bb, notierte er einmal.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4cq3mr61\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Er lieferte auch den Grund f\u00fcr diese Verehrung des Weiblichen: \u00abIch liebte und achtete stets die Frauen, wo immer ich sie traf, weil sie den Leib der Mutter haben.\u00bb Bei dieser Ehrerbietung gegen\u00fcber der Geb\u00e4rf\u00e4higkeit liess es Segantini aber nicht bewenden. Er meinte mehr damit und sah ein g\u00f6ttliches Prinzip im Weiblichen: \u00abLiebet, achtet und verehret die Frau, weil sie uns das Leben gibt und uns die Liebe schenkt\u00bb, schrieb er an anderer Stelle.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcee3\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Segantini hat in seiner Kunst die M\u00fctterlichkeit immer wieder zum Thema gemacht. Seine Enkelin, selbst Mutter von sechs T\u00f6chtern und mit ihren 84 Jahren auch l\u00e4ngst Grossmutter, hat dazu wohl\u00fcberlegte Vorstellungen. Seit vielen Jahrzehnten forscht sie \u00fcber ihren ber\u00fchmten Grossvater und versucht, etwas Licht in die r\u00e4tselhafte Vorstellungswelt des Symbolisten aus jener Zeit vor \u00fcber hundertdreissig Jahren zu bringen. Pers\u00f6nlich konnte sie ihn nicht kennenlernen, weil er schon mit 41 gestorben war.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Gioconda Segantini.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"447\" height=\"558\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Gioconda Segantini. <\/p>\n<p>Libuscha Leykauf<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcee4\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Von Gottardo Segantini, ihrem Vater, hat sie s\u00e4mtliche Schriften, rund f\u00fcnftausend Dokumente, zu Giovanni Segantini geerbt. Ihr Vater, der \u00e4lteste Sohn des grossen Malers und ebenfalls K\u00fcnstler, war auch der Biograf von Giovanni Segantini. Sie bezeichnet dieses Konvolut, bestehend aus Handschriften des Grossvaters, der Grossmutter und ihres Vaters, das sie k\u00fcrzlich dem Schweizerischen Institut f\u00fcr Kunstwissenschaft (SIK) als Schenkung \u00fcbergeben hat, als ihr siebtes Kind.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcee5\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Gioconda Segantini ist 1941 in Maloja, dem letzten Wohn- und Schaffensort von Giovanni Segantini, im Segantini-Haus, geboren worden und aufgewachsen. Hier hatte ihr Grossvater eine Heimat gefunden. Hier hatte er durch das magische Licht der Landschaft seine Maltechnik des Divisionismus zur Vollendung gebracht. Und hier, auf 1800 Metern \u00fcber Meer und dem Himmel n\u00e4her als sonst irgendwo, hatte Segantini schliesslich seiner idyllischen Malerei des einfachen Bauernlebens eine symbolistische Dimension hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcee6\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Hier in Maloja, an der einstigen Wirkst\u00e4tte ihres Grossvaters, verbringt Gioconda Segantini die Sommermonate. Ihr Refugium und ihre Studierstube ist das ehemalige Haus ihrer Tante Bianca Segantini, der einzigen Tochter von Giovanni Segantini.<\/p>\n<p>Ungewollte Kinder<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcee8\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Was aber hat es mit den \u00abb\u00f6sen M\u00fcttern\u00bb auf sich? \u00ab\u2039B\u00f6se M\u00fctter\u203a gab es schon immer\u00bb, sagt Gioconda Segantini in der mit B\u00fcchern und Bildern reich best\u00fcckten behaglichen Stube des alten Hauses in Maloja. \u00abM\u00fctter sind ja nicht nur Frauen, die schwanger wurden, sondern auch Frauen, die schwanger gemacht wurden\u00bb, gibt sie zu bedenken. Und fragt im Gespr\u00e4ch: \u00abWas ist eine b\u00f6se Mutter in jener Zeit?\u00bb Frauen, so erl\u00e4utert Gioconda Segantini, die damals nicht Mutter h\u00e4tten sein wollen, seien von der Gesellschaft verurteilt worden. \u00abUnd das waren ja nicht nur jene, die ihr unerw\u00fcnschtes Kind nicht wollten, sondern auch solche, die, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, ledig bleiben wollten.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcee9\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Segantini hat einen Aspekt dieser Problematik in einem Bild mit dem Titel \u00ab\u00dcble Nachrede\u00bb von 1884 dargestellt. Sp\u00e4ter hat er das Werk \u00fcbermalt. Wo nun ein Priester eine breite Kirchentreppe zur Fr\u00fchmesse emporschreitet, war zuerst eine hochschwangere B\u00e4uerin zu sehen, die, von einem Hund begleitet, die Treppe hinabsteigt. Oben auf dem Treppenabsatz waren drei M\u00f6nche dargestellt, die \u00fcber den s\u00fcndigen Zustand des aus der Beichte kommenden M\u00e4dchens tratschen, l\u00e4stern und lachen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00abDie Kirche hatte damals nicht unterschieden zwischen Liebes-Schwangerschaften und anderen\u00bb, so formuliert es Gioconda Segantini mit Bedacht. Die Kirche habe ungewollt schwanger gewordene Frauen eiskalt allein gelassen. In einer solchen Eisesk\u00e4lte einer Oberengadiner Schneelandschaft verortete Segantini seine \u00abb\u00f6sen M\u00fctter\u00bb. Eine erste, monumentale Fassung von 1894 befindet sich im Belvedere in Wien. Es sei eine der sch\u00f6nsten Winterlandschaften, die je gemalt worden seien, findet Gioconda Segantini.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Giovanni Segantinis erste Version von \u00abDie b\u00f6sen M\u00fctter\u00bb von 1894 befindet sich im Oberen Belvedere in Wien.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"3504\" height=\"1820\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Giovanni Segantinis erste Version von \u00abDie b\u00f6sen M\u00fctter\u00bb von 1894 befindet sich im Oberen Belvedere in Wien. <\/p>\n<p>\u00d6sterreichische Galerie Belvedere<\/p>\n<p> Opferfrauen<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Segantini habe \u00abOpferfrauen\u00bb dargestellt, meint sie: Es sind Opfer der Gesellschaft \u2013 Frauengestalten mit barem Busen und mit langen, offenen Haaren, die sich in den Baumkronen verfangen haben. Er malte sie in eisiger K\u00e4lte, w\u00e4hrend das Weiss des Schnees in all seinen Schattierungen f\u00fcr den K\u00fcnstler zur Klaviatur des Lichts wurde, auf der er virtuos zu spielen verstand. Die klirrende K\u00e4lte bricht sich in dem Bild von Silber- und Goldt\u00f6nen in der W\u00e4rme der aufgehenden Sonne, wodurch Hoffnung und Zuversicht angedeutet w\u00fcrden, interpretiert die Enkelin das Meisterwerk.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die eine Frau, die im toten Ge\u00e4st eines Baumes schwebt, hat an der entbl\u00f6ssten Brust das K\u00f6pfchen eines S\u00e4uglings. Aus dem Schnee am Horizont durchbricht ein anderer kleiner Kopf eines Kindes die eisige Schneedecke. Das Kindchen ist durch eine Art Nabelschnur mit einer weiteren, in einem Baum h\u00e4ngenden Frauengestalt verbunden.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4cqe5691\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Segantinis Bildidee geht auf ein Gedicht zur\u00fcck, das er von einem Freund erhalten und das bei ihm einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. \u00abNirwana\u00bb von Luigi Illica kreist um das Thema der verweigerten Mutterschaft und die Bestrafung der M\u00fctter, welchen schliesslich nach langem Leid im Jenseits Erl\u00f6sung zuteilwird.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef3\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Das Werk, von dem die Version im Kunsthaus Z\u00fcrich eine viel kleinere Variante darstellt, wurde noch im Entstehungsjahr 1894 in der grossen Segantini-Ausstellung im Castello Sforzesco in Mailand gezeigt. Dort wurde es vom Publikum allerdings nicht verstanden. Kritiker schrieben von \u00aballegorischen und symbolischen Absurdit\u00e4ten\u00bb.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef4\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">In Wien hingegen passte es perfekt in den Zeitgeist der Secession, die sich von der akademischen Kunst abwandte. Dort wurde es gleich vom Kunsthistorischen Museum angekauft. Durch Gustav Klimts Skandalbilder des erotisierten Weiblichen, aber auch durch Sigmund Freuds Traumanalyse oder Gustav Mahlers progressive Tonalit\u00e4t war man in Wien auf Bilder wie dieses vorbereitet.<\/p>\n<p>Psychologische Deutungen<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef6\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Verschiedentlich wurde behauptet, dass Segantini an Schuldgef\u00fchlen litt, weil er sich f\u00fcr den fr\u00fchen Tod seiner Mutter verantwortlich machte. \u00abIch verursachte durch meine Geburt meiner Mutter eine Schw\u00e4che, durch die sie f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter dahingerafft wurde.\u00bb Giovanni Segantini habe das in der Erinnerung zu wenig objektiv eingesch\u00e4tzt. Er sei nicht schuld gewesen am schlechten Gesundheitszustand seiner Mutter, meint Gioconda Segantini. Diese habe von Natur aus \u00fcber eine nicht allzu robuste Konstitution verf\u00fcgt. Bereits die Geburt des ersten Sohnes, der sp\u00e4ter bei einem Brand ums Leben gekommen war, habe ihr gesundheitliche Probleme bereitet.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef7\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Anhand solcher und anderer Notate von Segantini unternahm Karl Abraham 1911 allerdings einen psychoanalytischen Versuch, um den K\u00fcnstler und sein Werk zu interpretieren. Seine Aussagen \u00fcber Segantinis Kindheit und dessen Kunst wurden in der Forschung lange kontrovers diskutiert.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4crr86c1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00abH\u00e4tte mein Grossvater sich je auf die Couch gelegt zu einer Psychoanalyse? Wohl kaum\u00bb, meint Gioconda Segantini dazu. Abraham habe Segantini nicht gekannt, nie mit ihm gesprochen, seine Berge, deren Sch\u00f6nheit und Einsamkeit nie gesehen. Entsprechend subjektiv und vorgefasst sei sein Zugang gewesen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef8\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Abraham machte auch den Vater schlecht. Dieser war fahrender H\u00e4ndler, brachte kaum die Familie durch und stand pl\u00f6tzlich mit einem Halbwaisen da. Dass er sich aus dem Staub gemacht hat und nach Amerika gereist ist, ist heute widerlegt. Er starb verarmt, nachdem er sich in Mailand als Strassenmusiker versucht hatte, ohne seinen Sohn je wieder gesehen zu haben. Den kleinen Giovanni hatte er in die Obhut seiner Tochter Irene aus einer fr\u00fcheren Ehe gegeben. Die war \u00fcber den unverhofften famili\u00e4ren Zuwachs allerdings nicht gerade gl\u00fccklich; sie empfand ihn als Belastung.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef9\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">So war Giovanni viel allein, riss immer wieder aus, kam in eine Besserungsanstalt, schlug sich mit kleinen Diensten durch, zeichnete auf der Strasse Portr\u00e4ts f\u00fcr f\u00fcnf Lire, sp\u00e4ter Leichen im Mail\u00e4nder Ospedale Maggiore im Auftrag des Spitals. Er war Analphabet und staatenlos, da die Halbschwester aus Unmut veranlasst hatte, dem Ausreisser Giovanni die \u00f6sterreichische Staatsangeh\u00f6rigkeit zu entziehen. Einen italienischen Nationalstaat gab es damals noch nicht. Es war die Zeit der italienischen Unabh\u00e4ngigkeitskriege gegen das Kaisertum \u00d6sterreich. Giovanni Segantini verlebte eine Kindheit, die manchmal geradezu an das abenteuerliche Schicksal von Oliver Twist erinnert.<\/p>\n<p>Liebe auf den ersten Blick<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef11\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Als junger Mann hatte sich Segantini in Mailand schliesslich mit Auftragsarbeiten, zumeist Stillleben, etabliert. Er malte auch kleinere Paneele f\u00fcr M\u00f6bel, so zum Beispiel f\u00fcr den zwei Jahre \u00e4lteren Designer von extravaganten M\u00f6belst\u00fccken Carlo Bugatti. Als er auf dessen Schwester Luigia Pierina, genannt Bice, traf \u2013 ein wohlbeh\u00fctetes M\u00e4dchen von 17 Jahren mit blonden Z\u00f6pfen und blauen Augen \u2013, war es Liebe auf den ersten Blick. Und diese Liebe war gegenseitig. Bice hatte den Freund ihres Bruders, von dem man in der Stadt als jungem Talent sprach, schon ein paarmal zu Hause gesehen. Sie wurde seine Lebensgef\u00e4hrtin und Mutter von vier Kindern \u2013 heiraten konnten sie nie, weil Segantini \u00fcber keine Papiere verf\u00fcgte.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef12\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Dass diese Verbindung \u00fcberhaupt zustande kam, verdankt sich dem einf\u00fchlsamen Tiefblick der Mutter Bugatti. Giovanni war ein Sans-Papiers und ohne Geld. Bice aber stammte aus einer angesehenen K\u00fcnstlerfamilie, bei der die Mail\u00e4nder Kulturelite ein und aus ging. Der Vater Carlo Giovanni Bugatti war Architekt und Bildhauer. Sein Sohn Carlo, Bices Bruder, hatte sp\u00e4ter zwei S\u00f6hne, Rembrandt und Ettore. Der eine sollte als Bildhauer von Tierskulpturen, der andere als genialer Automobilkonstrukteur Ber\u00fchmtheit erlangen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef13\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Bice und Segantini, diese beiden Jugendlichen, \u00abwollten ohne Trauschein zusammenziehen. Das war f\u00fcr die damalige Zeit schier undenkbar\u00bb, sagt Gioconda Segantini. Bices Vater war gerade gestorben, und so oblag es der Mutter Bugatti, zu dieser Liebe ihren Segen zu geben. \u00abSie hat es mutig und mit vollem Herzen getan, wof\u00fcr ich ihr sehr dankbar bin, denn ich hatte wirklich wunderbare Grosseltern\u00bb, sagt die Enkelin.<\/p>\n<p>Kokotten statt gute M\u00fctter<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef17\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Mit dem industriellen Umschwung und der zunehmenden Emanzipation trat ein neuer Frauentypus in Erscheinung. Und damit hatte Segantini weit mehr M\u00fche als mit den unfreiwilligen, \u00abb\u00f6sen\u00bb M\u00fcttern. \u00abFrauen, die nur das Vergn\u00fcgen wollten, aber keine Kinder, das war f\u00fcr Segantini nicht machbar\u00bb, sagt Gioconda Segantini. Und ihr Grossvater notierte dazu: \u00abUnsere gegenw\u00e4rtige b\u00fcrgerliche Gesellschaft erzeugt leider nur Frauen mit kranken Nerven, die mehr Kokotten als gute M\u00fctter und treue Gef\u00e4hrtinnen des Mannes sind.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef18\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Diese Sicht fand ihren Niederschlag in dem Gem\u00e4lde mit dem Titel \u00abStrafe der Woll\u00fcstigen\u00bb. Eine erste Fassung von 1891 h\u00e4ngt heute in Liverpool, wo sie 1893 ausgestellt und \u2013 wohl unter dem Eindruck der damals in England popul\u00e4ren symbolistischen Pr\u00e4raffaeliten \u2013 mit Begeisterung aufgenommen wurde. Darauf schweben zwei Frauengestalten horizontal in einer Oberengadiner Winterlandschaft.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Giovanni Segantinis erste Fassung von \u00abDie Strafe der Woll\u00fcstigen\u00bb von 1891 befindet sich im National Museum Liverpool.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"2993\" height=\"1694\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Giovanni Segantinis erste Fassung von \u00abDie Strafe der Woll\u00fcstigen\u00bb von 1891 befindet sich im National Museum Liverpool. <\/p>\n<p>National Museums Liverpool<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef19\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Obwohl Segantini fernab von der Welt in den Schweizer Bergen lebte, brachte er sich in diesem Werk mit seinen ureigensten Mitteln in den Diskurs um die neue Frau des Fin de Si\u00e8cle ein. Die Debatte rankte sich um die Femmes fatales und Salomes in Kunst und Gesellschaft zu einem Zeitpunkt, als Suffragetten f\u00fcr das Wahlrecht der Frau zu k\u00e4mpfen begannen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef20\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Das Thema liess Segantini nicht los. Nach einigen Jahren, 1896, nahm er das Sujet der \u00abWoll\u00fcstigen\u00bb wieder auf. Es entstand jenes surrealistisch anmutende Bild in Blaut\u00f6nen, das als Pendant zu der sp\u00e4teren, ebenfalls blau gestimmten Fassung der \u00abb\u00f6sen M\u00fctter\u00bb heute im Kunsthaus Z\u00fcrich h\u00e4ngt.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef21\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Gioconda Segantini zeigt einen Faksimiledruck der \u00abWoll\u00fcstigen\u00bb. Er h\u00e4ngt in der Chiesa bianca, der weissen Kirche, gleich neben ihrem Wohnhaus in Maloja. Hier wurde ihr Grossvater nach seinem fr\u00fchen Tod aufgebahrt. Und hier organisiert nun seine Enkelin immer wieder kleine Ausstellungen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef22\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Segantini malte das Thema v\u00f6llig neu. Die B\u00e4ume in diesem Bild sind nun rabenschwarz. Und die Bergkulisse erinnert nicht mehr an das Oberengadin, sondern an fern\u00f6stliche Landschaften. Es klingen hier die Traumvisionen eines Max Ernst an.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkceg0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00abDiese Figur hier ist noch als Frau zu erkennen\u00bb, sagt Gioconda Segantini \u00fcber eine der drei unheimlich im kalten Mondlicht schwebenden Frauengestalten. \u00abDas hier aber, diese Gestalt im Hintergrund, ist schon keine Frau mehr, sondern ein Wesen anderer Natur\u00bb, meint sie. Giovanni Segantini sei hier weit \u00fcber alles hinausgegangen, was er bisher geschaffen habe.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Die Kunsthaus-Version von Giovanni Segantinis \u00abDie Strafe der Woll\u00fcstigen\u00bb, 1896\/1897, \u00d6l auf Karton, 40 \u00d7 74 cm.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"3070\" height=\"1636\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Die Kunsthaus-Version von Giovanni Segantinis \u00abDie Strafe der Woll\u00fcstigen\u00bb, 1896\/1897, \u00d6l auf Karton, 40 \u00d7 74 cm. <\/p>\n<p>Kunsthaus Z\u00fcrich, Erworben mit Beitr\u00e4gen von Herrn A. Hausammann und Frau Dr. M. Meyer-Mahler, 1967<\/p>\n<p> Moderne Beziehung<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef14\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Segantinis Frauenbild mutet heute konservativ an. Es war gepr\u00e4gt von der Liebe zu seiner Mutter und insbesondere zu seiner Gef\u00e4hrtin. Liebe bestand f\u00fcr ihn in \u00abAchtung und G\u00fcte\u00bb, wie er selbst schrieb: eine Form von Liebe, die dauerhafter sei \u00abals jene, die nur aus dem k\u00f6rperlichen Verlangen nach Sch\u00f6nheit heraus geboren wird.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkcef15\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Diese Haltung ihres Grossvaters erachtet Gioconda Segantini als geradezu modern, wie sie in ihrer Biografie schreibt. Er habe einmal notiert: \u00abIch liebe die Frau als treue und geistige Gef\u00e4hrtin des Mannes. Dieser bedarf einer zweiten Seele, die seine eigene versteht, die seine Ideale bestimmt, die ihn auf dem Wege der Ehre und der Pflicht vorw\u00e4rtsbringt.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4cvu3md1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Bice habe seinen Bildern das Geistige geschenkt, hat Segantini selbst geschrieben. \u00abDie Bilder hat zur H\u00e4lfte Bice gemalt, ihm ist die Aufgabe des Aufzeichnens Strich f\u00fcr Strich geblieben\u00bb, so erinnert sich Gioconda Segantini an eine Textpassage ihres Grossvaters. Auch das Schreiben habe ihm Bice beigebracht. Und ihm, wenn er malte, philosophische Texte vorgelesen.<\/p>\n<p>Das Spiegelbild<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkceg2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Was f\u00fcr ein Bild aber hatte wohl Giovanni Segantini von sich selbst? Als sein gr\u00f6sstes Werk erachtete er sein Gem\u00e4lde \u00abDie Eitelkeit\u00bb von 1897. \u00abWer bin ich?\u00bb, sei damals seine grosse Frage gewesen, erz\u00e4hlt Gioconda Segantini. Er sei auf der Suche nach einer Quelle, die ihm als Spiegel diene, schrieb er zu jener Zeit seiner Frau. In der \u00abEitelkeit\u00bb hat er diesen Spiegel symbolistisch dargestellt.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4d07h880\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Er malte das Werk als eine Auftragsarbeit f\u00fcr eine Ausstellung der Art Society in Pittsburgh \u2013 Segantini war zu Lebzeiten international gefragt. \u00abDas Bild, das ich Ihnen geschickt habe, stellt die Eitelkeit und die Hinterlist dar, die ich in einer jungfr\u00e4ulichen, schamhaften Frauengestalt dargestellt habe, die sich nackt in einer Quelle spiegelt\u00bb, schrieb der K\u00fcnstler an die Kunstgesellschaft in Amerika. Im Quellwasser im Schatten eines Felsens versteckte er ein \u00abglibbriges Ungeheuer mit Quallen-Augen\u00bb, wie er selbst schrieb.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Giovanni Segantini: \u00abDie Eitelkeit\u00bb, 1897, \u00d6l auf Leinwand, 77 \u00d7 124 cm.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"3000\" height=\"1868\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Giovanni Segantini: \u00abDie Eitelkeit\u00bb, 1897, \u00d6l auf Leinwand, 77 \u00d7 124 cm. <\/p>\n<p>Kunsthaus Z\u00fcrich, Erworben mit einem Beitrag der Schweizerischen Bankgesellschaft, 1996<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkceg4\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Auch dieses Werk h\u00e4ngt heute in Z\u00fcrich in der Sammlung des Kunsthauses. Und es gibt nicht weniger R\u00e4tsel auf als dort im selben Raum die beiden blautonigen Gem\u00e4lde mit den schwebenden Frauengestalten.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkceg5\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Dargestellt ist ein M\u00e4dchen, das in das klare Quellwasser schaut und ein Ungeheuer sieht, ohne dabei zu erschrecken. Der Lindwurm sei eben \u00abkein Teufel, nichts B\u00f6ses\u00bb, sondern einfach etwas Ungeheuerliches, Unvertrautes, Unbekanntes. \u00abEin Fragezeichen\u00bb, wie Gioconda Segantini es formuliert. \u00abDa treffen zwei v\u00f6llig unterschiedliche Dinge aufeinander.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j47qkceg6\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">In diesem Bild blickte Segantini aber gleichsam selbst in den Spiegel. Was er wohl im Spiegelbild seines eigenen Ichs erblickte? In diesem, seinem wichtigsten Bild soll er eine Antwort auf die Frage, wer er selbst sei, zu geben versucht haben. Was er in \u00abDie Eitelkeit\u00bb in Gestalt der Sch\u00f6nheit und des Schattens symbolisch zur Darstellung bringen wollte, war gem\u00e4ss seinen eigenen Worten \u00abder Tag und die Nacht in der Zeit, die Freude und der Schmerz im Leben\u00bb.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1j4d65nns0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">\u00abSegantini. Kunst und Liebe besiegen die Zeit. Eine Biografie\u00bb, Gioconda Segantini, Innquell-Verlag, 2021, Maloja, erh\u00e4ltlich in der Druckkultur Sp\u00e4thling Ruppertsgr\u00fcn 6, Weissenstadt, Deutschland.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Giovanni Segantini war der Maler der M\u00fctterlichkeit. 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