{"id":408733,"date":"2025-09-09T09:46:10","date_gmt":"2025-09-09T09:46:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/408733\/"},"modified":"2025-09-09T09:46:10","modified_gmt":"2025-09-09T09:46:10","slug":"suizidalitaet-nicht-schweigen-wenn-das-leben-schwerfaellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/408733\/","title":{"rendered":"Suizidalit\u00e4t: Nicht schweigen, wenn das Leben schwerf\u00e4llt"},"content":{"rendered":"<p>Kassel\/Berlin (dpa\/tmn) &#8211; \u00dcber 10.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr durch Suizid, viele weitere unternehmen Versuche &#8211; und bei unter 25-J\u00e4hrigen ist es sogar die h\u00e4ufigste Todesursache. Aber: Bei Suizidalit\u00e4t ist Hilfe m\u00f6glich und ein Suizid vermeidbar, sagt Prof. Dr. Reinhard Lindner, einer der beiden Leiter des Nationalen Suizidpr\u00e4ventionsprogramms f\u00fcr Deutschland (NaSPro).\u00a0<\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rt, wie Menschen mit Selbstmordgedanken in ihrer extremen Verzweiflung Hilfe bekommen, und wie Angeh\u00f6rige sie unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was sollte man tun, wenn man Suizidgedanken hat?<\/p>\n<p>\u00abDer erste Schritt sollte immer sein: Hol dir Hilfe\u00bb, sagt Prof. Lindner. Also nicht alleine in der aussichtslos scheinenden Situation zu bleiben, sondern sich jemandem anzuvertrauen und \u00fcber die Suizidalit\u00e4t zu sprechen, also \u00fcber \u00abdie eigene Verzweiflung, die so weit geht, dass man sich t\u00f6ten will\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>Und das hilft? In den meisten F\u00e4llen ja, berichtet der Facharzt f\u00fcr Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychotherapeutische Medizin. \u00abTats\u00e4chlich wenden sich die allermeisten Menschen, die dar\u00fcber nachdenken, Suizid zu machen, auf die eine oder andere Weise an andere. Und: Sie machen es dann nicht.\u00bb Denn zusammen komme man auf L\u00f6sungsoptionen und Verbesserungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Aber mit wem kann man dar\u00fcber reden? Wer und was kann helfen?\u00a0<\/p>\n<p>Es gibt viele Wege, Unterst\u00fctzung zu bekommen: etwa Beratung, Krisenintervention, Psychotherapie oder auch psychiatrische Behandlung. Dabei komme es auch darauf an, wie akut der Suizidgedanke oder -wunsch ist, so Lindner.<\/p>\n<p>Sein Rat: Wenn es einem sehr schlecht gehe, weil man eine Situation oder ein Problem \u00fcberhaupt nicht bew\u00e4ltigen kann &#8211; etwa weil eine geliebte Person einen verlassen und man das Gef\u00fchl hat, ohne diesen Menschen nicht leben zu k\u00f6nnen -, k\u00f6nne man \u00fcberlegen: Mit wem kann ich dar\u00fcber reden, auch im eigenen Umfeld, der nicht in Angst oder Stress verf\u00e4llt, sondern mit mir auf Augenh\u00f6he dar\u00fcber sprechen kann, warum ich so verzweifelt bin?<\/p>\n<p>Anonyme Gespr\u00e4che und Beratung bieten Krisen-Hotlines wie die <a class=\"externalLink\" href=\"https:\/\/www.telefonseelsorge.de\/sorgen-themen\/suizidpraevention\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Telefonseelsorge <\/a>(0800 1110111 oder 0800 1110222) an. Die Anonymit\u00e4t sei oft sehr hilfreich, so Lindner: \u00abDenn ich kann mit dieser einen Person reden und kann ihr Sachen sagen, die ich sonst niemandem sagen w\u00fcrde.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Haus\u00e4rzte und Psychotherapeuten (Sprechstundentermine unter Telefon 116 117 oder <a class=\"externalLink\" href=\"https:\/\/www.116117.de\/de\/psychotherapie.php\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">online<\/a>) kommen nat\u00fcrlich auch infrage, und manchmal k\u00f6nnten auch religi\u00f6se Ansprechpartner eine Hilfe sein.\u00a0<\/p>\n<p>Was, wenn die Gedanken ganz akut sind?<\/p>\n<p>Wenn man aber konkret den Suizid plant und dazu gar keinen Abstand finden kann, dann ist das Allerbeste: Man begibt sich in eine psychiatrische Klinik, sagt Prof. Lindner. Das geht \u00fcber die Notaufnahme oder eine psychiatrische Ambulanz und zu jeder Tages- und Nachtzeit. \u00abDa kann man erst mal mit der aufnehmenden \u00c4rztin und anderen Fachpersonen sprechen und meist bleibt man im Rahmen einer Krisenintervention ein paar Tage da, um sich zu beruhigen und aus der Situation zu gehen.\u00bb<\/p>\n<p>Diese Basisversorgung sei in einer akuten Krise \u00absehr wirksam und hilfreich, dass man \u00fcberlebt\u00bb, so der Experte. In der Psychiatrie kann man sinnvolle n\u00e4chste Schritte besprechen.\u00a0<\/p>\n<p>Was genau sinnvoll ist, h\u00e4nge von individuellen, aber auch von Versorgungsfaktoren ab, erkl\u00e4rt Lindner. Wenn man auf dem Land mit einer eher schlechten Versorgungssituation und wenig Beratungs- und Psychotherapie-Angeboten lebt, empfiehlt er die Institutsambulanz einer psychiatrischen Klinik, \u00abweil man da auf Leute trifft, die etwas von der Lage, in der man ist, verstehen\u00bb.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen Angeh\u00f6rige tun, wenn sie Suizidgedanken bei einem nahestehenden Menschen vermuten?<\/p>\n<p>Es kann nur ein Gef\u00fchl sein oder konkrete <a class=\"externalLink\" href=\"https:\/\/www.suizidprophylaxe.de\/suizidalitaet1\/allgemeine-informationen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Anzeichen<\/a>: Wenn man sich Sorgen macht und Angst hat, jemand \u00fcberlegt, sich das Leben zu nehmen, sollte man nicht abwarten. Auch hier gilt: \u00abDer wichtigste Schritt ist, das Gespr\u00e4ch zu suchen\u00bb, sagt Lindner. Dabei sollte man die Situation durchaus konkret ansprechen. \u00abDavor scheuen sich viele. Aber es ist wichtig, etwa nachzufragen: &#8222;Geht es dir schlecht? Hast du manchmal das Gef\u00fchl, aufgeben zu wollen?&#8220;.\u00bb<\/p>\n<p>Dass man durch das Ansprechen die Suizidalit\u00e4t verst\u00e4rke oder Menschen \u00fcberhaupt erst auf den Gedanken bringe, ist falsch, so Lindner. \u00abSondern fast alle suizidalen Menschen haben dadurch das Gef\u00fchl: Da will jemand wirklich wissen, was in mir los ist. Und die Suizidalit\u00e4t ist ja da &#8211; die wird weder durch Nachfragen hervorgerufen noch geht sie weg dadurch, dass man nichts sagt.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Die zentrale Botschaft, die vermittelt werden sollte, wenn man die offensichtliche Not und Verzweiflung des anderen anspricht: \u00abDir geht es schlecht, aber es gibt Hilfe. Du musst nicht alles aushalten. Es muss nicht so bleiben.\u00bb Einen <a class=\"externalLink\" href=\"https:\/\/www.suizidprophylaxe.de\/hilfsangebote2\/gespraechsempfehlungen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gespr\u00e4chsleitfaden<\/a> und Informationen dazu, was man bei so einem Gespr\u00e4ch vermeiden sollte, gibt es etwa bei der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Suizidpr\u00e4vention (DGS).<\/p>\n<p>So k\u00f6nne man auch anbieten, gemeinsam nach Hilfsangeboten zu suchen, aber auch vorschlagen, zusammen in die Psychiatrie zu fahren, so Lindner. Wenn jemand aber sagt, er bringe sich um, sollte man den Notruf der Polizei unter 110 anrufen, damit die gegebenenfalls die Fahndung ausl\u00f6sen kann, wenn man mit dem Menschen nicht zusammen ist.<\/p>\n<p>Was tun, wenn der andere abblockt?<\/p>\n<p>Wenn man sieht, dass die Person \u00fcber lange Zeit sehr verzweifelt und suizidal ist, sollte man immer wieder einmal die eigene Angst formulieren, sagt Lindner. Und etwa sagen: \u00abDu, ich mache mir einfach Sorgen. Ich m\u00f6chte auch nicht, dass du stirbst.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Auch wenn man nicht davon ausgehen k\u00f6nne, dass es bei allen Betroffenen wirkt, lohne es sich oft, hartn\u00e4ckig zu sein, erkl\u00e4rt der Experte. Viele h\u00e4tten nicht unbedingt den Wunsch zu sterben, hei\u00dft es auch von der Telefonseelsorge: Sie wollen nur nicht so weiterleben, wie sie es gerade tun m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0\u00abMan muss im Leben nicht alles aushalten\u00bb, sagt Prof. Lindner. Der Tod ist nicht der Ausweg: \u00abEs geht darum, mit den Belastungen des Lebens einen Umgang zu finden. Dazu braucht man manchmal Hilfe. Sich Hilfe zu holen ist nicht schlimm.\u00bb Und es gebe gute M\u00f6glichkeiten der Hilfe und Unterst\u00fctzung, wenn man dar\u00fcber nachdenke, sich das Leben zu nehmen. Auch und gerade, wenn die Gedanken als Teil psychischer Erkrankungen auftreten. Die meisten sind gut behandelbar.\u00a0<\/p>\n<p>Hilfe bei Suizidalit\u00e4t im \u00dcberblick:\u00a0<\/p>\n<p>&#8211; Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt, Psychiater oder psychologischer Psychotherapeut.\u00a0<\/p>\n<p>&#8211; In akuten Krisen helfen die n\u00e4chste psychiatrische Klinik oder der Notarzt unter 112.<\/p>\n<p>&#8211; Zu jeder Zeit erreichen Sie die Telefonseelsorge kostenfrei unter 0800 1110111 oder 0800 1110222.\u00a0<\/p>\n<p>&#8211; <a class=\"externalLink\" href=\"https:\/\/www.deutsche-depressionshilfe.de\/depression-infos-und-hilfe\/wo-finde-ich-hilfe\/krisendienste-und-beratungsstellen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Krisendienste <\/a>in Ihrer Region finden Sie etwa bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidpr\u00e4vention.\u00a0<\/p>\n<p>&#8211; F\u00fcr junge Menschen gibt es auch extra Hilfsangebote, der Verein Freunde f\u00fcrs Leben empfiehlt etwa <a class=\"externalLink\" href=\"https:\/\/jugendnotmail.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jugendnotmail.de<\/a> und <a class=\"externalLink\" href=\"https:\/\/www.u25-deutschland.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">U25<\/a> von der Caritas (online und vor Ort) oder das Kinder- und Jugendtelefon unter 116111 (kostenfrei, Montag bis Freitag von 14 bis 20 Uhr, auch <a class=\"externalLink\" href=\"https:\/\/www.nummergegenkummer.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">online<\/a>).\u00a0<\/p>\n<p>Reden hilft, so die zentrale Botschaft des NaSPro:<\/p>\n<p>Denn ein Suizid ist meist der Endpunkt einer psychischen Krise und gro\u00dfer innerer Not. Menschen mit Suizidgedanken m\u00f6chten nicht unbedingt sterben. Vielmehr wollen sie unter den gegebenen \u2013 oder von ihnen so erlebten \u2013 Umst\u00e4nden nicht mehr weiterleben, so das NaSPro. Und die subjektiv erlebte Ausweglosigkeit blockiert den Blick auf die M\u00f6glichkeiten des Weiterlebens.\u00a0<\/p>\n<p>Ein Gespr\u00e4ch kann sehr entlastend wirken. Viele Betroffenen berichten, dass der Leidensdruck abnimmt, die Suizidgedanken weniger stark und seltener werden und wieder mehr Hoffnung entsteht, wenn \u00fcber ihre Suizidgedanken sprechen k\u00f6nnen, berichten die Experten.\u00a0<\/p>\n<p>Es tut einfach gut, wenn jemand zuh\u00f6rt, und man f\u00fchlt sich nicht mehr so allein mit seinen Gedanken. Gespr\u00e4che k\u00f6nnen helfen Suizide zu vermeiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kassel\/Berlin (dpa\/tmn) &#8211; \u00dcber 10.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr durch Suizid, viele weitere unternehmen Versuche &#8211;&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":408734,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1843],"tags":[108188,33824,2632,3364,29,553,30,1724,141,41839,8970,1209,13353,624,14422,104171],"class_list":{"0":"post-408733","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenster","8":"tag-nationale-suizid-prventions-strategie","9":"tag-prvention","10":"tag-brcmj","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-familie","14":"tag-germany","15":"tag-gesellschaft","16":"tag-gesundheit","17":"tag-helpme","18":"tag-muenster","19":"tag-nordrhein-westfalen","20":"tag-psychologie","21":"tag-ratgeber","22":"tag-suizid","23":"tag-tmn1202"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115173706248073782","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/408733","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=408733"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/408733\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/408734"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=408733"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=408733"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=408733"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}