{"id":409425,"date":"2025-09-09T15:56:15","date_gmt":"2025-09-09T15:56:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/409425\/"},"modified":"2025-09-09T15:56:15","modified_gmt":"2025-09-09T15:56:15","slug":"blackout-in-berlin-anarchisten-veroeffentlichen-bekennerschreiben-nach-brandanschlag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/409425\/","title":{"rendered":"Blackout in Berlin: Anarchisten ver\u00f6ffentlichen Bekennerschreiben nach Brandanschlag"},"content":{"rendered":"<p>Schwerer Stromausfall im Berliner S\u00fcdosten: Wegen eines Brands an zwei Hochspannungsmasten waren mehr als 40.000 Haushalte in der Hauptstadt ohne Strom. Der Verkehr erfuhr erhebliche Einschr\u00e4nkungen, der Notruf ist teilweise nicht erreichbar. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Am fr\u00fchen Dienstagmorgen kam es in Berlin zu einem gro\u00dffl\u00e4chigen Stromausfall. Ursache war ein Brand an zwei Hochspannungsmasten im Bereich Johannisthal\/K\u00f6nigsheideweg. Betroffen waren mehrere 110-kV-Leitungen, die unter anderem die Umspannwerke Moissistra\u00dfe, Wegedornstra\u00dfe und das Fernheizkraftwerk Neuk\u00f6lln versorgen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Der f\u00fcr politisch motivierte Straftaten zust\u00e4ndige Staatsschutz wurde nach WELT-Informationen in die Brandermittlungen einbezogen.<\/p>\n<p>In einem Bekennerschreiben, das auf der linksextremen Internetseite Indymedia ver\u00f6ffentlicht wurde, stellen sich die Verfasser als anarchistische Gruppe dar, die den \u201emilit\u00e4risch-industriellen Komplex\u201c und das Fortschrittsversprechen von Technologie und Kapital angreift. Eine Polizeisprecherin sagte WELT, dass das Schreiben nun auf Echtheit \u00fcberpr\u00fcft werde.<\/p>\n<p>Der Anschlag wird in dem Pamphlet als gezielter Angriff auf Europas gr\u00f6\u00dftem Technologiepark in Adlershof und die kritische Infrastruktur begr\u00fcndet. Der Ausfall sei zwar ein Kollateralschaden f\u00fcr Anwohner, aber im Vergleich zur \u201eZerst\u00f6rung von Natur und Leben\u201c durch die dort ans\u00e4ssigen Firmen vertretbar. Genannt werden Unternehmen wie Atos, Astrial, DLR, Edag, Vinci, Jenoptik, Rohde &amp; Schwarz, Siemens und Trumpf. Bei den Konzernen handelt es sich nach Ansicht der Verfasser um Firmen mit Verbindungen zu Milit\u00e4r, R\u00fcstungsindustrie oder sicherheitstechnologischen Projekten.<\/p>\n<p>Das Feuer selbst konnte bereits am Morgen gel\u00f6scht werden. Wie lange der Stromausfall noch andauern wird, ist unklar. Rund 15.000 Kunden konnten nach Angaben eines Stromnetz-Unternehmenssprechers \u00fcber eine andere Leitung bereits am Vormittag wieder mit Strom versorgt werden. Tausende Haushalte werden aber wohl auch den gesamten Mittwoch \u00fcber ohne Strom bleiben. Die Wiederversorgung f\u00fcr alle betroffenen Kunden werde im schlechtesten Fall im Laufe des Donnerstags erfolgen, teilte ein Sprecher von Stromnetz Berlin mit.<\/p>\n<p>Patienten verlegt, Feuerwehren au\u00dfer Dienst genommen<\/p>\n<p>Nach internen Angaben von Stromnetz Berlin waren zeitweise fast 50.000 Endabnehmer ohne Strom \u2013 darunter rund 42.000 Haushalte und 3000 Gewerbebetriebe und Pflegeeinrichtungen. Nach Angaben der Feuerwehr wurden f\u00fcnf Bewohner aus zwei Pflegeheimen vor\u00fcbergehend in Krankenh\u00e4user verlegt. Auch Einrichtungen der kritischen Infrastruktur wie ein Polizeirevier am Segelfliegerdamm, die Feuerwache Semmelweisstra\u00dfe sowie eine Basisstation des Digitalfunks waren beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n<p>Drei Freiwillige Feuerwehren mussten au\u00dfer Dienst genommen werden. Vattenfall, die Netzgesellschaft und Stromnetz Berlin haben Krisenst\u00e4be gebildet. Techniker versuchen derzeit, alternative Leitungen zuzuschalten, wie es bereits beim Stromausfall in K\u00f6penick praktiziert wurde.<\/p>\n<p>\u201eErhebliche Einschr\u00e4nkungen\u201c im \u00f6ffentlichen Nahverkehr<\/p>\n<p>Die Menschen im Berliner S\u00fcdosten mussten sich nach Angaben der Verkehrsinformationszentrale auf erhebliche Einschr\u00e4nkungen einstellen. \u201eDie S-Bahnen und Stra\u00dfenbahnen fahren nicht, Ampeln sind ausgefallen, Haushalte betroffen\u201c, hie\u00df es in der Nachricht. Es werde ein \u201eschwieriger Morgen und Vormittag\u201c f\u00fcr den S\u00fcdosten Berlins.<\/p>\n<p>Die S-Bahn Berlin teilte mit, wegen des Ausfalls der Energieversorgung im Bereich Sch\u00f6neweide k\u00f6nne es zu Versp\u00e4tungen und Ausf\u00e4llen kommen. Genannt wurden die Linien S8, S85, S9, S45, S46 und S47.<\/p>\n<p>Zudem sei auch der Tiergartentunnel in der Hauptstadt bis zum Nachmittag erneut gesperrt, schrieb die Verkehrsinformationszentrale. Erst am Montag war die wichtige Nord-S\u00fcd-Verbindung mehrere Stunden dicht, laut Senatsverkehrsverwaltung wegen Krankmeldungen beim Personal.<\/p>\n<p>Um 11:59 Uhr verschickte die Berliner Feuerwehr \u00fcber die Warn-App \u201eNina\u201c eine amtliche Mitteilung. Die Einstufung: \u201eExtreme Gefahr\u201c. Hintergrund sei der Stromausfall im Bereich Berlin-Treptow\/K\u00f6penick, durch den in \u201egewissen Bereichen\u201c die Notrufnummern 110 und 112 \u00fcber Mobilfunk zeitweise nicht erreichbar sind. <\/p>\n<p>Berlins Regierender B\u00fcrgermeister Kai Wegner (CDU) erkl\u00e4rte, der Stromausfall sei \u201edie Folge eines gef\u00e4hrlichen Anschlags, der sich unmittelbar gegen die Berlinerinnen und Berliner richtet\u201c. Mit dem Angriff w\u00fcrden &#8222;bewusst Menschenleben und die Sicherheit unserer Stadt gef\u00e4hrdet&#8220;. Wegner dankte allen Einsatzkr\u00e4ften. Er habe \u201evolles Vertrauen\u201c in die Ermittlungsbeh\u00f6rden. \u201eBerlin l\u00e4sst sich nicht einsch\u00fcchtern\u201c, erkl\u00e4rte Wegner.<\/p>\n<p>Die Betreiber des Technologieparks Adlershof reagierten mit Emp\u00f6rung auf den Brandanschlag. \u201eWir verurteilen Anschl\u00e4ge auf die Energieinfrastruktur aufs Sch\u00e4rfste, da solche Anschl\u00e4ge immer Menschenleben in Gefahr bringen\u201c, erkl\u00e4rte der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der WISTA Management GmbH, Roland Sillmann. Es seien alle Ma\u00dfnahmen ergriffen worden, um die Arbeitsf\u00e4higkeit unter den gegebenen Umst\u00e4nden so weit m\u00f6glich sicherzustellen. Manche Firmen h\u00e4tten B\u00fcrot\u00e4tigkeiten an andere Standorte verlagert. Andere seien zum Beispiel mit Notstromaggregaten auf derartige F\u00e4lle vorbereitet. <\/p>\n<p>Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei Berlin, Benjamin Jendro, verurteilte den Anschlag scharf. \u201eDieser sinnfreie Brandanschlag ist kein Kinderspa\u00df, sondern eine schwerwiegende Straftat mit massiven Auswirkungen auf zigtausende Menschen in unserer Stadt\u201c, sagte er. Zugleich warnte Jendro, dass die kritische Infrastruktur aufgrund von Monopoll\u00f6sungen und fehlender Redundanzen nicht ausreichend gegen derartige Angriffe gesch\u00fctzt sei. \u201eHier wurde \u00fcber Jahre geschlafen. Das wird die Landespolitik mit einzelnen Haushalten nicht aufholen k\u00f6nnen.\u201c Stattdessen brauche es auf Landesebene endlich ein Sonderverm\u00f6gen f\u00fcr Polizei, Justiz und Bev\u00f6lkerungsschutz.<\/p>\n<p>Bereits im Juli dieses Jahres hatte Martin Debusmann, Vorsitzender des Kompetenzzentrums Kritische Infrastrukturen (KKI), <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article256404462\/Blackouts-und-Sabotage-So-verwundbar-ist-Berlin.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article256404462\/Blackouts-und-Sabotage-So-verwundbar-ist-Berlin.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im Gespr\u00e4ch mit WELT <\/a>eindringlich vor den systemischen Schwachstellen in der Hauptstadtregion gewarnt. Berlin sei in besonderem Ma\u00dfe verwundbar, weil nahezu alle lebensnotwendigen Ressourcen importiert w\u00fcrden. \u201eAlles h\u00e4ngt mit allem zusammen: Strom, Wasser, Gas, IT \u2013 f\u00e4llt ein Bereich aus, wirkt sich das sofort auf andere Sektoren aus\u201c, sagte Debusmann. Besonders kritisch sieht er den Umgang mit sensiblen Infrastrukturdaten, deren Ver\u00f6ffentlichung er als \u201eBlaupause f\u00fcr Sabotageakte\u201c bezeichnete. <\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/netzwelt\/article68b8617a0648574ee41a6a3d\/Tesla-siedelt-Entwicklungszentrum-in-Berlin-Koepenick-an.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/netzwelt\/article68b8617a0648574ee41a6a3d\/Tesla-siedelt-Entwicklungszentrum-in-Berlin-Koepenick-an.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erst vor wenigen Tagen hatte Tesla angek\u00fcndigt<\/a>, in Berlin-K\u00f6penick ein europ\u00e4isches Entwicklungszentrum aufzubauen, das ab 2026 den Betrieb aufnehmen soll. <\/p>\n<p>Die mutma\u00dfliche Brandstiftung in Johannisthal erinnert unterdessen auch an fr\u00fchere Anschl\u00e4ge, die der linksextremistischen \u201eVulkangruppe\u201c zugeschrieben werden und unter anderem das <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus251650668\/Linksextreme-Szene-Oekoextremisten-spaehten-Firmen-in-Berlin-und-Brandenburg-aus.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus251650668\/Linksextreme-Szene-Oekoextremisten-spaehten-Firmen-in-Berlin-und-Brandenburg-aus.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tesla-Werk in Brandenburg zum Ziel hatte<\/a>. Auch damals wurde eine Stromtrasse attackiert. Nach Recherchen dieser Redaktion f\u00fchrt der Generalbundesanwalt inzwischen ein Komplexverfahren, in dem mehrere Taten zusammengef\u00fchrt werden \u2013 ein Indiz daf\u00fcr, dass die Ermittler von einer zusammenh\u00e4ngenden Struktur ausgehen. Unklar bleibt jedoch, ob es sich tats\u00e4chlich immer um denselben T\u00e4terzirkel handelt, zumal die Gruppe ihre Bekennerschreiben variabel unter unterschiedlichen Namenszus\u00e4tzen ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>rct\/dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Schwerer Stromausfall im Berliner S\u00fcdosten: Wegen eines Brands an zwei Hochspannungsmasten waren mehr als 40.000 Haushalte in der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":409426,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30,53787,167,108144,108143],"class_list":{"0":"post-409425","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-infrastruktur-ks","12":"tag-investigation","13":"tag-stromausfall-ks","14":"tag-stromausfaelle-ks"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115175160862119373","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/409425","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=409425"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/409425\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/409426"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=409425"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=409425"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=409425"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}