{"id":409502,"date":"2025-09-09T16:35:12","date_gmt":"2025-09-09T16:35:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/409502\/"},"modified":"2025-09-09T16:35:12","modified_gmt":"2025-09-09T16:35:12","slug":"die-jungen-rechten-in-den-usa-jung-cool-und-konservativ","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/409502\/","title":{"rendered":"Die jungen Rechten in den USA: Jung, cool \u2013 und konservativ"},"content":{"rendered":"<p>Der Organisation Turning Point USA (TPUSA) gelingt, was man lange nicht f\u00fcr m\u00f6glich hielt: junge Menschen f\u00fcr erzkonservative Politik zu begeistern. Wie schafft sie das?<\/p>\n<p>Die Zukunft der Konservativen greift zur Pizza. Vor Seminarraum 103 stehen etwa zwei Dutzend Studenten, die meisten 19 oder 20 Jahre alt und bedienen sich bei den bereitgestellten Kartons oder nehmen sich eine Dose Cola. Auf einem Tisch daneben liegen Aufklebern und Anstecker. Man liest darauf Slogans wie \u201eBewaffnet und stolz\u201c, \u201eAmerikanisches Land \u2013 amerikanische Gesetze\u201c, \u201eMach Schluss mit deiner sozialistischen Freundin\u201c. Zwei Studentinnen begr\u00fc\u00dfen sich: \u201eHey, ich wusste gar nicht, dass du kommst.\u201c \u2013 \u201eAch wei\u00dft du, ich habe einfach die Schnauze voll von den Demokraten.\u201c<\/p>\n<p>Die Studenten hier tragen T-Shirts, Shorts oder Sportkleidung. W\u00e4hrend sie sich in den Seminarraum schieben und an die Tische setzen, l\u00e4uft das Lied \u201eCourtesy of the Red, White and Blue\u201c des Countrymusikers Toby Keith. Eine Zeile darin lautet: \u201eUnd es wird dir leidtun, dass du dich mit den <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/USA\" title=\"USA\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">USA<\/a> angelegt hast\/denn wir werden dir in den Arsch treten\u201c. Willkommen bei Turning Point USA. <\/p>\n<p>Erzkonservative Politik wird cool <\/p>\n<p>Turning Point USA, kurz TPUSA, ist die derzeit vielleicht einflussreichste Jugendorganisation in den Vereinigten Staaten. Sie wurde 2012 gegr\u00fcndet und ist nach eigener Aussage an 3500 Schulen und Hochschulen im Land vertreten. Als Mission nennt sie, \u201eStudenten \u00fcber die Bedeutung von Freiheit, freien M\u00e4rkten und einer beschr\u00e4nkten Regierung aufzukl\u00e4ren.\u201c TPUSA hat geschafft, was lange Zeit nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten wurde. Eine dynamische rechte Jugendbewegung zu starten. Oder kurz gesagt: erzkonservative Politik cool zu machen.<\/p>\n<p>Emma Arns begr\u00fc\u00dft die Teilnehmer des Treffens. Es ist das erste in diesem Semester an der Universit\u00e4t von Tennessee in Knoxville. Arns tr\u00e4gt Jeans und wei\u00dfe Sneaker. Sie studiert BWL und Politikwissenschaft und ist die Pr\u00e4sidentin des lokalen TPUSA-Ablegers. \u201eEs freut mich zu sehen, dass unsere Gruppe w\u00e4chst und ihr ein paar Freunde mitgebracht habt.\u201c \u00dcber 50 Studenten sind gekommen, rund ein Drittel sind Frauen.<\/p>\n<p>Arns kommt aus Chicago, einer ziemlich liberalen Stadt. Das erz\u00e4hlt sie ein paar Tage vorher in einem Videointerview. \u201eIch erinnere mich gut daran, dass die Lehrer uns in eine linke Richtung gepusht haben\u201c, sagt sie. Sie habe auch durch ihren Stiefvater, einen fr\u00fcheren Soldaten, zu einer konservativen Meinung gefunden. In ihrem letzten Jahr an der Highschool habe sie dann einen Flyer von TPUSA auf der Windschutzscheibe ihres Autos gefunden. \u00dcberzeugt von den Inhalten, gr\u00fcndete sie einen Ableger an ihrer Schule. <\/p>\n<p>Auch junge Frauen w\u00e4hlen rechts  <\/p>\n<p>In Raum 103 erz\u00e4hlt Arns den Neuen, was TPUSA seinen Mitgliedern bietet. Dazu geh\u00f6ren gemeinsame Wanderungen, Grillabende, ein Bibelkreis, Ausfl\u00fcge zum Schie\u00dfstand. TPUSA hilft au\u00dferdem bei der Karriere. Man vermittle gern Praktika, etwa bei konservativen Denkfabriken. Ein Zusammenschnitt einer TPUSA-Konferenz mit 20\u200a000 Teilnehmern wird gezeigt. \u201eSo ein tolles Event\u201c, schw\u00e4rmt Arns.<\/p>\n<p>Bekanntestes Gesicht der Organisation ist Gr\u00fcnder Charlie Kirk. Der 31-J\u00e4hrige hat Millionen Follower in den Sozialen Medien. Wenn er Colleges im Land besucht, kommen Tausende Zuschauer. Die \u201eNew York Times\u201c nannte ihn den \u201e<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Jugend\" title=\"Jugend\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jugend<\/a>-Fl\u00fcsterer\u201c. Zahlen zeigen, dass sich in den USA gerade etwas verschiebt. \u00dcber Jahrzehnte hielten junge W\u00e4hler in den USA traditionell zu den Demokraten. Das hat sich ge\u00e4ndert. Bei der Wahl 2024 stimmten M\u00e4nner unter 30 Jahren zu 56 Prozent f\u00fcr Trump. Bei den 18- bis 21-J\u00e4hrigen bevorzugen M\u00e4nner die Republikaner mit einem Vorsprung von 11 Prozent. <\/p>\n<p> \u201eGehirnw\u00e4sche vom liberalen Mob\u201c <\/p>\n<p>Emma Arns ist zwar die Pr\u00e4sidentin des TPUSA-Clubs an der Universit\u00e4t in Knoxville. Statistisch gesehen ist sie aber eher eine Ausnahme. Junge Frauen geh\u00f6ren zu den liberalsten Gruppen in den USA. Doch Arns wei\u00df genau, wie sie sich ihr Leben vorstellt: \u201eIch m\u00f6chte auf jeden Fall zwei oder drei Kinder haben und Hausfrau sein.\u201c Das entspricht ganz der Linie von TPUSA: M\u00e4nner sollen die Familie sch\u00fctzen und versorgen, Frauen sieht die Organisation vor allem in der Rolle als Mutter. Den Feminismus bezeichnet TPUSA \u2013 neben jeglicher Form von Einwanderung \u2013 als eine der gr\u00f6\u00dften Gefahren f\u00fcr die USA.<\/p>\n<p>Dann kommt Arns zum l\u00e4ngsten Tagesordnungspunkt des Treffens: ein Spiel. Daf\u00fcr schieben die Studenten ihre Pulte zu Gruppen zusammen, sie sollen lustige Vorschl\u00e4ge zu bestimmten Fragen machen. Zum Beispiel: \u201eDu hast eine Gehirnw\u00e4sche vom woken liberalen Mob bekommen, jetzt muss eine weitere Firma gecancelt werden. Wer muss dran glauben?\u201c <\/p>\n<p> Es geht um Identit\u00e4t <\/p>\n<p>\u201eMeister Proper\u201c, lautet die Idee einer Gruppe. \u201eWeil er ein wei\u00dfer Mann ist und damit impliziert, dass ethnische Minderheiten schmutzig sind.\u201c Gel\u00e4chter im Raum. F\u00fcr eine andere Aufgabe soll man sich besonders \u201ewoke\u201c Gerichte ausdenken. Die Vorschl\u00e4ge lauten \u201eToleranz-Tofu-Burger\u201c, \u201ePronomen-Kuchen\u201c oder \u201eWoke-Waffeln\u201c. So geht es insgesamt sieben Runden lang. Die Pointe richtet sich meist gegen Transpersonen, Minderheiten oder liberale Politiker. Gegen alles, was \u201ewoke\u201c ist.<\/p>\n<p>TPUSA gibt sich gern als Graswurzelbewegung, wird aber seit der Gr\u00fcndung von konservativen Gro\u00dfspendern finanziert. Die Organisation hat ein Budget von rund 80 Millionen Dollar pro Jahr. Den Flyer auf Emma Arns\u2018 Windschutzscheibe hatte ein hauptamtlicher Mitarbeitern dort platziert.<\/p>\n<p>Nach weniger als einer Dreiviertelstunde ist das Treffen im Raum 103 wieder vorbei. Wer TPUSA nur von dieser Veranstaltung kennt, wei\u00df hinterher kaum, wof\u00fcr sie inhaltlich steht. Man wei\u00df nur, dass sie Events veranstalten, bei der Karriere helfen und alles ablehnen, was sie als \u201ewoke\u201c, \u201elinks\u201c oder \u201eliberal\u201c bezeichnen. Pr\u00e4sidentin Arns sagt: \u201eWir sind nicht so themengetrieben, es geht mehr um Werte und Redefreiheit.\u201c<\/p>\n<p>Der amerikanische Journalist und Autor Ezra Klein hat ein Buch \u00fcber die Polarisierung in den USA geschrieben. Eine seiner Kernaussagen lautet: Sachpolitik und \u00dcberzeugung f\u00fcr die eigene Partei spielen kaum noch eine Rolle. Politik ist eine Identit\u00e4tsfrage geworden. Es gehe vor allem darum, wie man nicht sein will. Was man ablehnt. Wie beim Treffen in Raum 103.<\/p>\n<p> Kampagne gegen liberale Professoren  <\/p>\n<p>Auch Elena war bei dem Treffen. Sie ist \u00fcberzeugte Anh\u00e4ngerin, weicht aber in manchen Punkten vom konservativen Mainstream ab. Sie sagt, Frauen sollten keine \u201eTradwives\u201c sein, sondern auch einem Beruf nachgehen. Isabella, die Studentin, die meinte, sie habe \u201edie Schnauze voll\u201c von den Demokraten, ist f\u00fcr das Recht auf Abtreibung bis zur 28. Schwangerschaftswoche. Emma Arns sagt, sie f\u00e4nde eine l\u00e4ngere Elternzeit gut. Doch um Sachpolitik geht es bei diesem TPUSA-Treffen nicht. Es geht um die Vibes, um Stimmungen. Vielleicht ist das eines der Erfolgsrezepte.<\/p>\n<p>TPUSA beklagt einen linken Mainstream an Schulen und Unis. Arns sagt: \u201eUnis sind zu liberalen Kloaken geworden.\u201c Dem will die Organisation etwas entgegensetzen. Sie betreibt etwa eine \u201eProfessor Watchlist\u201c. Deren Ziel: \u201eProfessoren enttarnen, die konservative Studenten diskriminieren und linke Propaganda im H\u00f6rsaal betreiben.\u201c Auf der Webseite gibt es Hunderte Eintr\u00e4ge, viele der genannten Professoren forschen zu Themen wie Rassismus, Gender oder Abtreibung.<\/p>\n<p> Keine Kompromisse mit den Demokraten  <\/p>\n<p>Ist das nicht die Freiheit der Rede und Forschung, die Konservative sonst als Ideal hochhalten? Arns sagt: \u201eWir sind nicht diejenigen, die Cancel Culture betreiben \u2013 aber es ist wichtig, Leute zur Rechenschaft zu ziehen.\u201c Auch eine Professorin der Universit\u00e4t von Tennessee findet sich auf der \u201eProfessor Watchlist\u201c. Bittet man sie um ein Gespr\u00e4ch, will sie sich lieber nicht \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Man kann TPUSA als Teil einer Zangenbewegung sehen. W\u00e4hrend <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Donald_Trump\" title=\"Donald Trump\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Donald Trump<\/a> die Universit\u00e4ten von oben mit Klagen angreift und ihnen die Finanzierung entziehen will, attackiert TPUSA sie von unten. Konservative treten selbstbewusster auf. Und sind bereit, den Kulturkampf an den Unis aufzunehmen. Dabei beklagt auch Emma Arns die Polarisierung im Land, die aufgeheizte Stimmung, die Beschimpfungen. Sie berichtet von Freundschaften, die zerbrochen sind. \u201eViele Menschen sprechen nicht mehr miteinander und beleidigen sich, anstatt das Gegen\u00fcber verstehen zu wollen\u201c, sagt sie. \u201eIch verurteile Menschen nicht daf\u00fcr, was sie denken.\u201c Gibt es ein Thema, bei dem sie auf die Demokraten zugehen w\u00fcrde, wo sie Raum f\u00fcr Kompromisse sieht? \u201eGute Frage\u201c, sagt Arns und \u00fcberlegt. Ihr f\u00e4llt nichts ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Organisation Turning Point USA (TPUSA) gelingt, was man lange nicht f\u00fcr m\u00f6glich hielt: junge Menschen f\u00fcr erzkonservative&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":409503,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,106,13,1635,14,21120,15,12,108389,4017,4018,4016,64,4019,4020,108390],"class_list":{"0":"post-409502","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-donald-trump","11":"tag-headlines","12":"tag-jugend","13":"tag-nachrichten","14":"tag-neue-rechte","15":"tag-news","16":"tag-schlagzeilen","17":"tag-tpusa","18":"tag-united-states","19":"tag-united-states-of-america","20":"tag-us","21":"tag-usa","22":"tag-vereinigte-staaten","23":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika","24":"tag-wokeness"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115175314384417253","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/409502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=409502"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/409502\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/409503"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=409502"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=409502"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=409502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}