{"id":409822,"date":"2025-09-09T19:26:10","date_gmt":"2025-09-09T19:26:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/409822\/"},"modified":"2025-09-09T19:26:10","modified_gmt":"2025-09-09T19:26:10","slug":"museumsbesuch-auf-rezept-bald-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/409822\/","title":{"rendered":"Museumsbesuch auf Rezept bald in Deutschland?"},"content":{"rendered":"<p class=\"text-50 desktop:text-70 park-container-small px-6 mb-10 desktop:mb-14\">Paris\/Berlin \u00b7 <strong data-cy=\"intro\">L\u00e4nder wie Gro\u00dfbritannien und Kanada setzen Kunstbesuche gegen psychische Erkrankungen ein. In Deutschland gibt es erste Studien dazu und eine Empfehlung der TU Dresden, Museumsbesuche in die Regelversorgung aufzunehmen. Warum Kunst die Gesundheit f\u00f6rdern kann.<\/strong><\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Statt Tabletten ein Ticket: Vor \u00fcber zehn Jahren begann in Gro\u00dfbritannien ein Experiment, das heute weltweit Nachahmer findet \u2013 von <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/kanada\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kanada<\/a> \u00fcber <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/belgien\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Belgien<\/a> bis <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/frankreich\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frankreich<\/a>. \u00c4rztinnen und \u00c4rzte verschreiben kostenlos Museumsbesuche \u2013 gegen Stress, Depressionen und andere psychische Erkrankungen. Und Deutschland? Hier steckt die Idee noch in den Anf\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Europa: Gro\u00dfbritannien als Vorreiter      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Was in Deutschland noch wie Zukunftsmusik klingt, ist in Gro\u00dfbritannien l\u00e4ngst Realit\u00e4t. Dort l\u00e4uft der Museumsbesuch unter dem Dach des \u201eSocial Prescribing\u201c \u2013 also der Verschreibung sozialer oder kultureller Aktivit\u00e4ten zur Gesundheitsf\u00f6rderung \u2013 einem festen Baustein des staatlich finanzierten Gesundheitssystems NHS (National Health Service).<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die ersten Museumsrezepte \u2013 \u201eMuseums on Prescription\u201c \u2013 starteten 2014 in einem dreij\u00e4hrigen, preisgekr\u00f6nten Pilotprojekt \u2013 zun\u00e4chst f\u00fcr \u00e4ltere, sozial isolierte Menschen. Heute sind Kunst- und Museumsbesuche fest im Gesundheitssystem verankert \u2013 und die Wirkung ist messbar: 37 Prozent weniger Hausarztbesuche, 27 Prozent weniger Krankenhauseinweisungen. Die Zahlen stammen aus den 2023 erhobenen Daten der \u201eCulture Health &amp; Wellbeing Alliance\u201c, ein landesweites Netzwerk kreativer Gesundheitsinitiativen.<\/p>\n<p>Von Montreal bis Belgien und Frankreich      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auf Gro\u00dfbritannien folgte Kanada. Seit 2018 verschreiben \u00c4rztinnen und \u00c4rzte in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/montreal\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Montreal<\/a> Besuche im Museum of Fine Arts (MMFA). Pro Jahr kann jeder Arzt bis zu 50 Rezepte ausstellen, die von der Krankenkasse \u00fcbernommen werden. Studien des dortigen AgeTeQ-Labors belegten: Wer auf Rezept kommt, zeigt messbar h\u00f6here Lebensqualit\u00e4t und psychisches Wohlbefinden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das Konzept fand schnell weitere Anh\u00e4nger. In Br\u00fcssel begann 2021 ein \u00e4hnliches Programm: Gestartet mit f\u00fcnf Museen und 33 Medizinerinnen und Medizinern, sind heute mehr als zehn Museen und 18 medizinische Einrichtungen beteiligt. Den Eintritt in die Br\u00fcssler Museen \u00fcbernimmt die Stadt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In Frankreich wird die Idee landesweit umgesetzt \u2013 von Rennes in der Bretagne bis an die C\u00f4te d\u2019Azur. In <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/nizza\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nizza<\/a> erlaubt ein \u201eL\u2019art c\u2019est la sant\u00e9\u201c-Rezept (\u201eKunst ist Gesundheit\u201c) auch den Besuch des renommierten Matisse-Museums. Parallel erforschen im ganzen Land zahlreiche Forschungsprojekte, welchen Einfluss Kunstbesuche auf das Wohlbefinden haben.<\/p>\n<p>Kultur als Sport des 21. Jahrhunderts?      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Kunsthistorikerin Nathalie Bondil, Ex-Direktorin des Museum of Fine Arts (MMFA) und heute Leiterin des Institut du Monde Arabe in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/paris\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Paris<\/a>, ist \u00fcberzeugt: Kultur wird im 21. Jahrhundert f\u00fcr unsere Gesundheit das, was Sport im 20. Jahrhundert war.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Im Radiosender \u201eFrance Info\u201c erkl\u00e4rte sie: \u201eDer Mensch ist biologisch darauf ausgelegt, von Sch\u00f6nheit ber\u00fchrt zu werden und dadurch Wohlbefinden zu empfinden.\u201c In Montreal setzte Bondil die Idee 2018 schlie\u00dflich praktisch um.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Den Erfolg solcher Museumsbesuche beschreibt Dr. Catherine Hanak, leitende Psychiaterin an der Uniklinik Brugmann in Br\u00fcssel anschaulich in der Wochenzeitung \u201eLe Nouvel Obs\u201c: \u201eWenn wir etwas Angenehmes tun, reagiert unser Gehirn wie bei einem kleinen Feuerwerk \u2013 Dopamin wird freigesetzt, und wir f\u00fchlen uns sofort wohl. Das passiert beim Sport, bei einem Spaziergang im Wald \u2013 und genauso, wenn uns ein Kunstwerk ber\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p>Deutschland: Forschung, aber kein offizielles Ticket      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auch in Deutschland zeigt die Forschung, dass Museumsbesuche Depressionen, <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/demenz\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Demenz<\/a> und Einsamkeit lindern k\u00f6nnen \u2013 und das oft wirksamer und g\u00fcnstiger als Medikamente. Ein Bericht der TU <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/dresden\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dresden<\/a> empfahl daher die Besuche in die Regelversorgung aufzunehmen. Darin hei\u00dft es: \u201eEine Jahreskarte f\u00fcrs Museum wirkt offenbar deutlich wirksamer als Medikamente \u2013 besonders bei der Linderung depressiver Symptome von Menschen mit Demenz.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gemeinsam mit der Charit\u00e9 erprobt das Bode-Museum das Projekt \u201eDas heilende Museum\u201c. Es will die Achtsamkeit vor Kunstwerken erzielen. Daf\u00fcr steht ein eigens daf\u00fcr hergerichteter Raum zur Verf\u00fcgung, in dem verschiedene Meditationstraditionen pr\u00e4sentiert werden. Wer teilnehmen m\u00f6chte, kann die \u00dcbungen per Audioguide, Smartphone oder Website abrufen; dabei fallen Museumseintritt und ein Teilnehmerbeitrag an.<\/p>\n<p>Von Kunsttherapie zur Museumstherapie      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Schon 2019 wertete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) \u00fcber 3.000 Studien aus \u2013 mit klarem Ergebnis: Kunst- und Kulturangebote st\u00e4rken die psychische und physische Gesundheit &#8211; sie helfen, Leiden zu verarbeiten und den Genesungsprozess zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Darauf basiert die Museumstherapie. Anders als die bekanntere Kunsttherapie erfordert sie kein k\u00fcnstlerisches Talent \u2013 nur die Bereitschaft, Kunst bewusst zu erleben, etwa nach dem Slow-Art-Prinzip, bei dem man sich Zeit f\u00fcr einzelne Werke nimmt. Neu ist die Erkenntnis: Schon die reine Begegnung mit Kunst kann heilsam sein \u2013 ganz ohne eigenes kreatives Schaffen.<\/p>\n<p>Wachsende Debatte, aber offene Fragen      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Seit 2014 nehmen die Initiativen Fahrt auf, und die Museumstherapie erlebt laut Forscherin Leslie Labb\u00e9 ihren Moment des Aufbruchs. Doch so verlockend die Idee klingt, bleibt eine H\u00fcrde: Im Gespr\u00e4ch mit \u201eFrance Culture\u201c r\u00e4umte Labb\u00e9 ein, dass der medizinische Nutzen noch nicht abschlie\u00dfend wissenschaftlich belegt sei.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Trotzdem machte sie deutlich, warum Museumsbesuche so wertvoll sein k\u00f6nnen: \u201eWer eine Krankheit behandelt, therapiert nicht nur die Symptome, sondern begleitet den Menschen als Ganzes \u2013 und dazu bietet ein Museum unz\u00e4hlige Ansatzpunkte, die sich therapeutisch nutzen lassen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Paris\/Berlin \u00b7 L\u00e4nder wie Gro\u00dfbritannien und Kanada setzen Kunstbesuche gegen psychische Erkrankungen ein. 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