{"id":412150,"date":"2025-09-10T16:53:15","date_gmt":"2025-09-10T16:53:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/412150\/"},"modified":"2025-09-10T16:53:15","modified_gmt":"2025-09-10T16:53:15","slug":"macron-beruft-vertrauten-lecornu-als-premier-dw-10-09-2025-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/412150\/","title":{"rendered":"Macron beruft Vertrauten Lecornu als Premier \u2013 DW \u2013 10.09.2025"},"content":{"rendered":"<p>Der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/emmanuel-macron\/t-38664576\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Emmanuel Macron<\/a> hat S\u00e9bastien Lecornu zum neuen Premierminister ernannt und damit Hoffnungen des linken Lagers auf ein Entgegenkommen entt\u00e4uscht. Beobachter werten die Entscheidung f\u00fcr den 39-j\u00e4hrigen Ex-Konservativen als Zeichen daf\u00fcr, dass Macron mit einer Minderheitsregierung an seinem wirtschaftsfreundlichen Reformkurs festh\u00e4lt.\u00a0So hatte er in der Vergangenheit die Steuern f\u00fcr Unternehmen und Verm\u00f6gende gesenkt und das Rentenalter angehoben.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73947642\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73947642_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Frankreich Paris 2024 | Vor dem \u00c9lys\u00e9e-Palast in Paris ist ein roter Teppich ausgerollt, im Vordergrund stehen mehrere Mikrofone\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Roter Teppich f\u00fcr den neuen Regierungschef: Am \u00c9lys\u00e9e-Palast in Paris findet die offizielle Amts\u00fcbergabe stattBild: Abdullah Firas\/ABACA\/picture alliance<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident war zur Ernennung seines f\u00fcnften Regierungschefs innerhalb von weniger als zwei Jahren gezwungen, nachdem das Parlament dessen Vorg\u00e4nger Fran\u00e7ois Bayrou am Montag <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/frankreich-premier-bayrou-verliert-vertrauen-des-parlaments\/a-73924913\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">im Zuge einer von ihm selbst gestellten Vertrauensfrage gest\u00fcrzt<\/a> hatte. Bayrou konnte sich nur neun Monate im Amt halten. Der 74-J\u00e4hrige scheiterte mit seinem Bem\u00fchen, die hohe Staatsverschuldung mit massiven Ausgabenk\u00fcrzungen in den Griff zu bekommen, weil das linke Lager seine Vorschl\u00e4ge ablehnte. Hauptkritikpunkt war, die geplanten Reformen tr\u00e4fen vor allem Menschen mit niedrigeren Einkommen, Verm\u00f6gende hingegen w\u00fcrden beg\u00fcnstigt.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73947693\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73947693_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Frankreich Paris 2025 | Marine Le Pen sitzt im Parlament und schaut ernst\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>&#8222;Ende des Todeskampfs einer Phantomregierung&#8220;: Marine Le Pen, Fraktionschefin der rechtspopulistischen Partei Rassemblement NationalBild: Bertrand Guay\/AFP\/Getty Images<\/p>\n<p>Die Rechtsnationalen wiederum fordern &#8211; ebenso wie die radikale Linke um Jean-Luc M\u00e9lenchon &#8211; die Aufl\u00f6sung des Parlaments und Neuwahlen. Marine Le Pen vom Rassemblement National sagte nach Bayrous Niederlage: &#8222;Dieser Moment markiert das Ende des Todeskampfs einer Phantomregierung.&#8220; Macron allerdings will nach eigener Aussage im Amt bleiben. Er selbst hatte die aktuelle Krise verursacht, als er beim Regierungssturz im vergangenen Jahr die Nationalversammlung aufgel\u00f6st und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/wahlen-in-frankreich-2024\/t-69532552\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die W\u00e4hler an die Urnen gerufen<\/a> hatte. Seither verf\u00fcgt der Pr\u00e4sident nicht mehr \u00fcber eine eigene Mehrheit im Parlament.<\/p>\n<p>Unter den Argusaugen von Fitch<\/p>\n<p>Traditionell spielen Koalitionen und Parteienb\u00fcndnisse in <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/frankreich\/t-17518447\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frankreich<\/a> eine geringere Rolle als etwa in Deutschland. Die Spaltung innerhalb der Nationalversammlung l\u00e4sst auch die Perspektiven f\u00fcr die n\u00e4chste Regierung eher d\u00fcster erscheinen, w\u00e4hrend die Kapitalm\u00e4rkte die Entwicklung argw\u00f6hnisch verfolgen: Im vergangenen Jahr erreichte das Haushaltsdefizit fast das Doppelte des EU-Limits von drei Prozent der Wirtschaftsleistung. Am Freitag wird die Ratingagentur Fitch ihre Bewertung f\u00fcr Frankreich \u00fcberpr\u00fcfen, die bisher noch bei &#8222;AA-&#8220; mit negativem Ausblick steht.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73947504\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73947504_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Frankreich Paris 2025 | Fran\u00e7ois Bayrou spricht am Rednerpult der franz\u00f6sischen Nationalversammlung und hat dabei beide H\u00e4nde ausgebreitet\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>&#8222;Das \u00dcberleben Frankreichs steht auf dem Spiel&#8220;: Fran\u00e7ois Bayrou am Montag bei seiner letzten Rede als Premierminister im ParlamentBild: Mathilde Kaczkowski\/Hans Lucas\/AFP\/Getty Images<\/p>\n<p>Bayrou hatte die Parlamentarier kurz vor seinem Abgang mit Blick auf die hohe Schuldenlast beschworen: &#8222;Das \u00dcberleben Frankreichs steht auf dem Spiel.&#8220; Gemessen an der Wirtschaftsleistung hat das Land mit 114 Prozent die dritth\u00f6chste Schuldenquote in der Europ\u00e4ischen Union nach Griechenland und Italien. In absoluten Zahlen lastet auf der Republik mit rund 3,3 Billionen Euro <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/frankreichs-spiel-mit-dem-feuer\/a-73885227\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">der h\u00f6chste Schuldenberg in der Eurozone<\/a>.<\/p>\n<p>Unter den Fittichen von Sarkozy<\/p>\n<p>Der neue Premierminister Lecornu begann seine politische Karriere bei den Konservativen unter dem fr\u00fcheren Pr\u00e4sidenten Nicolas Sarkozy. Er verlie\u00df die Partei Les R\u00e9publicains, um sich Macrons zentristischer Bewegung bei dessen erster Wahl 2017 anzuschlie\u00dfen. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter leitete er die Kampagne vor Macrons Wiederwahl.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73947530\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73947530_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Frankreich Paris 2025 | Blick in den gut gef\u00fcllten Sitzungssaal der Nationalversammlung w\u00e4hrend der Rede von Fran\u00e7ois Bayrou am Montag\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Feindliche Lager: Die Nationalversammlung ist seit den Neuwahlen von 2024 tief gespaltenBild: Magali Cohen\/Hans Lucas\/AFP\/Getty Images<\/p>\n<p>Mit der Ernennung seines Vertrauten riskiert der Pr\u00e4sident, die Sozialisten vor den Kopf zu sto\u00dfen. Diese hatten sich gegen zentrale wirtschaftspolitische Ma\u00dfnahmen Macrons wie die Abschaffung der Verm\u00f6genssteuer und die Anhebung des Rentenalters gestemmt. Macron betrachtet diese jedoch als wesentlich, um Frankreich f\u00fcr Investoren attraktiver zu machen.<\/p>\n<p>Unter dem Druck der Stra\u00dfe<\/p>\n<p>Die Regierung ist nun m\u00f6glicherweise auf eine stillschweigende Unterst\u00fctzung durch die Rechtspopulisten des Rassemblement National angewiesen, zu dessen F\u00fchrung Lecornu in der Vergangenheit Kontakte pflegte.<\/p>\n<p>Zugleich sehen er und Macron sich einer neu formierten B\u00fcrgerbewegung gegen\u00fcber, die unter der Parole &#8222;Bloquons tout&#8220; (&#8222;Lasst uns alles blockieren!&#8220;) f\u00fcr diesen Mittwoch landesweite Proteste organisiert hat. Die Mobilisierung erfolgt allerdings dezentral \u00fcber soziale Medien, so dass unklar bleibt, wer genau hinter den Aufrufen steckt.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73947589\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73947589_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Frankreich Paris 2025 | Demonstranten und Polizisten in Schutzanz\u00fcgen und Helmen an der Gare du Nord in Paris\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>&#8222;Lasst uns alles blockieren&#8220;: Proteste im Gro\u00dfma\u00dfstab sollen Frankreich nach dem Willen einer B\u00fcrgerbewegung lahmlegen &#8211; hier eine Aufnahme aus ParisBild: Ameer Alhalbi\/Anadolu\/picture alliance<\/p>\n<p>Der Staat hat sich mit einem Gro\u00dfaufgebot von 80.000 Polizisten ger\u00fcstet. An geplanten Demonstrationen k\u00f6nnten bis zu 100.000 Menschen teilnehmen. Bisher wurden nach Beh\u00f6rdenangaben knapp 300 Menschen festgenommen. Erste Aktionen gab es in der Hauptstadt Paris und in etlichen weiteren St\u00e4dten, darunter Lyon, Marseille und Bordeaux. Innenminister Bruno Retailleau sprach von Angriffen auf Polizisten, Sabotageakten an Stromkabeln und einem abgebrannten Bus. Er erkl\u00e4rte, die B\u00fcrgerbewegung sei von Linksextremisten vereinnahmt worden.<\/p>\n<p>Es wird bef\u00fcrchtet, dass der Betrieb an Flugh\u00e4fen, Bahnh\u00f6fen und der Verkehr auf Schnellstra\u00dfen mit Blockaden oder Sabotageakten lahmgelegt werden. Die franz\u00f6sische Bahn k\u00fcndigte Beeintr\u00e4chtigungen im Regionalverkehr an. Auch in Unternehmen und an Universit\u00e4ten soll es Protestaktionen geben. Die Gewerkschaften haben au\u00dferdem f\u00fcr den 18. September zu Streiks aufgerufen.<\/p>\n<p>Unter dem Motto von\u00a0Merkel<\/p>\n<p>Lecornu selbst hatte sich noch am Abend seiner Ernennung direkt an alle Franzosen gewandt. Er verstehe die Erwartungen und kenne die Schwierigkeiten, sagte er in seiner Rede. Zugleich gab er ein Versprechen, das im politischen Betrieb eher selten ist: Lecornu k\u00fcndigte an, mit Demut ans Werk zu gehen.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73950162\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73950162_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Frankreich Paris 2025 | Fran\u00e7ois Bayrou und S\u00e9bastien Lecornu gehen zusammen \u00fcber den Innenhof des \u00c9lys\u00e9e-Palasts, Bayrou winkt Menschen zu, die links im Bild hinter einer Absperrung stehen und applaudieren\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Einer kommt, einer geht: S\u00e9bastien Lecornu mit seinem Vorg\u00e4nger Fran\u00e7ois Bayrou bei der Amts\u00fcbergabe in ParisBild: Ian Langsdon\/AFP\/Getty Images<\/p>\n<p>Bei seiner Amts\u00fcbernahme f\u00fcgte er hinzu:\u00a0&#8222;Die Diskrepanz zwischen dem politischen Leben des Landes und dem realen Leben ist besorgniserregend.&#8220;\u00a0F\u00fcr mediale Aufmerksamkeit sorgte indes jener Satz, mit dem die fr\u00fchere Bundeskanzlerin Angela Merkel einst in Deutschland f\u00fcr die Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen geworben hatte &#8211; und den Lecornu nun zitierte: &#8222;Wir schaffen das.&#8220;<\/p>\n<p>jj\/se (dpa, afp, rtr)<\/p>\n<p>Redaktionsschluss: 17.00 Uhr (MESZ) &#8211; dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron hat S\u00e9bastien Lecornu zum neuen Premierminister ernannt und damit Hoffnungen des linken Lagers&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":411847,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-412150","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-france","14":"tag-frankreich","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115181047188269639","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/412150","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=412150"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/412150\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/411847"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=412150"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=412150"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=412150"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}