{"id":412398,"date":"2025-09-10T19:07:10","date_gmt":"2025-09-10T19:07:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/412398\/"},"modified":"2025-09-10T19:07:10","modified_gmt":"2025-09-10T19:07:10","slug":"es-ist-das-chinesische-modell-trump-fuehrt-die-usa-in-den-autoritaeren-staatskapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/412398\/","title":{"rendered":"&#8222;Es ist das chinesische Modell&#8220;: Trump f\u00fchrt die USA in den autorit\u00e4ren Staatskapitalismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bei seinem autorit\u00e4ren Staatsumbau will Donald Trump nicht nur Justiz und Zentralbank, sondern auch Amerikas Konzerne f\u00fcr seinen Machterhalt einspannen. Erste Unternehmen waren schon an der Reihe. Ganze Branchen sind im Visier des Pr\u00e4sidenten.<\/strong><\/p>\n<p>Intel-Chef Lip-Bu Tan bekam seine Anweisungen klar und eindeutig erteilt. &#8222;Der CEO von Intel ist hochgradig befangen und muss sofort zur\u00fccktreten&#8220;, forderte Donald Trump im August auf Truth Social. &#8222;Es gibt keine andere L\u00f6sung f\u00fcr das Problem&#8220;. Die Kritik verfehlte ihre Wirkung nicht. Tan trat zwar nicht zur\u00fcck, aber nur zwei Wochen nach der \u00f6ffentlichen Demontage \u00f6ffnete er der US-Regierung die T\u00fcren: Die stieg mit rund neun Milliarden Dollar bei dem schw\u00e4chelnden US-Chip-Giganten ein. Danach lobte Trump Tans &#8222;Erfolg und Aufstieg&#8220; pl\u00f6tzlich als &#8222;unglaubliche Geschichte&#8220;.<\/p>\n<p>Es ist ein beispielloser Vorgang. Seit Jahrzehnten mischt sich der Staat in den USA allerh\u00f6chstens vor\u00fcbergehend in Krisenzeiten in die Wirtschaft ein, um etwa im Krieg Eisenbahnen, Kommunikationsnetze oder Kohleminen zu \u00fcbernehmen oder Banken und Autobauer vor dem Kollaps zu retten wie in der Finanzkrise 2008. Trump dagegen setzt nun die Macht des Staates zum ersten Mal als Rammbock ein, um einen der gr\u00f6\u00dften US-Konzerne unter seine Kontrolle zu bringen. &#8222;Es schafft einen gef\u00e4hrlichen Pr\u00e4zedenzfall, wenn der Pr\u00e4sident einfach 10 Prozent eines Unternehmens an sich rei\u00dfen kann, indem er den CEO bedroht&#8220;, sagt ein Intel-Gro\u00dfinvestor.<\/p>\n<p>Die Episode ist nur ein Beispiel f\u00fcr einen wirtschaftlichen Systemwechsel, der sich nahtlos in die autorit\u00e4re Transformation der USA einf\u00fcgt. Trump korrumpiert die Regierung und missbraucht die Hebel der exekutiven B\u00fcrokratie, um sich und seiner Familie <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Trump-kassiert-Milliarden-bei-Krypto-Deals-article25756949.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_self\">ungeniert Milliarden \u00fcber Krypto-Deals in die Taschen zu stopfen<\/a>, um seine eigene Macht zu zementieren und <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Unabhaengigkeitsnester-im-Visier-US-Praesident-Donald-Trump-weitet-Machtkampf-gegen-eigenen-Staatsapparat-aus-article26002721.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_self\">um seine Feinde und Kritiker zu verfolgen<\/a>. Nach Justiz, unabh\u00e4ngigen Regierungsbeh\u00f6rden wie dem<a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/So-will-Trump-die-US-Notenbank-unterwerfen-article25812750.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_self\"> Amt f\u00fcr Arbeitsmarktstatistik und der US-Zentralbank<\/a> nimmt Trump nun Amerikas Konzerne ins Visier und versucht, sie f\u00fcr seinen eigenen Machterhalt einzuspannen.<\/p>\n<p>Es ist ein Paradigmenwechsel f\u00fcr die USA, der den Weg zu einer neuen Form von Staatskapitalismus ebnet, die man bisher nur aus China kennt: &#8222;Das ist Staatsdirigismus, den es bisher in den USA nicht gab&#8220;, zitiert &#8222;Bloomberg&#8220; Gary Hufbauer vom Peterson Institute for International Economics. &#8222;Es ist ganz klar das chinesische Modell&#8220;.<\/p>\n<p>Staatskapitalismus mit amerikanischer Charakteristik<\/p>\n<p>Die Volksrepublik lebt bis heute \u00e4u\u00dferst erfolgreich mit einer Mischform von scheinbar freien M\u00e4rkten und politischer Allmacht der KP, die China aus bitterer Armut befreit hat. Nach Maos grausamer Kulturrevolution, die Millionen das Leben kostete und Chinas Entwicklung um Jahre zur\u00fcckwarf, stie\u00df Deng Xiaoping in den 70er Jahren mit seinem Diktum &#8222;Reich werden ist ruhmvoll&#8220; die T\u00fcr zum kapitalistischen Wandel und zur Liberalisierung des Landes auf. Herausgekommen ist eine spezielle, sozialistische Marktwirtschaft.<\/p>\n<p>Auch wenn Pekings Konzerne nominal unabh\u00e4ngig sind, nach Profit streben und ihre Aktion\u00e4re reich machen, setzen sie ihre Ressourcen nach Vorgaben der kommunistischen F\u00fchrung zum Wohle der Nation ein. Unter Chinas derzeitigem Pr\u00e4sidenten Xi Jinping verschwinden selbst m\u00e4chtige <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Der-Temu-Gruender-steigt-zum-reichsten-Mann-Chinas-auf-article25179863.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_self\">Wirtschaftsbosse, Banker und Startup-Milliard\u00e4re<\/a>, wenn er es will. <\/p>\n<p>In bei\u00dfender Anlehnung an Dengs Xiaopings Doktrin vom &#8222;Kapitalismus mit chinesischer Charakteristik&#8220; schreibt selbst das &#8222;Wall Street Journal&#8220; inzwischen vom &#8222;Staatskapitalismus mit amerikanischer Charakteristik&#8220; unter Trump: &#8222;Der Kapitalismus in Amerika f\u00e4ngt an, wie der in China auszusehen.&#8220;<\/p>\n<p>Trump will die US-Wirtschaft dirigieren wie die KP-Chefs in Peking<\/p>\n<p>Obwohl die USA noch l\u00e4ngst kein Ein-Parteien-Regime sind, sind die \u00c4hnlichkeiten frappierend. Einerseits schreibt sich Trump Deregulierung, Steuersenkungen und freie M\u00e4rkte auf die Fahne. Zugleich greift er in nie zuvor dagewesener Form in Amerikas Chefetagen ein, um sie f\u00fcr seine Politik auf Linie zu bringen. Die Einmischung hat verschiedene Gestalten: Bei der \u00dcbernahme von US Steel durch den japanischen Konzern Nippon Steel sicherte sich Trump das Recht, einen Aufsichtsrat zu ernennen und \u00fcber eine goldene Aktie pers\u00f6nlich sein Veto gegen Werksschlie\u00dfungen oder Jobverlagerung ins Ausland einzulegen. Auch beim einzigen US-Hersteller von seltenen Erden hat sich das Pentagon eine Sperrminorit\u00e4t gesichert.<\/p>\n<p>Solche strategischen Beteiligungen k\u00f6nnen vielleicht noch als etatistische Industriepolitik gelten, wie sie auch in anderen Staaten praktiziert wird. Doch sp\u00e4testens Trumps beispielloser Deal, mit dem das US-Finanzministerium k\u00fcnftig 20 Prozent aller chinesischen KI-Chipverk\u00e4ufe als Exportgeb\u00fchr von AMD und Nvidia, der wertvollsten Firma der Welt, kassiert, passt nicht mehr zu einem solchen herk\u00f6mmlichen politischen Muster. Das gilt auch f\u00fcr Investmentzusagen in H\u00f6he von 1,5 Billionen Dollar im Zuge von Handelsdeals mit Japan, der EU und S\u00fcdkorea, die Trump pers\u00f6nlich an ihm genehme Branchen und US-Regionen vergeben will.<\/p>\n<p>&#8222;Trumps Bereitschaft, in die M\u00e4rkte einzugreifen und mit staatlicher Macht Ergebnisse zu erzwingen, w\u00fcrde an den franz\u00f6sischen Dirigismus der 50er und 60er Jahre erinnern &#8211; w\u00e4re sie nicht so offenkundig eigenn\u00fctzig und klientelistisch&#8220;, zitiert die &#8222;Financial Times&#8220; den US-Politologen Carlo Accetti. Trump will die US-Wirtschaft lenken wie die KP-Chefs in Peking. Und sie zu seinem pers\u00f6nlichen, machtpolitischen Vorteil einsetzen.<\/p>\n<p>&#8222;Wo h\u00f6rt das auf?&#8220;<\/p>\n<p>Wer Geld verdienen will, braucht k\u00fcnftig Trumps Gunst: So macht er sich Amerikas Unternehmen zur Beute. &#8222;Ich f\u00fcrchte, dass wir bald ganze Branchen haben werden, in denen der Pr\u00e4sident einfach verlangt: &#8218;Zahlt erst mal an uns, bevor ihr \u00fcberhaupt ins Ausland verkaufen d\u00fcrft&#8220;, zitiert &#8222;Bloomberg&#8220; einen Portfoliomanager. &#8222;Wo h\u00f6rt das auf?&#8220;<\/p>\n<p>Trump hat klargemacht, dass seine Intel-Intervention erst der Anfang war: &#8222;Ich hoffe es wird noch viel mehr solche F\u00e4lle geben.&#8220; Laut US-Handelsminister Howard Lutnick erw\u00e4gt er bereits strategische Beteiligungen an Waffenfirmen wie Lockheed Martin, Boeing oder sogar der Datenkrake Palantir, <a href=\"(https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Palantir-das-Auge-das-alles-sieht-article25951325.html\" rel=\"Follow\" target=\"_self\">ohne deren Software CIA, FBI und das Pentagon ohnehin nicht mehr auskommen<\/a>.<\/p>\n<p>Bei vielen Amerikanern kommt der populistische Aderlass des Gro\u00dfkapitals gut an: Selbst der linke Senator Bernie Sanders feierte Trumps Nvidia-Exportgeb\u00fchren als clevere Idee, Steuern von den Multis zu kassieren. Doch die Gefahr liegt darin, dass wirtschaftliche Entscheidungen politisiert werden und nicht l\u00e4nger der Markt Gewinner und Verlierer k\u00fcrt. Sondern der Pr\u00e4sident im Wei\u00dfen Haus &#8211; und zwar ganz nach seinen pers\u00f6nlichen Interessen.<\/p>\n<p>Amerikas Wandel zur G\u00fcnstlingswirtschaft ist l\u00e4ngst offen zu sehen. Weil Trump ihre Konzerne mit drakonischen Z\u00f6llen erpresst, um sie zu Milliardeninvestments in den USA zu zwingen, schw\u00f6ren ihm die Tech-Milliard\u00e4re in nordkoreanischer Manier die Treue, um seine Gunst zu erhaschen. &#8222;Danke f\u00fcr ihre unglaubliche F\u00fchrung&#8220;, fl\u00f6tete Microsoft-Gr\u00fcnder Bill Gates k\u00fcrzlich beim Gala-Dinner der Tech-Oligarchen im Wei\u00dfen Haus.<\/p>\n<p>&#8222;Wir sind begeistert zu sehen, was Sie tun, um all unsere Unternehmen und unser gesamtes Land so erfolgreich zu machen&#8220;, sekundierte OpenAI-Chef Sam Altman. Auch Tim Cook bedankte sich brav f\u00fcr Trumps wirtschaftsfreundlichen Ton. Der CEO des wertvollsten Konzerns der Welt hatte dem Pr\u00e4sidenten schon Wochen zuvor pers\u00f6nlich seine unterw\u00fcrfige Haltung demonstriert: mit einer Glasskulptur als pers\u00f6nlichem Geschenk mit einem 24-kar\u00e4tigen Goldbarren als Sockel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bei seinem autorit\u00e4ren Staatsumbau will Donald Trump nicht nur Justiz und Zentralbank, sondern auch Amerikas Konzerne f\u00fcr seinen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":412399,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[134],"tags":[175,170,169,29,21901,30,171,174,38039,108950,113,173,172,64,55],"class_list":{"0":"post-412398","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-business","9":"tag-companies","10":"tag-companies-markets","11":"tag-deutschland","12":"tag-es","13":"tag-germany","14":"tag-markets","15":"tag-maerkte","16":"tag-modell","17":"tag-staatskapitalismus","18":"tag-trump","19":"tag-unternehmen","20":"tag-unternehmen-maerkte","21":"tag-usa","22":"tag-wirtschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115181574271367029","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/412398","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=412398"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/412398\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/412399"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=412398"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=412398"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=412398"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}