{"id":412602,"date":"2025-09-10T20:55:12","date_gmt":"2025-09-10T20:55:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/412602\/"},"modified":"2025-09-10T20:55:12","modified_gmt":"2025-09-10T20:55:12","slug":"neue-proteste-in-frankreich-gegen-macron","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/412602\/","title":{"rendered":"neue Proteste in Frankreich gegen Macron"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">In Frankreich hat sich eine neue Protestwelle formiert. Zehntausende gehen im ganzen Land gegen die Sparpl\u00e4ne der Regierung auf die Strasse. In der nordfranz\u00f6sischen Industriestadt Saint-\u00c9tienne-du-Rouvray tr\u00e4umen sie schon vom Ende der \u00c4ra Macron.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Ein Demonstrant reckt seine Faust in der N\u00e4he des Bahnhofs Gare du Nord in Paris in die H\u00f6he.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"6000\" height=\"4000\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/9aaa5d60-5719-46bb-94e5-8135b8649457.jpg\" loading=\"eager\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Ein Demonstrant reckt seine Faust in der N\u00e4he des Bahnhofs Gare du Nord in Paris in die H\u00f6he. <\/p>\n<p>Benoit Tessier \/ Reuters<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4qap4820\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">Ein Hauch von Revolution liegt \u00fcber dem Rond-point des vaches, dem \u00abKreisverkehr der K\u00fche\u00bb. Junge Leute stehen auf der Verkehrsinsel im Norden Frankreichs und schwenken Symbole ihres Protestes: Fahnen der Gelbwesten-Bewegung, schwarz-rote Antifa-Fahnen und solche mit Regenbogen. Auch eine pal\u00e4stinensische Flagge flattert an einem Verkehrsschild. D\u00fcnne Rauchschwaden steigen aus zwei kleinen Feuern auf.<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.\n      <\/p>\n<p>Bitte passen Sie die Einstellungen an.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4qcoub10\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Daivy Cos und seine Freunde sind schon seit den fr\u00fchen Morgenstunden auf der Strasse. Der 26-j\u00e4hrige Konditor konnte es kaum erwarten, an diesem Mittwoch \u2013 dem Tag, an dem in Frankreich \u00aballes blockiert\u00bb werden sollte \u2013 Barrikaden zu errichten und Flugbl\u00e4tter an Autofahrer zu verteilen. Zuerst fuhr er nach Rouen, bis dort der Regen einsetzte. Dann weiter ins benachbarte Saint-\u00c9tienne-du-Rouvray, eine kleine Industriestadt, die bekannt ist f\u00fcr ihre aufs\u00e4ssigen B\u00fcrger.<\/p>\n<p>\u00abAlles blockieren\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4qcoub30\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00abWir haben uns lange auf diesen Tag vorbereitet\u00bb, sagt Daivy, \u00abes ist an der Zeit, dass die, denen Macron nicht mehr zuh\u00f6ren will, sichtbar werden.\u00bb Der junge Anh\u00e4nger der Gelbwesten-Bewegung war schon als Jugendlicher Ende 2018 bei den Demonstrationen dabei, wie er sagt. Damals, als die Gilets jaunes im ganzen Land Strassen besetzten, um ihrer Wut \u00fcber die steigenden Energiepreise und die soziale Ungerechtigkeit Luft zu machen. Als sich im Norden Frankreichs der Kreisverkehr der K\u00fche in einen der wichtigsten Sammelpunkte des Protests verwandelte.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4qcoub40\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Aus Wut \u00fcber den Sparkurs der Regierung h\u00e4tten sie sich entschieden, ihren \u00abrevolution\u00e4ren Geist\u00bb von damals wiederaufleben zu lassen, sagen die Gelbwesten von Saint-\u00c9tienne-du-Rouvray. Schon im Juni sollen Aktivisten der Bewegung begonnen haben, sich wieder, wie vor acht Jahren, \u00fcber die sozialen Netzwerke zu organisieren. Neue, lose organisierte B\u00fcrgerkollektive wie \u00abLes Essentiels\u00bb oder \u00abIndignons-nous\u00bb gesellten sich dazu und erfanden eine Parole: \u00abBloquons tout!\u00bb, \u00abBlockieren wir alles!\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4qcoub50\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Am 10.\u00a0September, so \u00fcberlegten sie sich, sollten alle Franz\u00f6sinnen und Franzosen zu Hause bleiben, den Fernseher ausschalten, dem Computer den Stecker ziehen, keine Eink\u00e4ufe machen oder aber: auf die Strasse str\u00f6men, den Verkehr blockieren, \u00f6ffentliche Pl\u00e4tze, Bahnh\u00f6fe, Flugh\u00e4fen besetzen. Pr\u00e4sident Emmanuel Macron, gegen dessen liberale Sozialpolitik die Gilets jaunes schon vor acht Jahren protestierten, m\u00fcsse eine schmerzhafte Lektion erteilt werden.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4qcoub51\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Niemand wusste, ob dieser Aufruf zum Generalstreik wirklich den Auftakt zu einer neuen Welle sozialer Unruhen bilden w\u00fcrde. Doch f\u00fcr alle F\u00e4lle mobilisierte das franz\u00f6sische Innenministerium 80\u00a0000 Polizisten. Und um sich nicht l\u00e4nger dem Volkszorn auszusetzen, legte der Ex-Premierminister Fran\u00e7ois Bayrou seine Vertrauensabstimmung vorsichtshalber auf den 8.\u00a0September, zwei Tage vor der angek\u00fcndigten \u00abTotalblockade\u00bb. Seine nicht mehrheitsf\u00e4higen Sparpl\u00e4ne sahen Einsparungen in H\u00f6he von rund 44 Milliarden Euro vor. Doch am Montag st\u00fcrzte Bayrou wie erwartet \u00fcber die Vertrauensfrage. Und schon am Dienstag ernannte Macron einen Nachfolger, der dem Land nun aufs Neue zu erkl\u00e4ren hat, wie es sparen soll: S\u00e9bastien Lecornu, den bisherigen Verteidigungsminister.<\/p>\n<p>Neues Feindbild Lecornu<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4pn0g8k0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Am Rond-point des vaches, wo an die 300 Gelbwesten zusammengekommen sind, ist deswegen jetzt Lecornu das neue Feindbild. Daivy Cos kennt den neuen Premierminister \u2013 den f\u00fcnften in nur zwei Jahren \u2013 nicht wirklich. Er sagt, es sei ihm auch egal, wen Macron als n\u00e4chste \u00abMarionette\u00bb in Paris aufstelle. Und so sieht es auch Alma Dufour. Die 35-j\u00e4hrige ist Abgeordnete der Linksaussenpartei La France insoumise (LFI), Saint-\u00c9tienne-du-Rouvray geh\u00f6rt zu ihrem Wahlkreis. Sie habe viele Freunde unter den Gilets jaunes und freue sich \u00fcber die neue Mobilisierung, sagt sie. Deshalb stehe sie heute hier an der Seite ihrer Genossinnen und Genossen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Eine Anh\u00e4ngerin der Gilets jaunes aus Rouen zeigt stolz ihre Weste.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"2688\" height=\"1792\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Eine Anh\u00e4ngerin der Gilets jaunes aus Rouen zeigt stolz ihre Weste. <\/p>\n<p>Daniel Steinvorth<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4qdmd810\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Dufour sagt, sie habe kein Vertrauen in Lecornu, der lediglich die Politik seiner Vorg\u00e4nger fortsetzen und Frankreich damit noch weiter in den Untergang f\u00fchren werde. Das Land breche traurige Rekorde, meint sie, noch nie habe es so viel Armut und soziale Ungerechtigkeit gegeben. \u00abDie Franzosen wollen Neuwahlen, und sie wollen, dass Macron zur\u00fccktritt. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wird das geschehen, aber bestimmt nicht freiwillig. Deswegen werden uns heisse Monate bevorstehen, es wird ein Rock\u2019n\u2019Roll-Jahr.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4qe5g3c0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Am Kreisverkehr der K\u00fche \u2013 der so heisst, weil hier einst K\u00fche getrieben wurden, bevor sich die Gegend in eine Industrielandschaft verwandelte \u2013 hat ein Lkw-Fahrer die Schnauze voll. Holzpaletten, alte Reifen und Baustellenkegel versperren einen Teil der Fahrbahn. Der Fahrer versucht, die Barrikade zu durchbrechen. Er hupt und verflucht die Demonstranten. Andere Lkw haben die Motoren ausgeschaltet und warten geduldig, steigen aus und rauchen mit den Gelbwesten eine Zigarette. Bald reicht der Stau schon f\u00fcnf Kilometer zur\u00fcck. Doch Pkw, die es bis hierher geschafft haben, lassen die Gilets jaunes durch.<\/p>\n<p>Ausgeblutete Region<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4qekj7l0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00abWir haben aus unseren Fehlern gelernt\u00bb, sagt Olivier Bruneau, ein Sprecher der Bewegung. Diesmal d\u00fcrfe bei ihren Protesten nicht das einfache Volk Schaden erleiden, sondern \u00abdie Wirtschaft, die Bosse\u00bb. Der 48-j\u00e4hrige Arbeiter zeigt auf die Umgebung: Wo sich heute, in Sichtweite des Kreisverkehrs, ein riesiges Amazon-Verteilzentrum befinde, habe es fr\u00fcher eine Papierfabrik gegeben, sagt Bruneau. Raffinerien und Chemieanlagen seien aus der Gegend ganz verschwunden, eine ganze Region sei ausgeblutet, \u00abw\u00e4hrend sich einige wenige weiter die Taschen stopfen\u00bb.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4qflcoq0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Dass an diesem Tag \u00abganz Frankreich blockiert wird\u00bb, l\u00e4sst sich in Rouen und seiner Umgebung nicht beobachten. Rund 130 Kilometer s\u00fcd\u00f6stlich, in Paris, nehmen Sicherheitskr\u00e4fte bis zum Abend knapp 340 Demonstranten fest, erleiden 13 Polizisten bei Ausschreitungen Verletzungen. Von rund 175\u00a0000 Franzosen, die im ganzen Land auf die Strasse gingen, suchten f\u00fcr einmal nur wenige den Krawall. Doch f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage sind weitere Proteste angek\u00fcndigt. Und f\u00fcr den 18.\u00a0September haben die Gewerkschaften zu einem neuen Streiktag aufgerufen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Der Rond-point des vaches in Saint-\u00c9tienne-du-Rouvray geh\u00f6rt zu den historischen Brennpunkten der Gelbwesten-Bewegung.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"3186\" height=\"2124\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Der Rond-point des vaches in Saint-\u00c9tienne-du-Rouvray geh\u00f6rt zu den historischen Brennpunkten der Gelbwesten-Bewegung. <\/p>\n<p>Daniel Steinvorth<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4qgat7n1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">In Saint-\u00c9tienne-du-Rouvray geben die Gelbwesten am fr\u00fchen Abend die Strasse frei. M\u00e4nner und Frauen in Kapuzenpullis rollen grosse Traktorreifen von der Strasse. Jemand stimmt die Marseillaise an. Auch Daivy Cos, der junge Konditor, zieht ab, mit einem guten Gef\u00fchl, wie er sagt. Er habe viele neue Leute kennengelernt, erz\u00e4hlt er, Studenten, Bahnangestellte, Gewerkschafter, \u00abMenschen von rechts und links\u00bb. Er sp\u00fcre, dass sich da ein Druck auf die Regierung aufbaue. \u00abDas war heute erst der Anfang.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Frankreich hat sich eine neue Protestwelle formiert. 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