{"id":413281,"date":"2025-09-11T03:12:20","date_gmt":"2025-09-11T03:12:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/413281\/"},"modified":"2025-09-11T03:12:20","modified_gmt":"2025-09-11T03:12:20","slug":"gaza-stadt-alle-raus-aber-wohin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/413281\/","title":{"rendered":"Gaza-Stadt: Alle raus, aber wohin?"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">Seit Mitte M\u00e4rz 2025 fliegt Israel wieder schwere Luftangriffe auf den <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/gazastreifen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gazastreifen<\/a> \u2013 die seit Januar anhaltende Waffenruhe wird nicht verl\u00e4ngert. Zu diesem Zeitpunkt sollen Zehntausende Vertriebene aus dem S\u00fcden wieder in den Norden des weitgehend zerst\u00f6rten K\u00fcstenstreifens zur\u00fcckgekehrt sein.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Israels Premier Benjamin Netanjahu erkl\u00e4rt im April, die Armee werde im Gazastreifen nun &#8222;einen Gang h\u00f6her schalten&#8220;. Rasch nimmt das Milit\u00e4r weitere Gebiete ein und l\u00e4sst immer neue Zonen evakuieren. Au\u00dferdem best\u00e4tigt Verteidigungsminister Israel Katz: Israelische Soldaten sollen dauerhaft im Gazastreifen stationiert bleiben.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Seit Mai bereitet sich <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/israel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Israels<\/a> Armee darauf vor, die &#8222;operative Kontrolle&#8220; \u00fcber Teile Gazas zu \u00fcbernehmen. Dazu geh\u00f6rt auch: die Vertreibung der Bev\u00f6lkerung, verharmlost als &#8222;freiwilliger Transfer&#8220;. F\u00fcr elf Wochen blockiert Israel alle Hilfslieferungen, ab Ende Mai \u00fcbernimmt die umstrittene Gaza-Stiftung GHF die Verteilung. Die Zentren daf\u00fcr werden nur im S\u00fcden gebaut, und die Hilfe reicht kaum aus. Ab Juni mehren sich Berichte \u00fcber israelische Soldaten, die auf Wartende schie\u00dfen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Zwischen 800.000 und einer Million der rund zwei Millionen Bewohner des Gazastreifens sollen sich aktuell in Gaza-Stadt aufhalten. Die gr\u00f6\u00dfte Stadt des pal\u00e4stinensischen K\u00fcstengebiets ist einer der letzten Orte, an denen die teils mehrfach Vertriebenen Zuflucht finden. Nach 22 Monaten Krieg kontrolliert Israels Armee mittlerweile mindestens drei Viertel des Gazastreifens. Jetzt soll sie auch Gaza-Stadt einnehmen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">\u00dcber Wochen r\u00fcckt Israels Armee immer n\u00e4her an Gaza-Stadt heran. Am 2. September beruft die Armee 60.000 zus\u00e4tzliche Reservisten f\u00fcr die geplante Offensive ein. Verteidigungsminister Katz richtet schlie\u00dflich eine &#8222;letzte Warnung&#8220; an die Hamas: &#8222;Lasst die Geiseln frei und legt eure Waffen nieder \u2013 oder Gaza wird zerst\u00f6rt und ihr werdet vernichtet.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Am Dienstagmorgen warfen Armeeflugzeuge Hunderttausende Zettel \u00fcber Gaza-Stadt ab. Die Menschen im gesamten Gazastreifen f\u00fcrchten diesen Moment, wenn Israels Streitkr\u00e4fte dazu aufrufen, das Gebiet zu verlassen. Die meisten erleben das nicht zum ersten Mal. Zu ihrer eigenen Sicherheit sollten sie sich nach Al-Mawasi in den S\u00fcden begeben, hie\u00df es nun f\u00fcr die Bewohner und alle, die dort Schutz gesucht haben. Auf den Bl\u00e4ttern waren auch angeblich sichere Orte angegeben; in Gaza-Stadt soll sofort Panik ausgebrochen sein. &#8222;Familien warfen Koffer und Decken von den Balkonen, Kinder klammerten sich an Spielzeug, und Nachbarn warnten, dass israelische Kampfflugzeuge n\u00e4herkamen&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/middle-east-news\/palestinians\/2025-09-08\/ty-article\/.premium\/even-the-streets-wont-accept-us-gaza-city-evacuees-find-they-have-nowhere-else-to-go\/00000199-29e4-d336-addd-6fffb6140000\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">berichtet die Zeitung Ha\u2019aretz<\/a>.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Aktuell befinden sich bis zu eine Million Menschen in Gaza-Stadt, viele davon wurden bereits mehrfach vertrieben. Seit Israels Sicherheitskabinett im Juli die Einnahme der Stadt beschlossen hat, arbeiten sich die Bodentruppen langsam heran, erste Evakuierungsaufrufe f\u00fcr einzelne Viertel wurden schon fr\u00fch verteilt. Bereits vergangene Woche wollte die Armee 40 Prozent von Gaza-Stadt eingenommen und sichere Zufluchtsorte im S\u00fcden geschaffen haben. Man habe &#8222;damit begonnen, Zelte aufzustellen, Vorbereitungen f\u00fcr Hilfsg\u00fcterverteilungszentren zu treffen, eine Wasserleitung zu verlegen und vieles mehr&#8220;, sagte dazu der arabischsprachige Sprecher der israelischen Armee, Avichay Adraee.\n<\/p>\n<p>                            \u00dcber Gaza-Stadt l\u00e4sst die israelische Armee Flugbl\u00e4tter regnen: Alle sollen die Stadt verlassen.            \u00a9\u00a0Omar Al-Qattaa\/\u200bAFP\/\u200bGetty Images<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Tats\u00e4chlich verbreitet Israels Armee Karten, auf denen angeblich sichere Evakuierungszonen eingetragen sind. Diese Karten offenbaren aber zum einen das v\u00f6lkerrechtliche Problem der Fluchtaufrufe und zeigen zum anderen die ganz praktischen Schwachstellen. So liegen die eingezeichneten Orte zwischen Chan Junis und Rafah \u2013 und damit genau dort, wo der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich die Pal\u00e4stinenser in Gaza &#8222;konzentrieren&#8220; will. Innerhalb eines halben Jahres solle demnach &#8222;die Bev\u00f6lkerung auf einen schmalen Streifen Land beschr\u00e4nkt und der Rest der Enklave v\u00f6llig zerst\u00f6rt werden&#8220;, sagte Smotrich w\u00e4hrend einer Siedlerkonferenz im Mai. Al-Mawasi, der K\u00fcstenort, an den die Menschen aus Gaza-Stadt nun fliehen sollen, liegt genau in diesem schmalen Streifen Land.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Entsprechend f\u00fcrchten viele Menschen in Gaza-Stadt, dass eine Flucht ihnen keine Sicherheit bringen, sondern nur noch mehr Risiken bedeuten k\u00f6nnte. Bereits vergangene Woche k\u00fcndigten deshalb das griechisch-orthodoxe Patriarchat und das lateinische Patriarchat von Jerusalem an, dass ihre noch verbliebenen Geistlichen und Nonnen in Gaza-Stadt den Vertreibungsaufrufen nicht folgen w\u00fcrden. &#8222;Seit Ausbruch des Kriegs sind die griechisch-orthodoxe Anlage des Heiligen Porphyrius und die Anlage der Heiligen Familie Zufluchtsorte f\u00fcr Hunderte von Zivilisten&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/orthodox-church-in-gaza-city-ordered-to-evacuate-by-israeli-army\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hei\u00dft es in der gemeinsamen Erkl\u00e4rung<\/a>. &#8222;Aus diesem Grund haben die Geistlichen und Nonnen beschlossen, zu bleiben und sich weiterhin um alle zu k\u00fcmmern, die sich in den Anlagen aufhalten.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Damit zum praktischen Problem: Israelische Sicherheitsexperten warnen vor einem Szenario, in dem sich die Menschen den Aufrufen schlicht verweigern. &#8222;Wenn nur f\u00fcnf Prozent der Einwohner sich weigern, ihre H\u00e4user zu verlassen, was macht die IDF (die israelische Armee) dann?&#8220;,\u00a0 fragte Michael Milshtein, Leiter der Pal\u00e4stinenserstudien an der Universit\u00e4t Tel Aviv und ehemaliger Milit\u00e4rgeheimdienstmitarbeiter, in der <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/2025\/08\/29\/israel-gaza-city-evacuation\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Washington Post<\/a> vergangene Woche. &#8222;Wir werden feststellen, dass zwischen unseren sch\u00f6nen Pl\u00e4nen und der Realit\u00e4t eine dramatische Kluft besteht.&#8220;\n<\/p>\n<p>                            Nuseirat im zentralen Gazastreifen: W\u00e4hrend Israel seine Angriffe auf Gaza-Stadt verst\u00e4rkt, versuchen Menschen, in den S\u00fcden zu gelangen.            \u00a9\u00a0Eyad Baba\/\u200bAFP\/\u200bGetty Images<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Wie die Washington Post ebenfalls berichtet, soll auch die Hamas die Menschen zu zwingen versuchen, in Gaza-Stadt zu bleiben. Demnach sollten die Bewohner &#8222;den Drohungen und Einsch\u00fcchterungen der Besatzungsmacht nicht nachgeben&#8220;, hei\u00dft es in dem Bericht. Israels rechtsextremer Finanzminister Smotrich soll derweil gedroht haben, dass alle, die sich den Vertreibungsaufrufen widersetzten, ausgehungert w\u00fcrden. &#8222;Kein Wasser, kein Strom, sie k\u00f6nnen verhungern oder sich ergeben. Das ist es, was wir wollen&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/liveblog_entry\/anyone-in-gaza-city-who-doesnt-evacuate-can-die-of-hunger-or-surrender-smotrich-said-to-tell-idf-chief\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zitiert der Fernsehsender Channel 12 Smotrich<\/a>\u00a0w\u00e4hrend eines Koalitionstreffens vergangene Woche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit Mitte M\u00e4rz 2025 fliegt Israel wieder schwere Luftangriffe auf den Gazastreifen \u2013 die seit Januar anhaltende Waffenruhe&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":413282,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[6308,26439,738,13,411,451,14,15,16,12,10,8,9,11,103,104],"class_list":{"0":"post-413281","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-evakuierung","9":"tag-gaza-stadt","10":"tag-gazastreifen","11":"tag-headlines","12":"tag-israel","13":"tag-militaer","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-politik","17":"tag-schlagzeilen","18":"tag-top-news","19":"tag-top-meldungen","20":"tag-topmeldungen","21":"tag-topnews","22":"tag-welt","23":"tag-world"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115183481200481995","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/413281","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=413281"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/413281\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/413282"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=413281"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=413281"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=413281"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}