{"id":413858,"date":"2025-09-11T08:28:15","date_gmt":"2025-09-11T08:28:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/413858\/"},"modified":"2025-09-11T08:28:15","modified_gmt":"2025-09-11T08:28:15","slug":"werner-plumpe-gefaehrliche-rivalitaeten-buchkritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/413858\/","title":{"rendered":"Werner Plumpe \u2013 Gef\u00e4hrliche Rivalit\u00e4ten | Buchkritik"},"content":{"rendered":"<p>Z\u00f6lle und Handelskrieg \u2013 das sind Themen, die die Welt gerade in Atem halten. F\u00fcr mehr Hintergrund in der Debatte kann das neue Buch des Wirtschaftshistorikers Werner Plumpe sorgen.<\/p>\n<p>Seit Jahrhunderten schon wechseln Phasen friedlicher \u00f6konomischer Kooperation mit Wirtschaftskriegen, und nicht weniger erbittert liegen die \u00f6konomischen Schulen des Freihandels und des Protektionismus miteinander im Clinch. <\/p>\n<p>Der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe analysiert die wiederkehrenden Muster dahinter, mit denen sich auch unsere Gegenwart besser verstehen l\u00e4sst. Allgemein gilt:\u00a0\u00a0<\/p>\n<blockquote class=\"quote-blockquote\">\n<p>Die jeweils wirtschaftlich leistungsf\u00e4higere Seite pl\u00e4diert f\u00fcr Handelsfreiheit, von der sie sich klare Vorteile verspricht, und sieht in den Schutzma\u00dfnahmen des unterlegenen Partners illegitime Eingriffe in den Handel und die \u00f6konomische Kooperation.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In der Epoche des Absolutismus entwickelte sich der Merkantilismus. Z\u00f6lle und Einfuhrbeschr\u00e4nkungen sollten daf\u00fcr sorgen, dass sich die eigene Wirtschaft hinter \u201eSchutzmauern\u201c besser entwickelt. <\/p>\n<p>Heute hat sich eher die Auffassung durchgesetzt, dass die \u00d6konomie kein Nullsummenspiel ist, bei dem eine Seite gewinnt, was die andere verliert, sondern dass Kooperation und freier Handel allen n\u00fctzen und Wirtschaftskriege letztlich auch den Unternehmen und Konsumenten des eigenen Landes schaden.\u00a0<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1756729996282,werner-plumpe-gefaehrliche-rivalitaeten-102~_v-16x9@2dS_-6be50a9c75559ca1aaf1d0b25bae2.jpeg\"   class=\"\" data-copyright=\"Foto: Pressestelle, Rowohlt Verlag (c) Dawin Meckel, OSTKREUZ\" alt=\"Autor Werner Plumpe\" title=\"Autor Werner Plumpe (Foto: Pressestelle, Rowohlt Verlag (c) Dawin Meckel, OSTKREUZ)\" width=\"320\" height=\"180\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Autor Werner Plumpe<\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nPressestelle<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nRowohlt Verlag (c) Dawin Meckel, OSTKREUZ<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Aggressive Freihandelsideologie\u00a0<\/p>\n<p>Aber auch der Freihandel kann destruktive Wirkungen haben. Die Briten, die im 19. Jahrhundert die Weltmeere dominierten und Verfechter des Freihandels waren, ruinierten mit ihren Exporten das indische Baumwollgewerbe; die Rolle der Inder beschr\u00e4nkte sich fortan auf die Lieferung von Rohbaumwolle. Und auf Opiumanbau. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swrkultur\/literatur\/amitav-ghosh-rauch-und-asche-100.html\" class=\"link link-inline inline-link\" title=\"Die Geschichte einer \u201eabscheulichen Gemeinheit\u201c - \u201eRauch und Asche&quot;: Amitav Ghosh auf Spurensuche nach den Urspr\u00fcngen der Opiumepidemien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">In den Opiumkriegen<\/a> erzwangen die Briten dann die \u00d6ffnung der chinesischen M\u00e4rkte f\u00fcr den massenhaften Export der Droge, wodurch die Kolonie Indien Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse erzielte, die dem Mutterland Gro\u00dfbritannien zugutekamen. <\/p>\n<p>Zur Ironie der Geschichte geh\u00f6rt, dass die Briten zuvor ihre Industrie erfolgreich entwickelt hatten, indem sie sich von Importen abschotteten.\u00a0<\/p>\n<p>In den USA wiederum schirmte sich die aufstrebende Industrie der Nordstaaten durch Protektionismus und Z\u00f6lle effektiv ab von der britischen Konkurrenz. Die baumwollexportierenden S\u00fcdstaaten setzten dagegen auf Freihandel \u2013 ein Konflikt, der sich schlie\u00dflich bis zum B\u00fcrgerkrieg zuspitzte, bei dem es nicht nur um die Sklavenfrage ging, sondern um divergierende wirtschaftliche Interessen und Konzepte.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Die amerikanische Tradition des Protektionismus\u00a0<\/p>\n<p>Jedenfalls haben die Vereinigten Staaten immer wieder positive Erfahrungen mit dem Protektionismus gemacht.\u00a0\u00a0<\/p>\n<blockquote class=\"quote-blockquote\">\n<p>Der Aufstieg der USA zu ersten Wirtschaftsnation der Welt wurde hierdurch mit Sicherheit beg\u00fcnstigt, da das Land so gro\u00df und dynamisch war, dass sich ausl\u00e4ndische Investoren und Unternehmen von den Z\u00f6llen nicht an den entsprechenden Engagements hindern lie\u00dfen. Auch gr\u00fcndeten viele Unternehmen Niederlassungen in den USA, um die dortigen tarif\u00e4ren H\u00fcrden umgehen zu k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In dieser Tradition sieht sich nun auch Donald Trump mit seiner Zollandrohungspolitik. Er reagiert auf den Umstand, dass die USA seit 1945 mit hohen Kosten eine Welt- und Wirtschaftsordnung stabilisiert haben, deren Nutznie\u00dfer zunehmend andere L\u00e4nder wurden, allen voran China. <\/p>\n<p>Allerdings ist die Lage heute anders. Die Weltwirtschaft ist durch die Globalisierung so stark verflochten, dass die inzwischen von Importen abh\u00e4ngigen USA insbesondere durch Gegenma\u00dfnahmen Chinas stark gesch\u00e4digt w\u00fcrden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Gef\u00e4hrliche Rivalit\u00e4ten<br \/>\nWirtschaftskriege \u2013 von den Anf\u00e4ngen der Globalisierung bis zu Trumps Deal-Politik<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1756730137696,2025-09-11-werner-plumpe-gefaehrliche-rivalitaeten-100~_v-icon_-7bcdf069542bbe2d1d9ef7.jpeg\"  class=\"\" data-copyright=\"Foto: Pressestelle, Rowohlt Verlag\" alt=\"Werner Plumpe - Gef\u00e4hrliche Rivalit\u00e4ten\" title=\"Werner Plumpe - Gef\u00e4hrliche Rivalit\u00e4ten (Foto: Pressestelle, Rowohlt Verlag)\" width=\"320\" height=\"490\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Werner Plumpe &#8211; Gef\u00e4hrliche Rivalit\u00e4ten<\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nPressestelle<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nRowohlt Verlag<br \/>\n<\/a><\/p>\n<dl class=\"review-metadaten\">\n<dt class=\"review-author\">Autor<\/dt>\n<dd class=\"review-author\">\nWerner Plumpe\n<\/dd>\n<dt class=\"review-genre\">Genre<\/dt>\n<dd class=\"review-genre\">Sachbuch<\/dd>\n<dt class=\"review-publisher\">Verlag<\/dt>\n<dd class=\"review-publisher\">Rowohlt (320 Seiten, 25 Euro)<\/dd>\n<dt class=\"review-date-published\">Erscheinungsdatum<\/dt>\n<dd class=\"review-date-published\">13. Mai 2025<\/dd>\n<dt class=\"review-isbn\">ISBN<\/dt>\n<dd class=\"review-isbn\">978-3-7371-0216-2<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Moralischer Wirtschaftskrieg der Sanktionen\u00a0<\/p>\n<p>Werner Plumpe befasst sich mit den \u00f6konomischen Rivalit\u00e4ten des Kolonialzeitalters und dem Scheitern der napoleonischen Kontinentalsperre. Er analysiert den Friedensvertrag von Versailles als Fortsetzung des Ersten Weltkriegs mit wirtschaftlichen Mitteln \u2013 selten wurde der \u00f6konomische Verh\u00e4ngniszirkel der Weimarer Republik, der zu Hitlers Machtergreifung f\u00fchrte, so plausibel erkl\u00e4rt wie in diesem Buch, das sich am Ende noch mit einer neuen Art von Wirtschaftskonflikten besch\u00e4ftigt: <\/p>\n<p>Der Verh\u00e4ngung von Sanktionen, um von Unrechtsregimen Wohlverhalten zu erzwingen. Der Erfolg bleibt meist gering, sofern er nicht blo\u00df in der Illusion besteht, man bes\u00e4\u00dfe Handlungsf\u00e4higkeit. Auch das ist eine bittere Einsicht dieses \u00fcberaus erhellenden Buches.\u00a0\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Z\u00f6lle und Handelskrieg \u2013 das sind Themen, die die Welt gerade in Atem halten. 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