{"id":413918,"date":"2025-09-11T09:00:15","date_gmt":"2025-09-11T09:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/413918\/"},"modified":"2025-09-11T09:00:15","modified_gmt":"2025-09-11T09:00:15","slug":"putin-startet-gefuerchtete-sapad-uebung-ziel-ist-empfindliche-stelle-des-westens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/413918\/","title":{"rendered":"Putin startet gef\u00fcrchtete Sapad-\u00dcbung &#8211; Ziel ist empfindliche Stelle des Westens"},"content":{"rendered":"<p>Es ist wieder soweit: Ab Freitag findet das sogenannte Sapad-Man\u00f6ver statt. Was es mit der milit\u00e4rischen Gro\u00df\u00fcbung auf sich hat und warum sie geopolitisch eine gro\u00dfe Rolle spielt.<\/p>\n<p>Abgehalten wird sie im Landesinneren Wei\u00dfrusslands und im russischen Milit\u00e4rbezirk Moskau. &#8222;Sapad 2025 hat so wie alle vergleichbaren Gro\u00dfman\u00f6ver immer vier Bedeutungsstr\u00e4nge&#8220;, sagt Klemens Fischer im Gespr\u00e4ch mit FOCUS online. Er arbeitet als Professor f\u00fcr Geopolitik und Internationale Beziehungen an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>&#8222;Die beiden politischen Str\u00e4nge bedienen zum einen die eigene Bev\u00f6lkerung, der gezeigt werden soll, dass die eigene Armee einsatzbereit und schlagkr\u00e4ftig ist. Es dient also zur Beruhigung und zur Steigerung des Selbstwertgef\u00fchls.&#8220;<\/p>\n<p>Sapad-Man\u00f6ver als &#8222;alptraumhafte Erfahrung&#8220;<\/p>\n<p>Au\u00dfenpolitisch betrachtet, so erkl\u00e4rt es Fischer, ist Sapad ein Signal an Verb\u00fcndete und potentielle Gegner. Der Begriff hei\u00dft \u00fcbersetzt &#8222;Westen&#8220;. Gleichgesinnten soll B\u00fcndnistreue vermittelt, m\u00f6gliche Feinde sollen abgeschreckt werden.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Neu ist die Gro\u00df\u00fcbung nicht. Die ersten Sapad-Man\u00f6ver fanden bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren statt. Ab 2009 kam es zu regelm\u00e4\u00dfigen \u00dcbungen. &#8222;Die Man\u00f6ver 2013 und 2017 waren unspektakul\u00e4r. Die Auflage 2021 machte Sapad zu dem, was es heute ist: eine alptraumhafte Erfahrung f\u00fcr die Ukraine&#8220;, sagt der Geopolitik-Professor.<\/p>\n<p>Meistgelesene Artikel der Woche<\/p>\n<p>Denn: F\u00fcr viele westliche Beobachter gilt die Gro\u00df\u00fcbung 2021 r\u00fcckblickend als Blaupause f\u00fcr die Ukraine-Invasion im Februar 2022. Fischer erkl\u00e4rt: &#8222;Die Truppenkonzentration des Man\u00f6vers 2021 wurde von Russland dazu benutzt, immer mehr Einheiten grenznah in Stellung zu bringen.&#8220;<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Warum sich mit Sapad 2021 alles \u00e4nderte<\/p>\n<p>Besagte Soldaten formierten sich ihm zufolge f\u00fcr das Man\u00f6ver &#8222;Entschlossenheit der Union 2022&#8220;, das vom 10. bis 20. Februar 2022 stattfand. &#8222;Aus dieser Bereitstellung heraus erfolgte der Angriff auf die Ukraine&#8220;, so der Professor.\u00a0<\/p>\n<p>Fischer geht davon aus, dass die diesj\u00e4hrige \u00dcbung gezielt gegen die empfindliche Nordostflanke der Nato gerichtet ist. Wegen der geografischen Lage Wei\u00dfrusslands finde Sapad 2025 &#8222;gleichsam als Keil zwischen Finnland sowie den baltischen Staaten und Polen statt, von der russischen Enklave Kaliningrad nur durch den Suwalki-Korridor getrennt&#8220;.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Die Nachbarl\u00e4nder sind bereits alarmiert. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-09\/polen-belarus-russland-grenze-militaer-manoever-sapad\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Polen etwa will seine Grenze zu Wei\u00dfrussland dichtmachen<\/a>. &#8222;Aus Gr\u00fcnden der nationalen Sicherheit werden wir die Grenze zu Belarus (&#8230;) im Zusammenhang mit den Sapad-Man\u00f6vern am Donnerstag um Mitternacht schlie\u00dfen&#8220;, k\u00fcndigte Regierungschef Donald Tusk an. Litauen reagiert mit der Einschr\u00e4nkung des Luftraums.<\/p>\n<p>In Fischers Augen, der rund 30 Jahre lang der \u00f6sterreichischen EU-Botschaft in Br\u00fcssel angeh\u00f6rte, herrscht f\u00fcr die baltischen Staaten aber keine konkrete Angriffsgefahr. Daf\u00fcr, so erkl\u00e4rt er es, seien die geplanten Truppenst\u00e4rken zu gering. &#8222;Zuf\u00e4llige Grenz\u00fcberschreitungen&#8220; auf Nato-Gebiet w\u00e4hrend des Sapad-Man\u00f6vers h\u00e4lt Fischer ebenfalls f\u00fcr unwahrscheinlich. Der Abstand der Soldaten zum Baltikum w\u00e4re zu gro\u00df.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>ANZEIGE\u00dcber 30.000 Soldaten sollen am Man\u00f6ver beteiligt sein<\/p>\n<p>Wie viele Soldaten genau an der Milit\u00e4r\u00fcbung teilnehmen, ist unklar. In Medienberichten ist die Rede von 13.000 K\u00e4mpfern in Belarus und 30.000 weiteren in Russland. Der Milit\u00e4rexperte Wolfgang Richter geht jedoch davon aus, dass sich die Gesamt\u00fcbungsst\u00e4rke auf russischem und wei\u00dfrussischem Gebiet auf unter 30.000 Mann belaufen wird. Das w\u00e4re, verglichen mit den Vorjahren, relativ wenig.\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Wie der Oberst a. D. im Gespr\u00e4ch mit FOCUS online erkl\u00e4rt, sollen an der Sapad-\u00dcbung 2017 rund 100.000, im Jahr 2021 sogar knapp 200.000 Soldaten teilgenommen haben. Dass es jetzt wom\u00f6glich &#8222;nur&#8220; um die 30.000 werden, hat laut Richter wohl mit der Bindung russischer Truppen im Ukraine-Krieg zu tun.\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" data-hk=\"00a1042120a190a200302010\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/b5def2e8-3b52-424d-8609-8381cd88c704.12403072-8b44-4f90-bf3a-3dc621ab93a1.png\"  alt=\"russische Soldaten\" width=\"1079\" height=\"720\"\/> Russische Soldaten beim Training.  Imago <\/p>\n<p>So kommt er zu einem \u00e4hnlichen Schluss wie Fischer: &#8222;Angesichts des vergleichsweise geringen Truppenaufgebots Russlands und seines Verb\u00fcndeten Belarus, der kurzen \u00dcbungsdauer und der auf Truppen\u00fcbungspl\u00e4tze eingeschr\u00e4nkten Gefechtsschie\u00dfen haben die baltischen L\u00e4nder aktuell keinen Angriff Russlands zu bef\u00fcrchten.&#8220;<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Gleichwohl lassen sich laut dem Verteidigungsexperten elektronische St\u00f6rungen, unbeabsichtigte milit\u00e4rische Zwischenf\u00e4lle bei nahen \u00dcberfl\u00fcgen und Schiffsbegegnungen im internationalen Luft- und Seeraum nicht ausschlie\u00dfen. Sinnvoll ist in seinen Augen daher, wachsam und reaktionsbereit zu sein &#8211; zum Schutz der Nato-Ostflanke.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Das ist das Besondere am Sapad-Man\u00f6ver<\/p>\n<p>&#8222;Das geschieht im Verbund mit Alliierten bei parallelen Nato-\u00dcbungen wie &#8218;Iron Defender 2025&#8216; in Polen mit etwa 34.000 oder &#8218;Quadriga 2025&#8216; mit rund 8000 Teilnehmern&#8220;, sagt er. An der Quadriga sind neben der Bundeswehr Streitkr\u00e4fte aus 13 weiteren Nato-Staaten beteiligt.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Bei der \u00dcbung geht es darum, Truppen und Ausr\u00fcstung nach Litauen zu verlegen, im Folgenden werden gemeinsame Verteidigungsoperationen ge\u00fcbt. Aber: &#8222;Der begrenzte Truppenumfang und defensive \u00dcbungszweck, dass von dieser \u00dcbung keine strategische Gefahr f\u00fcr Russland oder Belarus ausgeht&#8220;, so Richter, der auch Associate Fellow beim Genfer Zentrum f\u00fcr Sicherheitspolitik (GCSP) ist.<\/p>\n<p>Wie er erkl\u00e4rt, hat Belarus die Sapad-\u00dcbung <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/sapad-manoever-in-weissrussland-und-russland-das-grosse-knallen-a-1168557.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nach den Regeln des &#8222;Wiener Dokuments&#8220; <\/a>der Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) angemeldet und Milit\u00e4rbeobachter eingeladen. Das ist ab einer Truppenst\u00e4rke von 13.000 Soldaten Pflicht.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Geprobt wird &#8222;sowohl das Funktionieren der Kommandostruktur auf der strategisch-operativen Ebene als auch das Gefecht im scharfen Schuss auf \u00dcbungspl\u00e4tzen&#8220;. Das Besondere ist, dass Russland und Belarus in einer Verteidigungsunion verbunden sind.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Das fiktive \u00dcbungsszenario soll die Verteidigung von Belarus und Teilen des benachbarten Westrusslands gegen einen Angriff aus westlicher Richtung simulieren. Es umfasst die Abwehr von Luft- und Landangriffen, Zerschlagung einer durchgebrochenen Kr\u00e4ftegruppierung, Gegenangriffe und den Kampf gegen subversiv k\u00e4mpfende Aufkl\u00e4rungs- und Sabotagegruppen&#8220;, so der Oberst a. D..<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Sapad-Man\u00f6ver als Propaganda-Instrument<\/p>\n<p>Fest steht: Sapad 2025 ist milit\u00e4risch bedeutsam, aber auch politisch brisant. Nicht nur aus den offensichtlichen Gr\u00fcnden. Ende August warnte der ukrainische Geheimdienst vor gezielten Desinformationskampagnen im Zusammenhang mit &#8222;Sapad 2025&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Es wird von Beginn an starken Informationsdruck geben&#8220;, sagte Kyrylo Budanow, Chef des ukrainischen Milit\u00e4rgeheimdienstes HUR, <a href=\"https:\/\/www.rbc.ua\/rus\/news\/budanov-navchannya-zahid-2025-bude-hvilya-1756477565.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">laut der Nachrichtenagentur RBC Ukraine<\/a> beim Forum &#8222;Informationskrieg: Vom Widerstand zur Resilienz&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Das Sapad-Man\u00f6ver k\u00f6nnte ihm zufolge propagandistisch genutzt werden, er spricht auch von einer &#8222;Hysterie&#8220; und von &#8222;Symbolen und Zeichen, vor allem f\u00fcr europ\u00e4ische L\u00e4nder, vor allem f\u00fcr die baltischen L\u00e4nder&#8220;.<\/p>\n<p>F\u00fcr Geopolitik-Professor Fischer keine \u00dcberraschung. &#8222;Es liegt in der sicherheits- und verteidigungspolitischen Natur derartiger Man\u00f6ver, dass sie der Propaganda dienen&#8220;, meint er. &#8222;Russland und Wei\u00dfrussland k\u00f6nnen sich eigentlich bei der Ukraine bedanken, dass sie diese russische Propaganda auch noch unterst\u00fctzt und nahezu befeuert.&#8220;<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>&#8222;Der Kreml wird sich bedanken&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr Moskau und Minsk gehe es darum, den &#8222;Kampf der verbundenen Waffen&#8220; zu demonstrieren &#8211; an Land, in der Luft und zu Wasser, aber auch mit Blick auf eine neue Dimension. Denn: Belarus will den Einsatz atomwaffenf\u00e4higer russischer Oreschnik-Raketen \u00fcben.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;In diesem Fall macht sich der ukrainische Geheimdienst zum Multiplikator der russischen Propaganda, wof\u00fcr sich der Kreml wohl bedanken wird&#8220;, so Fischer. Er sieht am Ende aber nicht die \u00dcbung selbst als zentral an &#8211; sondern das, was danach geschieht. &#8222;Sollte die man\u00f6verbedingte Truppenkonzentration nicht r\u00fcckgef\u00fchrt werden, ist Vorsicht geboten&#8220;, so der Professor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist wieder soweit: Ab Freitag findet das sogenannte Sapad-Man\u00f6ver statt. 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