{"id":414222,"date":"2025-09-11T11:47:22","date_gmt":"2025-09-11T11:47:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/414222\/"},"modified":"2025-09-11T11:47:22","modified_gmt":"2025-09-11T11:47:22","slug":"reagiert-die-zentralbank-auf-frankreichs-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/414222\/","title":{"rendered":"Reagiert die Zentralbank auf Frankreichs Krise?"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>analyse<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 11.09.2025 08:26 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die aktuelle Entwicklung in Frankreich hat das Potenzial f\u00fcr eine neue Eurokrise. Der EZB-Rat sieht das mit Sorge, verbreitet nach au\u00dfen aber Gelassenheit.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/korrespondent-ts-464.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Klaus-Rainer Jackisch, HR\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/jackisch-103.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nFran\u00e7ois Villeroy de Galhau ist ein engagierter und redegewandter Notenbanker, der gerne seine Meinung \u00e4u\u00dfert. Als Gouverneur der franz\u00f6sischen Notenbank ist er Mitglied des EZB-Rates und gilt als wichtiger Br\u00fcckenbauer zwischen den Anh\u00e4ngern einer lockereren und denen einer restriktiven Geldpolitik.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeit ein paar Wochen ist es ungew\u00f6hnlich ruhig um den 66-J\u00e4hrigen geworden. Aus dem Hotel de T\u00f4ulouse, dem barocken Amtssitz in Paris, dringt kaum ein Wort. Kein Wunder: De Galhau und sein gesamter Stab schauen mit Schrecken und Sorge auf die Turbulenzen im knapp drei Kilometer entfernten \u00c9lys\u00e9e-Palast.\u00a0<\/p>\n<p>    Frankreich bricht alle Regeln<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDort hat Pr\u00e4sident Emmanuel Macron nun dem f\u00fcnften Premier innerhalb von nur knapp zwei Jahren die Entlassungsurkunde \u00fcberreicht. Erneut scheiterte eine Minderheitsregierung an der Reform-Unwilligkeit des Landes.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch diese lassen sich wohl kaum noch vermeiden: Frankreich ist mit 116 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) verschuldet und reiht sich damit gleich auf den dritten Platz in der Eurozone ein, nach Griechenland und Italien. Eigentlich sind in der Eurozone nur 60 Prozent erlaubt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch das Defizit, also das Ausma\u00df der Mindereinnahmen im k\u00fcnftigen Haushalt, verst\u00f6\u00dft gegen die Regeln: Es betr\u00e4gt 5,4 Prozent vom BIP. Nach den vereinbarten Kriterien d\u00fcrften es maximal drei Prozent sein. Br\u00fcssel hat l\u00e4ngst einen blauen Brief nach Paris geschickt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeit Monaten \u00e4chzt das Land unter stark gestiegenen Kosten, um sich frisches Geld zu besorgen. Denn Investoren verlangen mittlerweile einen hohen Risikoaufschlag von rund 3,5 Prozent f\u00fcr neue zehnj\u00e4hrige Staatsanleihen. F\u00fcr 30-j\u00e4hrige Anleihen sind es sogar \u00fcber 4,0 Prozent. Das ist ungew\u00f6hnlich viel. Die Ratingagenturen schauen mit Argusaugen auf die Grande Nation und stufen reihenweise die Bonit\u00e4t des Landes herunter.\u00a0<\/p>\n<p>    Bahnt sich eine neue Euro-Krise an?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAll das erinnert fatal an die Zutaten f\u00fcr eine neue Euro-Krise. Die hatte Griechenland vor \u00fcber zehn Jahren beinahe aus dem Euroraum katapultiert und w\u00e4re der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion fast zum Verh\u00e4ngnis geworden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde, selbst Franz\u00f6sin und bei diesem Thema auch eher zur\u00fcckhaltend, skizzierte dennoch k\u00fcrzlich in einem viel beachteten Interview die brenzlige Lage. Allerdings verallgemeinerte sie die Lage in Frankreich: &#8222;Jedes Risiko eines Regierungssturzes in der Eurozone ist Grund zur Besorgnis&#8220;, sagte die EZB-Chefin im dem privaten franz\u00f6sischen Sender &#8222;Radio Classique&#8220;. Sie beobachte die Geschehnisse an den Finanzm\u00e4rkten sehr genau.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEin Eingreifen des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF), wie von einigen Beobachtern ins Spiel gebracht, h\u00e4lt die ehemalige IWF-Chefin allerdings f\u00fcr nicht gegeben. Wohl aber mahnende Worte: &#8222;Disziplin bei den \u00f6ffentlichen Finanzen ist notwendig, um ein Signal zu senden, dass man [&#8230;] an den Finanzm\u00e4rkten glaubw\u00fcrdig ist, den Staat, die \u00f6ffentliche Verwaltung und das Land zu finanzieren&#8220;, so Lagarde.\u00a0<\/p>\n<p>    Krisenfester als vor zehn Jahren<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nInsgesamt hat der EZB-Rat kein Interesse, in dem Thema stark herumzur\u00fchren &#8211; schlie\u00dflich gibt es schon genug Probleme. Mit dem Neutralit\u00e4tsgebot, Angelegenheiten in den Mitgliedsstaaten nicht zu kommentieren, kann man sich auch leicht aus der Aff\u00e4re ziehen. Tats\u00e4chlich steht die Eurozone heute aber auch wesentlich robuster da als zu Zeiten der Griechenland-Krise.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Europ\u00e4ische Zentralbank hat unter anderem ein spezielles Krisen-Werkzeug kreiert, um hoch verschuldete Staaten besser zu st\u00fctzen. Mit dem &#8222;Transmission Protection Instrument&#8220; (TPI) garantiert sie, zu starke Zinsdifferenzen zwischen Mitgliedsstaaten durch Anleihek\u00e4ufe einzud\u00e4mmen. Bislang wurde das Instrument aber noch nicht eingesetzt. Ginge es nach dem EZB-Rat, bliebe es auch lieber in der Schublade.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZum Gl\u00fcck ist der Druck der Finanzm\u00e4rkte zurzeit nur m\u00e4\u00dfig. Auch der letzte Investor d\u00fcrfte mittlerweile erkannt haben, dass die Zentralbank es bitterernst meint, wenn es um die Verteidigung der W\u00e4hrungsunion geht. Mario Draghis <a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/key\/date\/2012\/html\/sp120726.en.html\" title=\"Wortlaut der Rede von Mario Draghi | Europ\u00e4ische Zentralbank\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">&#8222;Whatever-it-takes&#8220;-Rede<\/a> klingelt genauso in den Ohren, wie Lagardes massives Vorgehen w\u00e4hrend der Pandemie.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSpekulanten w\u00fcrden sich massiv die Finger verbrennen, wenn sie wegen der hohen Verschuldung von Mitgliedsstaaten erneut wie 2012 auf einen Kollaps der Eurozone setzen w\u00fcrden. Von daher ist die Gefahr weitgehend gebannt.\u00a0<\/p>\n<p>    Zentralbank trotzdem vor schwieriger Entscheidung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nProblematisch aber ist die Situation Frankreichs f\u00fcr die weitere Geldpolitik der EZB. Mit Blick auf die Inflationsrate, die derzeit in der Eurozone wieder leicht auf 2,1 Prozent gestiegen ist, gibt es keinen Grund, die Zinsen weiter zu senken. Doch die angespannte Lage in der Grande Nation sowie die weiter heftig schw\u00e4chelnde Konjunktur in der Eurozone als Ganzes, schreien nach einer Zinssenkung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDurch die franz\u00f6sische Brille geschaut ist das noch verst\u00e4ndlicher: Hier hat die Inflationsrate seit Monaten schon fast deflation\u00e4re Tendenzen und liegt derzeit bei nur 0,8 Prozent. Zwar w\u00e4chst die Wirtschaft nach einer Prognose der EU-Kommission mit 0,6 Prozent wenigstens etwas im Unterschied zu Deutschland (0,0 Prozent). Das liegt auch daran, dass das Land weniger von den US-Z\u00f6llen getroffen wird.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWegen der anziehenden Arbeitslosigkeit in Frankreich ist die Konsumstimmung aber m\u00e4\u00dfig. Aufgrund des mangelnden Vertrauens und der hohen Zinsen gehen Investition drastisch zur\u00fcck. Ein bisschen Unterst\u00fctzung durch die Geldpolitik der EZB w\u00e4re in Paris also mehr als willkommen.<\/p>\n<p>    Auch Deutschland k\u00f6nnte in die Krise rutschen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDennoch geht man an den Finanzm\u00e4rkten davon aus, dass der EZB-Rat auch in dieser Woche nicht an der Zinsschraube dreht und den richtungsweisenden Einlagezinssatz bei 2,0 Prozent bel\u00e4sst. Dahinter d\u00fcrfte auch die Absicht stecken, die Dramatik in Frankreich herunterzuspielen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch m\u00f6chte man ein Zeichen setzen, dass sich auch andere L\u00e4nder besser am Riemen rei\u00dfen: Denn mit den vielen Sondert\u00f6pfen im Haushalt und dem geplanten starken Anstieg der Verschuldung k\u00f6nnte Deutschland schon bald der n\u00e4chste Krisenkandidat im Euroraum werden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nFrankreich k\u00f6nnte es durchaus gefallen, wenn auch der Nachbar es mit der Haushaltsdisziplin nicht mehr so ernst nimmt. Das sieht auch der Chef der franz\u00f6sischen Notenbank de Galhau so. Der geb\u00fcrtige Stra\u00dfburger, der flie\u00dfend Deutsch spricht, ist denn auch voll des Lobes f\u00fcr das deutsche Konjunkturprogramm der neuen Bundesregierung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn einem Interview mit der FAZ unterstrich er die Bedeutung f\u00fcr ganz Europa und sprach von einem &#8222;historischen Wendepunkt&#8220;.\u00a0Dass das Programm ebenfalls auf Pump finanziert ist, st\u00f6rt de Galhau nicht &#8211; wenn alle die Statuten \u00fcber Bord werfen, muss sich schlie\u00dflich keiner mehr sch\u00e4men.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"analyse Stand: 11.09.2025 08:26 Uhr Die aktuelle Entwicklung in Frankreich hat das Potenzial f\u00fcr eine neue Eurokrise. Der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":414223,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,17397,663,3934,875,3980,156,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-414222","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-euro-krise","12":"tag-europa","13":"tag-europe","14":"tag-ezb","15":"tag-france","16":"tag-frankreich","17":"tag-headlines","18":"tag-nachrichten","19":"tag-news","20":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115185506662848405","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/414222","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=414222"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/414222\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/414223"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=414222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=414222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=414222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}