{"id":414682,"date":"2025-09-11T15:51:15","date_gmt":"2025-09-11T15:51:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/414682\/"},"modified":"2025-09-11T15:51:15","modified_gmt":"2025-09-11T15:51:15","slug":"the-long-walk-ein-gnadenloser-wettlauf-gegen-die-unmenschlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/414682\/","title":{"rendered":"&#8222;The Long Walk&#8220;: Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Unmenschlichkeit"},"content":{"rendered":"<p>                    Stephen Kings Deb\u00fct verfilmt<br \/>\n                &#8222;The Long Walk &#8211; Der Todesmarsch&#8220;: Lauf oder stirb!<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t              \tVon Claudia Spitzkowski<br \/>\n\t\t\t\t              11.09.2025, 15:42 Uhr<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t       Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\tDiese Audioversion wurde k\u00fcnstlich generiert. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/23249898\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p><strong>Wer zu langsam ist, stirbt. In &#8222;The Long Walk&#8220; erz\u00e4hlt Stephen King 1967 die Geschichte eines gnadenlosen Wettlaufs durch ein dystopisches Amerika. Die Verfilmung zeigt: Der Stoff ist heute aktueller denn je.<\/strong><\/p>\n<p>1979 ver\u00f6ffentlicht Stephen King unter dem Pseudonym Richard Bachmann seinen bereits 12 Jahre zuvor als Student geschriebenen Deb\u00fct-Roman &#8222;The Long Walk&#8220;. Die Geschichte eines Gewaltmarsches, in dem junge M\u00e4nner f\u00fcr Geld und die Erf\u00fcllung ihres gr\u00f6\u00dften Wunsches ihr Leben aufs Spiel setzen, war urspr\u00fcnglich als Allegorie auf den Vietnamkrieg gedacht. Das Timing f\u00fcr die Verfilmung des Buches fast 50 Jahre sp\u00e4ter k\u00f6nnte aber &#8211; mit Donald Trump als Pr\u00e4sident der USA &#8211; kaum passender und aktueller sein. F\u00fcr Regisseur Francis Lawrence ist &#8222;The Long Walk &#8211; Der Todesmarsch&#8220; eine &#8222;Metapher f\u00fcr den Zerfall des amerikanischen Traums&#8220;. <\/p>\n<p>&#8222;Stagnierende L\u00f6hne, Inflation, Lebenshaltungskosten und andere finanzielle Belastungen haben so vielen Menschen das Gef\u00fchl gegeben, dass ihre Ziele unerreichbar und ihre Anstrengungen sinnlos geworden sind&#8220;, erkl\u00e4rt er. Den Nihilismus, den er in Amerika sp\u00fcrt, bebildert Lawrence in langen Kamerafahrten durch menschenleere Landschaften einer dystopischen Version der USA. Verfallene Fabriken, brach liegende Felder und brennende Autos am Wegesrand zeigen ein Land, das weit entfernt von &#8222;America the Beautiful&#8220; ist.<\/p>\n<p>Im Film haben sich die USA nach einem Krieg in einen tyrannischen Polizeistaat verwandelt. Freies Denken und Aufbegehren gegen die Regeln werden mit dem Tode bestraft. Die Not ist so gro\u00df, dass sich allj\u00e4hrlich junge M\u00e4nner, fast noch Kinder, freiwillig f\u00fcr den &#8222;Long Walk&#8220; melden. Das Spektakel wird live im Fernsehen \u00fcbertragen. Das Durchhalteverm\u00f6gen der Teilnehmer soll als Vorbild gelten und die Arbeitsmoral im krisengesch\u00fcttelten Amerika anheben. Wer siegt, dem winkt ein hohes Preisgeld und die Erf\u00fcllung eines pers\u00f6nlichen Wunsches. Alle anderen Teilnehmer bleiben &#8211; wortw\u00f6rtlich &#8211; auf der Strecke. Sie \u00fcberleben das Rennen, das erst endet, wenn nur noch einer l\u00e4uft, nicht. Wer schw\u00e4chelt und langsamer wird, wird zun\u00e4chst verwarnt und dann von Soldaten noch auf der Strecke erschossen. Survival of the fittest &#8211; im wahrsten Sinne des Wortes.<\/p>\n<p>Dass die angeblich freiwillige Teilnahme letztendlich nur eine Farce ist, hat Hauptfigur Raymond Garraty (gespielt von Cooper Hoffman, Sohn des 2014 verstorbenen Oscar-Preistr\u00e4gers Philip Seymour Hoffman) bereits vor dem Start begriffen. Das gezeigte Amerika ist ein Land, in dem &#8222;den Menschen nichts anderes \u00fcbrigbleibt, als ihr Leben zu riskieren, um sich eine bessere Zukunft zu sichern, ein Dach \u00fcber dem Kopf zu bezahlen oder Essen auf den Tisch zu bringen&#8220;, best\u00e4tigt der Regisseur. Darin hei\u00dft es zwangsl\u00e4ufig f\u00fcr alle: Lauf oder stirb.<\/p>\n<p>Mittelfinger der Menschlichkeit<\/p>\n<p>Und so gilt es f\u00fcr die Teilnehmer, nicht nur die eigene k\u00f6rperliche Belastbarkeit bis weit \u00fcber die Schmerzgrenze hinaus auszutesten, sondern auch dem psychischen Druck standzuhalten. Denn sp\u00e4testens nach dem ersten Toten hat jeder der Jungs vor Augen, was ihm droht, wenn er das vorgegebene Tempo nicht h\u00e4lt. Obwohl sich in dieser Lage eigentlich jeder selbst der N\u00e4chste sein sollte, bildet sich eine Schicksalsgemeinschaft. An Garratys Seite laufen alsbald McFries (verk\u00f6rpert von David Jonsson, &#8222;Alien: Romulus&#8220;), Baker (Tut Nyuot) und Olson (Ben Wang). Frei nach Alexandre Dumas&#8216; nennen sie sich &#8222;Die Musketiere&#8220; und \u00fcbernehmen deren Leitgedanken: &#8222;Alle f\u00fcr einen.&#8220; Sie stellen Konkurrenzgehabe hintan und motivieren sich gegenseitig, nicht aufzugeben. Ein Mittelfinger der Menschlichkeit, der sich in Richtung der totalit\u00e4ren Regierung streckt, die die jungen M\u00e4nner aus Propagandagr\u00fcnden zu dieser Tour de Force zwingt. <\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/The-Long-Walk-Todesmarsch-Szenenbilder-05.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Garraty (Cooper Hoffman) und McFries (David Jonsson) freunden sich auf dem &quot;Long Walk&quot; an.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/The-Long-Walk-Todesmarsch-Szenenbilder-05.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Garraty (Cooper Hoffman) und McFries (David Jonsson) freunden sich auf dem &#8222;Long Walk&#8220; an.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Lionsgate)<\/p>\n<p>Das Narrativ der zun\u00e4chst unfreiwilligen, dann aber verschworenen, Gemeinschaft, kennen Fans von Stephen King aus &#8222;Es&#8220; oder &#8222;Stand by me&#8220;. W\u00e4hrend in diesen Klassikern des Autors aber der zwischenmenschlichen Dynamik Raum gegeben wird, um die Charaktere kennenzulernen und mit ihnen zu f\u00fchlen und zu bangen, zeichnet sich in &#8222;The Long Walk&#8220; leider (zu) schnell ab, wer im Laufe der Handlung als Kanonenfutter am Stra\u00dfenrand liegenbleibt. Der Film legt den Fokus ab der Mitte denn auch fast ausschlie\u00dflich auf die Beziehung von Garraty und McVries und deren pers\u00f6nliche Motive, am &#8222;Long Walk&#8220; teilzunehmen. Ohne zu spoilern sei hier gesagt: Beiden geht es in erster Linie nicht um die Siegespr\u00e4mie. <\/p>\n<p>Diese Bromance, die von Hoffman (der bereits in &#8222;Licorice Pizza&#8220; gl\u00e4nzte) und Jonsson kongenial gespielt wird, tr\u00e4gt den Film bis zu seinem Ende, das sich \u00fcbrigens von der Buchvorlage unterscheidet. Das Interesse an den Charakteren um sie herum schwindet jedoch mit jedem erschossenen Jungen mehr. Verst\u00e4rkt durch das Wissen, dass am Ende gem\u00e4\u00df der Regeln nur noch ein Teilnehmer \u00fcbrig bleiben darf. W\u00e4hrend der erste Tote noch ein Schock f\u00fcr L\u00e4ufer und Zuschauer gleicherma\u00dfen ist, schleicht sich leider im weiteren Verlauf der Handlung durch das immer \u00e4hnlich verlaufende T\u00f6ten ein gewisses Gef\u00fchl der Abstumpfung ein. Obwohl Lawrence, der bereits in den &#8222;Hunger Games&#8220;-Filmen keine Skrupel hatte, junge Menschen publikumswirksam sterben zu lassen, die Schockmomente bewusst setzt. Er h\u00e4lt mit der Kamera drauf, wenn Hirnmasse spritzt und Panzerketten Beine zerquetschen.<\/p>\n<p>Besonders den Unsympathen im Film h\u00e4tte man ein wenig mehr Backstory gew\u00fcnscht, um ihre Motive nachvollziehen zu k\u00f6nnen. Allen voran der Major, der von &#8222;Star Wars&#8220;-Legende Mark Hamill (kaum zu erkennen hinter seiner Sonnenbrille) beinahe roboterhaft empathielos gespielt wird. <\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/The-Long-Walk-Todesmarsch-Szenenbilder-03.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Mit Mark Hamill als &quot;The Major&quot; ist in &quot;The Long Walk&quot; nicht zu spa\u00dfen.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/The-Long-Walk-Todesmarsch-Szenenbilder-03.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Mit Mark Hamill als &#8222;The Major&#8220; ist in &#8222;The Long Walk&#8220; nicht zu spa\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Lionsgate)<\/p>\n<p>Wenn er vom Panzer aus Reden schwingt, meint man das eine oder andere Mal \u00fcbrigens, dass hier Donald Trump h\u00f6chstselbst zu den L\u00e4ufern spricht. Nicht auszuschlie\u00dfen, dass sich Hamill in Vorbereitung auf seine Rolle von den MAGA-Auftritten des Pr\u00e4sidenten inspirieren lie\u00df. <\/p>\n<p>Wie weit w\u00fcrde ich gehen?<\/p>\n<p>Wer bei &#8222;The Long Walk&#8220; eine typische Stephen-King-Verfilmung erwartet, der wird entt\u00e4uscht, auch wenn die Angst auf jeder Meile des Gewaltmarsches mitl\u00e4uft. Kein vordergr\u00fcndiger Grusel, keine Monster, keine Killer-Clowns. <\/p>\n<p>Daf\u00fcr bietet der Film trotz einiger L\u00e4ngen eine exzellent gespielte und dramatische Story, die im Anschluss an den Kinobesuch noch lange nachhallt und Stoff f\u00fcr Gedankenspiele liefert: Wie weit w\u00fcrde ich f\u00fcr meine Liebsten gehen? W\u00fcrde ich die Befriedigung pers\u00f6nlicher Bed\u00fcrfnisse \u00fcber das Wohl aller stellen? Und liegt der gr\u00f6\u00dfte Horror des Films m\u00f6glicherweise darin, dass diese dystopische Welt, die Stephen King erschaffen hat, aktuell gar nicht so v\u00f6llig unm\u00f6glich erscheint? <\/p>\n<p>&#8222;The Long Walk &#8211; Der Todesmarsch&#8220; l\u00e4uft ab dem 11. September in den deutschen Kinos.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stephen Kings Deb\u00fct verfilmt &#8222;The Long Walk &#8211; Der Todesmarsch&#8220;: Lauf oder stirb! 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