{"id":414764,"date":"2025-09-11T16:35:12","date_gmt":"2025-09-11T16:35:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/414764\/"},"modified":"2025-09-11T16:35:12","modified_gmt":"2025-09-11T16:35:12","slug":"eine-ratte-als-blinder-flugzeug-passagier-tierischer-mitreisender-deckt-potenzielle-gesundheitsrisiken-auf-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/414764\/","title":{"rendered":"Eine Ratte als blinder Flugzeug-Passagier &#8211; Tierischer Mitreisender deckt potenzielle Gesundheitsrisiken auf"},"content":{"rendered":"<p>Keine ganz leichte Aufgabe: Um die Ratte dingfest zu machen, wurde das Flugzeug zun\u00e4chst mit CO2 geflutet, um sie zu bet\u00e4uben und zu t\u00f6ten. Dann suchten Sicherheitskr\u00e4fte mithilfe eines Sp\u00fcrhunds nach dem Kadaver des vierbeinigen blinden Passagiers. Nachdem sie das Tier aufgesp\u00fcrt hatten, wurde es eingefroren und an die Tierseuchenexperten vom Friedrich-L\u00f6ffler-Institut geschickt. Denn die Luftfahrtgesetze schreiben vor, dass solche \u201eTierpassagiere\u201c auf potenziell gef\u00e4hrliche Krankheitserreger untersucht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Keine gef\u00e4hrlichen Erreger\u2026<\/p>\n<p>In den Hochsicherheitslaboren des Friedrich-L\u00f6ffler-Institut haben Ulrich, seine Kollegin Elisa Heuser und ihr Team die Ratte seziert und Proben von Blut, Kot und Geweben auf Erreger hin untersucht. Dabei kam eine mehrschichtige Screening-Strategie zum Einsatz, die Bakterienkulturen, Hochdurchsatz-Sequenzierung sowie verschiedene serologische und genetische Methoden umfasste.\n<\/p>\n<p>Das Ergebnis: Die Ratte aus dem Flugzeug trug zwar reichlich Bakterien und Viren in sich. Diese waren aber zum gr\u00f6\u00dften Teil harmlose oder n\u00fctzliche Mitbewohner wie Milchs\u00e4urebakterien oder schimmelpilzbefallende Viren. Auch einige opportunistische, nur selten krankmachende Bakterien wie Enterobacter cloacae und Klebsiella aerogenes lie\u00dfen sich in der Ratte nachweisen. Erreger gef\u00fcrchteter Zoonosen wie Hantaviren, Leptospirose-Erreger oder das Ratten-Hepatitis-E-Virus waren dagegen nicht dabei, wie das Team berichtet.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/r\/a\/ratteimflugzeug3g.jpg\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/r\/a\/ratteimflugzeug3g.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/r\/a\/ratteimflugzeug3g.jpg\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/r\/a\/ratteimflugzeug3g.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-306226\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/ratteimflugzeug3g-300x230.jpg\" alt=\"Staphylococcus aureus\" width=\"300\" height=\"230\"  \/><\/a>Bakterien der Art Staphylococcus aureus. \u00a9 CDC\n<\/p>\n<p>\u2026aber eine mikrobielle \u00dcberraschung<\/p>\n<p>\u201eDas \u00dcberraschende war aber nicht, was wir nicht gefunden haben, sondern was wir fanden\u201c, sagt Ulrich. Denn das Team entdeckte in Nase und Darm der Ratte auch Bakterien der Spezies Staphylococcus aureus. Dieses Bakterium geh\u00f6rt zum Mikrobiom unserer Haut, einige Varianten k\u00f6nnen aber auch Lungenentz\u00fcndungen und Blutvergiftung verursachen. Besonders gef\u00fcrchtet sind dabei multiresistente St\u00e4mme des Erregers, die als Krankenhauskeim <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/medizin\/deutschland-bis-zu-20-000-tote-jaehrlich-durch-krankenhauskeime\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">MRSA<\/a> j\u00e4hrlich tausende Todesopfer fordern.\n<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise geh\u00f6rte der bei der Flugzeug-Ratte entdeckte Stamm des Staphylococcus aureus nicht zu diesen \u201eSuper-Keimen\u201c, wie die Forschenden feststellten. Die Bakterien reagierten noch sensibel auf Antibiotika wie Methicillin. Interessant jedoch: Der Staphylococcus-aureus-Stamm aus der Ratte enthielt menschenspezifische Gene zur Immunabwehr und war nahezu identisch mit Bakterien dieser Spezies bei Menschen in Europa und Nordamerika.<\/p>\n<p>\u201eDas zeigt, dass Ratten unsere Erreger aufnehmen \u2013 und m\u00f6glicherweise zur\u00fcckgeben k\u00f6nnen\u201c, so Ulrich. Dieses Bakterium ist damit ein Hinweis auf fr\u00fchere \u00dcbertragungen zwischen Mensch und Ratte.\n<\/p>\n<p>\u201eAkteure im globalen Netzwerk der Erregerverbreitung\u201c<\/p>\n<p>Nach Ansicht der Forschenden demonstriert dieser Fall, wie schnell Erreger heute von einem Kontinent zum anderen gelangen k\u00f6nnen \u2013 sowohl durch infizierte Menschen als auch durch solche tierischen Mitreisenden. \u201eUnsere Ergebnisse zeigen, dass Ratten nicht nur st\u00e4dtische Sch\u00e4dlinge sind. Sie sollten als aktive Akteure im globalen Netzwerk der Erregerverbreitung angesehen werden\u201c, betont Ulrich. Dank des globalen Flugverkehrs k\u00f6nnen Ratten in weniger als 24 Stunden von Dubai \u00fcber Miami nach Berlin reisen und dabei Bakterien und Viren \u00fcber drei Kontinente hinweg transportieren.\n<\/p>\n<p>\u201eDies war ein Weckruf\u201c, sagt Ulrich. \u201eEr zeigte, wie verletzlich unsere vernetzte Welt gegen\u00fcber versteckten Erregern ist, aber auch, dass die Wissenschaft praktische L\u00f6sungen bereitstellen kann.\u201c (Scientific Reports, 2025; <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41598-025-13199-6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1038\/s41598-025-13199-6<\/a>)\n<\/p>\n<p>Quelle: Deutsches Zentrum f\u00fcr Infektionsforschung e. V. (DZIF)<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#13;\n\t<\/p>\n<p>10. September 2025\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t &#8211; Nadja Podbregar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Keine ganz leichte Aufgabe: Um die Ratte dingfest zu machen, wurde das Flugzeug zun\u00e4chst mit CO2 geflutet, um&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":410330,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[65713,1668,29,108552,10074,30,141,232,40086,108553,87131],"class_list":{"0":"post-414764","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-krankheitserreger","9":"tag-bakterien","10":"tag-deutschland","11":"tag-erreger","12":"tag-flugzeug","13":"tag-germany","14":"tag-gesundheit","15":"tag-health","16":"tag-ratte","17":"tag-seuchenausbreitung","18":"tag-zoonose"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115186639045411780","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/414764","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=414764"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/414764\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/410330"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=414764"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=414764"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=414764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}