{"id":414984,"date":"2025-09-11T18:31:15","date_gmt":"2025-09-11T18:31:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/414984\/"},"modified":"2025-09-11T18:31:15","modified_gmt":"2025-09-11T18:31:15","slug":"europaeische-staatsfinanzen-was-europas-schulden-gefaehrlich-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/414984\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Staatsfinanzen: Was Europas Schulden gef\u00e4hrlich macht"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Mit der z\u00fcgigen Ernennung S\u00e9bastien Lecornus zum neuen Premierminister hat Pr\u00e4sident Emmanuel Macron das ihm M\u00f6gliche getan, um eine weitere Zuspitzung der politischen Krise in Frankreich zu verhindern. Kurzfristig hat er so auch Sorgen bes\u00e4nftigt, die Krise k\u00f6nne auf die Finanzm\u00e4rkte \u00fcbergreifen. Die internationalen Investoren hat indes schon der Sturz Fran\u00e7ois Bayrous am Montag wenig beeindruckt. Die Risikoaufschl\u00e4ge auf franz\u00f6sische Staatsanleihen sind konstant geblieben, die Zinsen f\u00fcr zehnj\u00e4hrige Staatspapiere liegen mit rund 3,5 Prozent immer noch deutlich unter jenen f\u00fcr amerikanische oder britische Anleihen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u00d6konomen erkl\u00e4ren die Diskrepanz damit, dass Frankreich und das noch deutlich h\u00f6her verschuldete Italien vom Rest der Eurozone abgeschirmt werden, deren Verschuldung im Schnitt immer noch sp\u00fcrbar geringer ist als die britische und die amerikanische \u2013 und deren Bonit\u00e4t bis auf Weiteres von Deutschland garantiert wird. In dieser Lesart steht die W\u00e4hrungsunion besser da als die Vereinigten Staaten und Britannien.<\/p>\n<p>Frankreichs Verschuldung droht ungebremst weiter zu steigen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Aber stimmt das? Die Konsolidierung der franz\u00f6sischen <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Staatsfinanzen\" data-rtr-id=\"3e81e420dc69d2803eb9d388457e2b59b89ffa97\" data-rtr-score=\"48.478397829405765\" data-rtr-etype=\"keyword\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/staatsfinanzen\" title=\"Staatsfinanzen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Staatsfinanzen<\/a> steht unver\u00e4ndert in den Sternen. Trotz Lecornus rascher Berufung ist ein mittelfristig solider Haushalt nicht gew\u00e4hrleistet. Die Schuldenquote, die schon jetzt bei 114 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegt, droht ungebremst weiter zu steigen. Der Abstand zu Amerika, wo die Quote derzeit etwa 122 Prozent betr\u00e4gt, schwindet. Und Britannien ist, trotz der h\u00f6heren Anleiherenditen, mit \u201enur\u201c 104 Prozent des BIP sp\u00fcrbar geringer verschuldet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"DSGVO Platzhalter\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/gdpr-layer.webp.webp\" loading=\"lazy\" class=\"absolute w-full\"\/> Externe Inhalte aktivieren <\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das Muster, dass die Anleihezinsen einzelner Eurostaaten nicht die tats\u00e4chliche Lage ihrer Staatsfinanzen widerspiegeln, ist aus der Anfangsphase der Eurokrise bekannt. Die internationalen Investoren interessierten sich lange nicht f\u00fcr die griechischen Staatsfinanzen. Als sich das dortige Defizit aber 2009 durch Statistikkorrekturen auf einmal verdreifachte, explodierten auch die Anleihezinsen; es dauerte nicht lange, bis die Eurozone als ganze in eine existenzielle Krise geriet.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Heute bilden die M\u00e4rkte die von Frankreich und Italien ausgehenden Risiken wieder nur unvollkommen ab. Das ist politisch gewollt. Seit der Eurokrise wurden in die W\u00e4hrungsunion neue Sicherungen eingebaut. Der Krisenfonds ESM k\u00f6nnte einem strauchelnden Eurostaat mit Krediten helfen. Vor allem agiert die <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"EZB\" data-rtr-id=\"336282934f8e902b1bd5c2564a1a9376f25c66fb\" data-rtr-score=\"44.63031467645181\" data-rtr-etype=\"organisation\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/thema\/ezb\" title=\"EZB\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ische Zentralbank<\/a> (EZB) seit Mario Draghis \u201eWhatever-it-takes\u201c-Rede von 2012 als Krisenmanager. Mit dem \u2013 bisher nicht eingesetzten \u2013 Anleihenaufkaufprogramm TPI (Trans\u00admission Protection Instrument) verspricht die EZB, zu starke Zinsdifferenzen durch Anleihek\u00e4ufe einzud\u00e4mmen. Einen Anreiz zur Konsolidierung setzt sie so nicht, abgesehen davon, dass Gelddrucken nicht zu ihrem Mandat geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Bonit\u00e4t Deutschlands wird sich nicht verbessern<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">F\u00fcr den Euroraum w\u00e4re es nicht trivial, schlitterte nach Italien auch Frankreich in eine Staatsverschuldung jenseits der 120 Prozent des BIP. Die zweit- und die drittgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der W\u00e4hrungsunion w\u00e4ren dann \u2013 wie auch die Eurozone insgesamt \u2013 komplett abh\u00e4ngig von der Bonit\u00e4t Deutschlands. Die wird sich nicht verbessern. Die schwarz-roten Schuldenpl\u00e4ne werden die deutsche Schuldenquote mittelfristig von derzeit gut 60 Prozent auf mindestens 80 Prozent des BIP steigern. Die Durchschnittsschulden der W\u00e4hrungsunion, derzeit knapp 90 Prozent, werden entsprechend steigen. Das Bild einer stabilen Eurozone entspricht dann nicht mehr der Realit\u00e4t.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das wiegt umso schwerer, als die <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Europ\u00e4ische Union\" data-rtr-id=\"9fc100f4f3574fbb952072eb333eee33a582a1ed\" data-rtr-score=\"14.841149773071102\" data-rtr-etype=\"organisation\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/europaeische-union\" title=\"Europ\u00e4ische Union\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU<\/a> vor allem f\u00fcr ihre Verteidigung mehr Geld ausgeben muss. \u00c4hnlich wie die Mitgliedstaaten verweigert aber auch die EU-Kommission jede Diskussion dar\u00fcber, welche Ausgaben daf\u00fcr auf den Pr\u00fcfstand geh\u00f6ren. Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen hat die prek\u00e4re Haushaltslage vieler Mitgliedstaaten in ihrer Rede zur Lage der Union am Mittwoch noch nicht einmal abstrakt erw\u00e4hnt, obwohl deren Pr\u00fcfung zu den Aufgaben ihrer Beh\u00f6rde geh\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Von der Leyen verspricht vielmehr f\u00fcr alles und jedes neue Programme und mehr Geld aus EU-T\u00f6pfen. Finanzieren will sie diese ebenfalls \u00fcber (neue) Schulden. Die Kommissionschefin ignoriert oder verdr\u00e4ngt, dass nicht nur die Zinsen auf die Schulden f\u00fcr den Corona-Aufbaufonds bereits erheblich gestiegen sind, sondern dass die Bonit\u00e4t der EU direkt von der schlechter werdenden Kreditw\u00fcrdigkeit der Mitgliedstaaten abh\u00e4ngt. Einen Blankoscheck zum Schuldenmachen hat die EU weniger denn je.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Verwerfungen in Frankreich und anderswo zeigen, dass Haushaltskonsolidierung und Sozialreformen immer schwieriger durchzusetzen sind als neue Schulden. W\u00e4re die EZB aber am Ende zur monet\u00e4ren Staatsfinanzierung gezwungen, m\u00fcndete das fast sicher in Inflation. Deren politische Konsequenzen w\u00e4ren sicher noch schlimmer als jene von Ausgabenk\u00fcrzungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit der z\u00fcgigen Ernennung S\u00e9bastien Lecornus zum neuen Premierminister hat Pr\u00e4sident Emmanuel Macron das ihm M\u00f6gliche getan, um&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":414985,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-414984","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115187095127908048","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/414984","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=414984"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/414984\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/414985"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=414984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=414984"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=414984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}