{"id":415428,"date":"2025-09-11T22:34:11","date_gmt":"2025-09-11T22:34:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/415428\/"},"modified":"2025-09-11T22:34:11","modified_gmt":"2025-09-11T22:34:11","slug":"bericht-zur-lage-deutsch-ist-immer-noch-die-am-weitesten-verbreitete-sprache-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/415428\/","title":{"rendered":"Bericht zur Lage: Deutsch ist immer noch die am weitesten verbreitete Sprache in Europa"},"content":{"rendered":"<p>Der vierte \u201eBericht zur Lage der deutschen Sprache\u201c untersucht den Status des Deutschen auf dem Kontinent, wo 94 Prozent aller Deutschsprecher leben. Gute Nachrichten gibt es aus Ungarn und Rum\u00e4nien. Woanders sieht es trostloser aus.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">In sieben europ\u00e4ischen L\u00e4ndern ist Deutsch Amtssprache \u2013 zumindest in bestimmten Regionen. Dazu geh\u00f6ren neben Deutschland, \u00d6sterreich, der Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg auch noch Ostbelgien und S\u00fcdtirol in Italien. In weiteren acht L\u00e4ndern existiert es zumindest noch als Sprache einer Minderheit. Das sind Russland, die Ukraine, Ungarn, Rum\u00e4nien, Polen, Tschechien, Frankreich und D\u00e4nemark. Historisch gesehen hat keine Sprache in Europa ein geographisch so weit sich erstreckendes Verbreitungsgebiet \u2013 von S\u00fcdd\u00e4nemark bis an die Wolga.  <\/p>\n<p>Wie es um die Situation des Deutschen in jenen 15 L\u00e4ndern bestellt ist, hat ein Team aus 22 Wissenschaftlern f\u00fcr den \u201eVierten Bericht zur Lage der deutschen Sprache\u201c untersucht. Der Band \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.narr.de\/deutsch-in-europa-1352-1\/\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.narr.de\/deutsch-in-europa-1352-1\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Deutsch in Europa<\/a>\u201c wurde am Donnerstag im Geb\u00e4ude der Berliner Akademie der Wissenschaften vorgestellt. Herausgegeben hat ihn die Akademienunion, in der die acht deutschen Wissenschaftsakademien zusammenarbeiten, gemeinsam mit der Darmst\u00e4dter Akademie f\u00fcr Sprache und Dichtung.  <\/p>\n<p>Neben \u201eL\u00e4nder-Steckbriefen\u201c gibt es in dem Berichte l\u00e4nder\u00fcbergreifende Themen wie etwa den Deutschunterricht in \u201emehrsprachigen Konstellationen\u201c wie in der Schweiz und Liechtenstein. In den letztgenannten beiden L\u00e4ndern werde, so erf\u00e4hrt man, \u00fcbrigens Hochdeutsch teils als \u201eFremdsprache\u201c und sogar negativ wahrgenommen. Das gilt auch f\u00fcr die jeweilige eigene Landesvariante des Standarddeutschen mit Sonderwortschatz, wie sie in Zeitungen verwendet wird. <\/p>\n<p>Auch in Luxemburg wurde Deutsch nach dem Zweiten Weltkrieg aus naheliegenden Gr\u00fcnden stark stigmatisiert und durch Luxemburgisch\/Letzeburgisch (urspr\u00fcnglich ein moselfr\u00e4nkischer Dialekt) oder Franz\u00f6sisch ersetzt. Sprache sei eben nicht nur ein \u201eFunktionswerkzeug\u201c erkl\u00e4rte Alexandra N. Lenz von der Universit\u00e4t Wien, sondern \u00fcber ihr Schicksal entschieden auch Einstellungen, die nicht immer wissenschaftliche Grundlagen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Verbreitung des Deutschen erkl\u00e4rt sich  \u2013 anders als bei Englisch, Spanisch und Franz\u00f6sisch \u2013 nicht durch Kolonialismus, sondern durch Migration. Schon im Mittelalter machten sich Deutsche auf den Weg nach Osten \u2013 gerufen von den jeweiligen Landesf\u00fcrsten. Angesichts der Tatsache, dass nach zwei Weltkriegen jeweils das deutsche Sprachgebiet erheblich geschrumpft sei, gehe es der Sprache gut, res\u00fcmierte der Mannheimer Professor Ludwig M. Eichinger. <\/p>\n<p>94 Prozent der weltweiten Sprecher des Deutschen sind in Europa beheimatet. 95 Millionen Menschen sprechen Deutsch als Erstsprache, weitere 30 Millionen als Zweitsprache, erkl\u00e4rte die Co-Projektleiterin Rita Franceschini von der Universit\u00e4t Bozen. Diese Zahlen sind leicht schwankend, weil die Erhebungsmethoden bei Volksz\u00e4hlungen von Land zu Land unterschiedlich sind. Doch ganz sicher ist Deutsch nach Russisch die Sprache mit den meisten Sprechern in Europa. Hinter Englisch und Spanisch hat es auch die meisten Interneteintr\u00e4ge. <\/p>\n<p>In den Kernl\u00e4ndern Deutschland, \u00d6sterreich, Schweiz und Liechtenstein habe das Deutsche seine \u201einstitutionell gefestigte Rolle mit Integrationskraft\u201c behalten, sagte Franceschini. W\u00e4hrend es in Westeuropa gut um das Deutsch bestellt sei \u2013 die S\u00fcdtiroler gelten heute weltweit als die am besten ausgestattete und gesch\u00fctzte Sprachminderheit \u2013, sehe es in \u201eSprachinsel-Gebieten\u201c wie etwa in Polen, Russland, Tschechien und der Ukraine \u201eetwas anders aus\u201c, erkl\u00e4rte Franceschini. Der Prozess verlaufe oft schleichend: \u201eWenn die Sprecher es nicht mehr als wichtig empfinden, ist der Weg nach unten ge\u00f6ffnet.\u201c <\/p>\n<p>Ermutigende Zahlen gebe es aus Ungarn und Rum\u00e4nien, wo mehr Menschen als fr\u00fcher Deutsch lernen oder sich als Angeh\u00f6rige der deutschsprechenden Minderheiten bekennen, referierte die M\u00fcnchner Professorin Claudia Maria Riehl. Dies habe mit der Einf\u00fchrung zweisprachiger Schulen und mit dem verbesserten Status von Minderheiten zu tun. Die Zeiten, in denen es sch\u00e4dlich sein konnte, Deutscher zu sein oder Deutsch zu sprechen, sind \u00fcberall weitgehend vorbei. <\/p>\n<p>Auch in Tschechien, wo seit 2024 der Status von Deutsch als Minderheitensprache aufgewertet ist, werde es jetzt besser schulisch und kulturell gef\u00f6rdert. In den westlichen Landesteilen seien erwartungsgem\u00e4\u00df Deutschkenntnisse noch weiter verbreitet als im Osten. <\/p>\n<p>Schlechte Nachrichten gibt es fast \u00fcberall \u00fcber die Dialekte. Sowohl Menschen, die aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden \u00fcberall auf der Welt die Sprache lernen, als auch Angeh\u00f6rige der deutschen Minderheiten in Osteuropa, die sich die in der Familie manchmal gar nicht mehr gebr\u00e4uchliche Sprache in der Schule aneignen, lernen dort ja nicht die jahrhundertealte Mundart ihrer Ahnen, sondern eine standardisierte Sprachvariante. <\/p>\n<p>Goethe-Institute werden gebraucht<\/p>\n<p>Aber immerhin lernen sie. Obwohl die M\u00f6glichkeiten vielerorts nicht besser werden. Die Co-Projektleiterin Christa D\u00fcrscheid von der Universit\u00e4t Z\u00fcrich sprach sich f\u00fcr eine bessere F\u00f6rderung der deutschen Sprache im Ausland aus. Schlie\u00dfungen von Goethe-Instituten m\u00fcsse gegengesteuert werden. Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) helfe mit seinen Stipendien an ausl\u00e4ndische Wissenschaftler bei der Verbreitung der deutschen Sprache, sagte D\u00fcrscheid. Ihr Kollege Eichinger  forderte eine bessere finanzielle Ausstattung der ausw\u00e4rtigen Kulturpolitik, die unter anderem den Deutschunterricht an Schulen im Ausland mitfinanziert. <\/p>\n<p>Der vorgestellte Bericht ist der vierte Bericht zur Lage der deutschen Sprache. Seit 2013 geben die Deutsche Akademie f\u00fcr Sprache und Dichtung und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften alle vier Jahre einen neuen Bericht mit jeweils einem thematischen Schwerpunkt heraus. <\/p>\n<p>mit EPD, dpa, KNA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der vierte \u201eBericht zur Lage der deutschen Sprache\u201c untersucht den Status des Deutschen auf dem Kontinent, wo 94&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":415429,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[109481,331,332,548,663,158,3934,3935,13,109482,109479,14,15,12,62007,109480],"class_list":{"0":"post-415428","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-akademien","9":"tag-aktuelle-nachrichten","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europaeische-union","14":"tag-europe","15":"tag-european-union","16":"tag-headlines","17":"tag-heine-matthias","18":"tag-linguistik-ks","19":"tag-nachrichten","20":"tag-news","21":"tag-schlagzeilen","22":"tag-sprachen","23":"tag-sprachen-ks"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/415428","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=415428"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/415428\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/415429"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=415428"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=415428"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=415428"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}