{"id":415932,"date":"2025-09-12T03:14:31","date_gmt":"2025-09-12T03:14:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/415932\/"},"modified":"2025-09-12T03:14:31","modified_gmt":"2025-09-12T03:14:31","slug":"berlin-goetz-aly-in-alice-weidel-schimmert-kein-hitler-durch-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/415932\/","title":{"rendered":"Berlin | G\u00f6tz Aly: In Alice Weidel schimmert kein Hitler durch"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Der Historiker G\u00f6tz Aly sieht kaum Parallelen zwischen der Zerst\u00f6rung der Weimarer Republik durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 und heutigen Herausforderungen der deutschen Demokratie. \u00abIch erkenne wesentlich mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten\u00bb, sagte Aly der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abWir haben intakte Verfassungsorgane &#8211; das kann man vom damaligen Reichspr\u00e4sidenten Paul von Hindenburg nicht sagen\u00bb, sagte Aly. Er ver\u00f6ffentlicht am Mittwoch das Buch \u00abWie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945\u00bb.<\/p>\n<p>Der vielfach ausgezeichnete Experte f\u00fcr die Geschichte des Nationalsozialismus ist optimistisch, dass sich die heutige deutsche Demokratie zu verteidigen wisse. \u00abIch sehe keinen Grund f\u00fcr Alarmismus\u00bb, sagte er.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abIch finde es auch nicht in Ordnung, die AfD in die N\u00e4he der NSDAP zu r\u00fccken. Ich kann nicht erkennen, dass in den auch mir unsympathischen Auftritten von Alice Weidel ein Goebbels oder Hitler durchschimmern w\u00fcrde &#8211; das waren ganz andere, v\u00f6llig skrupellose Pers\u00f6nlichkeiten\u00bb, erl\u00e4utert der renommierte Historiker. \u00abFraglos gibt es rassistische, auch gewaltbereite Gruppierungen innerhalb der AfD. Aber das gilt bislang nicht f\u00fcr die gesamte Partei, au\u00dferdem haben wir heute keine B\u00fcrgerkriegssituation so wie 1931\/32.\u00bb<\/p>\n<p>Joseph Goebbels verbot das Wort \u00abKrieg\u00bb<\/p>\n<p>Auch angesichts der beunruhigenden weltpolitischen Entwicklungen sollte man nicht reflexhaft \u00abmahnend\u00bb auf den Nationalsozialismus verweisen, sagte Aly. Allerdings beobachte er immer wieder einzelne Herrschaftsmethoden, die ihn durchaus an die Nazi-Diktatur erinnerten. Dazu geh\u00f6re Putins Direktive, den Krieg gegen die Ukraine nur als \u00abmilit\u00e4rische Spezialoperation\u00bb zu bezeichnen.\u00a0<\/p>\n<p>Schon Propaganda-Minister Joseph Goebbels habe nach dem \u00dcberfall auf Polen 1939 das Wort \u00abKrieg\u00bb verboten, stattdessen musste die Presse von einem \u00abGegenangriff\u00bb schreiben. Im weiteren Verlauf des Krieges seien dann umgekehrt die W\u00f6rter \u00abFrieden\u00bb, \u00abFriedensinitiative\u00bb und \u00abFriedenshoffnung\u00bb verboten worden.<\/p>\n<p>Heutige autorit\u00e4re oder halb-autorit\u00e4re Regime verfolgten zudem h\u00e4ufig die Strategie, sich durch soziale Wohltaten des R\u00fcckhalts der Bev\u00f6lkerung zu versichern. Das habe auch f\u00fcr die Nationalsozialisten eine zentrale und heute oft untersch\u00e4tzte Rolle gespielt.\u00a0<\/p>\n<p>So habe Hitler nach dem Stocken des Russland-Feldzugs im Herbst 1941 die Renten um durchschnittlich 15 Prozent erh\u00f6ht und die Rentner in das Krankenkassensystem integriert &#8211; bis dahin verlor man mit Eintritt in die Rente den Versicherungsschutz. Solche sozialen Beruhigungsgeschenke seien feste Bestandteile der Politik von Viktor Orban in Ungarn, ebenso der fr\u00fcheren polnischen PiS-Regierung und aktuell in Putins Russland, sagte Aly.<\/p>\n<p>Hitler dominierte die Medien wie heute Trump<\/p>\n<p>US-Pr\u00e4sident Donald Trump teile Hektik, Tempo und Aktionismus mit der NS-Regierung. \u00abJeden Tag ein anderes Dekret raushauen, jeden Tag Fake News herausposaunen, die Gegner fortw\u00e4hrend unter Druck setzen, die Welt durch immer neue Initiativen, Provokationen und Drohungen verunsichern.\u00bb<\/p>\n<p>Gleichzeitig gelte aber: \u00abAll diese Vergleiche hinken. Weder Putin noch Orban noch Trump sind mit Hitler gleichzusetzen. Anders als dieser arbeitet Trump nicht auf einen von den USA zu f\u00fchrenden Eroberungskrieg hin.\u00bb Orban wiederum sehe sich selbst als Vermittler, sei es im Kontakt mit Putin oder dem israelischen Ministerpr\u00e4sidenten Benjamin Netanjahu.\u00a0<\/p>\n<p>Putin betreibe zwar imperialistische Aggressionspolitik, doch k\u00f6nne diese bislang nicht mit der auf Massenmord ausgerichteten Kriegsf\u00fchrung Hitlers gleichgesetzt werden.\u00a0<\/p>\n<p>Vorschnelle Gleichsetzungen seien generell nicht hilfreich, um aktuelle Entwicklungen zu verstehen, sagte Aly. Er selbst wolle mit seinem Buch vielmehr zeigen, wie sehr die nationalsozialistischen F\u00fchrer Herrschaftsmethoden benutzten, die bekannt und weiterhin in Gebrauch seien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Der Historiker G\u00f6tz Aly sieht kaum Parallelen zwischen der Zerst\u00f6rung der Weimarer Republik durch die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":415933,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,296,1937,29,30,2989,1724,2549,93,1940,1938,16],"class_list":{"0":"post-415932","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","9":"tag-aktuelle-news-aus-berlin","10":"tag-berlin","11":"tag-berlin-news","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-geschichte","15":"tag-gesellschaft","16":"tag-leute","17":"tag-literatur","18":"tag-nachrichten-aus-berlin","19":"tag-news-aus-berlin","20":"tag-politik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115189151467197651","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/415932","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=415932"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/415932\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/415933"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=415932"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=415932"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=415932"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}