{"id":415945,"date":"2025-09-12T03:22:14","date_gmt":"2025-09-12T03:22:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/415945\/"},"modified":"2025-09-12T03:22:14","modified_gmt":"2025-09-12T03:22:14","slug":"die-erste-molly-geschichte-gleich-mit-ganz-grossem-drama-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/415945\/","title":{"rendered":"Die erste Molly-Geschichte \u2013 gleich mit ganz gro\u00dfem Drama \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Die Autorin Sabine Lemire kennen manche jungen Leser schon aus der Comic-Reihe mit Mira, die mit ihrer Familie auf einem Hausboot lebt. Aber Comics lassen sich nicht so gut vorlesen. Dabei wollen die Kleinen ja gern alles vorgelesen haben \u2013 abends zum Beispiel, vorm Schlafengehen. Und so gibt es die neue Reihe mit Geschichten von Sabine Lemire als richtig sch\u00f6nes Vorlesebuch.<\/p>\n<p>Die Heldin ist diesmal Molly, die gleich im ersten Buch wohl eines der schrecklichsten Abenteuer erlebt, die einem als Schulkind passieren k\u00f6nnen: Sie kommt an eine neue Schule.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/0290c32ba6434d80b4108ef1f90995ed.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/09\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/09\/1\"\/>Was nun einmal auch bedeutet, dass sie alle ihre Freundinnen aus der alten Klasse verliert, au\u00dfer Ellen vielleicht, die sie noch in Tanzkurs trifft. Aber wer in der Grundschule so etwas erlebt hat, wei\u00df, was das bedeutet: Von heut auf morgen ist alles weg, was einem in Sachen Schule Halt gegeben hat \u2013 die ganzen Kinder aus der Klasse, die vertrauten Lehrer, das vertraute Schulgeb\u00e4ude, der vertraute Schulweg. Alles weg. Und in der neuen Klasse ist man auf einmal diejenige, die neu ist und nicht dazu geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Da d\u00fcrften auch Mama und Papa beim Vorlesen schlucken. Das ist einer der wichtigsten Gr\u00fcnde, der kleine und gro\u00dfe Menschen heute so ratlos, haltlos und \u00fcberfordert macht: das Gef\u00fchl, st\u00e4ndig in einer neuen Umgebung, mit fremden Leuten wieder Fu\u00df fassen zu m\u00fcssen. Da merkt man erst, wie wichtig eine stabile Umgebung ist und ein Kreis von Menschen, die einem vertraut sind.<\/p>\n<p>Denn das ist ja nun einmal der gro\u00dfe Webfehler in all diesen entfesselten Theorien von Mobilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t, mit denen Menschen geradezu zu Einzelk\u00e4mpfern wider Willen gemacht werden: die Erwartung, Menschen w\u00fcrden einfach funktionieren und in der Selbstoptimierung immer besser und gl\u00fccklicher werden. Und jederzeit \u00fcberall einsetzbar sein.<\/p>\n<p>Es ist die gr\u00f6\u00dfte L\u00fcge unserer Gegenwart.<\/p>\n<p>\u00dcberw\u00e4ltigende Gef\u00fchle<\/p>\n<p>Und wer Kinder hat, wei\u00df, dass es gelogen ist. Und dass man Kindern m\u00f6glichst stabile und vertraute Umgebungen schafft. Die Eingew\u00f6hnungszeit in der Kita kann zu einem wochenlangen Drama werden. Aber wenn die Kinder erst mal ihre Gruppe haben und ihre kleinen Freunde, ist nichts schlimmer, als wenn man ihnen auf einmal ank\u00fcndigt, dass sie woanders hin m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Und genauso ist es, wenn ein M\u00e4dchen wie Molly ihre alte Grundschulklasse verlassen muss und an eine neue, viel gr\u00f6\u00dfere Schule kommt. Mit viel mehr Kindern. Logisch, dass sie sich am ersten Tag geradezu verloren f\u00fchlt. Und das Talent von Sabine Lemire ist nun einmal, dass sie von diesen \u00fcberw\u00e4ltigenden Gef\u00fchlswelten erz\u00e4hlen kann \u2013 so plastisch, dass man sich regelrecht hineinversetzt f\u00fchlt in die kleine Welt von Molly und ihr Gef\u00fchl des Verlorenseins am ersten Tag in der neuen Schule.<\/p>\n<p>Ein Gef\u00fchl, das garantiert alle kleinen Zuh\u00f6rer nachempfinden k\u00f6nnen, die sich diese Geschichte vorlesen lassen. Und dann immer wieder \u00fcber die Schulter des Vorlesers schmulen, weil Signe Kj\u00e6r all das, was Molly an diesem Tag erlebt, einf\u00fchlsam in Bilder gebannt hat. Bilder, in die man sich hineinversetzen kann. Angefangen mit den Szenen am Fr\u00fchst\u00fcckstisch, wo Molly sich auch noch gegen ihren kleinen, nervenden Bruder Mingus durchsetzen muss. Was sie eigentlich nicht muss.<\/p>\n<p>Aber wer kleinere Geschwister hat, wei\u00df, wie man da auf einmal als gr\u00f6\u00dferes Geschwisterkind in eine Rolle gedr\u00e4ngt wird, auf die man auch nicht vorbereitet ist. Die Kleinen nerven ja nicht nur, sie k\u00e4mpfen um Aufmerksamkeit und haben sowieso noch keinen Nerv daf\u00fcr, dass auch ihre gro\u00dfen Vorbilder-Geschwister unter seelischem Druck stehen k\u00f6nnten, mit Problemen k\u00e4mpfen, die sie eigentlich \u00fcberfordern.<\/p>\n<p>\u00dcber die sie aber nicht wirklich reden k\u00f6nnen, weil man ja als gro\u00dfes Kind gelernt hat, dass man sich zur\u00fccknimmt, Gef\u00fchle herunterschluckt, die Eltern nicht nervt und mit seinen Problemen allein zurechtkommen soll.<\/p>\n<p>Gef\u00fchle m\u00fcssen raus<\/p>\n<p>Das ist das Sch\u00f6ne an vielen B\u00fcchern aus dem Klett Kinderbuch Verlag: Sie \u00f6ffnen den Blick f\u00fcr die ganzen meist unthematisierten Probleme, die Kinder mit dem Wachsen, Klein- und Gro\u00dfsein haben, wie sie in Rollen landen, die sie oft genug \u00fcberfordern. Und wie sie auch als gro\u00dfe Geschwister unter Druck sind und den kleinen Qu\u00e4lgeist Mingus am liebsten \u2026 Dabei mag Molly den kleinen Kerl ja. Aber trotzdem ist sie selbst jetzt erst einmal diejenige, die mit der neuen Situation v\u00f6llig \u00fcberfordert ist und nicht wei\u00df, ob sie in der neuen Klasse Anschluss finden wird, sogar richtige Freundinnen wie Ellen.<\/p>\n<p>Und vor dem Wochenende im Garten kann sie mit den Eltern dar\u00fcber auch nicht reden. Und wer wei\u00df, wie so etwas im Bauch brodeln kann, wenn man tagelang nicht dar\u00fcber reden kann, der versteht dann so einiges, was Molly dann im Garten anstellt \u2013 von einer richtig heftige Schneckenschlacht bis zur Flucht ins Baumhaus.<\/p>\n<p>Na ja, vielleicht ist es doch keine so gute Idee, die Geschichte vorm Schlafengehen vorzulesen. Danach d\u00fcrften die kleinen Zuh\u00f6rer erst recht munter sein. Oder vielleicht sogar konfrontiert mit ihren eigenen Fluchten und \u00dcberforderungen. Also vielleicht doch lieber im Garten vorlesen. Bevor die armen Schnecken dran glauben m\u00fcssen und von \u201eTierqu\u00e4lerei\u201c die Rede ist.<\/p>\n<p>Obwohl doch eigentlich nur ein paar Gef\u00fchle gew\u00fctet haben. Letztlich geht es nun einmal auch darum, Gef\u00fchle zuzulassen. Genau diese Dinger, die einen so richtig umhauen k\u00f6nnen und immer zehn Nummern zu gro\u00df sind. Im Grundschulalter sowieso.<\/p>\n<p>Also ist es auch ein Buch voller kleiner Botschaften an die Eltern. Die sich durchaus auch an ihre eigenen Erlebnisse in der Schule erinnern d\u00fcrften. Die vielleicht auch nicht so toll waren. Denn manchmal f\u00e4ngt das ganze Drama ja damit an, dass die Eltern so tun, als h\u00e4tte es das alles in ihrer Kindheit nicht gegeben.<\/p>\n<p>Auch das klingt an, wenn Sabine Lemire das ganze Drama vorsichtig zu Ende bringt. Mit offenem Ende nat\u00fcrlich. Denn auch das ist eben die Kindheit: dass hinter dem gerade erlebten Drama schon das n\u00e4chste lauert. Im n\u00e4chsten Buch.<\/p>\n<p><strong>Sabine Lemire, Signe Kj\u00e6r <a href=\"https:\/\/www.lehmanns.de\/isbn\/9783954703166@liz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201eMolly mittendrin. Die neue Schule\u201c<\/a><\/strong> Klett Kinderbuch Verlag, Leipzig 2025, 14 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Autorin Sabine Lemire kennen manche jungen Leser schon aus der Comic-Reihe mit Mira, die mit ihrer Familie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":415946,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,11706,1803,215],"class_list":{"0":"post-415945","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-kinderbuch","14":"tag-rezension","15":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115189182893202965","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/415945","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=415945"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/415945\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/415946"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=415945"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=415945"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=415945"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}