{"id":415977,"date":"2025-09-12T03:39:14","date_gmt":"2025-09-12T03:39:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/415977\/"},"modified":"2025-09-12T03:39:14","modified_gmt":"2025-09-12T03:39:14","slug":"die-vergangenheit-ueberstrahlt-die-herausforderungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/415977\/","title":{"rendered":"Die Vergangenheit \u00fcberstrahlt die Herausforderungen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">Gladbach feiert heuer sein 125-j\u00e4hriges Bestehen. Der Fussballklub steckt im Mittelmass fest \u2013 und hat trotzdem vielen Konkurrenten etwas voraus. Besuch beim geschichtsbewussten Verein.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Der Captain Berti Vogts f\u00fchrt die Borussia 1978 im Europacup der Landesmeister aufs Feld.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"5638\" height=\"3633\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/92b9ae40-4cdf-49d6-acba-5982662d3161.jpg\" loading=\"eager\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Der Captain Berti Vogts f\u00fchrt die Borussia 1978 im Europacup der Landesmeister aufs Feld. <\/p>\n<p>Imago<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4saokp10\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">Von aussen ist auf den ersten Blick gar nicht genau zu erkennen, worum es sich bei dem Areal handelt. Um eine Konzernzentrale? Ein Hotel? Um das Leistungszentrum eines Fussballvereins? Das Quartier von Borussia M\u00f6nchengladbach im Norden der Stadt hat von allem etwas, und genau so ist es auch angelegt. Wer das Gel\u00e4nde abschreitet, der umrundet zugleich das Stadion, ein 54\u00a0000 Pl\u00e4tze fassendes Oval. Die Dimensionen sind schwierig zu ermessen, zumindest, wenn man davorsteht.<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. 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Weltmeister, Europameister, Uefa-Cup-Sieger war Bonhof, vier Mal deutscher Meister.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4saq9it0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Neben seiner offiziellen Funktion ist Bonhof mit seiner heiteren Knorrigkeit und seinem staubtrockenen Humor zugleich einer der wichtigsten Botschafter der Borussia. Was w\u00fcrde er einem Ausserirdischen erz\u00e4hlen \u00fcber diesen Klub im \u00e4ussersten Westen der Republik? \u00abMan w\u00fcrde ihm erkl\u00e4ren, dass das ein nahbarer Verein ist, der Geschichte geschrieben und viele tolle Leute auf den Fussballmarkt gebracht hat und bei dem viele tolle Menschen arbeiteten und arbeiten.\u00bb Allerdings, sagt Bonhof, h\u00e4tte er auch nichts dagegen, wenn dieser Marsianer ein bisschen in den Verein investieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sar5j10\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Treffender l\u00e4sst sich das Spannungsfeld wohl kaum umreissen, in dem sich Borussia M\u00f6nchengladbach bewegt. Wer hier, ein paar Kilometer von der niederl\u00e4ndischen Grenze entfernt, eine Weile verbringt, der watet knietief durch bundesdeutsche Fussballgeschichte, der bekommt Anekdoten mit, aber eben auch die ganz realen Probleme eines Vereins, der zwar nicht FC Bayern heisst, mit den M\u00fcnchnern aber eine grandiose Vergangenheit teilt. Vom <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/sport\/bundesliga-bayern-gegen-moenchengladbach-ist-fuer-nostalgiker-ld.1463746\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00abMythos Borussia\u00bb<\/a> spricht man hier mit der gleichen Selbstverst\u00e4ndlichkeit wie die Bayern vom n\u00e4chsten Meistertitel.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Rainer Bonhof gewann mit M\u00f6nchengladbach vier Meisterschaften und den Uefa-Cup \u2013 heute ist er als Vizepr\u00e4sident ein wichtiger Botschafter des Vereins.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1872\" height=\"1275\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Rainer Bonhof gewann mit M\u00f6nchengladbach vier Meisterschaften und den Uefa-Cup \u2013 heute ist er als Vizepr\u00e4sident ein wichtiger Botschafter des Vereins. <\/p>\n<p>Imago<\/p>\n<p> 299 B\u00e4lle stehen f\u00fcr die Treffer von Jupp Heynckes<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sar5j70\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Konservierte Erinnerung: Das ist ein Metier, das die Gladbacher meisterhaft beherrschen. Zur Verwaltung des Mythos haben sie ein Museum eingerichtet, direkt unter den Trib\u00fcnen. Vor ein paar Wochen feierten sie dort mit einem grossen Festakt das 125-j\u00e4hrige Bestehen des Klubs. Ger\u00e4umig ist das Museum, aber doch verwinkelt, gef\u00fcllt mit allerhand Artefakten, ohne dass es \u00fcberfrachtet w\u00e4re. Exakt 299 B\u00e4lle (allerdings aus heutiger Produktion) stehen f\u00fcr jedes einzelne Tor, <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/sport\/titel-und-triumphe-feierte-jupp-heynckes-vor-allem-in-muenchen-ld.1555773\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">das der St\u00fcrmer Jupp Heynckes f\u00fcr die Borussia erzielt hat<\/a>. Das eindr\u00fccklichste Ausstellungsst\u00fcck ist die Stadionuhr, ein gelungener Entwurf des Industriedesigns aus einer Zeit, in der die Symbiose von Form und Funktion noch einen h\u00f6heren Stellenwert hatte.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4saqeu70\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Einst zeigte die Uhr grosse Siege an im alten Stadion am B\u00f6kelberg, jener Spielst\u00e4tte mit nur 34\u00a0000 Pl\u00e4tzen, die zum \u00c4rger der Anwohner mitten in einem gutb\u00fcrgerlichen Wohnviertel lag. Wer eintauchen will ins bewegte Bild, der kann die Tore, Titel und Triumphe durch kleine, in die Betonwand eingelassene Bullaugen nacherleben: Gladbacher Guckkastengl\u00fcck, das zugleich wie eine Verheissung wirkt.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sassot0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Ein St\u00fcck vom Pfosten jenes Tores, das am 3.\u00a0April 1971 auf dem B\u00f6kelberg zusammenkrachte, ist ebenso zu besichtigen wie allerhand Pokale, darunter zwei Uefa-Cup-Troph\u00e4en. Doch dann, ganz unvermittelt, erscheint das bedeutendste Exponat, untergebracht in einem Zylinder aus Sicherheitsglas, scheinbar freischwebend auf einem gebogenen St\u00fcck Edelstahl: das Corpus Delicti des \u00abB\u00fcchsenwurfs vom B\u00f6kelberg\u00bb, eines ungel\u00f6sten Kriminalfalls mit erheblichen Folgen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Von wegen Balla-Balla: In die Saison 1971\/72 startete das Gladbacher Team hochmotiviert.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"2744\" height=\"1975\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Von wegen Balla-Balla: In die Saison 1971\/72 startete das Gladbacher Team hochmotiviert. <\/p>\n<p>Imago<\/p>\n<p> Die Cola-B\u00fcchse als Reliquie im Museum<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4satchj1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Am 20.\u00a0Oktober 1971 gewannen die Gladbacher im Europapokal der Landesmeister 7:1 gegen Inter Mailand. Doch das Resultat des Achtelfinal-Hinspiels wurde annulliert, weil der St\u00fcrmer Roberto Boninsegna wie von der Axt gef\u00e4llt zu Boden sank, nachdem ihn eine leere Cola-B\u00fcchse getroffen hatte. Die B\u00fcchse ist mehr als nur ein Exponat. Sie ist im Grunde genommen eine Reliquie, vielleicht die bedeutendste \u00fcberhaupt vom Niederrhein, und das in einer Gegend, in der man sehr gut weiss, was Heiligenverehrung bedeutet.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sassp50\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Aber auf eine gewisse Weise wirkt die Cola-B\u00fcchse im Museum auch tr\u00f6stlich, weil so immerhin jener Abend in Erinnerung geblieben ist. Die Umst\u00e4nde machten das Spiel, das in keiner offiziellen Wertung auftaucht, zu einem ausserordentlichen Ereignis. Gladbach: Das war der Klub, der auf dem Weg zu grossen Triumphen nicht grandios scheiterte, sondern mit viel Grandezza havarierte. Das vielleicht beste Team des Kontinents, der verhinderte Sieger im Landesmeister-Cup. So weist das Scheitern von damals weit \u00fcber ein blosses Fussballspiel hinaus. Es war mehr als ein profanes Ereignis \u2013 durch die Umst\u00e4nde, die es umgaben.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4saqkis0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die Umst\u00e4nde: Sie sind auch in der Gegenwart keineswegs einfach, das erlebt Roland Virkus, der Sportdirektor, tagt\u00e4glich. Am letzten Tag der Transferperiode hat er sich Zeit genommen f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch; sein Telefon beh\u00e4lt er stets im Blick. Virkus, ein quirliger Mann mit direkter Rhetorik, weiss sehr gut, was von ihm und seinem Stab verlangt wird. Solidit\u00e4t durch und durch. Und genau daf\u00fcr steht auch das M\u00f6nchengladbach der Gegenwart: ein Klub mit gefestigten Strukturen, gewiss \u2013 aber eben auch ein Klub, der, zumindest gegenw\u00e4rtig, pr\u00e4destiniert daf\u00fcr ist, das Mittelmass zu konsolidieren.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sb6nmi1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Bestenfalls vielleicht wieder einmal international mitzuspielen: Das ist das, was zurzeit vorstellbar ist, obwohl Gladbach genau das vor noch gar nicht langer Zeit tat, ehe die Covid-Pandemie \u00fcber den Kontinent fegte. Man d\u00fcrfe nicht vergessen, dass man aus einer Phase des Erfolgs komme, sagt Virkus, und in diesem Augenblick wird klar: <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/sport\/mal-verpfiffen-mal-kollabiert-moenchengladbach-hat-keine-guten-erinnerungen-an-real-madrid-ld.1583738\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eine Champions-League-Teilnahme<\/a> wird an diesem Ort zurzeit als etwas Aussergew\u00f6hnliches wahrgenommen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sauijp0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Virkus kultiviert den n\u00fcchternem Blick auf die M\u00f6glichkeiten. Niemand musste ihm den Klub erkl\u00e4ren, als er seinen Posten im Jahr 2022 antrat; Virkus ist geb\u00fcrtiger M\u00f6nchengladbacher. Auf die Frage, was er von seinem Trainer, dem Schweizer Gerardo Seoane, erwarte, sagt er schlicht: \u00abDass er weiter eine Mannschaft entwickelt.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sq0hcv1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Der Coach habe schon viel hinbekommen, neue Profis integriert. Spieler, die, so Virkus, so etwas wie \u00abeine M\u00f6nchengladbach-DNA\u00bb haben. Er nennt Lukas Ullrich und Moritz Nicolas, vor allem aber Rocco Reitz, den er nie abgeben w\u00fcrde, so sehr sei der Name dieses Spielers \u2013 trotz dessen nur 23 Jahren \u2013 seit den Junioren mit der Borussia verbunden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Corpus Delicti und Reliquie: die Cola-B\u00fcchse, die 1971 den St\u00fcrmer Roberto Boninsegna traf.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"4256\" height=\"2832\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Corpus Delicti und Reliquie: die Cola-B\u00fcchse, die 1971 den St\u00fcrmer Roberto Boninsegna traf. <\/p>\n<p>Imago<\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" alt=\"Nach dem B\u00fcchsenwurf: Roberto Boninsegna von Inter Mailand l\u00e4sst sich vom Platz tragen.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"3119\" height=\"2375\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Nach dem B\u00fcchsenwurf: Roberto Boninsegna von Inter Mailand l\u00e4sst sich vom Platz tragen. <\/p>\n<p>Imago<\/p>\n<p> Trainer Seoane sieht sich am richtigen Ort<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sauiju1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte Virkus beklagen, dass die Gegenwart l\u00e4ngst nicht so schillernd ist wie die Vergangenheit. Bloss: Welcher andere Klub mit Tradition, aber beschr\u00e4nkten Mitteln ist schon in der Lage, eine solche Geschichte derart opulent zu inszenieren wie die Gladbacher?<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sq1l3v1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Werder Bremen, immerhin Sieger im Europacup der Pokalsieger, weiss nicht so recht, was es mit der erfolgreichen \u00c4ra unter Otto Rehhagel in den 1980er und 1990er Jahren anfangen soll. Borussia Dortmund ist so ambitioniert, dass man sich einen R\u00fcckgriff auf die eigene Geschichte, so reich sie auch sein mag, nicht gestatten w\u00fcrde. Bei den Gladbachern ist das anders, gerade das hebt sie heraus \u2013 und illustriert, in welch ebenso einzig- wie eigenartiger Lage sie sind.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sauijv1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Gerardo Seoane, der Coach, sieht sich jedenfalls am richtigen Ort. Da ist zum einen <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/sport\/fussball\/favre-flieht-aus-moenchengladbach-ld.753823\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der starke Bezug des Klubs zur Schweiz, der einst von Lucien Favre begr\u00fcndet wurde<\/a>, als er Gladbach trainierte; mit Nico Elvedi und Jonas Omlin sind immer noch zwei Schweizer Spieler im Kader. Die Bundesliga hat Seoane nach seinen Triumphen mit YB in Leverkusen kennengelernt, mit M\u00f6nchengladbach ist er nun in seine dritte Saison gestartet.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sb6crd1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Zum anderen wegen der Bodenst\u00e4ndigkeit, die ihm in den Sinn kommt, wenn er \u00fcber den Klub redet: \u00abMan ist bodenst\u00e4ndig, aber man ist ambitioniert, man hat eine breite Brust. Ich komme ja aus Luzern, da ist es \u00e4hnlich: Ich erlebe die Leute dort und hier als bodenst\u00e4ndig und dem\u00fctig.\u00bb Mit seinem Trainerteam, sagt der Schweizer, f\u00fchle er sich am Niederrhein ausgesprochen wohl. Was der Trainer aber auch sagt, wenn er auf die Troph\u00e4ensammlung blickt: \u00abIch finde, dass man das schon sehr ehren darf. Der Erfolg ist nicht weniger oder mehr wert, weil er vor vierzig Jahren oder vor zwanzig Jahren war.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sb16ce0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die M\u00f6nchengladbacher Herrlichkeit liegt allerdings eher f\u00fcnf als vier Jahrzehnte zur\u00fcck. Und wom\u00f6glich w\u00e4re das Gladbacher Milieu gar nicht so aussergew\u00f6hnlich, wenn sich die Erfolge seinerzeit nicht in einem ganz besonderen Klima ereignet h\u00e4tten. Mit jener Equipe, die die \u00abFohlenelf\u00bb genannt wurde und die einen Fussball spielte, der keine defensiven Fesseln kannte. Mit dem Trainer Hennes Weisweiler, mit Spielern wie Bonhof, Heynckes, Berti Vogts \u2013 und selbstverst\u00e4ndlich G\u00fcnter Netzer, jenem Mann, der mit einer an Penetranz grenzenden Beharrlichkeit als der erste Pop-Star des deutschen Fussballs bezeichnet wird. Aber es stimmt ja. Und M\u00f6nchengladbach ohne Netzer? Unvorstellbar. Zu dominant war sein Einfluss, zu pr\u00e4gend war der Mittelfeldspieler.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sb17cs0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\"><a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/sport\/der-heros-und-sein-herold-guenter-netzer-wird-75-jahre-alt-ld.1508627\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Netzer war der erste Protagonist des damals noch gar nicht existenten deutschen Fussball-Feuilletons.<\/a> In Karl Heinz Bohrer, einem Kulturkorrespondenten der \u00abFrankfurter Allgemeinen\u00bb, fand Netzer seinen Exegeten und Herold in einem. Und in jenem Masse, in dem die Bedeutung Bohrers wuchs (er galt als einer der bedeutendsten Intellektuellen der Bonner Republik), gl\u00e4nzte auch Netzer und mit ihm die Borussia ein wenig mehr.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4s3b0j30\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die ber\u00fchmte Wendung, wonach Netzer \u00abaus der Tiefe des Raumes kam\u00bb (tats\u00e4chlich hiess es: \u00abder aus der Tiefe des Raumes pl\u00f6tzlich vorstossende Netzer\u00bb), verdankt sich einer Beschreibung des Literaturkritikers und sp\u00e4teren \u00abMerkur\u00bb-Herausgebers Bohrer. Sie pr\u00e4gte die Wahrnehmung der M\u00f6nchengladbacher \u00fcber Jahrzehnte.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sp8da21\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Bohrer verfasste damit einen der einflussreichsten Texte, die \u00fcber den deutschen Fussball je geschrieben wurden. Und doch: \u00abAus der Tiefe des Raumes\u00bb klingt mittlerweile, da sich in M\u00f6nchengladbach Revival an Revival reiht, auch schon ein wenig antiquiert, \u00e4hnlich wie der gellende \u00abTor, Tor, Tor\u00bb-Schrei im Wochenschau-Stil des Reporters Herbert Zimmermann anl\u00e4sslich des deutschen WM-Triumphs im Jahr 1954.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Er pr\u00e4gte die Wahrnehmung der M\u00f6nchengladbacher \u00fcber Jahrzehnte: der Mittelfeldspieler G\u00fcnter Netzer (Mitte).\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"4064\" height=\"3072\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Er pr\u00e4gte die Wahrnehmung der M\u00f6nchengladbacher \u00fcber Jahrzehnte: der Mittelfeldspieler G\u00fcnter Netzer (Mitte). <\/p>\n<p>Imago<\/p>\n<p> Der Anspruch an den Manager Virkus ist hoch<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sb22b50\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Tempi passati. Die Herausforderungen der Gegenwart sind ganz andere, das wissen die Verantwortlichen. Virkus, der sich selbst unumwunden als Fussballromantiker bezeichnet, nennt keine Platzierungen. Er skizziert die Strategie: \u00abDie Frage ist: Schaffen wir es wieder, eigene Talente zumindest in die N\u00e4he des Profibereichs zu bringen? Und wir w\u00fcrden uns w\u00fcnschen, dass der ein oder andere dann auch durchgehen w\u00fcrde.\u00bb Rainer Bonhof sagt, die Borussia m\u00fcsse schauen, dass sie ihre \u00abHausaufgaben mache\u00bb, denn schliesslich gehe es darum, \u00abdass wir die n\u00e4chsten zwanzig, dreissig Jahre gut \u00fcberstehen k\u00f6nnen\u00bb.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sb22b70\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Ein Auftrag, der nicht zuletzt an den Sportdirektor geht. Fr\u00fcher, sagt Roland Virkus, sei es einfacher gewesen, Spieler zu entdecken. Dank Datenanalysten funktioniere der Transfermarkt heute v\u00f6llig anders: \u00abWir konnten noch ein paar Juwelchen finden, die andere nicht gefunden haben. Heutzutage findest du diese vielleicht nicht mehr, weil alles transparent ist. Du kannst \u00fcber Daten entdecken, man kann weltweit fast alle relevanten Spiele schauen.\u00bb Das Netzwerk habe fr\u00fcher eine gr\u00f6ssere Bedeutung gehabt, sagt Virkus.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j4sobj411\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">F\u00fcr den Manager ist das aber kein Grund, nostalgisch zu werden. Wenn es ideal laufe, sagt Virkus, dann habe die Borussia eine gute Mannschaft. Und schaut, als wolle er sagen: \u00abDas ist doch was.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gladbach feiert heuer sein 125-j\u00e4hriges Bestehen. 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