{"id":416364,"date":"2025-09-12T07:15:12","date_gmt":"2025-09-12T07:15:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/416364\/"},"modified":"2025-09-12T07:15:12","modified_gmt":"2025-09-12T07:15:12","slug":"kann-boulevardtheater-ohne-liebhaber-im-schrank-funktionieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/416364\/","title":{"rendered":"Kann Boulevardtheater ohne &#8222;Liebhaber im Schrank&#8220; funktionieren?"},"content":{"rendered":"<p>In der <a href=\"https:\/\/www.komoedie-muenchen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kom\u00f6die im Bayerischen Hof<\/a> (externer Link) in M\u00fcnchen muss das Publikum mal wieder ganz ohne Liebesaff\u00e4ren und Eifersuchtsdramen auskommen. Intendant Ren\u00e9 Heinersdorff startet mit der Krimi-Satire &#8222;Achtsam Morden&#8220; nach dem 2019 erschienenen Erfolgs-Roman von Karsten Dusse in die neue Saison. Da geht es um einen biederen Anwalt, der mehr oder weniger zuf\u00e4llig zum Mafiaboss wird. Die Regie f\u00fchrt Pascal Breuer.<\/p>\n<p>&#8222;Mich erinnert das an Breaking Bad&#8220;<\/p>\n<p>Blutig geht\u00b4s zu, was nat\u00fcrlich als Persiflage auf die groteske Ratgeber-Literatur und auf \u00fcberdrehte Fernsehkrimis zu verstehen ist. Heinersdorff selbst \u00fcbernahm die Hauptrolle: &#8222;Mich hat das sehr stark erinnert an die amerikanische Serie &#8218;Breaking Bad&#8216;, wo ja auch der ganz spie\u00dfige Lehrer durch einen Zufall einen Mord begeht und dadurch pl\u00f6tzlich f\u00fcr jemand gehalten wird, der offensichtlich Macht hat. Ganz \u00e4hnlich ist es hier mit meiner Figur, mit diesem Bj\u00f6rn Diemel.&#8220;<\/p>\n<p>Dem &#8222;passiere&#8220; sein erster Mord, so Heinerdorff, mit weitreichenden Folgen: &#8222;Auf einmal merkt er, oh, das verschafft mir Respekt. Jetzt komme ich da weiter, jetzt machen die anderen was, und er will das alles eigentlich gar nicht und steigt immer h\u00f6her auf in der Hierarchie der Mafia und hat dabei eigentlich nur ein Ziel den ganzen Abend: Er m\u00f6chte einen Kindergartenplatz f\u00fcr seine Tochter.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Dar\u00fcber kann man doch keine Witze machen&#8220;<\/p>\n<p>Was auff\u00e4llt: An der traditionsreichen Kom\u00f6die standen in den letzten Monaten h\u00e4ufiger St\u00fccke zur Auswahl, die sich mit Gesellschaftskritik befassten. Da ging es um Machenschaften in der katholischen Kirche, um die plastische Chirurgie und um die seelischen Verw\u00fcstungen, die ein Lottogewinn anrichten kann. Ren\u00e9 Heinersdorff: &#8222;Wir glauben einfach, dass die Themen des Boulevards sich weiter auff\u00e4chern m\u00fcssen und wir vor allem lernen m\u00fcssen, dass auch heikle Themen humoristisch angegangen werden k\u00f6nnen. Wir erleben nat\u00fcrlich, dass Leute dann sagen, dar\u00fcber kann man doch keine Witze machen.&#8220;<\/p>\n<p>Er pers\u00f6nlich sei gleichwohl ein gro\u00dfer Fan von Liebeskom\u00f6dien: &#8222;Wir wollen sie auch nicht auf alle Ewigkeit verdammen. Wir werden auch bei acht Produktionen pro Saison zwei oder drei Kom\u00f6dien machen, wo ein Liebhaber im Schrank steht. Aber ich finde es total wichtig, dass so ein Abend wie heute auch den Spielplan einfach erweitert und erg\u00e4nzt.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Im Vordergrund steht Unterhaltung&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcndig wird der Intendant \u00fcbrigens h\u00e4ufig in Paris, beim franz\u00f6sischen zeitgen\u00f6ssischen Unterhaltungstheater. Was dort funktioniert, begeistert oft, aber keineswegs immer auch das deutsche Theaterpublikum: &#8222;In London ist die Boulevard-Szene ein bisschen zusammengebrochen, auch aufgrund der Ambitionen vieler Autoren wie Sam Shepard oder Ben Elton oder Alan Ayckbourn, die alle nat\u00fcrlich versuchten, st\u00e4rker in Richtung Feuilleton zu denken, in Richtung Literaturpreis, das ist in Paris nicht der Fall.&#8220;<\/p>\n<p>In Paris liefen 30 Boulevardtheater gleichzeitig, und die seien alle voll: &#8222;Da sind nat\u00fcrlich auch sehr viele sehr lapidare Kom\u00f6dien dabei. Allerdings haben auch die immer eine gewisse Gesellschaftskritik, die ist immer dabei, aber im Vordergrund steht nat\u00fcrlich die Unterhaltung und das ist f\u00fcr uns als g\u00e4nzlich unsubventioniertes Haus nat\u00fcrlich ein ganz entscheidendes Kriterium, dass die Leute rausgehen und sich unterhalten haben.&#8220;<\/p>\n<p>Kom\u00f6die im Bayerischen Hof muss 400.000 Euro zur\u00fcckzahlen<\/p>\n<p>Finanziell sehe es gut aus in der Kom\u00f6die im Bayerischen Hof, doch sorgenfrei ist der Saisonstart f\u00fcr Ren\u00e9 Heinersdorff keineswegs: &#8222;Wir haben eine sehr erfolgreiche Spielzeit hinter uns. Man ist dann immer erschrocken, wie schnell im Sommer das, was man sich im Winter angefressen hat, hinwegschmilzt. Es kommt hinzu, dass wir zwei gro\u00dfe Probleme zu bew\u00e4ltigen haben. Zum einen die Ert\u00fcchtigung und Instandsetzung des Hauses. Hier ist viel im Argen geblieben \u00fcber die letzten Jahre, was wir nun aufholen m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p>Au\u00dferdem verweist er in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Privattheatergruppe im Deutschen B\u00fchnenverein auf die erheblichen Coronahilfen-R\u00fcckforderungen, gegen die die betroffenen H\u00e4user &#8222;relativ machtlos&#8220; seien: &#8222;Das Geld, das damals gro\u00dfz\u00fcgig ausgesch\u00fcttet worden ist, ist nat\u00fcrlich genutzt worden f\u00fcr die Theater, und wenn jetzt pl\u00f6tzlich die R\u00fcckforderungen kommen, kann das schon existenzgef\u00e4hrdend sein.&#8220;<\/p>\n<p>Rund 400.000 Euro muss die Kom\u00f6die zur\u00fcckzahlen, so der Intendant. Das sind viele Karten, aber die umsatzst\u00e4rkste Jahreszeit nach dem Oktoberfest steht ja unmittelbar bevor. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In der Kom\u00f6die im Bayerischen Hof (externer Link) in M\u00fcnchen muss das Publikum mal wieder ganz ohne Liebesaff\u00e4ren&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":416365,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[109697,772,29,30,109696,78265,1268,2339,30884],"class_list":{"0":"post-416364","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-achtsam-morden","9":"tag-bayern","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-karsten-dusse","13":"tag-komoedie-im-bayerischen-hof","14":"tag-muenchen","15":"tag-oberbayern","16":"tag-rene-heinersdorff"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115190099109633904","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/416364","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=416364"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/416364\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/416365"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=416364"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=416364"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=416364"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}