{"id":416834,"date":"2025-09-12T11:37:28","date_gmt":"2025-09-12T11:37:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/416834\/"},"modified":"2025-09-12T11:37:28","modified_gmt":"2025-09-12T11:37:28","slug":"zwischen-lufthansa-und-piloten-wird-es-wieder-ernst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/416834\/","title":{"rendered":"Zwischen Lufthansa und Piloten wird es wieder ernst"},"content":{"rendered":"<p>FRANKFURT &#8211; Vor der n\u00e4chsten Reisewelle im Herbst spitzt sich der Tarifkonflikt bei Lufthansa zu. Die Gewerkschaft der Piloten der Lufthansa-Kernmarken und der Arbeitgeber stehen sich unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber. Die Vereinigung Cockpit hat sich mit einer Urabstimmung unter Zugzwang gesetzt.<\/p>\n<p>Wenn jetzt die Urabstimmung unter den Piloten der Lufthansa und der Lufthansa Cargo beginnt, scheint ein Streik kaum noch vermeidbar zu sein.<\/p>\n<p>Auch wenn der exakte Zeitplan nicht feststeht: M\u00f6glicherweise schon zum Auftakt der hessischen Herbstferien am 3. Oktober m\u00fcssen sich Passagiere auf Ausf\u00e4lle und Versp\u00e4tungen einrichten, wenn sie mit der Kernmarke Lufthansa fliegen wollen.<\/p>\n<p>Erneut haben sich die m\u00e4chtige Spartengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und das Management um Personalvorstand Michael Niggemann so ineinander verkeilt, dass eine schnelle Verhandlungsl\u00f6sung kaum m\u00f6glich erscheint.<\/p>\n<p><strong>Um was dreht sich der Konflikt?<\/strong><\/p>\n<p>Bereits im Mai hat die Tarifkommission der VC das Unternehmen zu Verhandlungen \u00fcber die betriebliche Altersversorgung aufgefordert. Diese ist in einem gek\u00fcndigten Tarifvertrag geregelt und sieht f\u00fcr die rund 4.800 Piloten eine Betriebsrente und in einem zweiten Vertrag eine \u00dcbergangsversorgung vor, wenn sie schon vor Erreichen des Rentenalters den aktiven Flugdienst quittieren.<\/p>\n<p>Nach Vorgaben der europ\u00e4ischen Flugsicherheitsbeh\u00f6rde EASA d\u00fcrfen Verkehrspiloten bis 65 fliegen. Bei Lufthansa d\u00fcrfen sie fr\u00fchestens mit 55 Jahren in den Vorruhestand gehen.<\/p>\n<p><strong>Was fordert die Gewerkschaft?<\/strong><\/p>\n<p>Im Prinzip verlangt die Gewerkschaft deutlich h\u00f6here Beitr\u00e4ge des Arbeitgebers zu den Betriebsrenten. Noch bis 2017 hatte der Konzern die absolute H\u00f6he der Rentenzahlungen garantiert, um dann nach einem Arbeitskampf mit 14 Streikwellen im Einvernehmen mit der VC das System umzustellen. Seitdem ist f\u00fcr die Piloten nur noch die H\u00f6he des Arbeitgeberbeitrags in die Fonds garantiert.<\/p>\n<p>Das Risiko geringer Zinsen und damit deutlich kleinerer Renten tragen seitdem die Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p>Die damaligen Rendite-Erwartungen seien mit &#8222;ein bis zwei Prozent&#8220; deutlich unterschritten worden, sagt Tarifkommissionssprecher Arne Karstens. Man wolle zwar bei einem kapitalbasierten Modell bleiben, doch die Beitr\u00e4ge des Konzerns m\u00fcssten auf neuen Berechnungsgrundlagen deutlich steigen.<\/p>\n<p><strong><a style=\"font-weight:bold !important;\" title=\"VCA\" href=\"https:\/\/www.aero.de\/news-50629\/Was-die-Piloten-konkret-von-Lufthansa-fordern.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cockpit rechnet einen Beispielfall vor:<\/a><\/strong> &#8222;Bei einem Grundgehalt von 10.000 Euro und 3.000 Euro Zulagen zahlt der Arbeitgeber aktuell rund 820 Euro.&#8220; Dieser Beitrag w\u00fcrde mit den VC-Forderungen um rund 1.800 Euro im Monat steigen.<\/p>\n<p><strong>Was hat die Lufthansa angeboten?<\/strong><\/p>\n<p>Das Unternehmen \u00e4u\u00dfert sich offiziell nicht zu den laufenden Verhandlungen. Nach Darstellung der VC hat der Arbeitgeber in bislang sieben Verhandlungsrunden substanzielle Erh\u00f6hungen der Rentenbeitr\u00e4ge verweigert und dies mit der schlechten wirtschaftlichen Lage bei der Lufthansa-Kerngesellschaft begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Diese hat im vergangenen Jahr Verlust eingeflogen und durchl\u00e4uft ein umfangreiches Sanierungsprogramm. Der Gesamtkonzern ist hingegen profitabel.<\/p>\n<p>Die Cockpit-Forderungen laufen auf rund 100 Millionen Euro zus\u00e4tzliche Beitragslast f\u00fcr Lufthansa pro Jahr hinaus &#8211; f\u00fcr das Lufthansa-Management ist das auch mit Blick auf niedriger tarifierte Flugbetriebe und Pilotengruppen im Konzern kaum erf\u00fcllbar.<\/p>\n<p><strong>Wie schnell k\u00f6nnte der Streik kommen?<\/strong><\/p>\n<p>Die VC h\u00e4lt sich bislang bedeckt, wann genau die Urabstimmung endet. Angek\u00fcndigt ist &#8222;Ende des Monats&#8220; September. Ob dann gleich ein exakter Streik-Termin genannt wird, ist ebenfalls offen. Denkbar ist ein Arbeitskampf zum Auftakt der Herbstferien in Hessen, Sachsen und Th\u00fcringen, die schon mit dem Einheits-Feiertag am 3. Oktober beginnen.<\/p>\n<p>Die VC verlangt von ihren Mitgliedern einen starken R\u00fcckhalt f\u00fcr den Arbeitskampf. Bei der Urabstimmung m\u00fcssen 70 Prozent aller betroffenen Mitglieder zustimmen. Wer nicht an der Abstimmung teilnimmt, wird als Nein-Stimme gewertet. Zuletzt streikten die Piloten bei der Kerngesellschaft im Jahr 2022 einen Tag lang.<\/p>\n<p><strong>Warum stehen sich beide Seiten so unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber?<\/strong><\/p>\n<p>Die VC achtet peinlich darauf, sich \u00f6ffentlich nur zu ihren Forderungen in dem offenen Tarifvertrag zu \u00e4u\u00dfern. Doch im Hintergrund schwelt seit Jahren ein Gro\u00dfkonflikt, der sich auch hinter verschlossenen T\u00fcren nicht l\u00f6sen lie\u00df.<\/p>\n<p> Der Konzernvorstand um den Vorsitzenden Carsten Spohr hat die neuen Flugbetriebe City Airlines und Discover mit dem erkl\u00e4rten Ziel gegr\u00fcndet, dort zu kosteng\u00fcnstigeren Tarifbedingungen zu fliegen, als sie bei der Lufthansa-Kernmarke, der Cargo sowie der Regionaltochter Lufthansa Cityline gelten.<\/p>\n<p>Wachstum k\u00f6nne nur dort stattfinden, wo Geld verdient wird, hat Spohr mehrfach klargestellt. &#8222;Wir werden sehen wo die Verhandlungen uns da hinf\u00fchren&#8220;, sagte der Lufthansa-Chef diese Woche in Frankfurt mit Blick auf den Tarifkonflikt. Lufthansa Classic k\u00f6nne erst dann wieder wachsen, wenn ihr &#8222;Kostennachteil&#8220; geschlossen werde.<\/p>\n<p>Beim Ferienflieger Discover wurden bereits Tarifvertr\u00e4ge mit der konkurrierenden Gewerkschaft Verdi geschlossen, w\u00e4hrend die Spartengewerkschaften VC f\u00fcr die Piloten und Ufo f\u00fcr das Kabinenpersonal au\u00dfen vor blieben. Das d\u00fcrfte sich bei der City Airlines wiederholen.<\/p>\n<p>Die beiden Gewerkschaften wollen schon aus Eigeninteresse verhindern, dass immer mehr Flugzeuge und damit Arbeitspl\u00e4tze zu den j\u00fcngeren und kosteng\u00fcnstigeren Betrieben verlagert werden.<\/p>\n<p>\u00a9 dpa-AFX, aero.de | Abb.: Lufthansa | 12.09.2025 10:45<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"FRANKFURT &#8211; Vor der n\u00e4chsten Reisewelle im Herbst spitzt sich der Tarifkonflikt bei Lufthansa zu. 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