{"id":416888,"date":"2025-09-12T12:07:11","date_gmt":"2025-09-12T12:07:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/416888\/"},"modified":"2025-09-12T12:07:11","modified_gmt":"2025-09-12T12:07:11","slug":"temu-deutschlands-und-europas-digitale-selbstzerstoerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/416888\/","title":{"rendered":"Temu \u2013 Deutschlands und Europas digitale Selbstzerst\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/matthias-weik-wikipedia-mit-lizenz-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-363749 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/matthias-weik-wikipedia-mit-lizenz-scaled.jpg\" alt=\"Matthias Weik\" width=\"1200\"\/><\/a>Matthias Weik. Foto: Goodwil4life &#8211; Eigenes Werk. Lizenz: CC BY-SA 4.0 https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/<\/p>\n<p>2024 hat die chinesische Shopping-App Temu den europ\u00e4ischen Kontinent im Sturm erobert. Von Spanien bis Polen, von Irland bis Griechenland. Kein Anbieter aus der Europ\u00e4ischen Union (EU), sondern Temu f\u00fchrt fast \u00fcberall die Download-Charts an. Millionen Europ\u00e4er bestellen dort direkt aus China t\u00e4glich Produkte zu Dumpingpreisen. F\u00fcr manch einen ist das nur ein neuer Trend im Onlinehandel. In Wahrheit aber ist Temu ein Symbol f\u00fcr den schleichenden Selbstmord des europ\u00e4ischen Wirtschaftsmodells.<\/p>\n<p>Temu \u2013 Sieg der Bequemlichkeit \u00fcber Vernunft<\/p>\n<p>Temu steht f\u00fcr ein simples, aber gnadenlos effektives Prinzip. Die Devise lautet maximale Bequemlichkeit und minimale Preise. Exakt das, was die Mehrheit der Verbraucher in der EU offenkundig m\u00f6chte. Die wenigsten interessiert Nachhaltigkeit oder Fairness oder gar, dass die europ\u00e4ische Wertsch\u00f6pfung dabei unter die R\u00e4der kommt.<\/p>\n<p>Die Botschaft ist vollkommen klar. Die Zukunft des digitalen Konsums wird nicht von europ\u00e4ischen Anbietern, sondern einer chinesischen Plattform gepr\u00e4gtDie deutsche und EU-Politik spricht von Transformation, Nachhaltigkeit und Werten. Die B\u00fcrger f\u00fcttern jedoch lieber bereitwillig ein Gesch\u00e4ftsmodell, das genau all diese Prinzipien ignoriert. Temu ist das beste und sichtbarste Beispiel wie weit sich die B\u00fcrger Europas von ihren Politikern entfernt haben.<\/p>\n<p>Die Doppelmoral Europas \u2013 und besonders Deutschlands<\/p>\n<p>Deutschland \u2013 oder besser gesagt Teile seiner Politik \u2013 inszenieren sich gerne als moralische Weltmacht. Mit erhobenem Zeigefinger reisen Politiker rund um den Globus. Sie predigen Umweltschutz, Arbeitnehmerschutz, Lieferkettengesetze und strenge Umweltauflagen. Sie versch\u00e4rfen damit Jahr f\u00fcr Jahr die Belastungen f\u00fcr die heimische Wirtschaft und machen den Standort im internationalen Wettbewerb immer unattraktiver. Folglich werden die in Deutschland produzierten Produkte kontinuierlich immer teurer. Doch an teuer haben offenkundig immer weniger Interesse oder sie k\u00f6nnen es sich auf Grund der aktuellen wirtschaftlichen Lage \u2013 auch Dank immer h\u00f6herer Steuern und Abgaben \u2013 schlicht und einfach nicht mehr leisten.<\/p>\n<p>Temu kann billig \u2013 Umweltschutz, Arbeitnehmerschutz und Menschenrechte \u2013 wen interessierts?<\/p>\n<p>Nicht nur Deutschlands Verbraucher, sondern auch unsere europ\u00e4ischen Nachbarn bestellen begeistert bei Temu. Bei der Plattform aus China spielen Umweltschutz, Arbeitnehmerschutz und Menschenrechte nicht die allergr\u00f6\u00dfte Rolle. Die Konsumenten interessiert dies jedoch offenkundig, in Anbetracht der gigantischen Anzahl an Paketen (laut Reuters wurden 2024 t\u00e4glich etwa 400\u202f000 Pakete von Temu (gemeinsam mit Shein) nach Deutschland verschickt) herzlich wenig.<\/p>\n<p>Die Ironie k\u00f6nnte bitterer kaum sein:<\/p>\n<ul>\n<li>Deutschland und die EU versch\u00e4rfen fortw\u00e4hrend Umweltauflagen. Produkte aus Fernost produziert unter Bedingungen, die hierzulande undenkbar w\u00e4ren, str\u00f6men daf\u00fcr zollfrei ins Land.<\/li>\n<li>Deutschlands Politiker und Gewerkschafter predigen Arbeitnehmerrechte. Die B\u00fcrger kaufen daf\u00fcr Ware, bei der niemand nach fairen L\u00f6hnen oder Arbeitsbedingungen fragt.<\/li>\n<li>Die Politik spricht von europ\u00e4ischer Souver\u00e4nit\u00e4t. Die B\u00fcrger liefern Geld und Daten nach China.<\/li>\n<\/ul>\n<p>So wird mit Ansage unser eigener Standort zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die \u00f6konomische Selbstzerst\u00f6rung<\/p>\n<p>Deutschland und Europa verlieren in dreifacher Hinsicht:<\/p>\n<ul>\n<li>Wirtschaftlich: Geld und Wertsch\u00f6pfung flie\u00dfen nach China. Gleichzeitig werden heimische Anbieter verdr\u00e4ngt.<\/li>\n<li>Gesellschaftlich: Wir halten uns selbst zum Narren, indem wir Nachhaltigkeit predigen, aber in der Praxis genau das Gegenteil machen.<\/li>\n<li>Kulturell: weil sie preislich mit China nicht mithalten k\u00f6nnen, werden Europ\u00e4ische Innovationen ignoriert oder aus dem Markt gedr\u00e4ngt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer die Meinung vertritt, dass diese Entwicklung nur ein tempor\u00e4rer Trend ist, leidet unter Realit\u00e4tsverlust. Temu ist nicht die Ausnahme. Temu ist die Blaupause f\u00fcr das, was auf uns in atemberaubender Geschwindigkeit zurollt.<\/p>\n<p>Die Rolle der Politik: Realit\u00e4tsverweigerung<\/p>\n<p>Die EU-Politik feiert sich f\u00fcr das Lieferkettengesetz, CO\u2082-Bepreisung und immer neue B\u00fcrokratiemonster. Chinesische Plattformen rollen den Markt auf. In der EU und insbesondere in Deutschland werden Unternehmen systematisch stranguliert, anstatt Standortbedingungen zu verbessern. Energiepreise liegen weit \u00fcber internationalem Niveau. B\u00fcrokratie w\u00e4chst unvermindert, anstatt endlich radikal abgebaut zu werden. Investitionen werden durch politische Unsicherheit blockiert. Und w\u00e4hrenddessen predigen Ministerinnen und Minister weltweit hehre Ziele. Sie merken dabei nicht, dass die Basis unseres Wohlstands \u2013 kurzum die industrielle und digitale Wertsch\u00f6pfung \u2013 schleichend zerbricht.<\/p>\n<p>Ein Kontinent ohne Selbstvertrauen<\/p>\n<p>Es ist nicht China, das Europas digitale Zukunft zerst\u00f6rt. Europa und Deutschland vorneweg zerst\u00f6rt sie selbst. Wir haben weltklasse Ingenieure, Kreative und Unternehmer. Doch wir lassen sie gegen Mauern aus B\u00fcrokratie, Abgaben und politischer Ideologie anrennen und wundern uns dann, wenn immer mehr Hochqualifizierte ihr Gl\u00fcck im Ausland suchen. China investiert, skaliert und expandiert. Deutschland und die EU diskutieren \u00fcber Verbote, Abgaben, Regulierungen, neue Steuern und Abgaben und Quoten. Die USA f\u00f6rdern ihre Tech-Giganten. Deutschland und die EU strangulieren ihre Unternehmen mit Regulierungen und steuerlichen Belastungen.<\/p>\n<p>Temu ist kein kurzfristiger Hype, sondern ein Menetekel<\/p>\n<p>Temu zeigt herrlich deutlich wie bereitwillig die Europ\u00e4er f\u00fcr ein paar Euro Ersparnis ihre Werte, ihre Industrie und ihre Zukunft opfern. Die bittere Wahrheit lautet, dass nicht China Deutschland zerst\u00f6rt, sondern Deutschland sich selbst. Aus moralischer \u00dcberheblichkeit und politischer Kurzsichtigkeit. Aus der Gier nach dem billigsten Angebot. Wenn wir so weitermachen, wird der \u201eStandort Deutschland\u201c bald nur noch eine historische Fu\u00dfnote sein. Die digitale Zukunft wird l\u00e4ngst in China und den USA entschieden.<\/p>\n<p><a class=\"eoc btn\" href=\"#comments\">Kommentare lesen und schreiben, hier klicken<\/a>  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Matthias Weik. Foto: Goodwil4life &#8211; Eigenes Werk. 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