{"id":417871,"date":"2025-09-12T20:58:14","date_gmt":"2025-09-12T20:58:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/417871\/"},"modified":"2025-09-12T20:58:14","modified_gmt":"2025-09-12T20:58:14","slug":"dokumentarfilm-koennen-wir-unserem-gedaechtnis-trauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/417871\/","title":{"rendered":"Dokumentarfilm &#8211; k\u00f6nnen wir unserem Ged\u00e4chtnis trauen?"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>interview<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 12.09.2025 19:55 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>In Amerika ist Elizabeth Loftus eine Ber\u00fchmtheit &#8211; als Psychologin war sie bei Prozessen um Harvey Weinstein oder Kevin Spacey dabei. Ihr Spezialgebiet ist die Erinnerung. Regisseur Hendrik L\u00f6bbert hat nun einen Dokumentarfilm \u00fcber sie gedreht.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>NDR Kultur:<\/strong> &#8222;Memory Wars&#8220;, also Erinnerungskriege. Warum haben Sie so einen martialischen Titel gew\u00e4hlt f\u00fcr Ihren Film?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>Hendrik L\u00f6bbert:<\/strong> Ich habe auch schon dar\u00fcber nachgedacht, ob das etwas zu martialisch ist, aber es gab tats\u00e4chlich einfach diese entscheidende Auseinandersetzung in den 1990-ern, die vor allem in den USA ausgefochten worden ist, zwischen zwei Ideen, wie Erinnerung funktioniert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Da gab es auf der einen Seite die Idee, dass man Erinnerung abspalten kann, wenn die besonders traumatisch ist und \u00fcber Jahre vergessen kann, was passiert ist. Das bezog sich vor allem auf sexuellen Missbrauch damals.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und auf der anderen Seite gab es Leute, Wissenschaftlerinnen wie Elisabeth Loftus, die an dieser Art von Abspaltung von kompletten Erinnerungen gezweifelt haben. Diese Phase hatte diesen konkreten Namen, und das war f\u00fcr mich von Anfang an der Arbeitstitel.<\/p>\n<p>    Lange Forschungsarbeit<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>NDR Kultur:<\/strong> Das ist ja tats\u00e4chlich auch genau die Dame, die im Zentrum ihres Films steht, der seit gestern in den Kinos in Deutschland zu sehen ist: Elizabeth Loftus, US-amerikanische Psychologin. Was hat Sie an Ihrer Arbeit so sehr fasziniert?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>L\u00f6bbert:<\/strong> Ich habe das erste Mal Elisabeth Loftus 2016 f\u00fcr eine Fernsehdokumentation als eine von mehreren Protagonistinnen vor der Kamera gehabt. Mir war damals schon klar, dass sie heraussticht aus dem Zirkel, weil sie vor Gericht als Expertin ihre eigene Forschung vertritt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sie forscht selber seit den 1970er-Jahren zu Augenzeugenerinnerungen beziehungsweise zu der Fehlbarkeit von Augenzeugenerinnerungen und wird seit den 1970ern auch in gro\u00dfe US-Prozesse einbezogen auf der Seite der Angeklagten, um vor der Jury den Jurymitgliedern zu erkl\u00e4ren, dass den Augenzeugen, die vor Gericht auftreten, nicht immer zu trauen ist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und diese Kombination aus Wissenschaftlerin und Expertin in diesen gro\u00dfen F\u00e4llen hat f\u00fcr mich daf\u00fcr gesprochen, dass man einen Film \u00fcber Wahrheit drehen kann: aus unterschiedlichen Perspektiven anhand einer Figur.<\/p>\n<p>    Kritik von Opferverb\u00e4nden<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>NDR Kultur:<\/strong> F\u00fcr all das ist Elizabeth Loftus von Opferverb\u00e4nden durchaus kritisiert worden. Finden Sie das berechtigt?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>L\u00f6bbert:<\/strong> Ja, das geh\u00f6rt auch dazu. Und das geh\u00f6rt auch mit zu der Wahrheit. Also, es ist nicht so einfach. Ich m\u00f6chte mit dem Film eigentlich erreichen, dass man wieder ins Gespr\u00e4ch kommt. Elizabeth Loftus ist durch ihre Forschung auch eine Art Aktivistin, weil sie auch nur ganz bestimmte Sachen erforscht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Oft ist es die Fehlbarkeit von den Erinnerungen von Opferzeugen. Und dadurch macht sie sich nat\u00fcrlich auch angreifbar. Denn das ist eine sehr einseitige wissenschaftliche Sicht, die aber nicht falsch ist. Ich glaube, die Anfeindungen sind aus der Sicht der Opfer total berechtigt. Es ist schwer genug, wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht zu gehen und die T\u00e4ter anzuklagen. Nat\u00fcrlich erleben die das, was Elizabeth Loftus vor Gericht macht, als Ohrfeige.<\/p>\n<p>    Theorien der Erinnerung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>NDR Kultur:<\/strong> Wie zuverl\u00e4ssig ist unser Ged\u00e4chtnis, gerade wenn es um Ausnahmesituationen wie Unf\u00e4lle oder schwere Verbrechen geht?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>L\u00f6bbert:<\/strong> Ich glaube, im Generellen ist unser Ged\u00e4chtnis ziemlich fabelhaft. Es funktioniert extrem gut und wir k\u00f6nnen viel erinnern und wir k\u00f6nnen viel damit machen. Der Zweifel tritt ja nur dann auf, wenn es um genau solche Situationen geht, die vor Gericht verhandelt werden und wo es zwei Variationen gibt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und da kommt im Film die Theorie dazu: E s geht um &#8222;Happening Truths&#8220; und &#8222;Story Truths&#8220;, also das, was tats\u00e4chlich passiert ist und das, was wir uns erz\u00e4hlen, was passiert ist. Im Leben ist das total normal, dass wir Sachen sch\u00f6nreden oder anders kausal zusammenbringen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nur vor Gericht gibt es das Problem, dass es um ein Urteil geht und da ist entscheidend, dass jedes Detail stimmt. Geschichten, die wir uns erz\u00e4hlen, k\u00f6nnen sich auch total ver\u00e4ndern. Da kann es dann sein, dass der Fisch, den wir vor zehn Jahren gefangen haben, mit jeder Erz\u00e4hlung ein paar Kilo schwerer wird. Das ist in Ordnung, da geht es ja auch um nichts. Da geht es einfach nur um eine sch\u00f6ne Geschichte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Keno Bergholz f\u00fcr NDR Kultur. Es wurde f\u00fcr eine bessere Lesbarkeit leicht redigiert und gek\u00fcrzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"interview Stand: 12.09.2025 19:55 Uhr In Amerika ist Elizabeth Loftus eine Ber\u00fchmtheit &#8211; als Psychologin war sie bei&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":417872,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1771],"tags":[1778,29,1903,214,20475,30,95,1777,13353,215],"class_list":{"0":"post-417871","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kino","8":"tag-cinema","9":"tag-deutschland","10":"tag-dokumentarfilm","11":"tag-entertainment","12":"tag-erinnerung","13":"tag-germany","14":"tag-kino","15":"tag-movie","16":"tag-psychologie","17":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115193335712641882","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/417871","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=417871"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/417871\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/417872"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=417871"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=417871"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=417871"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}